Gehaltsverhandlung im Vorstellungsgespräch: Wann und wie du über dein Gehalt sprichst
Wenn du mit dem Gedanken spielst, dich auf einen neuen Job zu bewerben, musst du dich früher oder später mit deiner Gehaltsvorstellung auseinandersetzen. Im Idealfall hast du so die Möglichkeit, schon vor dem ersten Kennenlernen deine Gehaltserwartung dem Unternehmen gegenüber zu formulieren. Damit steigt die Chance, im Falle einer Einstellung dein Wunschgehalt zu bekommen. So platzierst du deine Gehaltsvorstellung im Bewerbungsgespräch richtig.
Richtige Vorbereitung auf die Gehaltsverhandlung im Bewerbungsgespräch
Ob du deine Gehaltsvorstellung nun gegenüber einem potenziellen neuen Arbeitgeber formulierst oder in einem bestehenden Job in die Gehaltsverhandlung gehst – der erste Schritt hin zu einem erfolgreichen Gespräch ist immer gleich.
Mach dir vorab Gedanken über deinen individuellen Marktwert, deine Argumente und deine persönliche Untergrenze. Hast du hierzu genaue Vorstellungen, trittst du im Gespräch souveräner auf. Personaler:innen merken schnell, ob jemand unsicher schätzt oder bewusst kalkuliert.
Zur Vorbereitung auf die Gehaltsverhandlung im Vorstellungsgespräch gehört also mehr als nur eine ungefähre Zahl im Kopf. Überlege dir im Vorfeld, warum du genau dieses Gehalt verlangst und welche Faktoren für dich möglicherweise verhandelbar oder zusätzlich relevant sind. Dazu zählen etwa Benefits wie Homeoffice-Regelungen, flexible Arbeitszeiten, Bonuszahlungen oder zusätzliche Urlaubstage.
5 Tipps, wie du dein Gehalt in der Bewerbungsphase ansprichst
Das Thema Gehalt begleitet dich oft schon ab dem ersten Kontakt mit einem potenziellen Arbeitgeber. Umso wichtiger ist es, frühzeitig eine klare Strategie zu entwickeln, wie und wann du deine Gehaltsvorstellung ansprichst. Die folgenden fünf Tipps helfen dir in der Bewerbungsphase dabei, im neuen Job idealerweise dein Wunschgehalt zu erzielen:
Gehaltsvorstellung formulieren: Finde zuerst deinen Wert heraus
Einer:einem Personaler:in vermittelst du deine Gehaltsvorstellung am besten mit einer guten Argumentation. Dafür musst du deinen eigenen Wert auf dem Jobmarkt kennen. Stelle dir also folgende Fragen:
- Welche Qualifikationen habe ich?
- Wie viel Erfahrung habe ich?
- Was sind meine Soft Skills?
- In welcher Branche arbeite ich?
- Wie groß ist das Unternehmen?
Wie viel Gehaltserhöhung ist realistisch?
Allgemein kannst du bei der Formulierung deiner Gehaltsvorstellung mit ruhigem Gewissen zwischen 10 und 20 Prozent auf dein bisheriges Gehalt aufschlagen. Mache dir aber bewusst, dass du noch ein wenig Verhandlungsspielraum nach oben und nach unten brauchst.
Wie formuliere ich meine Gehaltsvorstellung in der Bewerbung am besten?
Du möchtest dich auf ein Stellenangebot bewerben, in dem aufgefordert wird, deine Gehaltserwartung in der Bewerbung zu formulieren? Es gibt drei unterschiedliche Möglichkeiten, zu reagieren:
1. Gehaltsangabe umgehen
Anstatt auf die Aufforderung direkt einzugehen und dich vielleicht in die Enge treiben zu lassen, kannst du die Situation charmant umgehen. Dabei können dir folgende Formulierungen helfen:
„Meine Gehaltsvorstellungen erläutere ich Ihnen gerne im persönlichen Gespräch.“
„Meinen Einkommenswunsch formuliere ich gerne, sobald ich mir ein genaueres Bild über die verbundenen Anforderungen machen kann.“
Sofern du kein:e Berufseinsteiger:in mehr bist, besteht eine gute Alternative darin, dein derzeitiges Einkommen zu nennen. Durch den üblichen Aufschlag von zehn bis 20 Prozent bei Jobwechsel kann dein:e Ansprechpartner:in deine Gehaltsvorstellungen zumindest in etwa einschätzen.
2. Deinen Gehaltswunsch nennen
Du nennst entweder ein ganz konkretes Jahresbruttogehalt einschließlich aller geldwerten Nebenleistungen. Das ist die selbstbewusste Variante. Oder du steckst mit einem Von-/Bis-Betrag den für dich akzeptablen Verhandlungsspielraum ab. Das ist die meist empfohlene und am häufigsten gewählte Lösung.
Keine Gehaltsvorstellung angeben?
Niemand kann dich theoretisch dazu zwingen, schon in der Bewerbung deine Gehaltsvorstellung zu formulieren. Allerdings birgt dieses Vorgehen ein vermeidbares Risiko: Personaler:innen könnten deine Bewerbung aussortieren, weil du eine explizite Anforderung missachtet hast. Manchmal lässt dir dir das Formular einer Onlinebewerbung auch keine Wahl und du musst eine Zahl nennen. Gefährlich wird es auch, wenn gut qualifizierte Mitbewerber:innen an dieser Stelle im Bewerbungsprozess bereits für den Arbeitgeber attraktive Konditionen nennen. Bedenke, dass es auch in deinem Interesse liegt, transparent zu sein, schließlich willst du im besten Fall den Job und dein Wunschgehalt bekommen.
Kann ich eine Gehaltsvorstellung in der Bewerbung formulieren, obwohl nicht danach gefragt wird?
Bei dem Job, der dich interessiert, findest du keine Aufforderung zur Formulierung einer Gehaltsvorstellung? Nun fragst du dich vermutlich, ob du im Anschreiben trotzdem darauf eingehen sollst. Wenn du genau weißt, was du willst und mit deiner Erfahrung und deinen Qualifikationen starke Trümpfe in der Hand hast, spricht nichts gegen dieses Vorgehen. Falls es dann nicht mithalten kann oder will, verschwenden beide Seiten keine Zeit mit einem Vorstellungsgespräch.
Spätestens im Vorstellungsgespräch solltest du aber deine Gehaltserwartung genau durchdacht und parat haben.
Länderspezifische Unterschiede bei den Gehaltsvorstellungen?
In Deutschland und in der Schweiz ist es üblich, dass Arbeitnehmer:innen in ihren Bewerbungen ihre Gehaltserwartung inkludieren.
In Österreich thematisieren viele Bewerber:innen und Arbeitgeber den Gehaltswunsch erst später im Bewerbungsprozess. Grund ist, dass in Österreich seit 2011 eine Gehaltsangabe für die ausgeschriebene Position in der Stellenanzeige verpflichtend ist.
Anschreiben: So formulierst du deine Gehaltsvorstellung am besten
Deine Gehaltsvorstellungen formulierst du am besten am Ende deines Bewerbungsanschreibens. Sie leiten den letzten Absatz ein, in dem du ein kurzes Resümee ziehst und deine Hoffnung auf die Einladung zu einem persönlichen Gespräch anmerkst. Den Satz kannst du auf unterschiedliche Weise formulieren. Hier einige Beispiele:
Auf den Punkt:
„Meine Gehaltsvorstellung liegt bei 55.000 Euro brutto im Jahr.“
Argumentativ mit Verhandlungsspielraum:
„Aufgrund meiner oben beschriebenen Erfahrung und Fähigkeiten strebe ich ein Jahresgehalt zwischen 50.000 und 60.000 Euro brutto an.“
Formulierungen in der Gehaltsverhandlung im Vorstellungsgespräch
Ein möglicher Gesprächsverlauf kann dann jeweils so aussehen:
Personaler:in: „Welche Gehaltsvorstellung haben Sie für diese Position?“
Du: „Auf Basis meiner bisherigen Erfahrung, meiner Verantwortung in der aktuellen Rolle und vergleichbarer Marktgehälter sehe ich mein Jahresgehalt bei etwa 65.000 Euro brutto. Dabei habe ich auch berücksichtigt, dass ich in meinem neuen Job bei Ihnen Führungsverantwortung übernehmen würde.“
Personaler:in: „Das liegt etwas über unserem ursprünglichen Budget.“
Du: „Das verstehe ich. Mir ist wichtig, eine Lösung zu finden, die für beide Seiten passt. Wenn wir über Entwicklungsperspektiven, variable Anteile oder zusätzliche Benefits sprechen, bin ich offen für einen gemeinsamen Weg.“
oder
Personaler:in: „Was stellen Sie sich beim Gehalt vor?“
Du: „Auf Grundlage meiner Qualifikation, meiner Berufserfahrung und der Verantwortung der Position bewege ich mich bei einem Jahresgehalt zwischen 55.000 und 65.000 Euro brutto.“
Personaler:in: „Wovon hängt es ab, wo innerhalb dieser Spanne wir landen?“
Du: „Vor allem von den konkreten Aufgaben und der Erwartung an die Rolle im ersten Jahr. Außerdem sind mir Aspekte wie eine großzügige Homeoffice-Regelung wichtig.“
oder
Personaler:in: „Wir haben bisher noch nicht über das Gehalt gesprochen. Haben Sie dazu eine Vorstellung?“
Du: „Ja, darüber habe ich mir im Vorfeld Gedanken gemacht. Auf Basis meines Profils und der Aufgaben, wie wir sie heute besprochen haben, halte ich ein Jahresgehalt von rund 65.000 Euro brutto für angemessen.“
Personaler:in: „Müssten wir bei unserem Angebot darunter liegen, wäre das für Sie ein Ausschlusskriterium?“
Du: „Nicht unbedingt. Wichtig ist für mich das Gesamtpaket. Wenn das passt, bin ich offen für Gespräche.“
Mit einer soliden Argumentation bleibst du sachlich, zeigst Verhandlungsbereitschaft und machst gleichzeitig deutlich, dass deine Gehaltsvorstellung gefestigt und gut begründet ist.
Zusatztipp: Gehaltsvorstellung & Eintrittsdatum formulieren
Transparenz zahlt sich nicht nur bezüglich deiner Gehaltsvorstellung aus. Du solltest auch dein bevorzugtes Eintrittsdatum möglichst früh im Bewerbungsprozess formulieren. Dies gilt vor allem, wenn du eine lange Kündigungsfrist hast oder wenn du dir einen längeren Urlaub oder gar eine Auszeit zwischen zwei Jobs gönnen möchtest. Unternehmen wollen Stellen erfahrungsgemäß häufig möglichst schnell besetzen.
Hier kommst du zu mehr Tipps und Hilfe für deine optimale Gehaltsverhandlung: