Pendeln – Sollte es als Arbeitszeit zählen?

Aufstehen, Kaffee runter kippen und ab in den Zug – kommt dir bekannt vor? Dann zählst du wohl zu jenen 18,4 Millionen Arbeitnehmern, die jeden Tag zwischen Frühstück und Abendbrot zwei eintönige Fahrten in unterschiedlichen Verkehrsmitteln vor sich haben. Während sie stundenlang aus dem Fenster glotzen, jeden Tag die gleichen Motive vorbei rauschen sehen und darauf warten, endlich in der Arbeit anzukommen, sehen Pendler ihre Lebenszeit vorbei rauschen. Forscher aus England wollen das nun verhindern und Pendelzeit zur Arbeitszeit machen. Eine gute Idee?

 

Das Pendeln ist anstrengend und wird teilweise verlangt, obwohl keine Meetings sind.

–  MitarbeiterIn bei Runtastic

 

Jahr für Jahr wächst die Zahl der Pendler, egal ob in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Viele davon nutzen nach wie vor den PKW, die meisten tendieren allerdings zum Zug. Du denkst dir „Na, logisch! Die wollen noch ein bisschen weiterschlafen“? Falsch! Denn eine Studie der University of the West of England hat das Pendelverhalten von 5000 Engländer untersucht und ist zur Erkenntnis gekommen, dass die Zeit im Zug für alles andere als zum Schlafen genutzt wird. Emails checken, Präsentationen vorbereiten oder Briefings lesen – die ausgebauten WLAN-Möglichkeiten in den britischen Zügen machen es möglich.

 

Kostenloser Werksbus von und nach Wien erlaubt umweltschonendes Pendeln.

–  MitarbeiterIn bei Pfizer

 

Nun steht nicht nur in England die Diskussion im Raum, ob man die Pendelzeit als Arbeitszeit anerkennen sollte. Vorbild dafür wäre Norwegen, die bereits seit mehreren Jahren den Weg in die Arbeit anrechnen und von den positiven sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen profitieren. Einerseits nimmt man den Pendlern so nämlich viel Druck ab, lässt sie entspannter auf Stau und Verzögerungen reagieren und ermöglicht ihnen mehr Flexibilität. Andererseits muss der Arbeitnehmer nachweisen können, dass er sich in der Pendelzeit für das Unternehmen engagiert hat, wodurch die Produktivität der Mitarbeiter nachweislich steigt.

 

Hier arbeitet nur, wem es zu weit ist,nach Salzburg zu pendeln.

–  MitarbeiterIn bei Atomic Austria

 

Würde eine derartige gesetzliche Regelung in Deutschland, Österreich oder der Schweiz eintreten, müsste erst mal die Bahn nachziehen. Denn leider sind Tische und Stromanschlüsse noch lange kein Normalzustand in den heimischen Zügen, geschweige denn von Internet. Während man in Österreich in den neueren Zügen und Regionalbussen bereits überall über WLAN-Anschlüsse verfügt, gibt es in Deutschland noch keinen einzigen Regionalzug, der eine Verbindung ins World Wide Web erlaubt. Erklärt sich die Bahn also nicht bereit, in naher Zukunft aufzurüsten, spricht einiges dafür, dass die Forderungen der britischen Forscher bei uns nicht so schnell umgesetzt werden.

 

Guter Arbeitgeber in einer ländlichen Gegend, die von Pendeln geprägt ist.

–  MitarbeiterIn bei Lottmann Fensterbänke GmbH

 

Dennoch ist Deutschland am richtigen Weg: Erst vor kurzem ist beschlossen worden, dass zumindest bei Dienstreisen den Arbeitnehmer die komplette Reisezeit als Arbeitszeit anrechnen muss. Der Unterschied zur Pendelinitiative? Du darfst am Weg nach China, Italien oder den USA richtig faul sein! Da sich nämlich die Reise ausschließlich im Interesse deines Arbeitgebers befindet, musst du keine Nachweise erbringen, dass du während deiner Flugzeit gearbeitet hast.

Du willst noch mehr über die Vor- und Nachteile von Pendeln erfahren? Dann schau doch mal hier vorbei.

 

30-Stunden-Woche

 

Quellen:

statistik.arbeitsagentur.de

orf.at

t3n.de