Lücke im Lebenslauf – So gehst du damit um

Wenn wir eine Bewerbung schreiben oder in einem Unternehmen vorstellig werden, möchten wir uns und unsere bisherige Karriere im besten Licht präsentieren. Für viele bedeutet das auch heute noch, einen möglichst geraden Karriereweg vorweisen zu können, ohne Umwege und Stolpersteine. Das echte Leben sieht aber häufig anders aus – wir sind schließlich Menschen, die auch ein Leben außerhalb ihres Jobs haben. Die Bedürfnissen nachgehen, sich um die eigene Gesundheit oder um andere Menschen in ihrem Leben kümmern. Da entsteht eine Lücke im Lebenslauf schneller als man denkt – und da ist völlig ok. Wichtig ist, wie man diese in der Bewerbung darstellt und sie erklärt. Hier findest du Tipps, wie du mit der Lücke im Lebenslauf umgehst.

Lücke im Lebenslauf - eine Frage der Definition

Ab wann man von einer Lücke spricht, lässt sich schwer definieren. Als Faustregel kannst du dir aber merken: eine Unterbrechung im Lebenslauf, die länger als zwei Monate dauert, wird von Personaler:innen als Lücke wahrgenommen.

Es gilt jedoch zu beachten, dass gerade die letzten drei Jahre einen großen Wandel des Arbeitsmarkts mit sich gebracht haben. Die Corona-Pandemie hat nicht nur kurzfristig für viele Entlassungen gesorgt, sondern langfristig bei vielen Menschen den Wunsch ausgelöst, sich neu zu orientieren – jede:r Vierte kündigte laut einer XING Studie in 2021 den Job, ohne einen neuen in Aussicht zu haben. Hinzu kommt ein Generationenwandel: Die Gen Z legt deutliche größeren Wert auf Selbstverwirklichung als die Generationen davor – all diese Faktoren können Lücken im Lebenslauf begünstigen.

Gründe für eine Lücke im Lebenslauf

Die Gründe können ganz unterschiedlich und an persönliche Lebenssituationen angelehnt sein. Eine empirische Studie von 2017 hat unter den Befragten folgende Gründe und ihre Häufigkeit gelistet:

  • Unfreiwillige Arbeitslosigkeit (56%)
  • Wartezeit (30%)
  • Freiwillige Arbeitslosigkeit (28%)
  • Sonstiges (13%)
  • Reise (13%)
  • Ausbildung/Studium abgebrochen (10%)
  • Kinder (10%)
  • Krankheit (8%)
  • Pflege einer nahestehenden Person (2%)

Diese Gründe für eine Lücke können (und dürfen!) eine Rolle spielen:

Berufseinstieg

Gerade zu Beginn der beruflichen Laufbahn hast du wenig Berufserfahrung, musst dich erstmal orientieren, Entscheidungen treffen und dich dann gegenüber anderen Bewerber:innen behaupten. Da kann es gut sein, dass die Suche nach dem passenden Job etwas länger dauert und das ist völlig in Ordnung.

Krankheit

Bei manchen Krankheitsbildern – ob physisch oder mental – dauert die Genesung lange an, um eine komplette Heilung garantieren zu können. So entsteht schnell eine Lücke von mehreren Monaten im Lebenslauf, die du am besten offen und ehrlich kommunizierst (ohne natürlich zu sehr ins Detail über deine Erkrankung gehen zu müssen). Außerdem: Krankheiten im Lebenslauf abzubilden, hilft bei der Entstigmatisierung, gerade von psychischen Erkrankungen wie Depressionen. Je mehr Menschen darüber sprechen, desto mehr können wir eine Kultur prägen, in der Menschen nicht mehr krank zu Arbeit gehen, sondern sich ausreichend Zeit geben, um wieder gesund zu werden.

Neuorientierung

Viele Menschen haben nicht die richtige Ausbildung gewählt und merken manchmal erst nach Jahren, dass sie mit ihrem Beruf unzufrieden sind. Doch dieser Prozess braucht Zeit und manchmal auch ein paar Monate Abstand zum bisherigen Job. Die Lücke, die hier entsteht, ist aber häufig die Grundlage, um beim nächsten Arbeitgeber mit neuer Energie und Motivation durchzustarten.

Gerade bei Führungskräften sind Lücken normal:

„Ein Geschäftsführer oder Bereichsleiter, der kurzfristig freigestellt wird und in einem Markt mit geringem Angebot eine adäquate Führungsposition sucht, bekommt in den wenigsten Fällen eine direkte Anschlussbeschäftigung. Denn wirklich passende Führungspositionen sind eher rar gesät, so dass die durchschnittliche Suchzeit durchaus sechs Monate und länger beträgt – und schon ist eine „Lücke“ entstanden. Es sei denn, man nimmt den erstbesten Job, der einem angeboten wird, nur um die „Lücke“ zu schließen. Das birgt jedoch das hohe Risiko, eine falsche Wahl zu treffen und damit eine „Kurzstation“ in den Lebenslauf zu bringen. Vor der dann wiederum vehement gewarnt wird. Von Ihrer Unzufriedenheit bei Verbleib ganz zu schweigen.“

Karriere-Beraterin Nane Nebel

Elternzeit

Frauen, die ein Kind bekommen, müssen durch ihre Rolle als gebärende Person so oder so eine gewisse Auszeit nehmen. Darauf folgt die Elternzeit, die von beiden Eltern genommen werden kann und automatisch eine Lücke im Lebenslauf mit sich bringt.   

Care-Arbeit

Sei es die Kinderbetreuung auch über die Elternzeit hinaus oder die Pflege von anderen Angehörigen, Freund:innen, oder Menschen, die akut Betreuung brauchen – neben Care-Arbeit ist häufig weder Zeit noch Energie, um eine Erwerbsarbeit auszuführen.

Corona-Pandemie

Mit der Pandemie kam es für viele Menschen auf Grund von Kündigungen zu einer Unterbrechung der Anstellung. Gerade zu Beginn der Krise ging auch die Zahl der Neueinstellungen runter, sodass schnell Lücken entstehen konnten (zumal es völlig berechtigt ist, erstmal etwas Zeit zu brauchen, um sich nach einer Kündigung während einer globalen Krise neu bewerben zu können).

Suche nach Purpose

Welche Rolle soll Erwerbsarbeit in meinem Leben spielen, was möchte ich eigentlich wirklich machen und welcher Arbeitgeber passt zu meinen Werten? Immer mehr Menschen suchen nach ihrem "Purpose", ihren Zweck – auch im Job. Wenn du dafür eine Auszeit und ein wenig Abstand zu deinem aktuellen Job brauchst, ist das nicht ungewöhnlich. Und es kann bei späteren Bewerbungen zum Vorteil werden, weil es zeigt, dass du weißt, was du willst – und dem auch nachgehst.

Reisen

Andere Kulturen kennenlernen, die Welt sehen, Erlebnisse sammeln: Das ist längst nicht mehr nur spannend für Menschen, die gerade ihren Schulabschluss in der Tasche haben. Gerade Arbeitnehmende, die ihre ersten großen Karriereschritte schon gegangen sind, verspüren das Bedürfnis nach Sabbaticals und Abwechslung vom Alltag. Persönliches Wachstum, Inspiration und Horizonterweiterung gibt es zur Reiseerfahrung noch oben drauf – das können auch zukünftiger Arbeitgeber interessant finden.

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Lücke im Lebenslauf erklären: unsere Tipps

Es ist nicht verwunderlich, dass Personalverantwortliche und zukünftige Chef:innen nachfragen, wenn im CV eine Lücke auftaucht – schließlich möchten sie dich kennenlernen und auf deine Verlässlichkeit prüfen. Es gibt verschiedene Strategien wie du mit der Lücke im Lebenslauf umgehen kannst. Keine gute Option ist es, sie zu verschweigen, denn geschulte Personaler:innen kommen dem mit einigen Nachfragen schnell auf die Spur. Eine ehrliche Antwort ist also in den allermeisten Fällen die beste Variante.

Das heißt nicht, dass du in einem Vorstellungsgespräch alle privaten Einzelheiten preisgeben musst, ein „die Gründe sind sehr privat und ich möchte nicht gern darüber sprechen“ sollte in vielen Fällen bereits ausreichen. Gleichzeitig können die Hintergründe für eine Lücke – zum Beispiel Reisen, Weiterbildungen, Auszeiten – auch zu deinem Vorteil genutzt werden, wenn du sie gut „verkaufst“. Denn viele Lücken geben Raum für persönliches und fachliches Wachstum, haben mitunter deine Reife gestärkt, neues Wissen und Motivation geschürt und helfen dir jetzt – in einem neuen Job – volles Commitment zu zeigen.

„Die wichtigste Regel bei Lücken im Lebenslauf ist stets, sie erklären zu können. Im Kopf deiner zukünftigen Chefin darf dein Lebenslauf keine Black Box bleiben, in der du vermeintlich Unangenehmes versteckst. Im persönlichen Gespräch wird man dich vermutlich eh darauf ansprechen. Und auch hier kannst du Pluspunkte sammeln, indem du diese Phase als eine Lernzeit darstellst. Du warst auf Reisen? Dann hast du deine interkulturellen Fähigkeiten ausgebaut und Mut bewiesen, indem du dich der Fremde gestellt hast. Du warst längere Zeit auf Jobsuche? Dann wolltest du eben nicht den erstbesten Job annehmen, sondern einen, in dem du deine persönlichen Fähigkeiten und Erfahrungen am besten einbringen kannst.“

Karriere-Expertin und Gründerin des „Netzwerk Chancen“ Natalya Nepomnyashcha

Es hilft, wenn du dir eine Antwort auf die Frage nach Lücken zurechtlegst. Wir geben dir weitere Tipps, wie du dich vorbereiten kannst:

1. Bleibe dir selbst treu

Sieh deinen Bruch im Lebenslauf nicht als etwas Negatives oder als etwas, das dir den Karriereweg verbaut. Genauso wie Menschen nicht perfekt sein müssen, muss auch dein Lebenslauf nicht makellos und ohne Pausen zwischen den einzelnen Stationen sein. Ecken und Kanten in der beruflichen Laufbahn können durchaus Durchhaltevermögen bedeuten. Der Beweis: Du hast trotz Höhen und Tiefen nicht aufgegeben. Wenn du versuchst, diese Karriereknicks krampfhaft zu vertuschen, verlierst du an Glaubwürdigkeit und Authentizität. Wie so oft im Leben gilt daher: Bleibe dir immer selbst treu – das wird auch dein potenzieller Arbeitgeber zu schätzen wissen.

2. Äußere dich in jedem Fall zur Lücke 

Wenn dich dein:e Gesprächspartner:in auf die zwischenzeitliche Pause anspricht, zögere nicht und gehe aktiv darauf ein, indem du erzählst, warum es zu der Lücke gekommen ist. Es hilft, wenn du dir bereits vorab eine Antwort zurecht legst. Versuche hierbei die Erfahrungen, die du in dieser Zeit sammeln konntest, in den Vordergrund zu rücken. Hast du auf Reisen deine Sprachkenntnisse aufgebessert, dich persönlich weiterentwickelt oder eine neue Kultur entdeckt? Oder hast du dich weitergebildet und dir neue Kenntnisse und Fähigkeiten angeeignet? Wie auch immer du die Zeit genutzt hast, stelle stets deine Erfahrungen und die positiven Auswirkungen in den Vordergrund. Mit solchen Argumentationen begeisterst du dein Gegenüber bestimmt. 

3. Sei offen und ehrlich 

Ehrlich währt am längsten. Das gilt auch, wenn es um deinen Werdegang geht. Bleib immer bei der Wahrheit und formuliere deine Beweggründe so, dass sie nachvollziehbar sind. Wenn diese plausibel sind und du selbstsicher auftrittst, erreichst du viel mehr, als wenn du Unwahrheiten verbreitest. Diese kommen früher oder später ohnehin ans Tageslicht. Um bestmöglich vorbereitet zu sein, kannst du dir schon vor dem Gespräch Gedanken über deine Argumentation in Bezug auf die Lücke machen. Wenn sie schon länger zurück liegt, erinnere dich bewusst an die Zeit und deine damaligen Beweggründe zurück. Überlege anschließend genau, wie du das Zustandekommen der Lücke am besten formulierst und mit welchen Anschlussfragen du rechnen könntest.

4. Lass dich nicht auf die Lücke reduzieren

Laut Statista suchen Personaler:innen nach Begriffen wie Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit oder Problemlösungsfähigkeit am meisten in Lebensläufen. Achte in jedem Fall auf einen inhaltlich guten und übersichtlichen Aufbau. Spare nicht mit deinen positiven Eigenschaften und fülle deine Vita mit allen relevanten Informationen über deine Person.

Raus aus der Lebenslauf-Lücke

Wenn du aktuell – zum Beispiel, weil du auf der Jobsuche bist – mitten in einer Lücke steckst, lass dich davon nicht verunsichern, sondern versuche, die Zeit zu nutzen. Du kannst jetzt Interessen nachgehen, die schon lange in dir schlummern, Weiterbildungen starten oder dir wirklich Zeit nehmen, um herauszufinden, was du in Zukunft machen möchtest. Das zeigt Ehrgeiz und Motivation und viele Weiterbildungen und Karriere-Coachings werden sogar vom Arbeitsamt finanziell unterstützt. So kannst du das Beste aus der Lücke im Lebenslauf machen – und der nächste Job kommt ganz bestimmt.

letztes Update: 21. Dezember 2022