Zum Inhalt springen
Selbstbewusster Geschäftsmann mit verschränkten Armen im Büro

Gehalt verhandeln beim neuen Job: Was du fordern kannst und wie

Jobwechsel als Gehaltsbooster? Klingt gut! Deine Verhandlungsposition ist top, wenn Unternehmen dich wollen. Studien zeigen: Bis zu 30% mehr Gehalt sind drin! Wichtig: Marktwert checken (Gehaltsvergleich!), Erfolge und Mehrwert für den neuen Job klar benennen. Sympathie und Selbstbewusstsein zahlen sich aus. Realistisch sind oft 10-30% Gehaltsplus, je nach Branche. Interne Wechsel bringen weniger. Neben dem Gehalt? Flexible Arbeitszeiten, Homeoffice oder Weiterbildung sind gute Alternativen. No-Gos: Zu frühes/spätes Gehaltsgespräch, Entschuldigungen. Bleib selbstbewusst und unterschreib nix Unverhandeltes!

Ein neuer Job ist deine Chance, in einer Gehaltsverhandlung deine finanziellen Rahmenbedingungen zu verbessern. Nie ist deine Verhandlungsposition besser als jetzt beim Jobwechsel. Warum das so ist, wie viel Gehaltserhöhung in einer neuen Stelle realistisch ist und welche Fehler du bei der Gehaltsverhandlung unbedingt vermeiden solltest, liest du hier.

Warum dein Jobwechsel der beste Moment zur Gehaltserhöhung ist

Wenn du dich auf eine neue Stelle bewirbst, befindest du dich als Arbeitnehmer:in in einer vergleichsweise starken Verhandlungsposition. Das Unternehmen braucht dringend Verstärkung und investiert aus diesem Grund Zeit, Geld und personelle Ressourcen in den Recruiting-Prozess. Passt dein Profil zu den gewünschten Anforderungen, bist du ein wertvolles Gut für den Arbeitgeber. Kurz: Das Machtverhältnis im Bewerbungsprozess liegt zu deinen Gunsten.

Diese These wird beispielsweise durch die Ergebnisse einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey untermauert. Dabei fand man heraus, dass das Gehalt bei einem Jobwechsel im Durchschnitt um ganze 30 Prozent steigt. Die größten Gehaltssprünge – zwischen 30 und 46 Prozent – machten gemäß der Erhebung in Deutschland die Berufstätigen, die den Job ganze fünf Mal gewechselt haben. 

Eine Studie der Bertelsmann Stiftung beziffert die mögliche Gehaltssteigerung durch einen Jobwechsel mit immerhin 3.500 Euro brutto pro Jahr. Du merkst schon: Wenn du über dein Gehalt sprechen willst, ist die Zeit vor der Vertragsunterzeichnung genau die richtige. Damit holst du in finanzieller Hinsicht das Bestmögliche für dich heraus.

So bereitest du dich strategisch auf die Gehaltsverhandlung beim neuen Job vor

Eine gute Gehaltsverhandlung beginnt lange vor dem eigentlichen Gespräch mit dem neuen Arbeitgeber. Entscheidend ist, dass du deine Forderung nicht aus dem Bauch heraus formulierst, sondern möglichst sachlich begründen kannst.

Zunächst solltest du deinen individuellen Marktwert kennen. Auf kununu kannst du dein Gehalt mit anderen Arbeitnehmer:innen in ähnlichen Positionen vergleichen. Damit erhältst du realistische Vergleichswerte für deine Position, Erfahrung, Branche und dein Land.

Danach geht es natürlich um deine persönliche Argumentation. Dass du in Zeiten hoher Inflation eben einfach mehr Geld brauchst, zählt nicht. Um dich auf die Gehaltsverhandlung vorzubereiten, kannst du dir stattdessen Antworten auf die folgenden Fragen zurecht legen:

  • Welche Qualifikationen bringe ich mit?
  • Welche Berufserfahrung habe ich?
  • Welche Spezialisierungen habe ich bereits erworben?
  • Welche Erfolge kann ich nachweisen?
  • Welchen Mehrwert bringe ich dem neuen Unternehmen?

Sympathie und selbstbewusstes Verhalten bringen mehr Geld

Forscher:innen der Universität Frankfurt am Main fanden 2017 heraus, dass die gegenseitige Sympathie zwischen den beteiligten Verhandlungspartner:innen stark darüber entscheidet, wie viel Geld die oder der Arbeitnehmer:in am Ende erhält.

Auch ein selbstbewusstes Verhalten führte nachweislich zu einem höheren Gehaltsplus beim Jobwechsel.

Jobwechsel: Welche Gehaltserhöhung ist realistisch?

Klar, es gibt unzählige Gründe, warum man den alten Job kündigen und einen neuen beginnen möchte. Sofern vor allem die bisherige Bezahlung eine Rolle spielt, interessiert dich vermutlich die Antwort auf die Frage: Wie viel mehr Gehalt kann ich in einem neuen Job verlangen? Die Antwort: Es kommt darauf an.

In Deutschland liegen die durchschnittlichen Gehaltssteigerungen beim Jobwechsel laut verschiedener Analysen zwischen 10 und 30 Prozent. Während McKinsey das Gehaltsplus mit 30 Prozent beziffert, schätzen andere Quellen dieses teils konservativer ein. In stark nachgefragten Berufsgruppen wie IT, Gesundheit oder Pflege ist erfahrungsgemäß aufgrund des Fachkräftemangels eher mehr möglich als in von Arbeitnehmer:innen stark nachgefragten Bereichen.

Interne Wechsel bringen kaum mehr Geld

Wechselst du innerhalb eines Unternehmens die Stelle, fällt deine Gehaltssteigerung häufig nur gering bis moderat aus. Externe Wechsel dagegen ermöglichen eine stärkere Neuverhandlung deines Gehalts.

Lohnt sich Jobwechsel für Gehaltserhöhung?

In vielen Fällen lohnt sich der Jobwechsel für eine Gehaltserhöhung – zumindest finanziell. Die Ergebnisse einer britischen Studie legen beispielsweise nahe, dass Arbeitnehmer:innen, die regelmäßig – etwa alle fünf bis sieben Jahre – den Arbeitgeber wechseln, im Durchschnitt schneller Einkommenssteigerungen erzielen als Personen, die dauerhaft im selben Unternehmen bleiben.

Das gilt allerdings natürlich nicht automatisch. Ein Jobwechsel lohnt sich finanziell in erster Linie dann, wenn er mit mehr Verantwortung, einer höheren Qualifikation oder einem Branchenwechsel einhergeht. Wenn du eine Umschulung machst und ohne Erfahrung in einem neuen Bereich startest, kann der Gehaltssprung deutlich geringer ausfallen und weniger lohnenswert für dich sein.

Verbessert der Schritt in deine neue Stelle neben deinem Gehalt vor allem auch deine langfristigen Chancen am Arbeitsmarkt? Falls du diese Frage mit „Ja“ beantworten kannst, lohnt sich der Jobwechsel auf jeden Fall. Und das auch, wenn der Sprung auf dem Gehaltskonto vielleicht eher geringer ausfällt.

Was du außer dem Gehalt noch verhandeln kannst

Wie du wahrscheinlich weißt, ist Gehalt in einem Job zwar sehr wichtig, aber nicht alles. Mindestens genauso wichtig sind Aspekte wie der Cultural Fit, das allgemeine Wohlbefinden am Arbeitsplatz, die Arbeitsbedingungen und etwaige Benefits. Gerade, wenn der finanzielle Spielraum eines Arbeitgebers begrenzt ist, lassen sich andere Leistungen oft leichter verhandeln.

Zu den Benefits gehören beispielsweise flexible Arbeitszeiten, großzügige Homeoffice-Regelungen, zusätzliche Urlaubstage, Weiterbildungsbudgets oder betriebliche Sozialleistungen. In der Schweiz spielen zudem Beiträge an die zweite Säule (BVG) eine große Rolle, in Österreich etwa steuerfreie Sachleistungen.

Willst du in einem Start-up anfangen oder hast du bemerkt, dass in deinem Traumunternehmen aufgrund der wirtschaftlichen Lage beim Grundgehalt wenig Bewegung möglich ist? Dann kannst du gezielt nach solchen Zusatzleistungen fragen. Sie erhöhen oft deine Lebensqualität und haben somit langfristig einen positiven Wert.

Mehr über nicht-monetäre Benefits und betriebliche Sozialleistungen kannst du in unserem Artikel nachlesen.

Gehaltsverhandlung im neuen Job: Häufige Fehler und wie du sie vermeidest

Die Gehaltsverhandlung beim neuen Job bestimmt deine berufliche Zukunft. Das löst verständlicherweise Druck aus. Um in dieser entscheidenden Zeit keinen Fehler mit langwierigen Folgen zu machen, solltest du dich während deiner Bewerbung und des Verhandlungsprozesses immer wieder selbst reflektieren.

Welche Konditionen müssen für dich unbedingt erfüllt sein? Fühlst du dich mit einem Jobwechsel wirklich wohl oder vollziehst du diesen aus rein finanziellen Motiven? Kannst du dir vorstellen, bei dem Arbeitgeber langfristig glücklich zu werden? Wäge deine Bedürfnisse und Erwartungen an den neuen Arbeitgeber immer genau ab, um spätere Enttäuschungen zu vermeiden.

Einer der größten Fehler ist es zudem, die Gehaltsfrage zu früh oder zu spät zu stellen. Idealerweise sprichst du über das Gehalt nachdem klar ist, dass das Unternehmen dich will, aber noch vor Vertragsabschluss. Auch problematisch sind Entschuldigungen oder Rechtfertigungen in der Verhandlung. Sätze wie „Ich weiß nicht, ob das realistisch ist“ oder „Ich brauche das Geld, weil…“ können deine Position mitunter schwächen. Bleib lieber selbstbewusst und gleichzeitig professionell.

Und ein ganz wichtiger Tipp zum Schluss: Unterschreibe nie etwas, das du nicht verhandelt hast. Nachträgliche Korrekturen am Arbeitsvertrag sind deutlich schwieriger als eine saubere Klärung vorab.