Menschen auf einem Zebrastreifen

Mobbing am Arbeitsplatz

Dir ist schlecht. Kleine Schweißperlen sammeln sich auf deiner Stirn und gleichzeitig ist dir eiskalt. Am liebsten würdest du einfach umdrehen und der Situation aus dem Weg gehen, aber das geht nicht. Denn der Ort, der dir solche Angst macht, ist dein Arbeitsplatz. Und damit bist du nicht allein: 60% der Arbeitnehmer wurden schon einmal mit Mobbing im Berufsleben konfrontiert.

Konsequenzen? Fehlanzeige.

Einschüchterung, Entmutigung und Ausgrenzung: Du weißt keinen Ausweg aus der Situation, deine psychische und physische Energie tendiert gegen Null. Kopfschmerzen, Depressionen, Schlaf- und Angststörungen schleichen sich ein. Das Verhalten deiner Kollegen oder Vorgesetzten degradiert dich systematisch zu einer unterlegenen Spielfigur und ganz langsam wird eine aushaltbare Ausnahmesituation zu einem aussichtslosen Dauerzustand aus Panik, der sich nicht mehr bewältigen lässt.

In einer aktuellen Studie von VIKING und dem Meinungsforschungsinstitut OnePoll zeigte sich, dass von 1.000 befragten Arbeitnehmern in Deutschland jeder vierte schon einmal an seinem derzeitigen Arbeitsplatz mit Mobbing konfrontiert wurde. Doch noch bedeutend schlimmer ist: Jeder Zweite ist sich sicher, dass Mitarbeiter in ihrem Unternehmen potenziell mit Mobbing durchkommen würden. Häufig wird der Täter nämlich von weiteren Anhängern oder passiven Zuschauern gedeckt. Konsequenzen? Fehlanzeige.

Besonders Führungskräfte spielen in diesem Gruppenprozess eine bedeutsame Rolle. Erschreckend hierbei: Jeder vierte Arbeitnehmer glaubt nicht daran, dass die eigenen Vorgesetzten Mobbing erkennen würden. Und wie sich in den Ergebnissen zeigt, liegen sie mit dieser Vermutung gar nicht falsch. Nur einer von sechs Managern hat ein starkes Vertrauen in seine eigene Intention, die Anzeichen von Mobbing richtig identifizieren zu können. Vielleicht auch deshalb, weil nur 27% der Befragten ein spezielles Training erhalten haben.

Wegschauen macht dich zum Beteiligten.

Genau wie der Betroffene sind auch unsere Vorgesetzten unsicher darüber, welche Schritte wann angebracht sind – lieber halten wir uns zurück, bevor wir Partei ergreifen und uns selbst ins Schussfeuer begeben. Viel zu stark ist der Gedanke in uns verankert, dass uns das Thema selbst nicht betrifft, nie betreffen wird. Ein Mobbingofper? Ich? No way.

Erst wenn wir Hilfe brauchen und allein sind, stellen wir fest: Mobbing kann jeden Menschen betreffen. Wie die Studie von VIKING und dem Meinungsforschungsinstitut OnePoll zeigt, sind beide Geschlechter von Mobbing gleich stark betroffen. Interessant ist allerdings, die unterschiedliche Wahrnehmung von Millenials und Babyboomern: Bei der jüngeren Generation ist das Risiko, ein Opfer von Mobbing zu werden, fast doppelt so hoch.

Sich diesem allgegenwärtigen Thema zu entziehen, ist daher nicht nur verantwortungslos – es funktioniert auch einfach nicht. Früher oder später wirst du zum Beteiligten und positionierst dich durch deine stille Akzeptanz auf Seiten des Täters. Deswegen mach du nicht denselben Fehler wie diejenigen, die mit verschlossenen Augen durch Büroflure und Pausenräume schlendern. Was du konkret tun kannst, hat VIKING Experten im Interview gefragt:

Du bist selbst betroffen?

Wenn du selbst Opfer einer Mobbingattake geworden bist, raten Experten dazu, sich direkt an Vorgesetzte oder andere Kollegen zu wenden. Fühlst du dich damit nicht wohl, oder sind dies gerade die Menschen, die für deine Bauchschmerzen sorgen, dann melde den Vorfall bei deinem Personal- oder Betriebsrat. Sei dir dabei immer bewusst: Es ist völlig in Ordnung, Hilfe zu suchen und es ist ganz sicher kein Zeichen von Schwäche.

Im Gegenteil: Du wirst aktiv und setzt dich zur wehr – und das erfordert Mut und Stärke. Wenn du das Gefühl hast, du schaffst den Ausstieg aus dieser Albtraumspirale nur mit professioneller Unterstützung – scheue nicht davor zurück, sondern trau dich. Wenn du unsicher bist, findest du hier Helplines für Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Auch wenn die Situation aktuell für dich aussichtslos erscheint, glaube an dich!

Du bist Zeuge von Mobbing geworden?

Dann werde aktiv. Denn je mehr Zeit vergeht und Kollegen und Vorgesetzte zu passiven Zeugen werden, desto großer wird der Kreis der passiven Mittäter. Und ja: Was so einfach klingt, ist in Wirklichkeit sehr schwierig umzusetzen. Häufig kommt es auf Fingerspitzengefühl an. In jedem Fall kannst du das Gespräch mit den betroffenen Personen suchen – und das gilt sowohl für die Person, die durch das Verhalten anderer ausgegrenzt wird, als auch für die Personen, die aktiv und passiv beteiligt sind.

Ermutige Kollegen dazu, mit dir zu sprechen und zeige ihnen, dass du für sie da bist („Ich habe die Situation heute morgen mitbekommen. Kommt das häufiger vor? Willst du darüber reden? Ich finde es nicht ok, wenn so mit dir umgegangen wird“). Rege andere Kollegen dazu an, über ihr Verhalten nachzudenken („Du hast dich ja heute morgen mit Kollege X unterhalten. Hättest du so mit mir gesprochen, hätte ich mich ziemlich unfair behandelt gefühlt. Wäre es dir in seiner Position auch so gegangen?“) und beziehe auch passive Zeugen mit ein („Ihr habt doch auch mitbekommen, dass Kollege X unfair vom Chef behandelt wird. Was können wir gemeinsam dagegen tun? Wir sind doch ein Team. Wir sollten uns gegenseitig den Rücken stärken.“)

Diese Tipps sind dir zu wage? Dann hilf uns und schildere deine Situation.

Manchmal helfen uns allgemeine Tipps einfach nicht weiter – es braucht konkrete Beispiele, an denen wir lernen können. Wenn du selber schon einmal Mobbing am Arbeitsplatz erfahren hast, dann teile diese Erfahrung gerne anonym mit uns auf tellonym. Wir werden deinen Input sammeln und einen Experten zu deinem konkreten Beispiel befragen. So können wir dir helfen und gleichzeitig anderen Arbeitnehmern beispielhafte Ratschläge geben. Die Antworten auf deine Fragen findest du dann hier am kununu Blog.