Gehaltsvorstellung

Nicht unter Wert verkaufen: So formulierst du die Gehaltsvorstellung

Früher oder später wirst du dich in einem Bewerbungsprozess mit deinem Gehaltswunsch auseinandersetzen müssen. Ansonsten folgt beim Unterschreiben des Arbeitsvertrags nämlich sicher ein ganz böses Erwachen. Wir sagen dir, wann der richtige Zeitpunkt für die Angabe deiner Gehaltsvorstellung ist, wie du sie am besten formulierst und wie du deinen eigenen Wert als Mitarbeiter überhaupt erst bestimmen kannst.

Nicht in jedem Land brauchst du eine Gehaltsvorstellung

Wer gerade in Deutschland oder der Schweiz auf Jobsuche ist, kennt den Satz: „Bitte bewerben Sie sich ausschließlich mit Angabe Ihrer Gehaltsvorstellung“. Bei manchen Bewerbern löst das schon leichte Panik aus und auf einmal schwirren unzählige Fragen im Kopf herum: Wie viel bin ich wert? Verspiele ich mir meine Chancen mit einer zu hohen Gehaltsvorstellung? Wie viel verdienen eigentlich die anderen? Diese Panik ist wenig verwunderlich, wenn man bedenkt, dass das Gehalt großen Einfluss auf den eigenen Lebensstandard hat.

Du verstehst gerade nur Bahnhof? Dann bist du vermutlich Österreicher. Hier gibt es nämlich im Gegensatz zu Deutschland und Schweiz seit März 2011 die Regelung, dass Arbeitgeber, private Arbeitsvermittler und mit der Arbeitsvermittlung betraute Personen in ihren Stellenanzeigen zumindest ein Mindestgehalt ohne anteilige Sonderzahlungen angeben müssen. Dem Bewerber bietet das vor allem eine Orientierungsmöglichkeit. Zwar kannst du trotzdem gleich im Anschreiben eine Gehaltsvorstellung angeben – meistens interessieren sich die Personaler aber erst im Bewerbungsgespräch für deine konkreten Vorstellungen. Es ist aber unabhängig davon unbedingt sinnvoll, dass du dir schon möglichst früh Gedanken über dein Wunschgehalt machst. Wenn das angegebene Mindestgehalt sehr stark von der Zahl in deinem Kopf abweicht, kannst du auch schon im Anschreiben darauf hinweisen, um böse Überraschungen zu vermeiden und allen Parteien Zeit zu sparen. Keine Sorge: Für euch Österreicher bleiben unsere Informationen somit genauso spannend wie für die Deutschen und Schweizer.

Der richtige Zeitpunkt für die Gehaltsvorstellung

Sofern das Unternehmen in seiner Stellenanzeige eine verpflichtende Gehaltsvorstellung in der Bewerbung verlangt, solltest du dieser Forderung nachkommen. Der Personaler könnte sich sonst denken, dass du die Ausschreibung nicht richtig durchgelesen hast oder nicht mit der nötigen Ernsthaftigkeit an die Sache herangehst. Für dich bedeutet das womöglich ein frühes Aus im Bewerbungsprozess und keine Einladung zum Vorstellungsgespräch.

Bei dem Job, der dich interessiert, findest du partout keine Aufforderung zur Angabe einer Gehaltsvorstellung? Auch das ist möglich und verändert den Zeitpunkt des Gehaltswunschs. Nun fragst du dich vermutlich, ob du im Anschreiben trotzdem darauf eingehen sollst. Du hast in einem solchen Fall zwei Möglichkeiten: Entweder erwähnst du deine Wünsche trotzdem und trittst selbstbewusst, aber vielleicht etwas arrogant auf. Oder du hältst dich vornehm zurück, verschwendest mit der Bewerbung aber vielleicht Zeit, weil erst am Ende des Bewerbungsprozesses herauskommt, dass eure Vorstellungen zu weit auseinanderliegen. Bei modernen Unternehmen ist wohl eher die forsche Vorgehensweise empfehlenswert, traditionelle Arbeitgeber dürften die zweite Option bevorzugen. Frage bei Unsicherheit einfach bei der in der Stellenanzeige angegebenen Kontaktperson nach! Spätestens im Vorstellungsgespräch solltest du deine Gehaltsvorstellung genau durchdacht und für den Personaler parat haben.

Nicht vergessen: Deine Gehaltsvorstellung kann sich natürlich auch während des Arbeitslebens ändern – ganz ohne eine Bewerbung für einen neuen Job. Hier erfährst du, welche fünf Fehler bei der Gehaltsverhandlung dich so einige Euros bzw. Schweizer Franken kosten könnten.

Den eigenen Wert herausfinden

Einen Personaler überzeugst du von deinen Gehaltsvorstellungen am besten mit einer guten Argumentation. Und dafür musst du deinen eigenen Wert auf dem Jobmarkt kennen. Stelle dir die folgenden Fragen:

 

  • Welche Qualifikationen habe ich?
  • Wie viel Erfahrung habe ich?
  • Was sind meine Soft Skills?
  • In welcher Branche arbeite ich?
  • Wie groß ist das Unternehmen?

 

Klar, mehr Erfahrung bedeutet mehr Gehalt. Aber auch spezielle Qualifikationen, die du dir in deiner beruflichen Vergangenheit angeeignet hast, bedeuten ein Plus auf dem Gehaltskonto. Soft Skills wie eine gute Teamfähigkeit oder emotionale Intelligenz werden für Arbeitgeber immer wichtiger und spiegeln sich im Lohn wider. Größere Unternehmen bezahlen durchschnittlich mehr Gehalt als kleine oder mittelständische Arbeitgeber. Das gilt auch für Branchen wie die Pharma- oder Autoindustrie, die grundsätzlich ein eher starkes Lohnniveau haben. Bei deiner Bewerbung kannst du also etwas höher (bzw. niedriger) pokern. Welche Fragen du dir neben unseren Beispielen außerdem stellen solltest, sagen wir dir in diesem Artikel mit einem kununu Selbsttest.

Allgemein kannst du mit ruhigem Gewissen rund 10 Prozent auf dein bisheriges Gehalt aufschlagen.  Mache dir aber bewusst, dass du bei diesem Betrag noch ein wenig Spielraum nach oben und nach brauchst. Nach unten ist aus Arbeitgebersicht klar. Aber nach oben? Die Gehaltsvorstellung zu erhöhen bietet sich beispielsweise an, wenn dich dein neuer Arbeitgeber mit seinen Benefits nicht ausreichend überzeugen kann, um auf einen kleinen Teil des Gehalts zu verzichten. Verkaufe dich aber auch für den besten Job nie unter deinem Wert!

Du brauchst noch mehr Orientierungspunkte, um deine Gehaltsvorstellung zu fixieren? Wir haben da etwas für dich, falls du zufällig Marketing Manager, Informatiker, Account Manager oder Bauingenieur bist.

Die verschiedenen Formulierungsmöglichkeiten

Mittlerweile hast du deinen Marktwert ermittelt und es geht dir nur noch um die Formulierungsmöglichkeiten? Hilfe naht!

Im Normalfall erwähnst du deine Gehaltsvorstellung im letzten Satz deines Bewerbungsanschreibens. Warum? Aus einem einfachen Grund: Man geht davon aus, dass der Personaler bis zu deinem Gehaltswunsch bereits von deinen Fähigkeiten und deiner Erfahrung beeindruckt wurde. Da nicht jeder HR-Mitarbeiter deine Bewerbung von Anfang bis Ende liest, sondern einfach kurz die wichtigsten Facts abscannt – und dazu gehört natürlich die Gehaltsvorstellung -, verringerst du deine Chancen vermutlich aber auch mit einer anderen Positionierung nicht.

Viel mehr Einfluss als die Position im Text hat die Formulierung der Gehaltsvorstellung. Hier haben wir vier verschiedene Textbeispiele mit den dazu passenden Erklärungen für dich:

 

„Mein Gehaltswunsch liegt bei 50.000 Euro brutto.“

Diese Art der Formulierung bringt all deine Wünsche direkt auf den Punkt – friss oder stirb. Da du keinen Verhandlungsspielraum angibst, könnte deine Bewerbung allerdings bald aussortiert werden. Achte darauf, dass dem Personaler eindeutig klar wird, warum er dich für diesen Betrag einstellen sollte.

„Nachdem Sie sich nun ein Bild über meine Qualifikationen, Hard und Soft Skills machen konnten, möchte ich meinen Gehaltswunsch bei 45.000 Euro brutto festlegen.“

Viele Bewerber achten in ihrer Bewerbung auf die stichhaltige Argumentation ihrer finanziellen Ansprüche. Auch bei HR kommt das gut an. Falls sie deine Bewerbung nur überflogen haben, werden sie mit diesem Satz indirekt zum Nachlesen aufgefordert.

„Da ich zunächst mehr Informationen zu Ihrem Unternehmen und der genauen Stellenbeschreibung haben möchte, werde ich meine Gehaltsvorstellung erst danach formulieren.“

Du bist kein Angsthase, wenn du diese Formulierung verwendest! Es zeigt sogar, dass du dir sehr viele Gedanken um deinen zukünftigen Job machst und bereit wärst, für den Traumjob Kompromisse zu schließen. Gleichzeitig ist diese Gehaltsvorstellung sehr abstrakt und hat für HR eigentlich keine Aussagekraft.

„Meine Gehaltsvorstellung liegt zwischen 30.000 und 35.000 Euro brutto.“

Auch damit zeigst du dem neuen Unternehmen gegenüber Kompromissbereitschaft, machst aber deutlicher, wo deine absoluten Unter- und Obergrenzen liegen. Außerhalb dieser Grenzen gibt es für dich keinen Spielraum, was dem Arbeitgeber klar sein muss. Lass dich nur weiter herunterhandeln, wenn der Job ansonsten wirklich perfekt für dich ist.

kununu Bewertungen zum Thema Gehalt

„Wenn man bis zur Pension keine Ansprüche an das Gehalt hat, kann man bei der Firma bleiben.“ – Bewertung bei VSL Mehrwegverpackungssysteme GmbH

„Mit Spaß an der Arbeit kann man leider keine Miete zahlen.“ – Bewertung bei Lichtenheldt GmbH

„Wenn Gehalt zu Schmerzensgeld wird.“ – Bewertung bei Novelis Deutschland GmbH

„Ich bin lieber glücklich als reich.“ – Bewertung bei TeamEcho GmbH

„Was hätte mich sonst halten sollen, wenn nicht ein gutes Gehalt.“ – Bewertung bei Shire