Das sind die bestbezahlenden Branchen für Frauen und Männer

Schaut man sich den durchschnittlichen Verdienst von Frauen und Männern an, dann stellt man fest, dass sich dieser deutlich unterscheidet. Die Angabe von Durchschnittsgehältern macht es zusätzlich schwer, individuelle Schlüsse zu ziehen. Wir richten daher den Blick auf die Branchen, in denen Frauen - aber auch Männer - die höchsten Gehälter verdienen. Außerdem schauen wir uns an, wie hoch der Gender-Pay-Gap innerhalb der Branchen ist.

Care-Arbeit: die unbezahlte Arbeit der Frauen

Kind oder Karriere? Mit dieser Frage hat sich vermutlich ein Großteil der berufstätigen Frauen bereits auseinandersetzen müssen. Rund 48 Prozent der weiblichen Berufstätigen waren im Jahr 2023 in Deutschland Teilzeit beschäftigt, im gleichen Zeitraum waren hingegen nur knapp 11 Prozent der männlichen Beschäftigten in einer Teilzeitanstellung beschäftigt. Die Betreuung der Kinder, die Arbeit im Haushalt, familiäre Unterstützung und die Pflege von Angehörigen: All das sind laut der deutschen Bundeszentrale für politische Bildung Tätigkeiten, die unter die unbezahlte Care-Arbeit von Frauen fallen und in unserer Gesellschaft häufig als selbstverständlich vorausgesetzt werden. Für Frauen bedeutet das häufig, dass Abstriche auf der Karriereleiter gemacht werden müssen. Und das heißt am Ende: Abstriche beim Gehalt. Noch immer verdienen Männer ein höheres Gehalt als Frauen - in Deutschland liegt die Lohnlücke aktuell bei 18 Prozent. Das bedeutet, das Frauen im Durchschnitt 18 Prozent weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen.

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Gender-Pay-Gap

Der Begriff Gender-Pay-Gap hat sich etabliert, um den Verdienstunterschied zwischen männlichen und weiblichen Personen zu bezeichnen. Darunter wird die Differenz des durchschnittlichen Bruttostundenverdienstes (ohne Sonderzahlungen) weiblicher Personen im Vergleich zum Bruttostundenverdienst von männlichen Personen verstanden. Man unterscheidet zwischen bereinigtem und unbereinigtem Gender-Pay-Gap. Mehr dazu erfährst du hier.

Der ungleiche Verdienst zwischen den Geschlechtern zeigt sich auch im Branchenvergleich, denn Frauen und Männer verdienen je nach Branche unterschiedlich.

Gutverdienende Branchen für Frauen und Männer

Im kununu Gehaltscheck 2024 wurden mehr als 625.000 Gehälter analysiert, die 2023 auf kununu von Arbeitnehmer:innen geteilt wurden. Darunter auch die Branchen mit den höchsten Durchschnittsgehältern und der höchsten Gehaltszufriedenheit. Außerdem haben wir die Branchen mit den höchsten Durchschnittsgehältern für Frauen und Männer ausgewertet.

An der Spitze der zehn lukrativsten Branchen steht die Banken-Branche mit einem Durchschnittsgehalt von 60.796 Euro brutto. Mit einer Gehaltszufriedenheit von 58,9 Prozent liegt die Zufriedenheit der Mitarbeiter:innen hier zwar vergleichsweise hoch, noch höher liegen allerdings die Branchen Energie und Finanz. In der Finanzbranche liegt die Gehaltszufriedenheit bei stolzen 61,9 Prozent, bei einem Durchschnittsgehalt von 53.630 Euro brutto. Noch höher ist die Gehaltszufriedenheit nur in der Versicherungsbranche mit 62,6 Prozent und einem Brutto-Durchschnittsgehalt von 59.727 Euro.

Übrigens: Im kununu Gehaltscheck 2024 erfährst du alles rund um die lukrativsten Branchen, die Gehaltszufriedenheit innerhalb deutscher Städte sowie weitere spannende Fakten.

Branchen mit den höchsten Gehältern für Frauen

Welche Branchen stehen an der Spitze, wenn man stattdessen nur die Durchschnittsgehälter von Frauen betrachtet? Auch hier führt die Banken-Branche die Spitze an und ist mit einem durchschnittlichen Brutto-Jahresgehalt von 54.183 Euro die bestbezahlende Branche für Frauen. Doch hier fällt auf: Das Durchschnittsgehalt liegt für weibliche Beschäftigte in der Branche um knapp 11.650 Euro niedriger als das Durchschnittsgehalt für männliche Beschäftigte in der Branche Banken (Durchschnittsgehalt Männer: 65.830 Euro).

An zweiter Stelle der bestbezahlenden Branchen für Frauen liegt die Versicherungsbranche mit einem Durchschnittsgehalt von 52.653 Euro, gefolgt von der IT-Branche auf dem dritten Rang mit einem durchschnittlichen Verdienst von 52.641 Euro jährlich.

Branchen mit den höchsten Gehältern für Männer

Und was sind die bestbezahlenden Branchen für männliche Beschäftigte? Das höchste Gehalt für Männer gibt es in der Branche Banken mit einem durchschnittlichen Gehalt von 65.830 Euro brutto. Auf Platz zwei folgt, ebenso wie bei den Frauen, die Versicherungsbranche. Männliche Beschäftigte verdienen hier durchschnittlich 65.256 Euro brutto und somit knapp 12.600 Euro mehr als weibliche Beschäftigte in der selben Branche (Durchschnittsgehalt Frauen: 52.653 Euro). Als dritter Platz auf dem Treppchen liegt die Branche Beratung & Consulting mit 61.334 Euro brutto jährlich.

Gender-Pay-Gap: In diesen Branchen ist er am höchsten

Frauen verdienen noch immer weniger Gehalt als ihre männlichen Kollegen, nämlich aktuell 18 Prozent. Aber wie hoch ist der Gender-Pay-Gap in den verschiedenen Branchen? Wir haben es uns genauer angeschaut: In dem Zeitraum vom 01.01.2020 bis zum 31.12.2022 hat kununu über 360.000 Gehaltsdaten für Beschäftigte mit bis zu drei Jahren Berufserfahrung ausgewertet. Ausgewählt wurden Branchen mit mindestens 5.000 Gehaltsangaben, wovon mindestens 33 Prozent der Angaben von Frauen verfasst wurden.

Übersicht: Gender-Pay-Gap bei 0-3 Jahren Berufserfahrung

Branchedurchschnittliches Brutto-Jahresgehalt I Frauen durchschnittliches Brutto-Jahresgehalt I Männer Gender-Pay-Gap (in Prozent)
Finanz36.599 Euro
45.368 Euro 24 %
Beratung & Consulting44.024 Euro 49.605 Euro 13 %
Versicherung39.338 Euro44.366 Euro13 %
Gesundheit, Soziales & Pflege34.486 Euro 38.597 Euro 12 %
Immobilien 36.007 Euro
40.153 Euro 12 %
Medizin & Pharma40.797 Euro45.822 Euro12 %
Banken 39.434 Euro
43.720 Euro 11 %
Dienstleistung33.301 Euro
37.043 Euro 11 %
Internet38.997 Euro
42.164 Euro 8 %
Handel32.859 Euro
34.771 Euro 6 %
Marketing, Werbung & PR34.441 Euro 36.461 Euro 6 %
Nahrungsmittel & Landwirtschaft35.071 Euro 37.286 Euro 6 %

Der traurige Sieger: Finanzbranche mit dem höchsten Gender-Pay-Gap bei Berufseinstieg

Unter den zwölf Wirtschaftszweigen, die wir näher betrachtet haben, steht die Finanzbranche im Hinblick auf die branchenspezifische Gehaltsdifferenz zwischen Frauen und Männern mit bis zu drei Jahren Berufserfahrung auf dem traurigen Platz eins - und das mit großem Abstand. Der Gender-Pay-Gap beträgt satte 24 Prozent. Während in der Finanzbranche beschäftigte Frauen durchschnittlich einen Verdienst von 36.599 Euro brutto im Jahr haben, verdienen männliche Beschäftigte 45.368 Euro. Somit liegen satte 8.769 Euro zwischen den Männern und Frauen.

"Gehaltstransparenz hilft, diese Missstände offenzulegen. Politik und Arbeitgeber sind in der Pflicht, aktiv gegenzusteuern und Karriere- und Fördermöglichkeiten weiter zu verbessern"

Nina Zimmermann, CEO von kununu

Platz 2 & 3: Branchen Beratung & Consulting und Versicherung mit jeweils 13 Prozent

Die Beratungs- und Versicherungsbranche teilen sich den zweiten Platz der Branchen mit dem höchsten Gender-Pay-Gap - mit jeweils 13 Prozent Gehaltsunterschied. Frauen mit bis zu drei Jahren Berufserfahrung, die in der Branche Beratung & Consulting beschäftigt sind, verdienen durchschnittlich 44.024 Euro brutto jährlich - ihre männlichen Kollegen dagegen 49.605 Euro. Das sind im Durchschnitt ganze 5.581 Euro mehr.

In der Versicherungsbranche sieht es ähnlich aus: Während weibliche Beschäftigte auf ein durchschnittliches Brutto-Jahresgehalt von 39.338 Euro kommen, beträgt es bei ihren männlichen Kollegen durchschnittlich 44.366 Euro. Das ergibt einen Unterschied von 5.028 Euro.

Übrigens: Mit steigender Berufserfahrung wächst der Gender-Pay-Gap

Die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern zeigt sich bereits bei Berufseinstieg deutlich. In beinahe allen ausgewerteten Branchen vergrößert sich der Gender-Pay-Gap mit steigender Berufserfahrung (sechs bis zehn Jahre) sogar noch weiter. Im Vergleich des durchschnittlichen Verdienstes von Arbeitnehmenden mit unterschiedlicher Berufserfahrung zeigt sich: In elf von zwölf Branchen gibt es einen deutlichen Anstieg der Lohnlücke.

Höchster Anstieg in der Branche Beratung & Consulting mit 14 Prozent

Besonders stark wächst der Gender-Pay-Gap in der Beratungs- & Consulting-Branche mit einem Anstieg von 14 Prozent. Während die Lohnlücke bei Männer und Frauen mit bis zu drei Jahren Berufserfahrung in der Branche noch bei 13 Prozent liegt, beträgt diese bei Beschäftigten mit sechs bis zehn Jahren Erfahrung bereits ganze 27 Prozent. Das ist in Euro ein satter Lohnunterschied von 14.741.

"Der Gender-Pay-Gap steigt mit zunehmender Berufserfahrung deutlich. Mit sechs bis zehn Jahren im Beruf beginnt häufig die Lebensphase, in der Familien gegründet werden. Dass der Gender-Pay-Gap in dieser Zeit noch weiter steigt, ist ein Indikator dafür, dass die Familiengründung für Frauen noch immer eine Karrierebremse ist"

Nina Zimmermann, CEO von kununu

Mit über zehn Prozent ebenso hoher Anstieg in den Branchen Gesundheit, Soziales & Pflege sowie Medizin & Pharma

Ein ebenso starkes Wachstum zeigt sich in der Branche Gesundheit, Soziales & Pflege mit 11 Prozent - und das, obwohl die Branche deutlich weiblich geprägt ist. Auf kununu stammen immerhin 63 Prozent der Gehaltsangaben in der Branche von weiblichen Personen. Mit einem Wachstum von 10 Prozent ist auch in der Branche Medizin & Pharma ein deutlicher Anstieg der Lohnlücke mit zunehmender Berufserfahrung zu erkennen - ein Platz drei im Branchenvergleich, der keinen Grund zu Freude bietet.

Negativer Trend nur in der Immobilienbranche erkennbar

Unter den zwölf ausgewerteten Branchen ist eine Verringerung des Gender-Pay-Gaps mit zunehmender Berufserfahrung einzig und allein in der Immobilienbranche zu erkennen. Während die Lohnungleichheit in der Immobilienbranche bei Berufseinstieg bei 12 Prozent liegt, verringert sich diese mit wachsender Berufserfahrung minimal auf 11 Prozent. Trotz minimal sinkendem Trend, verdienen Frauen in der Branche mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 45.413 Euro brutto im Schnitt 4.860 Euro weniger als ihre männlichen Kollegen mit einem Durchschnittsverdienst von 50.273 Euro.

Letztes Update: 15. Februar 2024