Früher in Rente gehen: Was du jetzt tun musst, um früher den Ruhestand zu genießen
Früher in Rente gehen ist möglich, erfordert jedoch Planung und Disziplin. Es gibt zwei Hauptwege: der klassische über das staatliche Rentensystem mit möglichen Abschlägen oder der unabhängige Weg durch Sparen und Investieren. In Deutschland kann man mit 63 mit Abschlägen oder mit 45 Beitragsjahren abschlagsfrei in Rente gehen. Österreich bietet die Korridorpension mit Abzügen. In der Schweiz ist eine Frühpensionierung ab 58 über private Vorsorge möglich. Alternativ können hohe Sparquoten (FIRE-Bewegung), private Altersvorsorge, Immobilien oder Teilzeitmodelle den Übergang erleichtern. Wichtig ist eine frühzeitige Analyse der finanziellen Situation und gegebenenfalls ein Jobwechsel für mehr Sparpotenzial.
Früher in Rente – und zwar nicht erst ein paar Monate vor 67? Das ist möglich, braucht aber einen realistischen Plan. Wir zeigen dir, welche Wege es in Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt und wie du deinen früheren Ausstieg finanzieren kannst.
Das Rentensystem steht vor einigen Änderungen
Du stehst mitten im Berufsleben und würdest gerne früher aussteigen, statt bis 67 oder länger zu arbeiten. Gleichzeitig steht das deutsche Rentensystem vor größeren Änderungen: Die Rentenkommission schlägt vor, das reguläre Rentenalter nach 2031 weiter anzuheben, die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren abzuschaffen und den frühesten Rentenbeginn nach 35 Versicherungsjahren von 63 auf 64 zu verschieben.
Noch gilt das heutige Recht. Die Bundesregierung will die Reform allerdings bis Ende 2026 durchs Parlament bringen.
Du brauchst einen Plan
Früher in Rente zu gehen, ist durchaus möglich, erfordert aber eine gute Strategie und Analyse deiner aktuellen Situation und deiner Optionen. Wenn du dich für das Alter finanziell absichern willst, brauchst du außerdem eine gewisse Disziplin.
Je früher du dich mit dem Thema beschäftigst, desto mehr Zeit bleibt dir, Vermögen aufzubauen und verschiedene Wege zu kombinieren. Hast du aktuell zwischen sechs und zehn Jahren Berufserfahrung? Dann hast du noch genug Zeit, die entsprechenden Schritte vorzunehmen. Ob klassisch mit Rentenabschlägen oder unabhängig über alternative Strategien: Wir sagen dir, worauf du achten solltest.
Was bedeutet eigentlich „früher in Rente gehen“?
„Früher in Rente gehen“ kann vielerlei Ausprägungen haben. Für die einen bedeutet es, nur ein paar Jahre früher – z. B. mit 63 statt mit 67 – aufzuhören. Für andere heißt es: 55, oder sogar noch früher in den Ruhestand zu gehen. Grundsätzlich gibt es zwei Wege:
- Den klassischen Weg über das staatliche Rentensystem – mit oder ohne Abschlägen.
- Den eigenständigen Weg über Sparen, Investieren und alternative Lebensmodelle – unabhängig vom Rentenalter.
Beide Wege bieten Vor- und Nachteile. Entscheidend ist, dass du dir früh über deine Ziele klar wirst, deinen Weg wählst und entsprechend handelst.
Wichtig: Zeiten der Kindererziehung und Pflege können bei den nötigen 35 oder 45 Versicherungsjahren mitzählen. Welche Zeiten anerkannt werden, hängt von der jeweiligen Rentenart ab. Prüfe deshalb regelmäßig deinen Versicherungsverlauf.
Der klassische Weg: Vorzeitig in Rente über die gesetzliche Rentenversicherung
Deutschland: Früher in Rente (mit und ohne Abschläge)
In Deutschland liegt die reguläre Altersgrenze für alle, die nach 1964 geboren wurden, derzeit bei 67 Jahren. Wer früher gehen will, hat zwei Möglichkeiten:
- Mit Abschlägen: Wenn du mindestens 35 anerkannte Versicherungsjahre hast, kannst du nach aktuellem Recht frühestens mit 63 in Rente gehen. Für jeden Monat vor deiner persönlichen Altersgrenze werden 0,3 Prozent abgezogen. Bei vier Jahren sind das dauerhaft 14,4 Prozent weniger.
- Ohne Abschläge: Wer mindestens 45 Jahre Rentenbeiträge eingezahlt hat, kann unter bestimmten Voraussetzungen schon früher abschlagsfrei in Rente gehen (sogenannte „Rente für besonders langjährig Versicherte“). Das genaue Alter hängt von deinem Geburtsjahr ab. Die Rentenkommission will diese Variante aber abschaffen.
Die Ausnahme: Mit einem anerkannten Grad der Behinderung von mindestens 50 und 35 Versicherungsjahren gelten niedrigere Altersgrenzen. Für Jahrgänge ab 1964 ist die Rente ab 65 ohne Abschläge oder ab 62 mit Abschlägen möglich.
Österreich: Korridorpension & Frühpension
In Österreich liegt das Regelpensionsalter 2026 bei 65 Jahren für Männer und 61 Jahren plus sechs Monaten für Frauen. Das Frauenpensionsalter steigt schrittweise auf 65. Auch die Korridorpension verändert sich: Seit 2026 steigen das früheste Antrittsalter je nach Geburtsdatum von 62 auf 63 und die nötigen Versicherungsjahre von 40 auf 42. Der Abschlag beträgt weiterhin 5,1 Prozent pro Jahr. Für Frauen wird die Korridorpension voraussichtlich erst ab 2030 relevant, weil ihr reguläres Pensionsalter vorher noch niedriger liegt.
Neu seit 2026: Mit der Teilpension kannst du deine Arbeitszeit reduzieren und gleichzeitig einen Teil deiner Pension beziehen – vorausgesetzt, du erfüllst bereits die Bedingungen für eine Alterspension.
Schweiz: Frühpensionierung ab 58 (mit deutlichen Einbußen)
In der Schweiz können einzelne Pensionskassen eine Frühpensionierung ab 58 anbieten. Ob das bei dir geht, steht im Reglement deiner Pensionskasse. Die AHV kannst du normalerweise frühestens ab 63 beziehen. Frauen der Übergangsjahrgänge 1961 bis 1969 dürfen bereits ab 62 starten.
Der reguläre Kürzungssatz beträgt 6,8 Prozent für ein Jahr und 13,6 Prozent für zwei Jahre Vorbezug, für die Übergangsjahrgänge gelten günstigere Sätze. Das Referenzalter liegt 2026 bei 65 Jahren für Männer und 64 Jahren plus sechs Monaten für Frauen.
Strategien für einen früheren Renteneintritt
Wenn du nicht auf die gesetzliche Rente warten willst oder nicht mit hohen Einbußen früher in den Ruhestand gehen möchtest, brauchst du Alternativen. Wir haben dir hier einige Möglichkeiten zusammengestellt, die dich bei einem vorzeitigen Renteneintritt unterstützen.
Rechenbeispiel: Investierst du 20 Jahre lang jährlich 20.000 Euro und erzielst durchschnittlich fünf Prozent Rendite, kommen rechnerisch rund 660.000 Euro zusammen. Steuern, Kosten und Inflation sind dabei noch nicht berücksichtigt. Auch die fünf Prozent sind natürlich nicht garantiert: Kurse können steigen und fallen.
Sparen & Geldanlage: Sparen „on FIRE“
Eine Möglichkeit, genug Geld für deinen vorzeitigen Ruhestand zusammenzubekommen, ist ein stark erhöhtes Sparniveau. Vielleicht hast du schon einmal etwas vom sogenannten Frugalismus gehört. Die sogenannte FIRE-Bewegung (steht für: Financial Independence, Retire Early) ist der Überbegriff dieser extremen Form des Sparens und zeigt, wie durch zusätzliches Investieren ein früher Ausstieg möglich wird. Das Prinzip ist einfach:
- Hohe Sparquote: 30 %, 40 % oder sogar mehr vom Netto zur Seite legen.
- Investieren statt nur sparen: Langfristiger Vermögensaufbau über ETFs, Fonds, Immobilien oder andere Anlageklassen.
- Konsumverhalten anpassen: Weniger Ausgaben = mehr Sparpotenzial.
Wenn du früh genug startest, und einen Großteil deines Nettoeinkommens sparst, profitierst du bereits von Anfang an vom Zinseszins, kannst dadurch passives Einkommen generieren und ab einem gewissen Punkt sogar ohne Erwerbseinkommen leben: idealerweise schon mit Mitte 50 oder früher.
Weitere Informationen zum Investieren und dem Zinseszinseffekt findest du hier.
Gut verdienen, mehr sparen
Ob dein Vermögen tatsächlich bis ans Lebensende reicht, hängt von deinen Ausgaben, Steuern, der Inflation und der Entwicklung der Märkte ab. Plane deshalb einen Puffer ein und rechne auch mit Jahren, in denen dein Depot an Wert verliert.
Du hast noch einen weiteren Hebel in deiner Hand: Je höher dein Jahreseinkommen ist, desto mehr kannst du von deinem Nettogehalt sparen und anlegen. Daher lohnt es sich, zu Beginn nach Jobmöglichkeiten mit einem höheren Gehaltsniveau zu suchen und dich gezielt nach besser bezahlten Jobmöglichkeiten umzusehen.
Der kununu Gehaltscheck liefert dir die passenden Daten und unterstützt dich bei der Suche nach dem richtigen Arbeitgeber, der dich entsprechend bezahlt.
Private Altersvorsorge und Zusatzrenten
Unabhängig vom FIRE-Ansatz ist die private Vorsorge ein wichtiger Baustein für deine finanzielle Situation und deine Rentenpläne. Sie kann deine spätere Rente ergänzen. Für einen besonders frühen Ausstieg brauchst du zusätzlich Geld, auf das du schon vor dem gesetzlichen Rentenbeginn zugreifen kannst. Die folgenden Modelle bieten oft steuerliche Vorteile, erfordern aber konsequentes Sparverhalten.
- Deutschland: Ab 2027 ersetzt das neue staatlich geförderte Altersvorsorgedepot die Riester-Rente für Neuverträge. Damit kannst du unter anderem in Fonds und ETFs investieren, wahlweise ohne Garantie oder mit zusätzlicher Absicherung. Bestehende Riester-Verträge laufen aber weiter und können freiwillig in das neue System wechseln. Die Rürup-Rente bleibt bestehen, ist aber wenig flexibel: Das Kapital wird normalerweise frühestens ab 62 als lebenslange Rente ausgezahlt und kann nicht frei entnommen werden.
- Österreich: Möglichkeiten sind etwa eine betriebliche Pensionskasse oder die prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge. Eine Pensionskasse gibt es meist nur über den Arbeitgeber. Bei der Zukunftsvorsorge erhältst du eine staatliche Prämie, bist allerdings mindestens zehn Jahre gebunden. Viele Vorteile gelten nur, wenn du das Geld später als Rente nutzt.
- Schweiz: Die private Altersvorsorge heißt dort „dritte Säule“. Die Säule 3a wird steuerlich gefördert, dafür bleibt das Geld normalerweise bis fünf Jahre vor dem regulären Rentenalter gesperrt. Neu seit 2026 kannst du unter bestimmten Voraussetzungen fehlende Einzahlungen ab 2025 später nachholen. Die Säule 3b umfasst frei verfügbares privates Vermögen, zum Beispiel Ersparnisse, Wertpapiere oder Versicherungen. Sie ist flexibler und bietet meist weniger Steuervorteile.
Wichtig für deinen frühen Ruhestand: Das neue deutsche Altersvorsorgedepot steht normalerweise erst ab 65 zur Verfügung. Früher erhältst du nur dann Zugriff, wenn du schon eine gesetzliche Altersrente bekommst. Willst du schon mit 55 oder 60 aufhören, brauchst du deshalb auch frei verfügbares Vermögen für die Jahre dazwischen.
Immobilien & Mieteinnahmen
Vielleicht ist auch ein anderer Weg für dich interessant: Durch den Erwerb von Wohneigentum kannst du nach Tilgung der Schulden die Mieteinnahmen als Altersvorsorge nutzen. Wenn du frühzeitig eine Immobilie finanzierst und z. B. mit 55 schuldenfrei bist, kannst du theoretisch ab dann über die Einnahmen verfügen oder selbst mietfrei wohnen.
Von der Miete gehen natürlich weiterhin Kosten für Reparaturen, Verwaltung, mögliche Leerstände und Steuern ab. Entscheidend ist deshalb die Nettomiete, die nach allen Ausgaben übrig bleibt.
Wege abseits der klassischen Rente
Neben den Konzepten, früher und mit Abschlägen in Rente zu gehen oder alternativ Vermögen aufzubauen, gibt es auch noch andere Möglichkeiten. Denn die Antwort muss nicht immer lauten, nie wieder zu arbeiten. Auch Zwischenmodelle sind denkbar:
- Teilzeitmodelle / Downshifting: Weniger arbeiten, aber dafür mehr Freizeit bereits während der Berufstätigkeit.
- Sabbaticals: Gezielte Auszeiten, z. B. über Arbeitszeitkonten oder eigene Rücklagen.
- Übergangsmodell mit Teilzeit oder Nebeneinkünften: Du reduzierst deine Arbeitszeit und deckst einen Teil deiner Kosten weiter durch einen Job, Selbstständigkeit oder Kapitalerträge.
Diese Wege kombinieren finanzielle Freiheit mit Beschäftigung und helfen dir dabei, den Übergang ins Alter sanfter zu gestalten.
Fazit: Früher in Rente ist machbar, aber nicht bequem
Früher in Rente ist kein unrealistischer Traum. Es ist eine strategische Entscheidung, die du aktiv treffen kannst. Wenn du früher in Rente gehen möchtest, solltest du bereits heute anfangen, die richtigen Weichen zu stellen. Je nachdem, ob du auf das staatliche System setzt oder unabhängig werden willst, braucht es Planung, Disziplin und klare Prioritäten.
Beginne damit, deine finanzielle Situation zu analysieren, z. B. mit dem kununu Gehaltscheck. So kannst du einschätzen, wie viel Sparpotenzial in deinem Job steckt, ob du langfristig auf dem richtigen Weg bist oder gegebenenfalls strategische Jobwechsel anstreben solltest.
FAQ: Früher in Rente gehen
Nach aktuellem Recht kannst du die gesetzliche Altersrente frühestens mit 63 beziehen, wenn du mindestens 35 anerkannte Versicherungsjahre hast. Dabei fallen dauerhaft Abschläge an. Die Rentenkommission schlägt vor, dieses Mindestalter auf 64 zu erhöhen. Beschlossen ist das Stand Juli 2026 noch nicht.
Für jüngere Jahrgänge gilt das nicht mehr. Das genaue Alter hängt von deinem Geburtsjahr ab. Wer 1964 oder später geboren wurde, kann nach 45 Versicherungsjahren aktuell mit 65 abschlagsfrei in Rente gehen. Die Rentenkommission will diese Rentenart künftig ganz abschaffen.
Für jeden Monat vor deiner persönlichen Altersgrenze werden 0,3 Prozent abgezogen. Ein Jahr kostet damit 3,6 Prozent, vier Jahre kosten 14,4 Prozent. Der Abschlag bleibt auch nach Erreichen der regulären Altersgrenze bestehen.
Ab deinem 50. Geburtstag kannst du geplante Abschläge mit Sonderzahlungen ganz oder teilweise ausgleichen. Die Zahlung verschiebt deinen frühestmöglichen Rentenbeginn nicht. Wie viel du einzahlen müsstest, berechnet dir die Deutsche Rentenversicherung.
ür die meisten Arbeitnehmer:innen ist mit 60 noch keine gesetzliche Altersrente möglich. Du müsstest die Zeit bis zum frühestmöglichen Rentenbeginn aus eigenem Vermögen oder anderen Einnahmen finanzieren. Ausnahmen gelten unter anderem für bestimmte schwerbehinderte Menschen und langjährig unter Tage beschäftigte Bergleute.
Bei dauerhaften gesundheitlichen Einschränkungen kommt eventuell eine Erwerbsminderungsrente infrage. Entscheidend ist nicht allein deine Diagnose. Geprüft wird, wie viele Stunden du noch täglich auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten kannst: Unter drei Stunden kann eine volle, zwischen drei und unter sechs Stunden eine teilweise Erwerbsminderung vorliegen. Zusätzlich müssen die Versicherungsbedingungen erfüllt sein.