Frau blickt zu Kollegen

Dein:e Kolleg:innen verdienen mehr als du? Was du tun kannst!

Du bist mit deinem Gehalt nicht zufrieden? Zum Beispiel, weil du vermutest oder sogar weißt, dass deine Kolleg:innen mehr verdienen als du, obwohl sie eine ähnliche oder die gleiche Tätigkeit ausüben? Oder weil du bei den letzten Gehaltsrunden leer ausgegangen bist, während andere Mitarbeitende eine Gehaltserhöhung einstreichen konnten? Oder verdienen etwa die Kolleg:innen, die gerade erst eingestellt wurden, mehr als du? Wir haben Tipps und Informationen für dich zusammengestellt, wie du mit solchen Situationen umgehen kannst. Klar ist: Den Ärger einfach runterzuschlucken, ist nicht die Lösung.

Darf ich überhaupt über mein Gehalt sprechen?

Darauf gibt es eine kurze und knappe Antwort, und sie lautet: ja. Dein Arbeitgeber hat zwar das Recht, aus triftigen Gründen Verschwiegenheit von dir vertraglich zu verlangen. Das gilt zum Beispiel, wenn für das Unternehmen ein Wettbewerbsnachteil entstehen könnte, wenn du Interna teilst. Eventuelle Klauseln in deinem Arbeitsvertrag, die dir verbieten, über dein Gehalt zu sprechen, sind jedoch unwirksam. Daten deines individuellen Arbeitsvertrags, insbesondere dein Gehalt, fallen nicht unter die gesetzliche Verschwiegenheitspflicht. Von daher spricht nichts dagegen, offen über dein Gehalt zu sprechen oder auch deine Kolleg:innen nach ihrem Gehalt zu fragen, wenn du dich wohl damit fühlst. Je offener wir selbst mit dem Thema Geld umgehen, desto offener wird auch unser Umfeld, so Claudia Kimich, Verhandlungsexpertin und XING-Coach. Sie rät: „Probiert es aus, vielleicht nicht gleich bei den Vorgesetzten oder bei den Kollegen, mit denen du dich am schlechtesten verstehst, sondern erstmal im Freundeskreis.“

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Unterschiedliches Gehalt bei gleicher Tätigkeit?

Es ist natürlich alles andere als motivierend, wenn du feststellst, dass Kolleg:innen, die im Unternehmen die gleiche oder eine sehr ähnliche Tätigkeit ausüben, mehr verdienen als du selber. Unser Rat in einem solchen Fall: Bleibe ruhig und überlege deine Schritte gut. Vor allem solltest du dir sicher darüber sein, dass du dich wirklich in direkten Vergleich setzen kannst mit den entsprechenden Kolleg:innen. Expertin Kimich dazu: „Oft ist es schwierig, die tatsächliche Gleichrangigkeit festzustellen, da sehr viele Fakten wie Aufgaben, Erfahrung, Alter und Betriebszugehörigkeit neben dem Verhandlungsgeschick ausschlaggebend sind.“ Seit 2017 greift in Deutschland das Entgelttransparenzgesetz. Das soll dafür sorgen, Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen, die mit gleichem Erfahrungsgrad die gleichen Tätigkeiten ausführen, abzubauen.

Das Entgelttransparenzgesetz greift für dich unter folgenden Voraussetzungen:

  • Du arbeitest für ein Unternehmen mit mehr als 200 Mitarbeiter:innen.
  • Du kannst dich auf eine Vergleichsgruppe aus Kolleg:innen beziehen, die mindestens sechs Personen umfasst.

Wenn diese Faktoren auf dich zutreffen, kannst du bei der HR-Abteilung deines Unternehmens einen Antrag auf Auskunft stellen. Dazu kannst du zum Beispiel dieses Musterformular verwenden.

Kolleg:innen verdienen mehr – was tun in einem kleinen Unternehmen?

Auch wenn du in einem kleineren Unternehmen arbeitest und dich dadurch nicht gesetzlich auf das Entgelttransparenzgesetz berufen kannst, solltest du es in Erwägung ziehen, das Gespräch mit der HR-Abteilung zu suchen. Denn grundsätzlich verpflichtet das Entgeltgleichheitsgebot alle Unternehmen dazu, gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit zu gewähren, unabhängig von der Größe des Unternehmens. Deine Erfolgsaussichten müssen in diesem Fall nicht unbedingt schlechter sein, als wenn du in einem großen Unternehmen arbeiten würdest, das an das Entgelttransparenzgesetz gebunden ist. Eine Umfrage des ifo-Instituts, die nach Inkrafttreten des Entgelttransparenzgesetzes durchgeführt wurde, kam zu dem Schluss, dass Gehaltsanpassungen sogar eher bei kleineren Unternehmen erfolgten. Dies begründen die Studienautor:innen damit, dass kleinere Unternehmen ihre Gehaltsstrukturen flexibler ändern und anpassen können als große Konzerne.

 

„Ein Anfang 20-jähriger Mitarbeiter bekommt teilweise mehr, wie ein berufs- und lebenserfahrener 50-jähriger Mitarbeiter, der schon mehrere Jahre im Unternehmen ist. Der 50-jährige lernt die jungen Menschen ein, ist praktisch an deren Kompetenzentwicklungen dabei. Mitarbeiter die einen kleinen anderen Titel erhalten haben (begründet) verdienen seit Jahren keinen Cent mehr und liegen auch nur knapp über denen, die neu eingestellt werden.“

So ein:e Arbeitnehmer:in über Ingeus GmbH

Wie argumentiere ich am besten, dass ich mehr Gehalt haben möchte?

Für Gehaltsverhandlungen oder -gespräche gilt grundsätzlich: Sei möglichst gut vorbereitet! Lege dir die Argumente, weshalb du deiner Meinung nach eine Gehaltserhöhung verdient hast, gut zurecht. An welchen Projekten warst du beteiligt und wie hat das Unternehmen dadurch profitiert? Versuche darüber hinaus vorherzusehen, wie dein Gegenüber argumentieren wird. Expertin Kimich rät: „Analysiert, ob ihr eher einen Daten-, Zahlen-, Fakten-Typ, einen Machtmensch, einen Selbstdarsteller oder einen Beziehungsmenschen vor euch habt. Stellt euch darauf ein und bereitet eure Verhandlung typgerecht vor, also zum Beispiel das Excel-Sheet für den Zahlentyp, schlagfertige Antworten für den Machtmenschen, ‚Scheinwerfer‘ für gutes Licht auf den:die Stardarsteller:in und eine gute, kommunikative, faire, loyale Ebene für den Beziehungstyp.“ Und dann heißt es: üben, üben, üben. „Übt vorher, bis euch die Ohren qualmen, gerne mit Freunden oder einer Fachperson und vor allem laut. Nehmt euch zum Check auch auf Video auf. Geht selbstbewusst, gut vorbereitet, fit und gesund in eure Verhandlung“, so der Tipp von Claudia Kimich.

 

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Was tun, wenn die Gehaltsverhandlungen ins Leere laufen?

Wenn du herausfindest, dass deine Kolleg:innen mehr verdienen als du, oder wenn du der Überzeugung bist, dass du mehr Gehalt verdienst, solltest du das Gespräch mit deinem:deiner Chef:in suchen. Claudia Kimichs Rat: „Steh zu dir und deinen Leistungen. Vertritt sie aufrecht und fordere deinen Wert immer wieder ein. Bleib dran und sei hartnäckig.“ Allerdings gibt es keine Garantie auf Erfolg. Wenn deine Gespräche und Verhandlungen, aus welchem Grund auch immer, ins Leere laufen sollten, musst du dich mit der Frage auseinandersetzen, wie du damit umgehst. Bleibst du bei deinem Unternehmen und wartest auf die nächste Gehaltsrunde? Oder bist du bereit, die Konsequenzen zu ziehen und dich nach einer neuen Herausforderung umzuschauen? Solltest du dich für die zweite Alternative entscheiden, hast du bei kununu nicht nur die Möglichkeit, dir einen Einblick in die Arbeitsatmosphäre bei potenziellen Arbeitgebern zu verschaffen, du erhältst auch einen ersten Überblick über die Gehaltsstrukturen.

 

Porträt Claudia Kimich

Über die Expertin: Claudia Kimich

Als Verhandlungsexpertin und XING-Coach weiß Claudia Kimich, wann unser Selbstbewusstsein beim Gespräch mit dem Chef einen „Tritt in den Hintern braucht“. Seit über 20 Jahren zeigt sie, wie man den „Vehandlungstango“ richtig tanzt. Das Ziel der Autorin von „Verhandlungstango“ und „Um Geld verhandeln“ ist es, dass Männer und Frauen gleich bezahlt werden und die gleichen Chancen bekommen.