Sind nachhaltige Unternehmen eigentlich gute Arbeitgeber?

Preise für soziales und ökologisches Engagement gibt es allein im deutschsprachigen Raum viele. Wahrscheinlich sind es sogar hunderte. Gefühlt hat jede Firma schon mindestens eine Auszeichnung für ihren Einsatz für nachhaltiges Wirtschaften bekommen. Ganz automatisch stellt sich die Frage: Ist wo Nachhaltigkeit draufsteht auch Nachhaltigkeit drin? Nicht unbedingt. Neben Unternehmen, die ihren Auftrag ernst nehmen, gibt es schwarze Schafe.

Nationale Unterschiede

Eine Aussage, die man zu Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsiblity (CSR) häufig hört: „Ich will, dass meine Kinder und Enkel noch etwas von unserer schönen Welt haben.“ Dazu müsste doch ein Babyartikelhersteller wie die MAM Babyartikel GmbH, die im letzten Jahr den TRIGOS – ein Preis für CSR – für Mittelunternehmen abräumte, perfekt passen. Die österreichischen Mitarbeiterstimmen sind durchweg positiv. Die Unternehmenskultur und die entspannte Atmosphäre am Arbeitsplatz mache MAM zum Best place to work. Die umfangreichen Weiterbildungsmöglichkeiten werden in der Wiener Zentrale durch die Work-Life-Balance und langfristiges Denken ergänzt. Ein Mitarbeiter geht sogar so weit und sagt: Ich habe keine Verbesserungsvorschläge! Weiter so! Ganz anders sieht es dagegen im deutschen Standort aus. Ein Mitarbeiter spricht hier von einem Wolf im Schafspelz, den man nicht einmal mit einer guten Menschenkenntnis erkennt. Ein Ex-Kollege spricht sogar von Personalführung, die nur über Lautstärke stattfindet.

Enkeltauglichkeit

Die gewisse Enkeltauglichkeit spricht auch ein Mitarbeiter des Adamah Biohofes seinem Arbeitgeber zu. Der Gewinner des Green Brands Award 2016 bietet Jobs mit Sinn in seinem Bio-Familienbetrieb und pflegt eine offene Austauschkultur. Ganz im Gegenteil zum firmeninternen Grundsatz, dass Menschen und auch der Natur respektvoll gegenübergetreten werden müsse, steht aber folgende Aussage eines ehemaligen Angestellten: Es herrscht eine Gutsherrenmentalität im Unternehmen vor. Das ist ein scheinbarer Widerspruch zur gelebten Nachhaltigkeit.

Heuschrecken statt Nachhaltigkeit

Der bekannteste Nachhaltigkeitspreis im deutschsprachigen Raum ist wohl der „Deutsche Nachhaltigkeitspreis“. In der Kategorie „Deutschlands nachhaltigstes Großunternehmen“ ging der Preis im Jahr 2017 an die Deutsche Telekom AG. Nachdem Nachhaltigkeit ja etwas mit Ökologie und der Natur zu tun hat, beschreibt ein ehemaliger Mitarbeiter das Telekommunikationsunternehmen so: Das passiert, wenn Heuschrecken sich ein Unternehmen zur Beute machen. Nachhaltigkeit kann aber auch bedeuten, dass die Sicherheit des Arbeitsplatzes gegeben ist. Diese und das angemessene Gehalt empfinden mehrere Kollegen bei der Deutsche Telekom AG als gut.

Der Platz 1 in einem Nachhaltigkeitswettbewerb bedeutet also nicht unbedingt, dass das ökologische und soziale Engagement im Unternehmen wirklich gelebt wird.  Ein zweiter Blick lohnt sich immer.

 

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