
Unterbezahlt im Job? Die Anzeichen und was du tun kannst
Wer im Job motiviert ist und gute Leistung zeigt, hat ein angemessenes Gehalt und regelmäßige Gehaltserhöhungen verdient. So naheliegend diese Aussage klingt, sie entspricht nicht immer der Realität. Laut einer repräsentativen Studie des beruflichen Online-Netzwerks XING fühlen sich vier von zehn Berufstätigen unterbezahlt. Das hat mitunter negative Auswirkungen auf die Motivation und auf die Zufriedenheit mit dem eigenen Job zur Folge.
„Bin auch ich unterbezahlt?“, fragst du dich nun? Erfahre in diesem Artikel mehr über die Anzeichen für eine Unterbezahlung und was du dagegen tun kannst. Außerdem erwartet dich eine Liste an Jobs, die gesellschaftlich als zu gering bezahlt gelten.
Zu wenig Gehalt: Ab diesem Betrag könntest du unterbezahlt sein
Verdienst du, was du wirklich wert bist? Ob ein Gehalt angemessen ist, hängt von vielen individuellen Faktoren ab. Ein guter Anhaltspunkt ist zunächst das mittlere Einkommen.
Laut OECD (Organisation for Economic Co-operation and Development) zählt zur Mittelschicht, wer zwischen 75 und 200 Prozent des mittleren Einkommens verdient. In Deutschland lag dieses 2023 bei 62.485 Euro brutto im Jahr, in Österreich bei 51.500 Euro. Das bedeutet: Wenn du weniger als rund 46.864 Euro (Deutschland) bzw. 38.625 Euro (Österreich) verdienst, liegst du beim Einkommen unterhalb der Mittelschicht.
Doch steht ein niedrigeres Gehalt dann automatisch für Unterbezahlung? Nicht unbedingt. Einerseits spielen deine Position, Branche, Berufserfahrung und der Unternehmensstandort hierbei eine große Rolle.
Tipp: Nutze dafür den kununu Gehaltscheck, um herauszufinden, wie viel andere Arbeitnehmer:innen mit deinem Job verdienen. So bekommst du eine realistische Einschätzung, wo dein Gehalt liegt – und ob es vielleicht Zeit für eine Gehaltsverhandlung ist.
Hast du dabei festgestellt, dass dein aktueller Verdienst dem Durchschnitt entspricht oder sogar höher liegt? Fühlst du dich dennoch unterbezahlt? Das kann mit deinen finanziellen Ressourcen zusammenhängen. Wer eine hohe Miete zahlen muss, wird sich in der Theorie schneller unterbezahlt fühlen als jemand, der Eigentum besitzt oder monatlich kaum individuelle Ausgaben hat.
Bin ich unterbezahlt? Die wichtigsten Anzeichen
Den einen sind 2.500 Euro netto im Monat viel zu wenig, andere dagegen sind damit durchaus zufrieden und können ihren Lebensunterhalt gut bestreiten. Grundsätzlich ist es wichtig, dass du dich mit deinem Gehalt persönlich wohlfühlst und es deinen Qualifikationen sowie deiner Leistung entspricht. Aber wann ist das objektiv gesehen der Fall? Zur realistischen Einschätzung, ob deine Bezahlung fair ist, haben wir dir wichtige Anhaltspunkte zusammengetragen.
1. Die letzte Gehaltserhöhung war vor Jahren
Als Arbeitnehmer:in hast du keinen gesetzlichen Anspruch auf regelmäßige Gehaltserhöhungen. Wenn du dauerhaft eine gute Leistung zeigst und dein Unternehmen davon profitierst, kannst du jedoch erwarten, dass dein Gehalt angepasst wird. Wer geschickt verhandelt, sollte in der jährlichen Gehaltsverhandlung im bestehenden Job zwischen drei und sieben Prozent rausholen können. In deinem Unternehmen gibt es keine regelmäßigen Gehaltsverhandlungen und deine letzte Gehaltserhöhung liegt schon Jahre zurück oder hat noch nie stattgefunden? Es spricht einiges dafür, dass du unterbezahlt bist.
2. Die Kolleg:innen verdienen mehr
Kolleg:innen mit ähnlicher Erfahrung in einer vergleichbaren Position mehr verdienen als du? Das ist ein deutlicher Hinweis, dass du im Job unterbezahlt bist. Wenn du dir wirklich sicher bist, dass du dich in direkten Vergleich setzen kannst mit den entsprechenden Kolleg:innen, hast du gute Karten: Seit 2017 greift in Deutschland nämlich das Entgelttransparenzgesetz. Das Gesetz soll dafür sorgen, Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen abzubauen, die mit gleichem Erfahrungsgrad die gleichen Tätigkeiten ausführen.
3. Andere Unternehmen zahlen mehr
Nicht nur im Vergleich mit deinen direkten Kolleg:innen im gleichen Unternehmen kannst du Antwort auf die Frage „Bin ich unterbezahlt?“ finden. Du solltest dich auch darüber informieren, welche Gehälter andere Unternehmen für Mitarbeiter:innen in deiner Position zahlen: Auf kununu kannst du anonym dein Gehalt vergleichen und dir ein besseres Bild über deine aktuelle Situation verschaffen.
4. Der Unternehmenserfolg kommt nicht bei den Mitarbeiter:innen an
Die Höhe der Gehälter und die Gehaltserhöhungen stehen in der Regel im Zusammenhang mit dem Unternehmenserfolg. Ein Unternehmen, das gerade erst am Markt startet, sich in einer wirtschaftlichen Krise befindet oder eine Neuausrichtung durchläuft, muss die Personalkosten stärker im Blick behalten als ein bereits erfolgreiches Unternehmen. Dein Unternehmen veröffentlicht eine Erfolgsmeldung nach der anderen und streicht hohe Gewinne ein, von denen nichts an die Mitarbeiter:innen weitergegeben wird? Auch das spricht dafür, dass du zu wenig verdienst.
5. Deine (Fach-) Expertise wird nicht bezahlt
Verfügst du über eine spezielle Expertise in deinem Bereich, von der dein Unternehmen profitiert? In Zeiten des Fachkräftemangels haben viele Unternehmen Probleme, offene Stellen zu besetzen. Wahrscheinlich hätte auch dein:e Arbeitgeber:in Schwierigkeiten, eine:n Nachfolger:in für dich zu finden. Du kannst also durchaus erwarten, dass deine Erfahrung und Fachexpertise auch in Form von Gehalt wertgeschätzt werden.
Unterbezahlt im Job – was tun? Unsere Tipps
Festzustellen, dass du unterbezahlt bist, kann kurz- und langfristig demotivieren und frustrieren. Unsere Empfehlung ist jedoch: Versuche, die Erkenntnis darüber positiv zu sehen. Schließlich ist die Feststellung, dass du unterbezahlt bist der erste Schritt, aktiv etwas dagegen zu tun. Auf Dauer solltest du dich keinesfalls unter Wert verkaufen und ausnutzen lassen.
Verhandle dein Gehalt neu
Vielen Arbeitnehmer:innen ist es unangenehm, ihr Gehalt zu verhandeln oder um eine Gehaltserhöhung zu bitten. Diese Angst kann sogar ein Grund dafür sein, dass du unterbezahlt bist. Zur Gehaltsverhandlung gehören immer zwei Parteien – wenn du das Angebot deines Unternehmens annimmst, ohne zu verhandeln, kann das in die Unterbezahlung führen. Ähnliches gilt für die Gehaltserhöhung. Die wenigsten Unternehmen bieten Gehaltserhöhungen von sich aus an. Der Impuls muss von dir kommen und du solltest die richtigen Argumente parat haben. Wenn du feststellst, dass du unterbezahlt im Job bist, ist es definitiv an der Zeit, das Gespräch mit deinen Vorgesetzten zu suchen. Mit unseren Tipps für die Gehaltsverhandlung bist du dafür bestens gewappnet.
Steigere deinen Wert am Arbeitsmarkt
Je mehr dein Unternehmen von dir profitiert, desto unentbehrlicher bist du. Je unentbehrlicher du bist, desto schwerwiegender sind deine Argumente für mehr Gehalt. Bist du unterbezahlt im Job, aber abgesehen vom Gehalt fühlst du dich wohl im Unternehmen? In diesem Fall lautet unser Tipp: Analysiere, was du unternehmen kannst, um deine Position im Unternehmen zu verbessern. Vielleicht macht eine Fortbildung Sinn? Oder ein freiwilliges Zusatzprojekt oder eine Publikation in einem Fachmedium für deine Branche? Finde in deiner individuellen Situation die richtige Möglichkeit, deinem Unternehmen zu zeigen, dass du mehr Wert bist als das Gehalt, dass du aktuell bekommst.
Orientiere dich neu statt unterbezahlt im Job zu bleiben
Wenn du dich besonders stark unterbezahlt fühlst und die Chancen einer Gehaltserhöhung oder -Anpassung gering sind, solltest du dich nach einer neuen beruflichen Herausforderung umsehen. Bereite dich auf die Gehaltsverhandlung für deinen neuen Job sorgfältig vor, damit du nicht in die gleiche Falle tappst. Informiere dich auf kununu über die Gehälter für deinen Jobtitel, definiere deine Gehaltsvorstellung und lege dir die richtigen Argumente zurecht.
Die Rolle des Gender Pay Gaps bei empfundener Unterbezahlung
Der Gender Pay Gap ist auch im Jahr 2025 Realität. Frauen verdienen in Deutschland gemäß kununu Gehaltsdaten durchschnittlich 15 Prozent weniger als Männer. Selbst bei gleicher Qualifikation und Position bleibt beim Verdienst eine bereinigte Lücke von sechs Prozent übrig. Kein Wunder, dass viele Frauen sich unterbezahlt fühlen.
Dieses Problem ist nicht nur individuell, sondern strukturell. Frauen arbeiten häufiger in schlechter bezahlten Berufen, übernehmen mehr unbezahlte Care-Arbeit und werden seltener befördert als Männer. Das beeinflusst nicht nur ihr Gehalt, sondern bei manchen Frauen auch das Selbstwertgefühl.
Du verdienst als Frau das gleiche Gehalt für die gleiche Position wie deine männlichen Kollegen! Mach dir das unbedingt bewusst und nutze unsere Tricks, um dein Gehalt als Frau bestmöglich zu verhandeln.
Unterbezahlte Jobs: Wer verdient (zu) wenig?
In unserer Gesellschaft gelten bestimmte Berufe traditionell als unterbezahlt. Insbesondere in den Branchen Pflege, Bildung und Gastronomie gab es in den letzten Jahren öffentliche Debatten über die Bezahlung der Arbeitnehmer:innen – zum Beispiel während der Corona-Krise. Aber warum eigentlich? Pflegekräfte leisten täglich körperlich und emotional anspruchsvolle Arbeit, erhalten in den Augen der Gesellschaft dafür jedoch zu geringe Gehälter.
Ähnlich ergeht es Erzieher:innen, die trotz ihrer wichtigen Rolle in der frühkindlichen Bildung finanziell häufig nicht ausreichend gewürdigt werden. Anfang 2025 gab es hier landesweit wieder einige Kita-Warnstreiks, bei denen Erzieher:innen für bessere Arbeitsbedingungen auf die Straße gingen.
Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Tatsächlich sind es nämlich weder Erzieher:innen noch Pflegefachkräfte, die die am schlechtesten bezahlten Jobs erledigen. In Deutschland verdienen Tankstellenmitarbeiter:innen mit 26.100 Euro brutto jährlich am wenigsten. Gleich dahinter reihen sich Taxifahrer:innen und Bäckereifachverkäufer:innen mit jeweils 26.200 Euro brutto ein. Einen Überblick zu den am schlechtesten bezahlten Positionen Deutschlands – und zugleich den bestbezahlten Jobs – findest du hier in unserem Artikel.
Ob du diese Jobs als unterbezahlt bezeichnen würdest oder nicht: So oder so ist es wichtig, Ungleichheiten zu erkennen und ggf. Maßnahmen zu ergreifen, um faire Löhne für alle Berufsgruppen sicherzustellen. Transparenz über Gehälter und aktive Gehaltsverhandlungen können dabei helfen, die Wertschätzung für unterbezahlte Stellen zu erhöhen.obtitel, definiere deine Gehaltsvorstellung und lege dir die richtigen Argumente zurecht.