Gut bezahlte Ausbildungen: Mit Top-Gehalt durch die Lehrjahre
Viele Ausbildungsberufe sind besser bezahlt als ihr Ruf vermuten lässt. Fluglotsen führen die Liste mit einem möglichen Jahresgehalt von bis zu 170.500 Euro an, erfordern aber Abitur und Eignungstests. Softwareentwickler können bis zu 92.200 Euro verdienen, wobei mathematische Fähigkeiten von Vorteil sind. Immobilienmakler erzielen bis zu 71.600 Euro, wobei kaufmännische Kenntnisse und Kommunikationsfähigkeit wichtig sind. Bankkaufleute können bis zu 69.700 Euro verdienen und benötigen mindestens einen Realschulabschluss. Polizisten können bis zu 62.700 Euro erreichen, wobei körperliche Fitness und Führerschein erforderlich sind. Die tatsächlichen Gehälter variieren je nach Bundesland und Dienstgrad.
Lehrjahre sind keine Herrenjahre? Das stimmt – aber nicht unbedingt für alle. Wer beim Berufseinstieg die richtige Wahl trifft, verdient schon während der Ausbildung deutlich mehr als der Durchschnitt. Wir sagen dir auf Basis aktueller Daten, welche Ausbildungen in Deutschland gut bezahlt werden.
Ausbildungen sind voll im Trend
Nach dem Schulabschluss muss man studieren? Von wegen: Ausbildungen gelten in Deutschland wieder zunehmend als attraktive Alternative zum Studium. Diese Entwicklung wird durch den Fachkräftemangel und die hohe Nachfrage nach qualifizierten Handwerker:innen und Fachkräften getrieben.
Außerdem lassen sich praktische Berufe nicht so leicht automatisieren wie rein bürogebundene Tätigkeiten: Gerade bei den hands-on-Tätigkeiten wird es wohl noch ein bisschen länger dauern, bis KI & Co. sie ersetzen können.
Auch weil es momentan so eine große Nachfrage nach Fachkräften gibt, kannst du mit einem Ausbildungsberuf richtig gutes Geld verdienen – und das oft schon während der Lehrzeit. Geld ist zwar bei der Berufswahl nicht alles, aber in einer material world eben doch ein wichtiger Aspekt.
Die Ausbildungsgehälter sind deutlich gestiegen
Laut dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) sind die tariflichen Ausbildungsvergütungen 2025 im bundesweiten Durchschnitt um 6,7 Prozent gestiegen: Das ist der stärkste Anstieg seit 1992. Im Schnitt erhalten Auszubildende in tarifgebundenen Betrieben 1.209 Euro brutto pro Monat über alle Ausbildungsjahre hinweg.
Wer eine der bestbezahlten Ausbildungen wählt, liegt oft noch deutlich darüber. Damit du für deine Zukunft finanziell gut aufgestellt bist, haben wir fünf Ausbildungsberufe für dich, mit denen du von Anfang an mehr verdienst als andere. Die Basis bilden die aktuellen BIBB-Daten aus dem Jahr 2025.
Das sind die bestbezahlten Ausbildungen
- Milchtechnologe/-technologin
- Kauffrau/Kaufmann für Versicherungen & Finanzanlagen
- Milchwirtschaftliche/-r Laborant/-in
- Bankkauffrau/Bankkaufmann
- Anlagenmechaniker/-in
Hinweis: Die BIBB-Daten erfassen ausschließlich Berufe nach BBiG/HwO im dualen System. Die Werte gelten für tarifgebundene Betriebe und sind Brutto-Durchschnitte. Regional und je nach Unternehmen kann die tatsächliche Vergütung abweichen.
Platz 1: Milchtechnologe/-technologin
Wer bei „Ausbildung mit Topgehalt“ an Banken oder Versicherungen denkt, wird hier eines Besseren belehrt: Der am besten bezahlte Ausbildungsberuf Deutschlands kommt aus der Milchwirtschaft. Mit einem Durchschnitt von 1.463 Euro brutto pro Monat über die gesamte Ausbildungsdauer führen die Milchtechnolog:innen die BIBB-Rangliste 2025 an.
Das Ausbildungsgehalt im Überblick:
- 1. Lehrjahr: ca. 1.345 Euro brutto
- 2. Lehrjahr: ca. 1.469 Euro brutto
- 3. Lehrjahr: ca. 1.589 Euro brutto
Was macht man in diesem Beruf?
Milchtechnolog:innen steuern und überwachen die industrielle Verarbeitung von Rohmilch zu Joghurt, Käse, Butter, Milchpulver und weiteren Produkten. Vom Eingang der Rohmilch bis zur Qualitätskontrolle des Endprodukts laufen sämtliche Produktionsprozesse durch ihre Hände – beziehungsweise durch die Maschinen, die sie bedienen, befüllen und instandhalten. Da Molkereianlagen rund um die Uhr produzieren, gehören Schichtarbeit und Wochenendeinsätze dazu (für Minderjährige gilt das Jugendarbeitsschutzgesetz).
Was brauche ich?
Einen bestimmten Schulabschluss schreibt das Ausbildungsrecht nicht vor, in der Praxis stellen viele Betriebe Azubis mit mittlerem Bildungsabschluss ein. Hilfreich sind Interesse an Chemie, Biologie und Technik sowie ein ausgeprägtes Hygienebewusstsein.
Platz 2: Kauffrau/Kaufmann für Versicherungen & Finanzanlagen
Wer sich mit beruflich mit Finanzen beschäftigt, sollte auch entsprechend verdienen – oder? Und richtig: Kauffrau bzw. Kaufmann für Versicherungen und Finanzanlagen ist eine der am besten bezahlten Ausbildungen Deutschlands. Im Durchschnitt verdienst du über die drei Ausbildungsjahre hinweg 1.404 Euro brutto pro Monat.
Das Ausbildungsgehalt im Überblick:
- 1. Lehrjahr: ca. 1.336 Euro brutto
- 2. Lehrjahr: ca. 1.407 Euro brutto
- 3. Lehrjahr: ca. 1.497 Euro brutto
Was macht man in diesem Beruf?
Als Kaufmann oder Kauffrau für Versicherungen und Finanzanlagen berätst du Privat- und Geschäftskunden zu Themen wie Absicherung, Altersvorsorge und Geldanlage. Im Innendienst verwaltest du Verträge, bearbeitest Schadenfälle und unterstützt das Kundenmanagement, im Außendienst besuchst du Kunden direkt und entwickelst maßgeschneiderte Vorsorgekonzepte. Später kannst du dich in Richtung Firmenkundengeschäft, private Finanzplanung oder auch Schadenmanagement spezialisieren.
Was brauche ich?
Formal ist kein Mindestschulabschluss vorgeschrieben, viele Arbeitgeber bevorzugen jedoch de facto Abiturient:innen. Kommunikationsstärke, Zahlenaffinität und echtes Interesse daran, Menschen in finanziellen Fragen zu begleiten, sind die entscheidenden Eigenschaften.
Platz 3: Milchwirtschaftliche/-r Laborant/-in
Nur zwei Plätze hinter dem Spitzenreiter liegt ein verwandter Beruf aus der gleichen Branche: die milchwirtschaftliche Laborantin bzw. der milchwirtschaftliche Laborant. Der Unterschied zu den Milchtechnolog:innen: In diesem gut bezahlten Ausbildungsberuf steht nicht die Produktionssteuerung, sondern die analytische Arbeit im Labor im Mittelpunkt. Dafür verdienst du schon während der Ausbildung ein Gehalt von durchschnittlich 1.403 Euro brutto pro Monat.
Das Ausbildungsgehalt im Überblick:
- 1. Lehrjahr: ca. 1.313 Euro brutto
- 2. Lehrjahr: ca. 1.400 Euro brutto
- 3. Lehrjahr: ca. 1.514 Euro brutto
Was macht man in diesem Beruf?
Milchwirtschaftliche Laborant:innen sind die Qualitätswächter:innen der Milchindustrie. Sie untersuchen Rohmilch, Halbfertigprodukte und Endprodukte mit chemischen, physikalischen, mikrobiologischen und sensorischen Verfahren.
Ist die Milch frei von Antibiotika- und Reinigungsmittelrückständen? Stimmen Fettgehalt, Keimzahl und Zusammensetzung? Nur wenn alles passt, geht das Produkt in die Verarbeitung. Die Ausbildung dauert drei Jahre und findet im Laborbetrieb einer Molkerei oder eines Milchwerks statt.
Was brauche ich?
Formal ist zwar kein Mindestabschluss vorgeschrieben, in der Praxis empfiehlt sich aber ein mittlerer Schulabschluss. Wenn du Chemie und Biologie magst, gerne sorgfältig und präzise arbeitest und Verantwortung für Lebensmittelsicherheit übernehmen möchtest, findest du hier ein passendes Tätigkeitsprofil.
Platz 4: Bankkauffrau/Bankkaufmann
Die Ausbildung bei einer Bank gehört seit Jahrzehnten zu den beliebtesten Berufseinstiegen in Deutschland. Könnte das an der Vergütung liegen? Bankkauffrau/Bankkaufmann zählt in Deutschland zu den bestbezahlten Ausbildungsberufen und landet mit einem Schnitt von 1.388 Euro brutto pro Monat auf Platz vier der BIBB-Rangliste. Die Ausbildung dauert drei Jahre, kann bei guten Leistungen auf zwei bis zweieinhalb Jahre verkürzt werden.
Das Ausbildungsgehalt im Überblick:
- 1. Lehrjahr: ca. 1.333 Euro brutto
- 2. Lehrjahr: ca. 1.387 Euro brutto
- 3. Lehrjahr: ca. 1.455 Euro brutto
Was macht man in diesem Beruf?
Bankkaufleute arbeiten in Filialen, in der Kreditabteilung von Unternehmen oder auch im Wertpapierhandel oder auch im digitalem Kundenservice. In der Ausbildung rotierst du durch verschiedene Abteilungen und lernt das gesamte Spektrum des Bankgeschäfts kennen. Neben klassischer Kontoführung und Kreditberatung wächst das Aufgabenfeld stetig: Wertpapierberatung, digitales Banking und Vermögensplanung sind heute ein fester Bestandteil des Jobs.
Was brauche ich?
Um die gut bezahlte Ausbildung zum Bankkauffrau/-mann beginnen zu können, musst du mindestens über einen Realschulabschluss beziehungsweise die Mittlere Reife verfügen. Mittlerweile setzen gerade Großbanken allerdings oft Abitur beziehungsweise Matura voraus.
Zahlenaffinität, Verlässlichkeit und Freude am Kundenkontakt sind aber mindestens genauso wichtig wie dein Abschluss. Ein gepflegtes Äußeres und gute Umgangsformen verschaffen dir ebenfalls einen Vorteil.
Platz 5: Anlagenmechaniker/-in
Der einzige Handwerksberuf in dieser Liste hat eine Besonderheit: Die Ausbildung dauert 3,5 Jahre statt drei. Aber die Anlagenmechaniker:innen schaffen es mit einem Monatsdurchschnitt von 1.381 Euro brutto in die Top 5 der BIBB-Rangliste der besonders gut bezahlten Ausbildungen: Neben der hohen Nachfrage nach Fachkräften in diesem Bereich ist das ein ziemlich gutes Argument, etwas länger durchzuhalten.
Das Ausbildungsgehalt im Überblick:
- 1. Lehrjahr: ca. 1.270 Euro brutto
- 2. Lehrjahr: ca. 1.348 Euro brutto
- 3. Lehrjahr: ca. 1.445 Euro brutto
- 4. Lehrjahr: ca. 1.535 Euro brutto
Was macht man in diesem Beruf?
Anlagenmechaniker:innen bauen, montieren, warten und reparieren technische Anlagen: von Rohrleitungssystemen in der Energie- und Wasserversorgung bis hin zu industriellen Produktionsanlagen. Je nach Spezialisierung arbeitest du im Handwerk (SHK: Sanitär, Heizung, Klima), in der Industrie oder bei Energieversorgungsunternehmen. Gerade der letzte Bereich wächst: Wärmepumpen, Solarthermie und Fernwärmenetze brauchen qualifizierte Fachkräfte – und die sind aktuell rar.
Was brauche ich?
Formal gibt es auch hier keinen Mindestabschluss, die meisten Betriebe stellen aber überwiegend Azubis mit mittlerem Bildungsabschluss ein. Technisches Verständnis, handwerkliches Geschick und Freude an praktischer Arbeit sind die wichtigsten Voraussetzungen. Wer Mathe und Technik mag, ist hier richtig.
Fazit: Gut bezahlte Jobs mit Ausbildung
Eine Ausbildung bedeutet nicht automatisch weniger Geld. Wer den richtigen Beruf wählt, startest schon als Azubi mit einem überdurchschnittlichen Gehalt. In den fünf Berufen aus diesem Beitrag erhalten Auszubildende deutlich mehr als den Schnitt von 1.209 Euro brutto im Monat. Und weil der Einkommensteuer-Grundfreibetrag in Deutschland aktuell bei 12.348 Euro liegt, musst du davon nur einen kleinen Teil versteuern.
Außerdem gelten viele dieser Berufe als strukturell zukunftssicher. Entscheidend bleibt am Ende aber: Gehalt und Interessen müssen zusammenpassen, wenn du Karriere machen willst. Wer langfristig gut verdienen will, wählt am besten einen Beruf, auf den er oder sie wirklich Lust hat.
Du willst wissen, was du nach der Ausbildung in einem bestimmten Beruf, in deiner Wunschbranche oder bei einem bestimmten Arbeitgeber verdienen kannst? All das (und noch mehr) findest du mit dem kununu Gehaltsvergleich heraus: Dank echter Angaben von Beschäftigten weißt du schon beim Start deiner Ausbildung genau, was du später erwarten kannst.
FAQ: Die bestbezahlten Ausbildungsberufe
Laut BIBB-Datenbank ist Milchtechnologe/-technologin mit einem Durchschnitt von 1.463 Euro brutto pro Monat über alle Ausbildungsjahre der am besten bezahlte duale Ausbildungsberuf in Deutschland. Wenn du von Tag eins an möglichst viel verdienen willst, bist du auch im Finanz- und Versicherungsbereich gut aufgehoben: Kaufleute für Versicherungen und Finanzanlagen starten nach dem Tarifvertrag der privaten Versicherungswirtschaft bereits im ersten Lehrjahr mit 1.355 Euro brutto. Bankkaufleute kommen je nach Banktyp auf 1.267 bis 1.496 Euro, wobei öffentliche Banken und Genossenschaftsbanken häufig etwas mehr zahlen als private Institute. Daneben werden auch Fluglotsen, Fachinformatiker:innen und Industriemechaniker:innen oft schon während der Ausbildung gut bezahlt.
Ja, absolut! Wer sich für eine gut bezahlte Ausbildung entscheidet, verdient nach dem Abschluss später oft genauso viel (oder sogar mehr) als andere nach einem Studium. Erfahrene Bankkaufleute kommen laut kununu zum Beispiel auf einen Schnitt von 50.800 Euro, Fachinformatiker:innen auf 45.300 Euro brutto pro Jahr. Mit mehr Berufserfahrung, Weiterbildungen oder einem Meistertitel kannst du dein Gehalt oft deutlich steigern. Und während du als Azubi bereits ab dem ersten Monat Geld verdienst, bringt ein Studium in den ersten drei bis fünf Jahren vor allem Kosten (oder zumindest entgangenes Einkommen).
Finanziell am besten sind Ausbildungen, bei denen das Gehalt schon während der Lehrzeit überdurchschnittlich hoch ist und nach dem Abschluss weiter wächst. Als Pilot hast du zum Beispiel Top-Gehaltsaussichten, musst aber selbst für die (nicht ganz günstige) Ausbildung zahlen. Kaufmännische Berufe in der Finanzbranche sowie technische Berufe wie Fachinformatiker:in oder Industriemechaniker:in bieten beides: ein solides Ausbildungsgehalt und später gute Verdienstperspektiven im Job.
Als besonders zukunftssicher gelten derzeit Ausbildungsberufe in der IT, im Gesundheitswesen und in der Industrie. Fachinformatiker:innen sind durch die fortschreitende Digitalisierung in nahezu jeder Branche gefragt. Und Handwerker:innen jeder Branche profitieren davon, dass ihre Tätigkeiten schwer automatisierbar sind.
Viele gut bezahlte Ausbildungsberufe sind auch ohne Abitur zugänglich. Industriemechaniker:innen, Bankkaufleute und Fachinformatiker:innen starten zum Beispiel in der Regel mit einem Realschulabschluss oder einem vergleichbaren Abschluss. Das Gehalt ist in diesen Berufen trotzdem überdurchschnittlich – sowohl während der Ausbildung als auch danach.
Platz 3: Milchwirtschaftliche/-r Laborant/-in
Platz 5: Anlagenmechaniker/-in – Handwerk, das die Energiewende trägt
Der einzige Handwerksberuf in dieser Liste kommt mit einer Besonderheit: Die Ausbildung dauert 3,5 Jahre statt drei – und trotzdem schafft es der Anlagenmechaniker mit einem Monatsdurchschnitt von 1.381 Euro brutto in die Top 5 der BIBB-Rangliste 2025.
In tarifgebundenen Betrieben erhältst du 2025 im bundesweiten Schnitt 1.209 Euro brutto pro Monat – über alle Ausbildungsjahre und Berufe hinweg gerechnet. Das entspricht einem Anstieg von 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr und ist der stärkste Zuwachs seit 1992. Wie viel du konkret bekommst, hängt allerdings stark davon ab, in welchem Beruf, welcher Branche und bei welchem Arbeitgeber du ausgebildet wirst. Nicht tarifgebundene Betriebe dürfen zum Beispiel bis zu 20 Prozent unter dem branchenüblichen Tarifniveau zahlen: Nachfragen lohnt sich.