Unzufrieden im Job

Unzufrieden im Job – was tun?

Gehen oder bleiben? Wer sich im Beruf diese Frage stellt, steht gar nicht alleine da. Einer aktuellen XING-Studie zufolge ist jeder Dritte mit seiner beruflichen Situation unzufrieden und hat einen Wechsel des Arbeitgebers bereits in Betracht gezogen. Was man konkret tun kann, wenn man unzufrieden im Job ist, verrät Berufscoach Dorothea Lübke.

Als Frau K. zu Berufscoach Dorothea Lübke kam, wusste sie nicht, was los war. Sie war unzufrieden mit ihrem Leben und hatte eine gewisse Ahnung, dass der Job die Ursache dafür sein könnte. Zwar hatte sie eine gut bezahlte, renommierte Position in einem Unternehmen. Doch ihr Chef gab ihr stets das Gefühl, nach ihrem Stuhl greifen zu wollen und auch mit ihren Kollegen kam sie nicht gut klar. Außerdem hatte sie ohnehin nie gewusst, was sie wollte. Und dann war da noch die Angst, arbeitslos zu sein, da sie Sicherheit brauche.

„Irgendetwas stimmt nicht…“

Für Dorothea Lübke sind Beispiele wie diese typisch. „Ich habe im Coaching oft Klienten, die beruflich unzufrieden sind“, sagt die Coaching-Expertin aus Wien. „Viele sind unzufrieden, gestehen es sich aber selbst nicht ein. Andere wiederum kommen in die Beratung und wissen nur, etwas stimmt nicht. Sie sind mit dem Leben unzufrieden, haben auf nichts Lust oder kein Ziel vor Augen. Sie wissen nicht, was da ist. Dahinterliegend ist oft der Beruf als Ursache zu finden.“ Die Unzufriedenheit sei aber oft sehr subtil. Wenn vielen aber gar nicht bewusst ist, dass etwas nicht stimmt – woran merkt man dann, dass etwas im Job nicht passt? Dafür gebe es viele kleinere und größere Anzeichen: „Wenn man in der Früh fast täglich aufwacht und merkt, dass man das, was man heute tun will, nur ungern macht – dann sollten die Alarmglocken schrillen. Wenn man sich privat nicht mehr entspannen kann, dauernd müde und antriebslos ist und sich unwohl fühlt, sobald man nur an seinen Job denkt. Oder wenn der Kopf sagt: ‚Ja, ich bin glücklich, ich haben einen tollen Job’, aber man fühlt’s nicht – dann merkt man, es stimmt etwas nicht.“ Vom Typ her sei ihr gleich aufgefallen, dass Frau K. sehr wohl wisse, was sie wolle, so Dorothea Lübke. „Sie hat selber nicht gemerkt, dass sie eine klare Vorstellung von ihrem Traumjob hat. Typisch ist, dass der Wunsch zwar da ist, aber sofort Gründe genannt werden, warum man das nicht tun kann. Wenn das ‚Aber’ größer ist als der Wunsch, wird man aber nicht weiterkommen.“ Ein Coach kann helfen, den Wunsch, aber auch die inneren Widerstände klarer zu sehen. Andere Sichtweisen einzunehmen. Häufig hätten wir nämlich eine eingeschlossene Sichtweise, bei der wir aus den vielen „Abers“ nicht herauskämen.

Bin ich am richtigen Platz?

Die wichtigste Frage in einer solchen Situation lautet für den Coach: „Bin ich am richtigen Platz in der richtigen Position?“ Der erste Schritt sei, sich erst einmal bewusst zu machen, dass etwas nicht stimme, „im Keller mal das Licht aufdrehen“, so Dorothea Lübke. „Eine Bestandsaufnahme machen: Was ist es? Welche Position habe ich, was habe ich zu leisten und erfüllt es mich? Wie ist das Umfeld, die Beziehung zum Chef? Wie ist die Tätigkeit, anspruchsvoll oder überfordernd? Gibt es Entwicklungschancen?“, nennt sie einige Beispiele. Das könne man entweder selber tun oder mit Hilfe eines Coaches. So kristallisieren sich dann die Antworten auf viele Fragen heraus: Ist es die Tätigkeit, die nicht passt? Stimmen die Beziehungen zu Kollegen und Vorgesetzten? Ist das Unternehmen nicht das richtige? Oder passt der ausgeübte Beruf nicht mehr, geht es also um eine Neuorientierung?

Den Weg der Veränderung gehen

Hat man die Ursache der Unzufriedenheit herausgefunden, geht es darum, „das Feld der Möglichkeiten zu vergrößern. Die eigenen Potenziale herausfinden, aber auch real abschätzen, was nun zu tun ist.“ Coaching könne dabei helfen, den neuen Weg zu gehen und Hindernisse, auf die man stoße, zu meistern. Und was ist nun mit Frau K.? Nach einigen Stunden Coaching sei ihr plötzlich der Knopf aufgegangen, sagt Dorothea Lübke. Ihre Klientin wechselte innerhalb der Firma und ist nun in einer neue Position glücklich. Denn das Unternehmen und die Branche waren für Frau K. grundsätzlich schon richtig. Nur der Platz innerhalb des Unternehmens hatte nicht gestimmt. Dorothea Lübke ist fest davon überzeugt, dass in jedem Menschen ein Riesen-Potenzial steckt, das es nur zu entfalten gelte. Für sie gehe es beim Coaching „weg vom Fehler suchen, hin zum Finden der eigenen Potenziale. Wieder zur eigenen Freude finden. Das Leben nicht mehr erleiden, sondern es aktiv gestalten.“ Coaching sei eine Wegbegleitung: „Ich trage dich nicht, aber ich unterstütze dich dabei, dass du selber gehen kannst.“ Dafür brauche man Durchhaltevermögen und eine gehörige Portion Mut. „Aber das Tolle ist die Belohnung, die man dafür bekommt: Sein Leben so zu leben, wie man es gerne möchte.“ Text & Interview: Sonja Tautermann

Über Dorothea Lübke:

Dorothea Lübke ist Berufscoach und Ernährungsberaterin mit eigener Praxis in Wien. Vor ihrer Selbstständigkeit arbeitete sie u.a. in der Arbeitsvermittlung. www.luedo.at