Kündigung während der Probezeit: Das solltest du wissen

Es gibt zahlreiche Faktoren, die dafür ausschlaggebend sind, ob man sich als neuer Mitarbeitender vorstellen kann, langfristig bei einem Unternehmen zu bleiben. Aber auch Vorgesetzte merken in den meisten Fällen relativ früh, ob die Stelle mit der richtigen Person besetzt wurde. Werden die Erwartungen nicht erfüllt, gibt es für beide Parteien die Möglichkeit, das Dienstverhältnis noch in der Probezeit zu beenden.

In diesem Beitrag erfahrt ihr mehr zum Thema Probezeit und woran man als Arbeitnehmer merken könnte, dass eine frühzeitige Beendigung die beste Lösung ist. Am Ende des Artikels erklären wir euch auch noch mehr zum Thema Kündigung.

Rechtliches zur Probezeit

Was bedeutet Probezeit?

Wie das Wort „Probe“ schon verrät, geht es in diesem festgelegten Zeitrahmen darum, dass herausgefunden werden soll, ob Arbeitnehmer und Arbeitgeber eine Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses anstreben.

Die Zeit soll also von beiden Seiten genutzt werden, um zu überprüfen, ob die jeweiligen Vorstellungen auch mit der alltäglichen Realität übereinstimmen. Ist dem nicht so, kommt es zu einer frühzeitigen Kündigung während der Probefrist, die von beiden Seiten ausgehen kann und die sich von einer gewöhnlichen Auflösung des Dienstverhältnisses unterscheidet.

Wie ist die Dauer der Probezeit geregelt und festgelegt?

In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es verschiedene Regelungen bezüglich des Begriffes Probezeit:

  • Deutschland: Die vertraglich festgelegte Probezeit darf nicht mehr als 6 Monate betragen. Es steht dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer allerdings auch frei, eine kürzere oder gar keine Probefrist zu vereinbaren. Während dieser Zeit, gilt eine Kündigungsfrist von zwei Wochen, danach entfristet sich der Arbeitsvertrag automatisch.[1]
  • Österreich: Hier gilt eine Probezeit von maximal einem Monat. Danach geht die Anstellung in ein befristetes oder unbefristetes Dienstverhältnis über. In der Probezeit Zeit kann das Arbeitsverhältnis jederzeit ohne Einhaltung einer Frist und ohne Erklärung der Gründe aufgelöst werden.[2]
  • Schweiz: Bei einem unbefristeten Arbeitsvertrag gilt das erste Monat in der Schweiz als Probezeit. Auf diese kann auch verzichtet werden oder sie kann für maximal drei Monate festgelegt werden. Während dieser Zeit gilt eine Kündigungsfrist von sieben Kalendertagen. Die Kündigung muss auf jeden Fall noch während der Probezeit bei der Gegenpartei eintreffen. [3]

Unabhängig davon, in welchem Land du lebst: In deinem Arbeitsvertrag sollte eine Information zur Probezeit angeführt sein. Informiere dich am besten über Dauer und weitere Regelungen, indem du deinen Vertrag genau liest oder frage bei Unklarheiten bei deinem Arbeitgeber nach.

Achtsam durch die Probezeit

Gelebte Werte, Tätigkeiten und Verantwortlichkeiten, der Unternehmensgegenstand, Kollegen, Vorgesetzte. All das stimmt idealerweise mit den eigenen Vorstellungen größtenteils überein und lässt neue Mitarbeiter freudig in die berufliche Zukunft blicken. Allerdings sieht die Realität manchmal anders aus. Das solltest du beachten, um herauszufinden, ob du zur richtigen Zeit am richtigen Platz bist:

Tätigkeiten und Verantwortlichkeiten

Zum einen sollten deine Aufgaben und Verantwortlichkeiten passend für dich sein. Merkst du, dass du völlig überfordert bist und sich nach kurzer Zeit eine Angst vor der Arbeit entwickelt, solltest du das als wichtiges Signal sehen. Es liegt an dir, dich auf dein Gefühl zu verlassen, ob du dich der einen oder anderen Herausforderung stellen möchtest, oder ob du dir eingestehen musst, dass du der Position schlicht und einfach nicht gewachsen bist.

Zum anderen ist es aber auch wichtig, dass du stets gefordert wirst und nicht bereits zu Beginn merkst, dass du möglicherweise bei Fortsetzung deiner Tätigkeiten schon bald mit einem Boreout zu kämpfen hast. Selbstverständlich kannst du versuchen, das Gespräch mit deiner Führungskraft zu suchen und darüber zu sprechen. Sollte sich daran aber auch danach nichts ändern, ist das, genauso wie Überforderung, ein Indiz dafür, dass eine Beendigung des Arbeitsverhältnisses die einzig wahre Lösung ist.

Werte und Menschen

Die gelebten Werte, die Kollegen und die Vorgesetzten sind bedeutende Faktoren, die einen erheblichen Einfluss auf die Zufriedenheit im Job haben. Selbst wenn die Aufgaben passend sind und das Gehalt einmalig ist, ist es kein gutes Anzeichen, wenn du völlig andere Werte vertrittst oder bereits in den ersten Tagen mit scheinbar unlösbaren Konflikten kämpfst. Auch das ist ein Grund, warum eine frühzeitige Auflösung des Arbeitsverhältnisses in Erwägung gezogen werden sollte.

Achte daher in den ersten Wochen besonders darauf, welcher Umgangston gepflegt wird, ob du dich in deinem Team wohlfühlst und wie sich deine Führungskraft dir gegenüber verhält. Selbstverständlich entstehen überall wo Menschen gemeinsam arbeiten hier und da Konflikte und jeder und jede hat seine individuelle Rolle. Für dich ist es grundsätzlich wichtig, frühzeitig zu erkennen, ob die Grundlagen für ein gutes Miteinander gegeben sind oder nicht.

Unternehmenszweck

Auch der Unternehmenszweck, sprich das oberste Ziel der Organisation, muss mit den eigenen Vorstellungen übereinstimmen. Bist du beispielsweise sehr umweltbewusst, wird es dich auf Dauer nicht glücklich machen, bei einem Arbeitgeber tätig zu sein, der durch seinen Unternehmensgegenstand die Umwelt schwer belastet. Du solltest voll und ganz hinter der Philosophie und dem Zweck deines Dienstgebers stehen.

Du kannst dem Ganzen vorbeugen, indem du dich bereits vor deinem Bewerbungsgespräch umfassend über den Zweck, Geschichte, die Vision und die Mission informierst. Auf kununu.com kannst du durch das Lesen unterschiedlicher Bewertungen außerdem noch mehr über deinen Arbeitgeber erfahren und dir ein umfassendes Bild über deinen Arbeitgeber machen.

Richtig Kündigen in der Probezeit

Hast du dich dazu entschlossen, das Arbeitsverhältnis zu beenden, da die Gründe für eine Kündigung tragender sind, als jene zu bleiben, solltest du dich umfassend darauf vorbereiten. Auch wenn du nur kurze Zeit im Unternehmen verbracht hast, ist es wichtig, dass du immer höflich bleibst, einen respektvollen Umgangston pflegst und auch über Rechtliches informiert bist.

Du möchtest wissen, was du beachten musst, wenn du dich für die Kündigung entschieden hast?

Die Antwort darauf und alle rechtlichen Aspekte, findest du hier.

Hannah Reumann

Hannah ist seit März 2020 Mitglied der kununu Redaktion und schreibt Artikel über verschiedene Themen rund um die Arbeitswelt. Sie wohnt in Wien und studiert derzeit berufsbegleitend Marketing- und Salesmanagement im Masterstudiengang.

Quellen:

[1] arbeitsvertrag.org
[2] arbeiterkammer.at
[3] ch.ch