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8-Stunden-Tag

48-Stunden-Woche vs. 32 Stunden: Ein Unternehmer widerspricht Merz mit Erfolgszahlen

Veröffentlicht:  20. Juni 2026, 07:00
2 min
Lächelnder Mann in einem hellblauen Hemd und dunkler Krawatte steht mit verschränkten Armen in einem hellen, unscharfen Büroflur.

Bis zu 48 Wochenstunden sieht der Koalitionsvertrag von Union und SPD künftig für Deutschland vor, die tägliche Höchstarbeitszeit soll fallen. Ausgerechnet jetzt feiert ein Unternehmer mit dem genauen Gegenteil Erfolge: 32 Stunden pro Woche, frei verteilbar, dazu 80 Prozent mehr Umsatz. Sein Modell ist allerdings genau nicht das, was Friedrich Merz im Sinn hat.

Berlin will die Arbeitszeit nach oben öffnen

Statt einer täglichen Höchstarbeitszeit plant die Merz-Regierung nur noch eine wöchentliche Obergrenze von bis zu 48 Stunden. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte bereits vor Monaten klargemacht: „Mit Vier-Tage-Woche und Work-Life-Balance werden wir den Wohlstand dieses Landes nicht erhalten können.“

Ein Chef in Cardiff geht den umgekehrten Weg

Eine Verkürzung zeigt die walisische Marketingagentur Lumen SEO. Gründer Aled Nelmes, ein Unternehmer mit deutschen Wurzeln, führte 2023 die Vier-Tage-Woche ein und stellte 2025 auf ein reines 32-Stunden-Modell um. Das Ergebnis: Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 80 Prozent – mindestens zur Hälfte liege das an der kürzeren Arbeitszeit, ist Nelmes überzeugt.

So funktioniert das erfolgreiche Modell bei Lumen:

  • 32 Stunden pro Woche, frei verteilbar – ob auf zwei, vier oder sieben Tage
  • Keine festen Kernzeiten, nur rund drei Stunden Pflichttermine für Meetings
  • Verfügbarkeit läuft über Slack: Wer online ist, arbeitet – wer offline ist, nicht
  • Ziele statt Stunden, Selbstverantwortung ersetzt Kontrolle
  • Nach drei Monaten Testzeit änderten die meisten ihre Routine kaum
Ältere Frau in blauem Oberteil sitzt nachdenklich an einer Wand vor einer Treppe
Überdosis Arbeitszeit: Studien zeigen Tendenzen dazu, dass Arbeitszeiten von über zehn Stunden täglich das Risiko für Erkrankungen von Psyche, Herz, und Stoffwechsel, sowie Schlafstörungen fördern.

Genau dieses Modell meint Merz aber nicht

Beide Ansätze flexibilisieren die Arbeitszeit, nur gegenläufig: Lumen reduziert, Berlin öffnet nach oben. Kritik kommt von mehreren Seiten. Der Deutsche Gewerkschaftsbund lehnt das Vorhaben ab, DIW-Präsident Marcel Fratzscher nennt das Aus des Acht-Stunden-Tags „nicht den großen Wurf“. IAB-Direktor Bernd Fitzenberger warnt zudem vor gesundheitlichen Folgen: Lange Arbeitstage könnten zu Erschöpfung führen und die Produktivität senken.

Ob sich ein Modell wie das von Lumen auf Pflege, Produktion oder Schule übertragen lässt, ist offen – Nelmes selbst sieht darin eine Frage der Unternehmenskultur, nicht der Stundenzahl. Klar ist nur: Während ein kleiner Betrieb mit weniger Stunden wächst, setzt die Politik auf das Gegenteil – welcher Weg den Wohlstand sichert, bleibt offen.