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Was ist der Gender Pay Gap? Die unbequeme Wahrheit über Lohnungleichheit in Deutschland

Der Gender Pay Gap – ein Thema, das uns alle betrifft! Er beschreibt die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern. Aktuell liegt der unbereinigte Gender Pay Gap in Deutschland bei 16 %. Das bedeutet: Frauen verdienen im Schnitt weniger als Männer.

Aber warum ist das so? Die Gründe sind vielfältig: Berufswahl, Teilzeit, fehlende Karrierechancen. Fakt ist: Die Lücke besteht, auch wenn sie branchenabhängig ist. Besonders groß ist sie in gut bezahlten Branchen wie Banken und Versicherungen.

Was tun? Mehr Transparenz ist der Schlüssel! Nur wer weiß, was andere verdienen, kann sein eigenes Gehalt einschätzen. Das Entgelttransparenzgesetz soll helfen. Und: Frauen, traut euch, mehr zu verhandeln! Denn faires Gehalt sollte keine Verhandlungssache sein.

Hast du schon mal etwas vom Gender Pay Gap gehört? Der Begriff beschreibt die noch immer bestehende Lohnlücke zwischen Frauen und Männern. Möchtest du es genauer wissen? Wir haben für dich alle wichtigen Fakten und Informationen rund um den Gender Pay Gap zusammengestellt, damit du bestens für die nächste Diskussion im Freundes- und Kolleg:innen-Kreis zu diesem wichtigen Thema gerüstet bist. Und diese sollte unbedingt geführt werden!

Wusstest du bisher nicht, was genau mit dem Begriff Gender Pay Gap gemeint ist? Damit bist du nicht allein. Eine Umfrage von kununu aus dem Jahr 2024 ergab, dass 59 Prozent der Deutschen bisher nicht mit dem Begriff Gender Pay Gap in Berührung gekommen sind.

Tipp: kununu hat 2025 mehr als 1,6 Millionen Gehaltsdaten rund um den Gender Pay Gap ausgewertet. Hier kannst du dich über die Ergebnisse informieren.

Definition: Gender Pay Gap

Der Gender Pay Gap beschreibt die Differenz des durchschnittlichen Bruttostundenverdienstes (ohne Sonderzahlungen) aller Geschlechter im Verhältnis zum Bruttostundenverdienst der Männer. Zwar liegen in Bezug auf den Gehaltsunterschied von Männern und Frauen mehr Daten vor, jedoch bezieht sich die Bezeichnung Gender Pay Gap auch auf Gehaltsunterschiede hinsichtlich dem dritten Geschlecht. Für Deutschland berechnet das Statistische Bundesamt den Gender Pay Gap. Er wird jährlich erhoben. Das Statistische Amt der Europäischen Union, kurz Eurostat, wertet europaweit die Gehaltsunterschiede in den einzelnen Mitgliedsländern aus. Wenn vom Gender Pay Gap die Rede ist, so geht es meist um die unbereinigte Angabe. Es gibt Stimmen, die eine differenzierte Datenauswertung fordern, den sogenannten bereinigten Gender Pay Gap.

Der Gender Pay Gap

In Deutschland

Die aktuellsten Zahlen des Statistischen Bundesamts zum Gender Pay Gap in Deutschland beziehen sich auf 2024. In diesem Jahr lag der unbereinigte Gender Pay Gap bei 16 Prozent, 2023 lag er noch bei 18 Prozent. Innerhalb eines Jahres ist damit der geschlechtsspezifische Gehaltsunterschied so stark gesunken wie noch nie seit Beginn der Berechnung im Jahr 2006. Das sind erfreuliche Nachrichten – dennoch verdienen Frauen durchschnittlich eben 16 Prozent weniger als männliche Arbeitnehmer. In Zahlen ausgedrückt bedeutet das, dass der durchschnittliche Bruttostundenverdienst bei Frauen 4,10 Euro geringer ist als bei Männern (26,34 Euro).

Ein Blick auf die kununu Gehaltsdaten von 2025 zeigt, dass der Gender Pay Gap trotz gesunkener prozentualer Lücke weiterhin spürbar sein dürfte. Während Frauen im Durchschnitt 47.028 Euro verdienen, liegen Männer mit 53.856 Euro weiterhin deutlich darüber. Damit bleibt die Differenz bei weit über 6.000 Euro jährlich. Strukturelle Ungleichheiten bestehen nach wie vor.

Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, den Gehaltsunterschied bis zum Jahr 2030 auf zehn Prozent zu senken.

In Europa

Auf EU-Ebene liegen Daten zum Gender Pay Gap bis zum Jahr 2023 vor. Beim Vergleich der Daten fällt auf: Österreich liegt mit einem Gender Pay Gap von 18,3 Prozent leider auf dem zweiten Platz der größten Gehaltsunterschiede zwischen Frau und Mann. Nur Lettland liegt mit 19,0 Prozent noch weiter vorn. Der Gender Pay Gap befindet sich in beiden Ländern deutlich über dem europäischen Durchschnitt von 12,0 Prozent. Luxemburg weist als einziges Land der EU einen negativen Gender Pay Gap auf und Frauen verdienen in dem Großherzogtum durchschnittlich 0,9 Prozent mehr als Männer.

Europaweit hat sich der durchschnittliche Gender Pay Gap im letzten Jahrzehnt kaum verändert. Woran das liegt, erklären wir dir weiter unten im Artikel.

Wer sich die Daten im europäischen Vergleich ansieht, kann vollends ins Zweifeln kommen. In Italien ist die Bezahlung von Mann und Frau gerechter als in Deutschland? Und das Niedriglohnland Rumänien zählt neben Luxemburg und Belgien zu den fairsten bei der Gehaltsverteilung zwischen den Geschlechtern?

Ein Team des Deutschen Instituts für Wirtschaft hat sich die Daten genauer angesehen und kommt zu dem Schluss, dass eine niedrigere Frauenerwerbsquote mit einem geringeren Gender Pay Gap einhergeht. In Ländern, in denen generell weniger Frauen berufstätig sind, fallen geschlechtsspezifische Gehaltsunterschiede geringer aus. Die Frauen, die in diesen Ländern arbeiten, befinden sich in gut bezahlten Positionen. Julia Schmieder und Katharina Wrohlich vom DIW plädieren daher dafür, bei der Betrachtung der Lohnlücke zwischen Mann und Frau Länder mit einer vergleichbaren Frauenerwerbsquote zu betrachten.

Fazit: Ja, es gibt einen Gender Pay Gap, Frauen und Personen, die sich keinem Geschlecht zugehörig fühlen, verdienen nach wie vor weniger als Männer – sowohl in Deutschland als auch in Österreich. Die Interpretation der Daten, vor allem im internationalen Vergleich, ist jedoch nicht immer eindeutig und sollte differenziert erfolgen.

Gender Pay Gap nach Branche & Berufserfahrung

Der Gender Pay Gap bleibt 2025 stark branchenabhängig. Überdurchschnittlich gut bezahlt sind Frauen aktuell in den Branchen Banken mit 56.824 Euro brutto im Jahr, IT (56.066 Euro), Versicherung (55.949 Euro) sowie in der Energiebranche (55.945 Euro). Obwohl Frauen hier in Bereichen arbeiten, wo die Gehälter allgemein hoch sind, befinden sie sich dabei längst nicht auf Augenhöhe mit männlichen Beschäftigten.

Genau in diesen Branchen fällt der Gender Pay Gap nämlich groß aus. Während Frauen im Bankensektor im Schnitt also 56.824 Euro verdienen, kommen Männer dort auf rund 67.400 Euro. Ähnlich groß ist die Lücke in der Versicherungsbranche, wo das durchschnittliche Männergehalt mit über 68.000 Euro mehr als 12.000 Euro über dem der Frauen liegt. Auch in der gesellschaftlich als modern und fortschrittlich wahrgenommenen IT verdienen Männer im Schnitt rund 8.000 Euro mehr.

Unterschied zwischen bereinigtem & unbereinigtem Gender Pay Gap

Unbereinigter Gender Pay Gap

In der medialen Diskussion wird meist der unbereinigte Gender Pay Gap zugrunde gelegt. Das ist der Wert, den das Statistische Bundesamt jährlich erhebt und für das Jahr 2024 bei 16 Prozent liegt. Hier wird der Durchschnittsverdienst von Männern und Frauen über alle Branchen und alle Positionen analysiert. Der unbereinigte Gender Pay Gap dient als Kernindikator fortbestehender gesellschaftlicher Ungleichbehandlungen von Frauen im Erwerbsleben. Er ist eine generelle Bestandsaufnahme, bei der auch einfließt, dass Frauen häufiger in schlecht bezahlten Berufen arbeiten und weniger häufig Führungspositionen einnehmen als Männer.

Bereinigter Gender Pay Gap

Bei der Berechnung des bereinigten Gender Pay Gap werden strukturelle Faktoren wie Unterschiede der Berufe, Anzahl der Wochenstunden sowie der Bildungsstand herausgerechnet. Laut Statistischem Bundesamt lag der bereinigte Gender Pay Gap in Deutschland 2024 bei sechs Prozent, also deutlich niedriger als der unbereinigte Wert.

Gibt es den Gender Pay Gap wirklich? Oder ist er durch die bereinigten Zahlen widerlegt?

Der Gender Pay Gap wurde eingeführt, um auf die Ungleichheit der Bezahlung von Männern im Vergleich zu anderen Geschlechtern hinzuweisen und so schrittweise gerechtere Gehälter zu fördern. Vor allem der unbereinigte Gender Pay Gap zeigt: Männer verdienen mehr – und das ist nicht gerecht.

Die Befürworter:innen des unbereinigten Gender Pay Gaps argumentieren, dass das Vorgehen, die Gesamtheit der weiblichen und diversen Beschäftigten mit der Gesamtheit der männlichen Beschäftigen zu vergleichen, den besten Einblick bietet. Frauen haben häufiger eine schlechtere Ausbildung, arbeiten eher in schlecht bezahlten Berufen in unteren Positionen und das häufig in Teilzeit. Das führt zu einer schlechteren Bezahlung und diese strukturelle Ungerechtigkeit spiegelt sich im unbereinigten Gender Pay Gap wider.

Die Befürworter:innen des bereinigten Gender Pay Gaps argumentieren, dass der unbereinigte Wert Äpfel mit Birnen vergleicht und daher nicht aussagekräftig ist. Um festzustellen, ob Frauen und Diverse schlechter bezahlt werden als Männer, müsse man die Lohnlücke zwischen Mann, Frau und Divers in vergleichbaren Positionen betrachten. Mit 6 Prozent in Deutschland fällt der bereinigte Gender Pay Gap recht gering aus.

Gender Pay Gap 2025: Faires Gehalt ist keine Verhandlungssache

Häufig ist in Debatten rund um die Ursache der Lohngleichheit zu hören, dass Männer ein höheres Gehalt verhandeln und ihnen somit auch ein höheres Gehalt zusteht. Das Bundesarbeitsgericht zur Einkommensgerechtigkeit in Erfurt hat jedoch im Februar 2023 entschieden: Arbeitgeber müssen – unabhängig der Gehaltsverhandlung – bei der Einstellung von Männern und Frauen für gleiche Arbeit den gleichen Lohn zahlen. Selbst wenn männliche Bewerber aufgrund ihrer Verhandlungsfähigkeiten höhere Gehaltsforderungen durchsetzen, darf eine weibliche Bewerberin für die gleiche Arbeit bei ihrem neuen Arbeitgeber nicht schlechter bezahlt werden.

Anlass des Urteils war eine Klage einer Mitarbeiterin eines Metallunternehmens aufgrund ungleicher Bezahlung bei Arbeitsantritt. Zu Beginn des Arbeitsverhältnisses wurde ihr ein monatliches Gehalt von 3.500 Euro angeboten. Später stellte sie jedoch fest, dass zwei männliche Kollegen deutlich höhere Gehälter erhielten als sie. Der Arbeitgeber rechtfertigte den Unterschied mit dem besseren Verhandlungsgeschick des Mannes. Obwohl beiden anfangs dasselbe Gehaltsangebot gemacht wurde, habe der Mann mehr gefordert, um den Arbeitsvertrag zu unterschreiben. Das Gericht entschied jedoch, dass dies eine Benachteiligung aufgrund des Geschlechts sei und sprach der Klägerin den entgangenen Lohn in Höhe von 14.500 Euro sowie eine Diskriminierungsentschädigung in Höhe von 2.000 Euro zu.

Frauen vs. Männer: Aktuelle Gehaltsentwicklung 2025/2026

Die Gehaltslandschaft entwickelt sich insgesamt zwar positiv, geschlechtsspezifische Unterschiede bleiben jedoch gemäß der kununu Gehaltsdaten auch 2025 sichtbar. So stieg das durchschnittliche Jahresgehalt aller 614.716 ausgewerteten Angaben im Jahr 2025 auf 51.272 Euro (plus 2,1 Prozent im Vergleich zu 2024) an. Besonders interessant ist dabei, dass Frauen ihr Gehalt im Schnitt etwas stärker steigern konnten als Männer. Während der Verdienst bei Frauen um 2,49 Prozent anstieg, betrug er bei Männern „nur“ 1,99 Prozent.

Nachdem Männer von einem höheren Gehaltsniveau aus starten, schrumpft die tatsächliche Differenz zwischen den Geschlechtern trotz der höheren Gehaltssteigerung bei Frauen kaum.

Gründe für den Gender Pay Gap

Die Gründe für den Gender Pay Gap sind vielschichtig. Es lassen sich einige Haupttreiber für eine strukturell schlechtere Bezahlung von Frauen identifizieren:

  • Frauen wählen andere Berufe als Männer. Sie arbeiten häufiger in sozialen oder personennahen Dienstleistungen, die schlechter bezahlt werden als beispielsweise technische Berufe.
  • Frauen unterbrechen ihre Berufstätigkeit häufiger und länger als Männer und arbeiten in Teilzeit oder in Mini-Jobs.
  • Für viele Frauen ist der Wiedereinstieg nach Eltern- oder Mutterzeit nicht einfach. Häufig können sie nicht auf der gleichen Karrierestufe wieder einsteigen.
  • In Spitzenpositionen sind Frauen nach wie vor unterrepräsentiert. Der Anteil von Frauen an der Spitze von Unternehmen der Privatwirtschaft lag in Deutschland 2022 bei 28,9 Prozent.

Henrike von Platen, Gründerin des Fair Pay Innovation Labs, sieht in der Lohnlücke selbst einen Fehlanreiz für das Erwerbsverhalten von Frauen:

Der Gender Pay Gap ist ein Teufelskreis: Wer zu Hause bleibt, verdient weniger, wer weniger verdient, bleibt zu Hause. Und am Ende sind Frauen seltener in Führungspositionen zu finden, arbeiten oft in weniger gut bezahlten Berufen und überdurchschnittlich oft in Teilzeit. Sie bekommen seltener eine Beförderung, übernehmen seltener Verantwortung und haben eine andere Verhandlungskultur. Männer werden eher nach Potenzial, Frauen nach erbrachter Leistung bezahlt.

Lösungsansätze, um den Gender Pay Gap abzubauen

Um langfristig den Gender Pay Gap abzubauen, ist es wichtig, Bewusstsein für die strukturellen Unterschiede zu schaffen. Deswegen sind mediale Ereignisse wie der Equal Pay Day genauso wichtig wie die jährliche Auswertung des Gender Pay Gap.

Nicht nur in der Politik und in den Unternehmen muss das Thema präsent sein, sondern auch bei den betroffenen Frauen.

Interessanterweise glauben 84 Prozent der Deutschen, dass Frauen für vergleichbare Tätigkeiten in Deutschland weniger Geld bekommen als Männer – aber nur 47 Prozent glauben, dass Frauen in ihrem eigenen Unternehmen für vergleichbare Tätigkeiten schlechter bezahlt werden. Das beschreibt das Problem ganz gut: Der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen ist zwar statistisch messbar, bleibt im Einzelfall aber oft unsichtbar.

Gehaltstransparenz als Treiber für eine gerechtere Bezahlung

Voraussetzung für das Bewusstsein von Gehaltsunterschieden ist Transparenz, was die Bezahlung betrifft. Der Gender Pay Gap hat auch in den deutschsprachigen Ländern die öffentliche Diskussion um das Thema Gehaltstransparenz befeuert. Nur wer weiß, was andere im gleichen Unternehmen in einer vergleichbaren Position verdienen, kann einschätzen, ob das eigene Gehalt gerecht ist. In Deutschland wurde vor diesem Hintergrund 2017 das Entgelttransparenzgesetz eingeführt, in Österreich gibt es bereits seit 2011 eine Gleichstellungsnovelle und in der Schweiz die Charta für Equal Pay. Um länderübergreifend Lohngerechtigkeit voranzutreiben, hat die EU-Kommission am 4. März 2021 den Entwurf einer Richtlinie zu mehr Gehaltstransparenz eingereicht. Auf politischer Ebene wurden bereits die richtigen Weichen gestellt, die Umsetzung muss in den Unternehmen erfolgen. Henrike von Platen sieht gerechte Bezahlung als eine Frage der Unternehmenskultur.

Wenn Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sich einig wären, wäre Lohngerechtigkeit über Nacht möglich, davon bin ich überzeugt.

Verhandlungstipps für Frauen

Die Höhe deines individuellen Gehalts hängt natürlich auch davon ab, wie du verhandelst. Frauen sind beim Thema Gehalt oft zurückhaltender als Männer. Wie du im nächsten Gehaltsgespräch das Beste für dich herausholst, erfährst du in unserem Ratgeber: So verhandelst du dein Gehalt als Frau: Tipps & Tricks.

Henrike von Platen

Henrike von Platen sieht sich selbst als Kosmopolitin, Wirtschaftsexpertin, FairPayistin, Publizistin und Kämpferin, denn Frauen und Geld – das gehört für sie unbedingt zusammen.

Die Zitate in diesem Artikel stammen aus einem Interview mit ihr für kununu. Hier geht’s zu Henrike von Platen.