Wieviel Geld macht glücklich?

Dem 2013 verstorbenen Publizisten Marcel Reich-Ranicki wird das Zitat zugeschrieben: "Geld allein macht nicht glücklich, aber es ist besser, in einem Taxi zu weinen als in der Straßenbahn." Wer mehr Geld verdient, der hat es einfacher im Leben. Aber macht ein hohes Gehalt wirklich glücklicher? Und wenn ja, wie hoch muss das Gehalt dann sein? Kann man auch weniger verdienen und glücklich sein? Wir haben uns mit diesen Fragen auseinandergesetzt und einige Studien zur Frage „Macht Geld glücklich?“ ausgewertet, um das Verhältnis zwischen Gehalt und Glück zu analysieren.

Macht Geld glücklich? Pro- & Contra-Argumente

Ja, Geld macht glücklich!

Es beruhigt ungemein, wenn man nicht jeden Cent zweimal umdrehen muss und sich den Lebensstandard, den man anstrebt, leisten kann. Finanzielle Unabhängigkeit wirkt enorm erleichternd auf die menschliche Psyche. Die meisten Arbeitsverhältnisse basieren nach wie vor auf dem Verständnis, dass der monetäre Ausgleich die wesentliche Motivation für Arbeitsleistung sei. Mehr Gehalt bedeutet mehr Motivation, bedeutet mehr Glück, so ist die landläufige Annahme.

Nein, ein hohes Gehalt allein macht nicht glücklich!

Geld ist nicht alles im Arbeitsleben! Für viele Arbeitnehmer:innen sind nicht mehr nur Gehalt und Aufstiegschancen die wesentlichen Faktoren, die beruflich glücklich machen. Arbeitnehmer:innen werden anspruchsvoller in ihren Erwartungen an ihre Beschäftigung. Der Job soll nicht mehr nur materiell glücklich machen, sondern auch darüber hinaus erfüllen. So gab jede:r zehnte Befragte der XING Gehaltsstudie 2019 an, für eine sinnstiftende Arbeit den Job wechseln zu wollen. Jede:r zweite wäre sogar bereit, für eine erfüllende Tätigkeit oder eine gesellschaftlich verantwortungsvolle Aufgabe auch weniger zu verdienen.

Wie viel Geld macht glücklich?

Die Frage, ab welchem Gehalt Menschen glücklich sind und ob sich unser Glück durch ein immer höheres Gehalt im gleichen Verhältnis immer weiter steigert, beschäftigt die Wissenschaft seit vielen Jahren. Bislang galt die allgemeine Erkenntnis, dass es einen Grenzwert gibt.

Die magische Schwelle in Sachen Glück hatten der Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahneman und sein Kollege Angus Deaton auf Basis der Ergebnisse ihrer viel beachteten Studie aus dem Jahr 2010 bei 75.000 US Dollar (aktuell ca. 64.000 Euro) Jahreseinkommen definiert. Bis zu dieser Schwelle steigen laut Kahneman und Deaton Einkommen und Glück beinahe linear, danach beginne die Kurve abzuflachen. Die Auswertung der knapp 450.000 Datenpunkte ergab zwar, dass die Studienteilnehmer:innen auch oberhalb der Grenze von 75.000 US-Dollar Einkommen ihr Leben als umso komfortabler einschätzen, je mehr sie verdienten. Allerdings blieb ihr Alltagsglück unverändert. Laut Kahnemman und Deaton liegt das daran, dass ab der magischen Grenze von 75.000 Dollar Jahreseinkommen das persönliche Glücksempfinden stärker durch andere Faktoren als das Einkommen beeinflusst wird, zum Beispiel davon, wie man lebt, vom sozialen Umfeld und dem individuellen Charakter. Die Erkenntnisse der Studie von Kahneman und Deaton zum Verhältnis von Einkommen und Glück galten jahrelang als allgemeingültig.

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Aktuelle Studien zum Thema Gehalt und persönliches Glück stellen diese immerhin zehn Jahre alten Erkenntnisse jedoch in Frage. Eine Anfang 2021 veröffentlichte Studie des US-amerikanischen Forschers Matthew Killingsworth kommt zu dem Schluss, dass es kein Maximal-Einkommen gibt, ab dem der Einfluss des Gehalts auf das persönliche Glück abnimmt. Je höher das Gehalt, desto glücklicher ist man, das ist die Grunderkenntnis von Killingsworth, der für seine Studie 1,7 Millionen Datenpunkte mit der von ihm entwickelten App „Track Your Happiness“ ausgewertet hat. Killingsworth erklärt sich die Ergebnisse unter anderem damit, dass Besserverdienende ein gesteigertes Gefühl der Kontrolle über das Leben haben.

Eine Anfang 2021 veröffentlichte Studie aus Deutschland im Auftrag der Initiative „7 Jahre länger“ kommt zu einem ähnlichen Schluss. Menschen mit höherem Einkommen seien im Alter die glücklicheren. Sie würden nicht nur ihre finanzielle Lage besser beurteilen, sie seien auch mit anderen Lebensbereichen deutlich zufriedener als weniger Vermögende. Im Rahmen der Untersuchung wurde die Zufriedenheit von über 60-Jährigen in sechs Kategorien abgefragt: Freunde, Freizeit, Gesundheit, finanzielle Lage, Wohnsituation, Familie und Partnerschaft.

Die Frage “wie viel Geld macht glücklich?“ ist auf der Basis wissenschaftlicher Studien also nicht eindeutig zu beantworten. Es kann aber durchaus Sinn machen, wenn du dich persönlich mit der Fragestellung auseinandersetzt. Denn eines ist klar: Man kann auch weniger verdienen und glücklich sein. Laut XING Gehaltsstudie möchten Arbeitnehmer:innen in den deutschsprachigen Ländern ohnehin am liebsten selbst bestimmen, wann sie mit ihrem Gehalt glücklich sind. So geben 72 Prozent der Deutschen und 78 Prozent der österreichischen Befragten an, dass sie ihr eigenes Gehalt gerne selbst festlegen möchten.

Macht dein Gehalt dich unglücklich?

Wenn du zum Beispiel herausfindest, dass Kolleg:innen in ähnlichen oder gleichen Positionen wie du deutlich mehr Gehalt verdienen, kann das sehr unzufrieden machen. In einem solchen Fall solltest du die Ruhe bewahren und deine nächsten Schritte planen, anstatt unglücklich mit deinem Einkommen zu bleiben und den Kopf in den Sand zu stecken. Zumindest für den deutschen Arbeitsmarkt ist seit 2017 das Entgelttransparenzgesetz bindend. Das Gesetz soll dafür sorgen, Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen mit gleichem Erfahrungsgrad und in gleichen Tätigkeiten abzubauen.

Bist du mit dem Gehalt in deinem aktuellen Job nicht glücklich und der Meinung, dass du ein höheres Einkommen verdienst? Plane den richtigen Zeitpunkt, um eine Gehaltserhöhung zu verhandeln. So steigerst du die Chance darauf, dass du in der Gehaltsverhandlung das Gehalt erhältst, mit dem du glücklich wirst.

letztes Update: 16. September 2021