Frau mit Boxhandschuhen

Hallo Chef, ich will mehr Geld! Expertentipps für deine Gehaltsverhandlung

Du hast die Hand schon auf der Türklinke und holst tief Luft – doch dann verlässt dich der Mut. Alle sorgfältig bereitgelegten Worte sind mit deinem Selbstbewusstsein irgendwo zwischen dem ersten Kaffee und der Mittagspause hängen geblieben. Dabei wolltest du dem Chef diesmal wirklich klar machen, dass du mehr Geld brauchst. Nur ist das leichter gesagt als getan. Damit deine nächste Gehaltsverhandlung besser läuft und du dir holst, was dir zusteht: XING Coach und Karriereberater Christian Richter verrät seine Expertentipps!

kununu: Gibt es einen perfekten Zeitpunkt oder vielleicht sogar den besten Ort für das Gespräch?

Christian Richter: Wenn du zum Beispiel gerade einen besonderen Erfolg verbuchen konntest, bietet es sich an, diesen Moment zu nutzen, um das Gespräch zu suchen. Es sollte aber nicht den Anschein machen, das du nur die Gelegenheit ausnutzen willst. Frage dich einfach selbst, wann du die Frage nach mehr Gehalt für angemessen halten würdest, wenn du der Chef wärst. Achte z. B. auch darauf, welchem Stress dein Vorgesetzter gerade ausgesetzt ist. Zwischen zwei Dienstreisen hat er vielleicht weniger den Kopf für ein Gespräch frei, als wenn er selbst gerade ein Projekt erfolgreich abgeschlossen hat.

Welchen Tipp hätten Sie sich vor Ihrer ersten Gehaltsverhandlung gewünscht?

Im Nachhinein wäre es wirklich gut gewesen, mehr die Perspektive des Vorgesetzten zu analysieren und so den passenden Zeitpunkt für ein Gespräch zu finden als auch  passendere Argumente  zusammenzustellen. Außerdem hätte ich wohl noch mehr über meine eigen Stärken und Schwächen nachdenken sollen, um besser für eine Diskussion über meinen Mehrwert für das Unternehmen  gewappnet gewesen zu sein.

Wie reagiere ich auf ein „Nein, mehr Geld gibt es nicht“?

Hinterfrage das „Nein“! Welche Gründe sprechen dagegen? Betreffen diese mich persönlich? Gibt das Gehaltsgefüge nicht mehr her? Liegt es an der Performance des Unternehmens? So kannst du herausfinden, in welchem Maße du überhaupt Einfluss auf eine zukünftige Verbesserung des Gehalts nehmen kannst oder eben auch nicht.

Mit der Frage: „Was müsste sich denn ändern, damit ich mehr Gehalt bekomme?“ lässt sich der ein oder andere Chef ganz gut aus der Reserve locken. Schließlich muss er dann konkrete Aussagen treffen. Auf diese würde ich bestehen und in einem Gesprächsprotokoll als Zielvereinbarung für eine Gehaltserhöhung festhalten lassen.

Und wie war Ihre erste Gehaltsverhandlung?

Nicht besonders erfolgreich. Aber ich hatte auch wirklich eine geizige Chefin vor mir, die fand, dass ich mich weiter beweisen müsste und man dann über weitere gehaltstechnische Entwicklungen sprechen könnte. Ich kannte das Unternehmen aber schon, da ich meine Abschlussarbeit dort geschrieben hatte. Ich hab es akzeptiert, weil ich sofort starten konnte, die Kollegen sympathisch fand und auch an meine Stärken, mich unter Beweis zu stellen, geglaubt habe.

Angriff als beste Verteidigung? Falle ich sofort mit der Tür ins Haus oder taste ich mich lieber vorsichtig an das Thema heran?

Das kommt ganz darauf an, wie du deinen Vorgesetzten einschätzt. Wenn dieser sehr spontan ist, einen „Angriff“ zu schätzen weiß und als Zeichen von Stärke wertet, dann darfst du ruhig sehr direkt vorgehen.

In den meisten Fällen bietet es sich aber eher an, den Vorgesetzten um einen Besprechungstermin zu bitten und auch das Thema vorher bekannt zu machen. So hat dieser Zeit, sich darauf vorzubereiten und sich mit deiner Leistung und den Perspektiven, die er anbieten möchte, intensiv zu beschäftigen. Schließlich wird die Gehaltsverhandlung häufig mit einem Feedback zu erreichten Zielen, persönlichem Engagement und einer möglichen Steigerung des Verantwortungsrahmens (Job Enrichment) kombiniert. Genauso werden auch Schwächen angesprochen. Auf den Austausch hierzu solltest du dich somit genauso gut vorbereiten, wie auf die Gehaltsverhandlung als solches. Für beide Seiten ist es ratsam, hierzu alle wichtigen Fakten im Vorfeld zusammenzustellen, sodass im Gespräch über die Leistungskennzahlen gesprochen werden kann. Viele Vorgesetzte sehen hier den Mitarbeiter auch in der Bringschuld.

Was tue ich, wenn der Chef mich nicht ernst nimmt?

Erstmal solltest du in diesem Fall die eigene Argumentation überprüfen. Vielleicht hast du nicht genügend gute Gründe auf den Tisch gebracht, um dein Anliegen ausreichend zu begründen. Hast du dich genügend mit der Perspektive des Vorgesetzten beschäftigt? Wie schätzt dieser dich ein?

Lass dir ein umfassendes Feedback vom Vorgesetzten geben. Dies hilft dir, im ersten Schritt seine Wahrnehmung einzuschätzen. Fällt dieses nicht besonders positiv aus, sind die Chancen für eine Gehaltserhöhung auch eher gering. Vielleicht kannst du die Situation aber auch gut nutzen, um deine Erfolge und Pläne für die Zukunft anzusprechen. Überlege im Vorfeld, in welchen Punkten du deinen Chef vielleicht direkt unterstützen kannst. Wenn du das vorträgst, wird der Vorgesetzte vielleicht hellhörig und kommt dir entgegen.

Eine Gehaltsverhandlung bietet immer auch die Chance zu überprüfen, welche Perspektiven in den nächsten Jahren möglich sind. Wenn das Unternehmen dir nichts anbieten kann oder der Konkurrenzkampf um eine attraktive Position zu hoch ist, lohnt es sich evtl. über einen Wechsel nachzudenken, um die eigene Karriere voranzutreiben. Nutze also die Möglichkeit, solche Themen auch geschickt zu hinterfragen. Ich rate daher immer dazu, möglichst viele offene Fragen schon im Vorfeld zu formulieren und im Zweifelsfall einen Spickzettel mit ins Gespräch zu nehmen.

Mit welcher Körpersprache kann ich schon vorab signalisieren, dass ich weiß was ich will und dass es mir zusteht?

Besonders aggressive oder hektische Gesten solltest du vermeiden. Desto mehr Ruhe du ausstrahlst, umso souveräner wirst du wirken. Suche den Blickkontakt zu deinem Gegenüber und baue auch körperlich eine gewisse Nähe auf, indem du dich z. B. seitlich zu deinem Gesprächspartner hinsetzt. Das baut Distanz ab und wirkt weniger konfrontativ.

 


Christian Richter ist Geschäftsführer der Unternehmen Karriereservice.de und select if Personalberatung. Mit seiner langjährigen Erfahrung unterstützt er mittelständische Unternehmen bei Recruiting und Personalauswahl und begleitet als Coach Fach- und Führungskräfte auf ihrem Karriereweg. Darüber hinaus ist er als Lehrbeauftragter an verschiedenen Hochschulen tätig und hält Vorlesungen über Personalmanagement und Methodenlehre.

 

 

Bewerte deinen Arbeitgeber auf kununu