Boreout: Das hilft gegen Unterforderung am Arbeitsplatz

Jeden Morgen kostet es dich unheimliche Überwindung und viel Energie aufzustehen und den Weg zur Arbeit auf dich zu nehmen. Deine anfängliche Motivation hat sich in Demotivation umgewandelt und du fühlst dich trotz weniger Aufgaben ausgelaugt und unausgeglichen – dein Job erfüllt dich nicht.

Wir verraten dir in diesem Beitrag mehr zum Thema Boreout und wie du endlich aus dem Teufelskreis ausbrechen und die Unterforderung bekämpfen kannst.

Anzeichen und Symptome für ein Boreout

Das Wort „Boreout“ kommt aus dem Englischen und ergibt sich aus den zwei Wörtern „bored“ und „out“. Es geht also im übertragenen Sinne darum, „aus-gelangweilt“ zu sein.

Mitarbeiter oder Mitarbeiterinnen, die unter dem Boreout-Syndrom leiden, fühlen sich demnach unterfordert und haben das Interesse an den täglichen Tätigkeiten, die ihr Beruf mit sich bringt, gänzlich verloren. Häufig versuchen die Betroffenen, die Unterforderung und Langeweile zu überspielen, da sie ihr Desinteresse nicht vor Kollegen oder Vorgesetzt zeigen möchten.

Folgende beispielhafte Symptome könnten darauf hinweisen, dass du an dem Boreout-Syndrom leidest[1]:

  • Niedergeschlagenheit und depressive Verstimmungen
  • Depression
  • Antriebslosigkeit, Erschöpfung oder Schlaflosigkeit
  • Magenbeschwerden
  • Schwindelgefühle
  • Kopfschmerzen
  • Angstzustände
  • Isolation

Das Boreout-Syndrom als ernstzunehmendes Problem

Dass dein Arbeitsalltag an dir vorbeizieht wie ein Slow-Motion-Film, den du weder vorspulen noch beenden kannst, hat nichts mit einer generellen Null-Bock-Einstellung deinerseits zu tun. Vielmehr ist eine dauerhafte Unterforderung der Grund: Quälst du dich über einen längeren Zeitraum von einer anspruchslosen Aufgabe zur nächsten, wird sich das langfristig auf deine Laune und deine körperliche Verfassung auswirken.

Hier gilt es, die Häufigkeit von anspruchslosen Tätigkeiten zu betrachten. Sich ab und an mit kleineren und weniger komplizierten Aufgaben eine Konzentrationspause zu gönnen, ist völlig in Ordnung und auch wichtig. Doch über kurz oder lang streben Menschen nach Herausforderungen, Anerkennung und Wertschätzung sowie neuen Tätigkeitsbereichen. Wir möchten unser Können unter Beweis stellen und das nicht nur vor Kollegen und Vorgesetzten, sondern auch vor uns selbst.

Wir wollen in den Spiegel schauen und das Gefühl haben, etwas beizutragen. Beginnen wir den Sinn unserer täglichen Arbeit zu hinterfragen, schleichen sich Selbstzweifel ein. Dir fehlt der Grund, dich morgens in die überfüllte U-Bahn zu quetschen, wenn sich doch sowieso niemand dafür interessiert, ob du pünktlich bist oder nicht. Nicht nur mangelnde Motivation sind die Folge: Das Boreout-Syndrom beschreibt die totale Erschöpfung, die sich einschleicht, wenn man dauerhaft unterfordert ist. Eindeutig diagnostizieren lässt sich dieses Phänomen nur selten, weil die Symptome sehr vielschichtig sind.

Quantitative vs. qualitative Unterforderung

Bei dem Auslöser eines Boreouts unterscheidet man zwischen quantitativer und qualitativer Unterforderung. Bei ersterem fallen generell wenige Aufgaben an. Kurz gesagt: Es gibt nichts zu tun. Das kann passieren, wenn ein Unternehmen neue Positionen schafft, ohne vorher den Bedarf zu analysieren. Bei der qualitativen Unterforderung erhält der Mitarbeiter wenig Verantwortung und kann kaum Eigeninitiative ergreifen. Beides führt zu enormer Unterforderung und Demotivation.

In beiden Fällen kann der Angestellte sehr viel Potential haben, welches in seinem Job aber so gut wie gar nicht zum Einsatz kommt. Entweder bietet sich im Unternehmen keine Möglichkeit, oder aber der Vorgesetzte lässt viel zu wenig Handlungsspielraum zu. Das Ergebnis ist häufig Gleichgültigkeit und Desinteresse. Versteht man sich nicht als Teil eines Teams, wird es einem auf Dauer gleichgültig sein, ob Erfolge erzielt werden oder nicht.[3] 

Ist man einmal in dieser Situation gefangen, wächst außerdem der emotionale Druck. In einer Generation, in der wir von unseren Titeln auf Visitenkarten definiert werden, gibt niemand gerne zu: Das was ich täglich in meinem Job mache, hat überhaupt keinen Sinn.

Das hilft gegen Boreout

Das Wichtigste vorab: Sich die Unterforderung einzugestehen und zu erkennen, dass es so nicht weitergehen kann, erfordert Mut. Bist du soweit, kannst du dich an den nächsten Schritt wagen und der lautet: Sprich es aus. Rede es dir von der Seele. Dazu kannst du erstmal enge Vertraute aus deinem Umfeld heranziehen, tausche dich aber auch mit deinen Kollegen aus.

Vergiss nicht, deine Situation ist nicht das Resultat schlechter Leistungen von dir oder eine falsche Arbeitseinstellung und deine negative Stimmung kein Zustand, der für den Rest deines Arbeitslebens über deinem Kopf schwebt wie eine graue Wolke.

Suche das Gespräch mit deinen Vorgesetzten, schildere die Situation und verlange nach neuen Aufgaben und Herausforderungen. Sollte sich langfristig an deinem Arbeitsplatz nichts ändern, trau‘ dich und ziehe die Konsequenzen. Nur du allein hast in der Hand, ob du etwas ändern und aus dem Tief ausbrechen willst.

Nochmal zusammengefasst:

  • Schaffe Bewusstsein: Gestehe dir ein, dass du in deinem Job unterfordert bist und ignoriere deinen Zustand nicht länger.
  • Sprich dein Problem aus: Freunde und Familie sind bestimmt gute Mutmacher. Viel wichtiger ist es aber, dein Problem auch vor deinen Kollegen und Vorgesetzten auszusprechen, um tatsächlich Änderungen zu erzielen.
  • Ziehe Konsequenzen, wenn sich nichts ändern sollte: Womöglich wartet bereits ein Arbeitgeber auf dich, bei dem du dein ganzes Potenzial ausleben kannst.

Hannah Reumann

Hannah ist seit März 2020 Mitglied der kununu Redaktion und schreibt Artikel über verschiedene Themen rund um die Arbeitswelt. Sie wohnt in Wien und studiert derzeit berufsbegleitend Marketing- und Salesmanagement im Masterstudiengang.

 

Quellen:

[1] focus.de
[2] spiegel.de
[3] business-wissen.de