Kalender, Laptop, Kaffee, Brille

Auszeit vom Job – So kommst du hier raus!

Mit dem Backpack um die Welt trampen, während dein Chef dafür Monat für Monat die Kohle auf dein Konto wandern lässt? Ja, klar, träum schön weiter! Oder doch nicht? Bildungskarenz, Sabbatical und Co machen es möglich! Weil sich bereits rund 90% der Arbeitnehmer eine Auszeit vom Job wünschen, präsentieren wir dir heute vier Möglichkeiten, die dich hinaus in die Weiten der Welt oder in das Universum der Universitäten tragen können.

#1 Sabbatical

„Sabbatical“ hört sich so neumodern an? Falsch gelegen. Ursprünglich stammt der Begriff nämlich bereits aus der Thora, wo man ein Freisemester für Forschungen als „Sabbathjahr“ bezeichnete. Daran dürfte sich bis heute nicht allzu viel geändert haben. Denn Grund Nummer eins aus dem Job auszusteigen, ist und bleibt zu Forschen – und zwar über die Welt. Reisen nach Australien, Neuseeland oder Amerika stehen hoch im Kurs, für die meisten ist dabei allerdings die Hauptsache, einfach weit weg vom Office zu sein. Durchaus verständlich, die freie Zeit für einen langen Flug zu nutzen, wenn man bedenkt, dass ein Sabbatical zwischen einem Monat und zwei Jahren dauern kann.

Du stellst dir nun sicher die Frage, wie dieser Abschied auf Zeit funktionieren soll? Zuerst einmal musst du die Vorbereitungsphase überstehen, in der dich Zalando vermissen wird, denn während jener Rahmenzeit musst du auf einen Teil deines Gehalts verzichten. Wenn du schlussendlich das Gefühl hast, schon mehr nach Tarzan als nach Jane auszusehen, weil dein Kleiderschrank keine It-Pieces mehr enthält, bist du endlich bereit für den Dschungel. Je nachdem wie lange deine Vorbereitungsphase war, kannst du dementsprechend lange deine Freizeitphase genießen. Beispielsweise werden dir während deiner fünfjährigen Vorbereitungszeit, nur 80% deines Lohnes ausbezahlt, wofür du dann im Anschluss ein Jahr Auszeit konsumieren kannst, in dem dir deine Bezüge weiter überwiesen werden. Eine andere Variante, die sich besonders für einen längeren Urlaub, statt einem richtigen Ausstieg aus dem Alltag, eignet, wäre es auf Gehaltseinbußen zu verzichten und über ein Jahr verteilt, zum Beispiel täglich zwei Stunden mehr zu arbeiten. Deine „Plusstunden“ kannst du dann am Stück abbauen und bekommst währendessen dein reguläres Gehalt weiterbezahlt.

Rechtlich gesehen hast du keinen Anspruch auf ein Sabbatical. Da heißt es Daumen drücken und mit dem Chef gut stellen! Denn er entscheidet ob du dir eine Auszeit verdient hast oder nicht. Übrigens ist es bei Hofer KG, Frequentis und E.ON keine Verhandlungssache, ob man für ein paar Monate weg darf oder nicht, sondern eine regelmäßige Auszeit zählt zu den Benefits der einzelnen Unternehmen.[1]

#2 Unbezahlter Urlaub

Schwiizer müssen sweet zu ihrem Arbeitgeber sein. Hört sich wie ein schlechter Reim an? Ist es auch, aber die Aussage stimmt. Alle unsere Schweizer Leser können nämlich nur in einzelnen Ausnahmefällen ein Sabbatical genießen. Dafür haben sie, genauso wie Österreicher und Deutsche, die Chance auf unbezahlten Urlaub, der jedoch vom Chef genehmigt werden muss.

Bei Migros Luzern ist unbezahlter Urlaub keine Seltenheit, denn jeder kann ihn beziehen, egal wofür. Mediensprecherin Antonia Reinhard begründet das folgendermaßen: „Wir sind überzeugt, dass er die Bindung ans Unternehmen stärkt. Nicht zuletzt kommen die Mitarbeitenden von einer Auszeit in der Regel erholt, mit neuem Horizont und hoch motiviert an den Arbeitsplatz zurück. Davon profitieren alle.“

Allerdings ist bei dieser Form der Auszeit Achtung geboten: Da man kein Gehalt bezieht, zahlt man auch keine Rentenversicherungsbeiträge ein – sprich deine Pension schrumpft mit jedem unbezahlten Urlaub. Um das zu vermeiden, empfehlen wir dir, den Mindestbetrag aus eigener Kasse zu zahlen.[2]

#3 Bildungskarenz

Du kannst es ruhig zugeben, dass du als Teenager ein punkiger Rocker warst und Schule einfach nur ätzend fandst. Aber mittlerweile bereust du es so richtig und träumst an deinem Sekretärinnen-Schreibtisch davon, in den elitären Kreis der Doktoranden aufgenommen zu werden? Die Bildungskarenz in Österreich macht’s möglich. Solange du in einem aufrechten Arbeitsverhältnis stehst, bereits sechs Monate durchgehend im gleichen Unternehmen tätig bist, mehr als 438,50€ verdienst und dein Arbeitgeber einverstanden ist, steht deinem Weg zum Einstein nichts mehr im Wege. Minuspunkt: Du hast nur maximal 12 Monate Zeit für deinen geistigen Höhenflug. Pluspunkt: Money, money, money! Monatlich bekommst du ein Weiterbildungsgeld, das sich nach der Höhe deines Gehalts richtet, aber mindestens 14,50€ täglich beträgt. In Gedanken bist du gerade schon bei einem Englischkurs auf Bali? Kein Problem, denn so sehr die Österreicher auch ihre Berge lieben, verpflichtet der österreichische Arbeitsmarktservice seine Schützlinge nicht, Weiterbildungen ausschließlich in der Heimat zu absolvieren. Einzige Bedingung, damit Mummy und Daddy zufrieden sind? Du musst mindestens 4 Semesterwochenstunden absolvieren, 8 ECTS pro Semester nachweisen und dich einer facheinschlägigen Ausbildung widmen.[3]

#4 Bildungsteilzeit

Bürotratsch ist dein Ein und Alles? Dir brennt es jeden Morgen unter den Nägeln, den heißesten Klatsch in der Kaffeeküche zu erfahren? Keine Sorge, eine kleine Auszeit bedeutet deswegen noch nicht, dass du darauf verzichten musst. Denn mit der Bildungsteilzeit kannst du als Österreicher deine Arbeitszeit um 25% bis 50% reduzieren. Toll, aber dann kann ich ja nicht mehr meine Miete zahlen! Vorher ausreden lassen, Herr Klugscheißer. Das AMS zahlt dir nämlich einen Lohnersatz, der beispielsweise, wenn du von 40 auf 30 Stunden reduzierst, 240€ beträgt, wenn du von 40 auf 20 Stunden zurücksteckst, 480€ ausmacht. Klingt toll? Ist es auch! Denn alles was du dafür tun musst, ist mindestens 10 Stunden pro Woche in das Fitnesstraining deiner grauen Zellen zu investieren und 4 ECTS pro Semester zu sammeln. Für Langzeitstudenten ist es allerdings nicht geeignet, denn nach spätestens 24 Monaten wirst du zum Ballast der Republik und der Geldhahn wird zugedreht.

Deutsche haben in diesem Punkt Pech, manche aber dennoch Glück. Denn Mitarbeiter von Siemens und der Deutschen Post wird als kleines Zuckerl angeboten, dass sie einen 30-Stunden-Vertrag abschließen, allerdings 40 Stunden arbeiten. Ähm, und wozu? Weil sie nach drei Jahren, ein Jahr lang nicht zur Arbeit kommen müssen. [4]

#5 Play safe

Oma sagte früher immer: „Ein guter Plan ist schon die halbe Miete!“. Da hat sie auch Recht, wenn es ums Thema Auszeit geht. Denn egal ob Sabbatical, Urlaub oder Bildungskarenz, das sind keine Sachen, die sich von heute auf morgen planen lassen. Je früher du deinen Big Boss über deine Anliegen informierst, desto höher sind die Chancen, dass er dir deinen Wunsch erfüllt. Denn schließlich muss er auch eine Vertretung für dich finden und deine Abwesenheit überbrücken.

Außerdem solltest du dir vorher genau überlegen, wie du das ganze angehen möchtest. Plötzlich hast du so viel freie Zeit und dann stehst du vor der Frage „Was soll ich jetzt bloß damit tun?“. Studienabschluss nachholen, mit dem Rucksack die schönsten Strände Costa Ricas abklappern oder mehr Zeit mit der Familie verbringen? Entscheidend wird dabei auch dein Budget sein, denn während einem Sabbatical bist du zum Beispiel nicht krankenversichert und musst dafür mindestens 140€ pro Monat aus eigener Kasse zahlen.

Doch eines steht fest, eine Auszeit vom Job macht dich gesünder! Eine Studie des Viking Magazins hat nämlich ergeben, dass 80% der Berufsaussteiger glücklicher in die Arbeit zurückgekehrt sind, fast 70% mehr Energie hatten und rund 65% sich weniger gestresst fühlten. Weißt du was zu tun ist? Antrag stellen, Pläne schmieden und Träume verwirklichen![5]

 

freiheit, vögel

 

Quellen

[1] derstandard.at

[2]luzernerzeitung.ch

[3] arbeiterkammer.at

[4] arbeiterkammer.at

[5] blog.viking.de