Sexistische Sprüche

Sexismus am Arbeitsplatz + Die besten Konter für sexistische Sprüche

Traurig, aber wahr: Sexismus ist für viele Menschen Teil ihres Arbeitsalltags. Mehr als zwei Drittel der Frauen in Deutschland haben bereits sexistisches Verhalten oder sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erlebt. Das ergab eine Studie der Foundation for European Progressive Studies (FEPS).[1] Wir erklären dir im Artikel deshalb nicht nur, was Sexismus eigentlich ist, sondern auch wie du auf unangebrachte Sprüche oder Verhalten am Arbeitsplatz reagieren kannst. Übrigens: Sexismus betrifft keineswegs nur Frauen. Das haben wir in unserem Artikel natürlich beachtet.

Wie äußert sich Sexismus?

Ganz allgemein könnte man sagen, dass unter Sexismus jegliche bewusste oder unbewusste Diskriminierung aufgrund des Geschlechts fällt. „Sexismus, den gibt es in der heutigen Zeit doch gar nicht mehr.“ Das hört man jedenfalls häufig gerade von jenen, die selbst aktiv sexistisch handeln. Auch viele unserer kununu-User berichten in ihren Bewertungen von Sexismus. Sie sprechen von Sexismus und Vetternwirtschaft in ihren Unternehmen, von sexistischen Kommentaren gegenüber Frauen oder von bevorzugten Mitarbeitern aufgrund ihres Aussehens.

Es ist allerdings so, dass man zwischen zwei verschiedenen Arten des Sexismus unterscheiden muss:

  • offener Sexismus
  • indirekter Sexismus

Offener Sexismus ist in manchen Ländern bereits per Gesetz verboten. Das heißt, dass dich dort niemand aufgrund deines Geschlechts diskriminieren darf. Ein Beispiel für offenen Sexismus wäre: „Dich hat der Chef doch nur eingestellt, weil du große Brüste hast.“ Leider ist es dabei aber auch heute noch schwer, den Tätern zu beweisen, dass sie offen diskriminiert haben. Oft steht Aussage gegen Aussage und man argumentiert damit, dass alles doch ganz anders gemeint war.

Beim indirekten Sexismus kann man sich sogar noch leichter herausreden. Schließlich wird hier vor allem abgestritten, dass Menschen überhaupt noch wegen ihres Geschlechts benachteiligt werden. Ein Beispiel: „Ihr Schwulen und Lesben habt doch schon dieselben Rechte wie wir. Wieso wollt ihr jetzt auch noch heiraten?“

„Lächle doch mal!“

…mit Fähigkeiten kannst du ja nicht punkten. Diesen Spruch haben bestimmt viele schon mal gehört – entscheidend ist hier also der Kontext. Ein nett gemeintes „Lächle doch mal“ von einem Kollegen, weil er dich aufmuntern will, ist und bleibt natürlich völlig okay. Nicht der Situation angemessen ist das aber, wenn von dir 24/7 erwartet wird, dass du vor Glückseligkeit strahlst. Weil du eine Frau bist. Weil du ein Mann bist und dich zusammenreißen musst. Warum auch immer, eigentlich ist das ganz egal. Sobald du dich angegriffen fühlst, solltest du das deinem Gegenüber deutlich machen. Manchmal reicht nämlich schon ein simples, aber bestimmtes Lass das“, um den Kollegen oder die Kollegin, den Chef oder die Chefin in die Schranken zu weisen.

„Kochst du noch Kaffee? Das kannst du als Frau ja am besten!“

Dass dieser oder ähnliche Sprüche mehr als unangebracht sind, müssen wir wohl niemandem näher erklären. Solche Aussagen sollten daher keinesfalls unkommentiert stehen gelassen werden. Um auf einer sachlichen Ebene zu bleiben, kannst du mit dieser Antwort kontern: „Ich kann nicht erkennen, was das mit meinem Geschlecht zu tun hat. Es steht dir aber natürlich frei, Kaffee für unser Meeting zuzubereiten.“ Eine weitere oder zusätzliche Option ist deinem Gegenüber mit einem Gang zur Führungskraft zu drohen. Schließlich sollte so ein Verhalten bei keinem Arbeitgeber geduldet werden. Wenn Diskriminierungen öfter vorkommen, solltest du über das Führen eines Sexismus-Tagebuchs nachdenken. Hier trägst du dann Datum und Uhrzeit des Vorfalls ein und kannst notfalls genau beweisen, was wann passiert ist. Sollten keine Konsequenzen und eine Änderung der Situation eintreffen, solltest du nicht zu spät über einen Jobwechsel nachdenken. Es geht nämlich auch anders.

„Wieso wurde so etwas wie du bei uns eingestellt? Auf welches Klo gehst du überhaupt?“

Eine solche Aussage einem Transgender gegenüber fällt eindeutig schon unter offenen Sexismus. Vorweg: Du brauchst hier nicht kontern, sondern darfst und sollst direkt zu deiner Führungskraft oder der Personalabteilung gehen und dich beschweren. Alternativ kannst du dich bei einem Gleichberechtigungsbeauftragten oder bei Institutionen wie beispielsweise der österreichischen Arbeiterkammer über die weitere Vorgehensweise informieren. Auch eine Anzeige bei der Polizei ist möglich. Such dir dafür am besten Zeugen des Vorfalls – Kollegen, Chefs oder sonstige Anwesende – und bitte sie darum, dir bei deiner Aussage zur Seite zu stehen. Dazu wären sie gesetzlich sogar verpflichtet.

Diesen Weg willst du nicht (gleich) gehen? Was hältst du von: „Ich bin schon heute mehr Mann/mehr Frau als du es jemals sein könntest.“ Oder du versuchst es auf eine ganz andere Art und Weise: „Du hast wohl kein Verständnis für mich und meine Situation. Vielleicht können wir heute gemeinsam zu Mittag essen und ich erkläre dir das mal. Du darfst mir gerne alle deine Fragen stellen.“ Das nimmt dem Kollegen oder dem Chef nicht nur den Wind aus den Segeln, sondern macht dich in dieser Auseinandersetzung zum Stärkeren. Immer mehr Unternehmen haben die Problematik dieses Themas erkannt und gehen schon als positives Beispiel voran. Der Softwarekonzern SAP schreibt sich Gleichberechtigung als Priorität auf die Fahne, bei Le Meredien Vienna zählt man als Mensch – egal, ob schwul oder hetero, ob Mann oder Frau. In diesem Artikel kannst du noch mehr über LGBTIQ im Arbeitsleben lesen.

„Bück dich doch mal und heb das auf! Das magst du doch.“

Solche Aussagen sind ein absolutes No-Go und sollten – genauso wie jede andere Form von Sexismus – auf jeden Fall gemeldet werden. Plumpe Sprüche wie diese gehen nämlich schon in Richtung sexuelle Belästigung. Du kannst dein Gegenüber mit einem direkten Konter aber auch zusätzlich an Ort und Stelle konfrontieren: Ich finde diese Wortwahl völlig unangemessen und verbitte mir so einen Umgangston.“

Hol dir Hilfe

Sexismus ist kein Bagatelldelikt und kann vor Gericht hohe Strafen für den Täter nach sich ziehen. Wo Kontersprüche nichts mehr bringen, solltest du dir Hilfe suchen. Die deutsche Antidiskriminierungsstelle empfiehlt hierzu, die sexistischen Handlungen genau zu dokumentieren. Das rät auch die Unia, eine der größten Gewerkschaften der Schweiz. In Österreich kannst du dich an die Arbeiterkammer wenden, die dich im Kampf gegen Sexismus am Arbeitsplatz unterstützt. Eine weitere wichtige Telefonnummer ist das deutsche Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“. Dieses erreichst du unter: 0800/0116016. Gerade in akuten Fällen kann dir hier schnell geholfen werden.

Wie geht dein Arbeitgeber mit Sexismus um?

Quellen:
[1]FEPS-Studie