Daran erkennst du familienfreundliche Arbeitgeber

„Wir sind familienfreundlich!“ Dieses Label geben sich viele Unternehmen. Kein Wunder, schließlich legen immer mehr Arbeitnehmer:innen bei der Wahl des Unternehmens Wert darauf, dass ihr Job gut vereinbar mit ihrem Familienleben ist. Bei vielen Unternehmen findet seit dem Beginn der Corona-Epidemie ein Umdenken statt. Dies ist das Ergebnis einer Studie von Prognos im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Bist du auf der Suche nach einer interessanten neuen Herausforderung, in der es dir möglich ist, Karriere und Familienleben gut zu verbinden? Fragst du dich, wie du familienfreundliche Arbeitgeber findest bzw. erkennst? Wir haben für dich zusammengestellt, worauf du achten solltest und welche Fragen du deinem potenziellen neuen Unternehmen stellen kannst, um sicherzugehen, dass dein neuer Job deine Erwartungen bezüglich der Familienfreundlichkeit auch wirklich erfüllt.

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1. Familienfreundliche Arbeitszeiten

Wer Kinder hat oder beispielsweise eine:n Angehörige:n pflegt, muss vor allem eines sein können: flexibel. Die Bedürfnisse von Kindern und Pflegebedürftigen richten sich bekanntlich nicht nach einem festen Zeitplan. Immer mehr Arbeitgeber bieten flexible Arbeitszeiten auf Vertrauensbasis an. Für viele Unternehmen stellte die Corona-Krise ein Crash-Kurs in Sachen Flexibilität dar. Homeoffice-Pflicht, geschlossene Kitas und Schulen, Quarantänetage und nicht zuletzt auch Krankheitstage verlangten von Eltern wie Unternehmen ein extremes Maß an Flexibilität. Bleibt zu hoffen, dass die Unternehmen diese Flexibilität auch mit Abflauen der Corona-Krise beibehalten. Unternehmen setzen flexible Arbeitszeiten auf unterschiedliche Art und Weise um, beziehungsweise verfolgen unterschiedliche familienfreundliche Arbeitszeitenmodelle.

Gleitzeit

Eine Möglichkeit, familienfreundliche bzw. flexible Arbeitszeiten zu implementieren, ist die Gleitzeit. Das bedeutet, dass es eine Kernarbeitszeit von einigen Stunden gibt, in der bei einer Vollzeitstelle alle Mitarbeiter:innen am Arbeitsplatz beziehungsweise im Homeoffice erreichbar sind. Die Zeiten davor und danach sind frei planbar, müssen aber natürlich mit dem Job vereinbar sein. Es muss eine bestimmte Wochenarbeitszeit erreicht werden, aber der:die einzelne hat die Möglichkeit, sich diese einzuteilen. Gleitzeitmodelle sind häufig an ein Zeiterfassungssystem gekoppelt. Mitarbeiter:innen müssen sich dann beispielsweise am Arbeitsplatz an- und wieder abmelden, ihre Arbeitszeiten werden dokumentiert.

Vertrauensarbeitszeit

Unternehmen, die auf Vertrauensarbeitszeit setzen, überlassen es den Angestellten, sich ihre Zeiten flexibel einzuplanen, ohne dass diese kontrolliert werden. Damit ist auch diese Regelung ein sehr familienfreundliches Arbeitszeitenmodell. Auch hier gilt üblicherweise eine feste Wochenarbeitszeit. Außerdem müssen die Arbeitszeiten mit dem Job vereinbar sein, man muss als Arbeitnehmer:in beispielsweise an Meetings teilnehmen oder zu bestimmten Zeiten erreichbar sein.

Jahresarbeitszeit

Die Jahresarbeitszeit ist ein noch recht neues Arbeitszeitenmodell. Statt eine feste wöchentliche Arbeitszeit festzulegen, wird die Zahl der zu arbeitenden Stunden pro Jahr definiert. Angestellte, die mit diesem Modell arbeiten, können ihre Zeiten flexibel einplanen und beispielsweise in einem Monat deutlich mehr arbeiten als in einem anderen. Dieses maximal flexible Modell eignet sich vor allem für Berufe, in denen man selbstständig und unabhängig von Kolleg:innen arbeitet.

Wenn dein potenzielles neues Unternehmen in der Stellenausschreibung oder auf der Website hervorhebt, dass es flexible Arbeitszeiten anbietet, solltest du spätestens im Vorstellungsgespräch nachfragen, wie diese Flexibilität umgesetzt wird, ob flexibel auch gleichzeitig familienfreundlich bedeutet und wie das spezifische Arbeitszeitenmodell deinen Arbeitsalltag gestaltet.

2. Homeoffice und/oder Mobile-Office

Familienfreundliche Arbeitgeber kannst du finden bzw. erkennen, indem du recherchierst oder nachfragst, ob sie Mobile-Office oder Homeoffice anbieten. Ähnlich wie bei den flexiblen bzw. familienfreundlichen Arbeitszeiten hat sich auch hier während der Corona-Krise gezeigt, dass in den meisten Unternehmen Home- oder Mobile-Office zumindest zeitweise funktioniert. Selbst in Unternehmen, die aufgrund ihrer Tätigkeiten bisher auf Anwesenheitspflicht am Arbeitsplatz bestanden hatten. Auch wenn sich viele Arbeitnehmer:innen nach so langer Zeit daheim schon fast danach sehnen, wieder in engem Kontakt mit ihren Kolleg:innen zu arbeiten, werden sich viele sträuben, komplett in die Präsenzarbeit zurückzugehen. Unternehmen, die bisher keine Home- beziehungsweise Mobile-Office-Regelungen hatten, sollten in Erwägung ziehen, diese langfristig einzuführen um als Arbeitsplatz attraktiv zu bleiben.

Aufgepasst: Es gibt Unterschiede zwischen Homeoffice und Mobile-Office. Wenn dein potenzielles neues Unternehmen zeitweises Arbeiten von außerhalb des Arbeitsplatzes anbietet, solltest du die Unterschiede kennen.

Homeoffice

Wenn dein Unternehmen Homeoffice-Möglichkeit anbietet, kannst du einen meist vertraglich definierten Prozentsatz deiner Arbeitszeit von daheim aus arbeiten. Laut Arbeitsstättenverordnung ist dein Arbeitgeber dazu verpflichtet, dir einen festen Arbeitsplatz einzurichten, inklusive Laptop, Bildschirm, Maus und Tastatur.

Mobile-Office/mobiles Arbeiten

Das Mobile-Office ist die freiere und weniger regulierte Variante des Homeoffice. Hier bleibt es dir selbst überlassen, wo du arbeitest, ob daheim, im Café, unterwegs. Der Arbeitgeber ist nicht verpflichtet, dir den Arbeitsplatz einzurichten.

Unabhängig davon, welche Variante dein neues Unternehmen anbietet: Du solltest dich auf jeden Fall erkundigen, ob und wie geregelt ist, wie viel Zeit du im Büro verbringen musst und wie viel Zeit du von daheim oder von einem anderen Ort aus arbeiten kannst. Natürlich musst du auch für dich selbst festlegen, welches Modell am besten mit deiner Familie vereinbar ist.

Hier kommst du zur kununu Gehaltsstudie

3. Kinderbetreuung

Für Eltern ist die Kinderbetreuung am einfachsten und zeitsparendsten zu organisieren, wenn das Unternehmen eine Kinderbetreuung anbietet. Und auch die Unternehmen profitieren, wenn die Betreuung der Kinder ihrer Angestellten gesichert ist. Auch in diesem Bereich scheint die Corona-Pandemie einiges ins Rollen gebracht zu haben. Die Prognos-Studie kommt zu dem Schluss, dass immer mehr Unternehmen erkennen, wie wichtig eine funktionierende Kinderbetreuung für den eigenen wirtschaftlichen Erfolg ist. Während der Corona-Pandemie mussten viele Eltern zu Hause bleiben oder konnten nicht arbeiten, weil die Kinderbetreuung wegfiel. Dadurch entstanden hohe Kosten für die Unternehmen.

Firmen, die im eigenen Haus eine KiTa oder sonstige Betreuung anbieten, sind jedoch nach wie vor die Ausnahme. Es sind vor allem große Konzerne, die den bürokratischen und organisatorischen Aufwand auf sich nehmen, eine Kinderbetreuung anzubieten. Aber auch kleinere Unternehmen können den Eltern entgegenkommen, zum Beispiel mit Arbeitsplätzen, an denen tage- oder stundenweise Kinder mitgebracht werden können. Oder mit Spielzimmern, in denen Kinder sich beschäftigen können, während Vater oder Mutter arbeitet.

Erkundige dich im Bewerbungsgespräch, ob und welche Möglichkeiten angeboten werden. Falls du deinem Arbeitgeber lohnenswerte Zusatzleistungen wie Homeoffice oder Kinderbetreuung bei der nächsten Gehaltsverhandlung ans Herz legen willst, verraten wir dir hier einige attraktive Alternativen zur Gehaltserhöhung.

4. Flexible Voll- und Teilzeitmodelle sowie Karrierewege

Wie familienfreundlich ein Unternehmen ist, zeigt sich auch am Umgang mit den Arbeitszeitmodellen. Gesetzlich hast du zum Beispiel kein Recht darauf, deine Stunden aufzustocken, wenn du in Teilzeit begonnen hast. Familienfreundliche Unternehmen ermöglichen es ihren Mitarbeiter:innen, die Arbeitszeiten anzupassen - auch zeitweise bzw. vorübergehend. Ein Teilzeitmodell bedeutet für dich weniger Arbeitszeit, aber eben auch weniger Gehalt. Wenn sich deine private Situation ändert, solltest du die Gewissheit haben, dass du deine Stunden, und entsprechend dein Gehalt, aufstocken kannst.

Auch wenn du in Vollzeit arbeitest, sollte es selbstverständlich sein, dass du deine Arbeitszeit unterbrechen kannst, um beispielsweise dein Kind von der Schule abzuholen.

Wie ernst ein Unternehmen es mit der Familienfreundlichkeit nimmt, sieht man auch an der Struktur der leitenden Mitarbeiter:innen. Wie divers ist das Führungsteam? Gibt es Mitarbeiter:innen in leitender Funktion, die in Teilzeit arbeiten? Als Bewerber:in ist es nur beschränkt möglich, ein Unternehmen in diesen Fragen einzuschätzen. Du solltest das Vorstellungsgespräch nutzen, um dir ein möglich aussagekräftiges Bild zu machen.

Familienfreundliche Arbeitgeber finden: kununu hilft bei der Suche

Wie familienfreundlich ein Unternehmen ist, hängt nicht nur von den Regeln ab, die es implementiert hat, sondern auch von der Kultur. Familienfreundlichkeit muss von möglichst allen Mitarbeiter:innen gelebt werden. kununu hilft dir, familienfreundliche Arbeitgeber zu finden: Auf kununu.com hast du die Möglichkeit, als Bewerber:in hinter die Kulissen von Unternehmen zu schauen und ein Gefühl für die Unternehmenskultur und gelebte Familienorientierung zu bekommen. Sieh dir die Bewertungen an, die Bewerber:innen sowie aktuelle und ehemalige Mitarbeiter:innen hinterlassen haben. Aufschlussreich ist auch ein Blick auf die Benefits des Unternehmens. Diese findest du unter „Übersicht“ zu jedem Unternehmen. Hier kannst du sehen, wie dein potenzieller neuer Arbeitgeber bewertet wird hinsichtlich Faktoren wie „Flexible Arbeitszeiten“, „Kinderbetreuung“ oder „Homeoffice“.

Gemeinsam mit dem Magazin freundin ermittelt kununu jedes Jahr außerdem die familienfreundlichsten Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Finde heraus, welche Arbeitgeber 2021 zu den familienfreundlichsten Unternehmen gekürt wurden.

letztes Update: 30. März 2022