Tipps zum Traumjob finden

Wie finde ich meinen Traumjob?

Wer seinen ganz persönlichen Traumjob finden möchte, kann dafür einiges tun. Berufscoach Dorothea Lübke verrät, wie Sie den Traumarbeitgeber finden und mit ein paar Tricks schon vorab in detektivischer Kleinarbeit hinter die Fassaden eines Unternehmens blicken können.

Verlockend klingen die Zeilen des Inserats – doch von der Firma haben Sie noch nie gehört? Oder: Das Traum-Unternehmen hat endlich einen spannenden Job ausgeschrieben. Aber ist ein Betrieb der richtige, nur weil man die Produkte und das Image mag? Fragen über Fragen, mit denen sich Berufscoach Dorothea Lübke in ihrer täglichen Arbeit immer wieder beschäftigt. Was kann man also tun, um herauszufinden, ob sich hinter einem Unternehmen der ganz persönliche Traumarbeitgeber verbirgt? „Finden Sie heraus, was die Vision einer Firma ist! Was möchte das Unternehmen eigentlich?“, lautet der Rat der Coaching-Expertin. Nicht nur das Internet bietet ein ganzes Füllhorn an Informationen. Das Studieren der Website, aber auch von Social-Media-Auftritten einer Firma gibt einen ersten Einblick in die Ziel, Visionen und Einstellungen eines potenziellen Arbeitgebers. Suchen Sie nach Schlagworten und Überschriften und versuchen Sie, zwischen den Zeilen zu lesen. Wenn Sie die Version gefunden haben, fragen Sie sich: „Können Sie sich mit der Vision des Unternehmens identifizieren?“

Wie behandelt die Firma Mitarbeiter und Kunden?

Natürlich kann es auch vorkommen, dass Selbstbild und Fremdbild des Unternehmens nicht zusammenpassen. Der Betrieb wäre vielleicht gerne so, wie in der Hochglanzbroschüre als Vision beschrieben, in Wirklichkeit sieht es aber anders aus. Forschen Sie also weiter nach und gehen Sie der Sache auf den Grund. Nächster Schritt: „Finden Sie heraus, wie das Unternehmen Kunden und Mitarbeiter behandelt“, sagt die Coaching-Expertin. Denn: „Wie eine Firma Kunden behandelt, so behandelt sie häufig auch ihre Mitarbeiter.“ Der Umgang mit Kunden lässt sich leicht herausfinden: „Gehen Sie inkognito zum Unternehmen“, rät Dorothea Lübke. „Oder tätigen Sie einen Kundenanruf.“ Wie geht die Firma mit Kritik um? Gibt es vielleicht Stellungnahmen auf Facebook, kununu und Co.? Sammeln Sie alle Informationen, die Sie finden können. Was andere über das Unternehmen sagen, ist natürlich ebenso wichtig. Welches Image hat die Firma, kennt man sie und wie reagieren Freunde, Bekannte oder Branchenkenner auf den Namen? Taucht der Firmennamen in der Medienberichterstattung auf und wenn ja, wie? Lesen Sie Erfahrungsberichte von Mitarbeitern, die im Betrieb beschäftigt sind oder waren. Oder: Vielleicht kennen Sie ja bereits jemanden, der in der Firma arbeitet oder jemand anderen kennt, der dort arbeitet? Dafür ist auch das Business-Netzwerk XING perfekt geeignet: Hier sieht man auf einen Blick, ob jemand aus meiner Kontaktliste einen Ansprechpartner aus der Traumfirma kennt.

Der erste Eindruck zählt

Vor Ort erfahren Sie mehr – das gilt vor allem für Kleinunternehmen, über die man sonst vielleicht nur wenige Informationen findet. Auch beim Vorstellungsgespräch heißt es: „Der erste Eindruck zählt.“ Achten Sie auf Ihr Bauchgefühl: „Wie ist mein erster Eindruck? Bin ich beklemmt, fühle ich mich wohl und wahrgenommen, werde ich wertschätzend behandelt? Gute Unternehmen behandeln nämlich auch ihre Bewerber gut“, so Dorothea Lübke. „Normalerweise spürt man den Geist von Mitarbeitern, man spürt, ob die Mitarbeiter glücklich sind. Wenn man das Gefühl hat, die Leute fühlen sich wohl, dann ist das ein gutes Zeichen“, sagt sie. Was man ebenso rasch merkt: „Ist die Firma chaotisch oder strukturiert?“ Hier gilt es, sich Gedanken zu machen, was man selber möchte. Möchte ich in einem konservativen Unternehmen arbeiten, ist mir Sicherheit wichtig? Oder will ich selbstständig arbeiten und brauche daher weniger Strukturen? Möchte ich eine geregelte Arbeitszeit, Gleitzeit, oder Homeoffice, weil ich zum Beispiel ein Kindergartenkind habe? Will ich den Job als Sprungbrett für die Karriere benutzen oder gebe ich einer ausgeglichenen Work-Life-Balance den Vorzug? Achten Sie also den „Arbeitsplatzcode“ und die Details vor Ort, stellen Sie Fragen und gleichen Sie dieses Wissen mit den eigenen Wünschen ab. Welchen Rahmen möchte Sie also haben? Das alles hilft Ihnen, herauszufinden, ob Sie überhaupt in diesem Unternehmen arbeiten möchten. Wichtig ist auch, sich die Frage zu stellen, ob der Traumarbeitgeber überhaupt noch aktuell ist. Wenn es ein Unternehmen gibt, bei dem Sie immer schon einmal arbeiten wollten: Aus welcher Zeit stammt dieser Wunsch, vielleicht aus Teenager-Tagen? Was fasziniert Sie an dieser Firma? Gefällt Ihnen die Werbung? Ist es das Image? Was konkret macht das Unternehmen also zu Ihrem Traumarbeitgeber? Und ist er es tatsächlich noch?

Traumarbeitgeber ermittelt? Dann ran an den Job!

Dass man auch auf unkonventionellem Weg zum Ziel kommen kann, zeigt ein Beispiel. Ein junger Mann aus Wien wollte sich beruflich umorientieren und Lehrer werden. Doch in öffentlichen Schulen gibt es ganz klare Regeln, wann Stellen ausgeschrieben werden und in welchem Zeitraum man sich bewerben kann. Trotz dieser Tatsache suchte Markus S. sich verschiedene Schulen in Wien heraus, die ihm gefielen und die er sich als zukünftigen Arbeitsplatz gut vorstellen konnte. Dann ging er ohne Vorankündigung in die Direktion einer Schule, spazierte hinein und kündigte an, dass er gern seine Bewerbungsunterlagen abgeben möchte. Die Sekretärin war im ersten Moment völlig überfordert und stotterte: „Aber wir haben doch jetzt gar keine Stelle ausgeschrieben, Sie sind viel zu spät dran“. Darauf Markus S.: „Das stimmt nicht, ich bin nicht zu spät, sondern einfach viel zu FRÜH dran. Sie werden im April wieder Stellen ausschreiben und ich möchte halt jetzt schon ankündigen, dass ich Interesse habe, beste Qualifikationen dafür mitbringe und dass ich, sollte schon früher eine Lehrkraft gebraucht werden, gern jederzeit bei Ihnen anfangen könnte!“ Markus S. hatte in diesem Fall zwar kein Glück an der Schule, fand aber sehr bald darauf eine tolle Stelle an einer anderen Schule, die er vermutlich nie bekommen hätte, wenn er nicht von sich aus an verschiedenste Schulen herangetreten wäre um sich zu bewerben, obwohl gar nicht „offiziell Bewerbungsphase“ war. Hätte er auf April gewartet, wären außer ihm vielleicht noch viele andere Bewerber in Frage gekommen. So war er der Erste und bekam den Posten.

Seien Sie mutig!

„Haben Sie den Mut, an Unternehmen heranzutreten. Wahrscheinlich werden Sie zwar von vielen Unternehmen eine negative Antwort bekommen, einfach weil es wirklich keinen Bedarf für Sie gibt. Aber vielleicht klappt es zwar nicht beim ersten, zweiten oder dritten Mal, dafür aber beim vierten Versuch!“, rät der Berufscoach. „Bleiben Sie hartnäckig und beharrlich an Ihrem Ziel dran! Erfolg kann nur haben, wer weiß, was er will und darauf vertraut, dass es möglich ist, dieses Ziel wirklich zu erreichen. Und natürlich, dass er sein Bestmöglichstes tut, um dorthin zu gelangen.“ Zusammenfassend lautet der Rat der Expertin: „Hören Sie auf das eigene Gefühl und schauen Sie, ob es Kritiken gibt. Informieren Sie sich also vorab in jeder Hinsicht. Und bewerben Sie sich dann gezielt für ein Unternehmen.“ Und vergessen Sie dabei nicht auf die Möglichkeit einer Initiativbewerbung. „Womöglich weiß Ihr zukünftiger Arbeitgeber ja noch gar nicht, wie gut er Sie mit Ihrem Wissen, Ihren Talenten und Fähigkeiten eigentlich brauchen könnte“, sagt Dorothea Lübke. Tipp: Wer sich auf die Suche nach dem Traumarbeitgeber machen möchte, kann auf kununu gleich nach einem Arbeitgeber suchen (z.B. nach Branche) oder Arbeitgeber-Rankings, wie die frauenfreundlichsten Unternehmen oder die Unternehmen mit der besten Work-Life-Balance durchsuchen.

Text: Sonja Tautermann

Über Dorothea Lübke:

Dorothea Lübke ist Berufscoach mit eigener Praxis in Wien. Vor ihrer Selbstständigkeit arbeitete sie u.a. in der Arbeitsvermittlung.