Mann sitzt vor Wand mit Loch

Unzufrieden im Job: Wie schaffe ich den Ausstieg?

Jannike Stöhr hat es gewagt und ist aus dem Hamsterrad des normalen Berufsalltags ausgestiegen, um ihren Traumjob zu finden. Im Interview erzählt die selbsternannte Job-Testerin, wie der berufliche Umstieg gelingen kann. Im Zentrum steht die Suche nach Zufriedenheit im Job und sind wir mal ehrlich: Wer würde nicht gern von sich behaupten können seinen Traumjob gefunden zu haben? Aktuell ist Jannike wieder auf der Suche, diesmal nach den 30 Jobs der Zukunft. Wie der Arbeitsmarkt sich zukünftig verändern wird und welche Fähigkeiten und Kompetenzen gefragt sind, wir haben nachgefragt.

kununu: Du bist von einem sicheren Job in die Ungewissheit gewechselt. Woran hast du gemerkt, dass es Zeit für den Ausstieg war?

Jannike Stöhr: Ich habe eigentlich gar nicht gemerkt, dass es Zeit war. Der Ausstieg wurde durch eine persönliche Krise in meinem Leben ausgelöst. Das Gefühl von Unzufriedenheit hatte ich zu dieser Zeit zwar schon lange, aber ich hatte nicht den Mut, etwas daran zu ändern. Ich habe auch nicht die Notwendigkeit gesehen, etwas drastisch in meinem Leben umzustellen. Doch dann kam diese Krise, mein Vater ist krank geworden und verstorben. Dieses Ereignis war Anlass für mich über mein Leben nachzudenken. In weiterer Folge habe ich beschlossen zu gehen und mein altes Leben hinter mir zu lassen.

Was war in diesem Moment das Ziel deines Ausstiegs? Hast du schon gewusst wohin es gehen soll oder wolltest du einfach mal nur weg?

Der Grund zu gehen war für mich, dass ich in meinem alten Leben immer unzufrieden war. Aber ich wusste nicht warum oder konnte zumindest nicht benennen, woher meine Unzufriedenheit kam. Durch die Krise habe ich mir überlegt, wie ich mein Leben eigentlich gestalten möchte. Will ich so weiter machen und immer nach mehr streben und deshalb immer unzufrieden sein oder setz ich jetzt mal alles auf eine Karte und starte neu? Meinen sicheren Job in der Personalabteilung bei Volkswagen zu verlassen und ein neues Projekt zu starten, war für mich in diesem Moment die einzige Lösung. Das lag aber auch daran, dass ich ganz viele Optionen gar nicht mehr sehen konnte. Ich konnte gar nicht mehr nach links und rechts sehen, sondern nur noch nach vorne.

Da denken bestimmt viele: Mutig, aber ich würde mich das nicht trauen. Gibt es auch einen anderen Weg beruflich umzusteigen und seinen Traumjob zu finden?

Ja, bestimmt. Ich empfehle immer damit zu beginnen Thesen aufzustellen. Also Antworten auf folgende Fragen zu finden: Was könnte beruflich für mich interessant sein? Welcher Job könnte mich langfristig glücklich machen? Im nächsten Schritt sollte man diese Thesen in der Realität überprüfen. In meinem Fall habe ich 30 Thesen aufgestellt und 30 Berufe innerhalb von einem Jahr getestet. Das war schon ein großes Projekt und ich finde auch nicht, dass das jeder machen muss um Zufriedenheit zu finden. Denn es gibt so viele Möglichkeiten seinen Traumjob zu finden. Zum Beispiel ein Praktikum zu machen oder auch mehrere, aber es müssen definitiv nicht 30 sein. Man kann auch seine Arbeitszeit reduzieren und sich dann in der Freizeit neuen Herausforderungen stellen. Eine Möglichkeit ist nebenbei ehrenamtlich zu arbeiten oder sich im Kleinen selbstständig zu machen. Man kann aber auch einfach mal bei anderen nachfragen, wie zufrieden sie in ihrem Job sind und warum. Aus Gesprächen kann man auch vieles mitnehmen. Es gibt also ganz viele Möglichkeiten, sich beruflich neu zu orientieren.

Was würdest du jedem raten, der mit seinem Job unzufrieden ist?

Das Wichtigste ist herauszufinden, wo die Unzufriedenheit herkommt. Das musste ich auch erstmal und ich habe lange Zeit nach dem Grund dafür gesucht. Manchmal kann man diese Unzufriedenheit nicht richtig verorten und dann ist das Beste in die Selbsterfahrung zu gehen und sich selbst in verschiedenen Kontexten zu erleben und danach zu reflektieren. Aber ganz oft ist das gar nicht notwendig. Viele können auch so schon sagen „Mein Chef ist blöd.“ oder „Ich komme nicht mit meinen Kollegen klar.“, anderen fehlt Anerkennung im Job oder das Gehalt stimmt für sie nicht. Der erste Schritt sollte immer sein, zu schauen, wieso man unzufrieden ist und wie man etwas daran ändern kann.

Was ist, wenn ich meinen Traumjob eigentlich schon gefunden habe und plötzlich ist die rosarote Brille ab und meine Leidenschaft für den Beruf verschwunden. Kann man denn die verloren geglaubte Motivation für den Job wiederfinden?

Auf jeden Fall! Man hat es schließlich selbst in der Hand. Auch wenn die Leidenschaft verloren geglaubt scheint, gibt es meist immer noch Momente, in denen man sie wieder erleben kann. Dann muss man schauen, in welchen Situationen man seine Motivation wiedergefunden hat und wie man diese in den normalen Berufsalltag integriert. Oft hilft es auch sich einen Ausgleich zum Job zu suchen und einer anderen Tätigkeit oder einem Hobby in der Freizeit nachzugehen. So kann man die Einseitigkeit, die der berufliche Alltag so mit sich bringt, umgehen. Aber auch Gespräche in der Arbeit können helfen, ob mit dem Chef oder Kollegen. Eine neue Zusammensetzung als Team oder neue interne Aufgabenbereiche zu übernehmen, könnten zum Ziel führen.

Und wenn ich doch die berufliche Neuorientierung wage: Was muss man als Quereinsteiger beachten, um erfolgreich zu sein?

Man muss auf jeden Fall wissen, wieso man einen Neuanfang möchte. Was erwarte ich mir von dem neuen Beruf? Und warum möchte ich genau das machen? Ich erlebe oft, dass Leute, die beruflich umsteigen wollen, beim Bewerbungsprozess scheitern, weil sie nicht sagen können warum sie in diesen Beruf wollen. Selbstreflexion ist hier das Stichwort. Dazu sollte man sich auch gezielt diese Fragen stellen und Antworten darauf finden. Wenn man erklären kann, wieso man etwas machen möchte, dann ist man auch im Gespräch mit anderen viel überzeugender.

Dein aktuelles Projekt dreht sich rund um zukunftsfähige Jobs. Wie kommst du zu den Jobs und was kannst du jetzt schon über dein neues Projekt verraten?

Zu Beginn des Projekts habe ich viel Zeit in Recherche und Gespräche mit Experten, Wissenschaftlern und Zukunftsforschern gesteckt. Ich habe mich aber auch intuitiv auf die Suche nach den Jobs der Zukunft gemacht. Zum einen nehme ich Jobs auf, die bereits existieren und in Zukunft relevanter werden, sich aber deshalb wahrscheinlich auch noch inhaltlich verändern werden. Und zum anderen sehe ich mir Berufe an, die ganz neu entstehen. Um die zu testen muss ich natürlich schauen, ob es irgendetwas in der Art schon gibt um praktische Erfahrungen sammeln zu können. Auch aktuelle Trends und Entwicklungen sind ausschlaggebend für Auswahl der Berufe.

Zum Beispiel: Wir leben in einer alternden Gesellschaft, da ist es naheliegend, dass der Pflegeberuf in Zukunft viel relevanter sein wird. Es ist auch leicht vorstellbar, dass es in Zukunft Pflegeroboter geben wird. Aber das heißt natürlich nicht, dass dieser Job dann nur von Robotern gemacht werden kann. Es wird immer noch Pflegekräfte geben. Die Frage ist nur, wie wird sich dieser Beruf verändern und in Zukunft gestalten?

Ein ganz anderer zukunftsfähiger Beruf ist hingegen E-Sportler. Was das ist? Kurz gesagt: jemand, der professionell Playstation oder Computerspiele spielt. Da gibt es bereits eine riesige Szene: E-Sportweltmeisterschaften füllen jetzt schon ganze Stadien. Der Trend geht sogar soweit, dass auch „traditionelle Fußballklubs“ gerade dabei sind Profimannschaften im E-Sport aufzustellen.

Welche Fähigkeiten braucht man für die Jobs der Zukunft?

Ich habe vor meinem Projekt zu dem Thema recherchiert und bin dann auf eine Liste der Skills der Zukunft des World Economic Forum gestoßen. Da standen natürlich kognitive Fähigkeiten, wie Flexibilität, Kreativität usw. Da kann ich auch größtenteils zustimmen. Im Laufe meines Projekts ist mir aber aufgefallen, dass Verantwortung zu übernehmen immer wichtiger wird. Selbstorganisation in Teams ist auch jetzt schon ein großes Thema im Berufsalltag und die Fähigkeit verantwortungsbewusst zu arbeiten ist hier definitiv gefragter denn je. Aber auch Kreativität und eigenständiges Denken sind Kompetenzen, die der Arbeitsmarkt der Zukunft erfordert.

Was kommt eigentlich nach der Suche? Könntest du dir vorstellen wieder „sesshaft“ zu werden und in einen normalen Berufsalltag zurückzukehren?

Ich habe Millionen Ideen für neue Pläne und Projekte und werde deshalb erstmal selbstständig bleiben. Aktuell habe ich zwei Geschäftsideen, die ich auf den Markt bringen und erproben möchte. Das Eine ist ein Ausbildungs- und Trainingskonzept und die zweite Idee ist eine Plattform für Unternehmensphilosophen. Aber eigentlich habe ich aus jedem Job und jeder Berufserfahrung bis jetzt eine neue Geschäftsidee mitgenommen. Also langweilig wird mir in nächster Zeit bestimmt nicht.

Vielen Dank für das Interview!


Über die Expertin:

Jannike Stöhr

Ich heiße Jannike und bin 31 Jahre alt. Wenn ich mich auf einen Beruf festlegen müsste, dann wäre ich Job-Testerin. Zum Glück muss ich das aber nicht. Ich habe mir ein Arbeits-Portfolio zusammengestellt und schreibe, entdecke, lerne, mache Berufsberatung und Trainings, spreche und diskutiere. Alles immer rund um das Thema Arbeit. Aktuell suche und teste ich Zukunftsberufe. Die Berichte dazu findet ihr auf meinem Blog, ein Buch wird es im Anschluss des Projektes auch wieder geben.

 

 

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