Fachkräftemangel rückläufig
Nur noch 21 Prozent Fachkräftemangel – ist das wirklich eine gute Nachricht?
Auf 21 Prozent ist der Anteil der Unternehmen in Deutschland gefallen, die Fachkräftemangel beklagen. 2022 waren es noch fast 50 Prozent. Was nach Entspannung klingt, hat laut WELT/dpa einen Haken: Der Rückgang liegt vor allem an der schwachen Konjunktur und nicht daran, dass mehr Stellen besetzt wurden. Und das verschiebt das Machtverhältnis – zulasten der Bewerbenden.
Der Rückgang kommt aus der Krise, nicht vom Arbeitsmarkt
Vor vier Jahren war der Fachkräftemangel das Reizthema der deutschen Wirtschaft. Im dritten Quartal 2022 meldeten fast 50 Prozent der Unternehmen Engpässe. Heute sind es noch 21 Prozent- laut KfW-Ifo-Fachkräftebarometer der niedrigste Stand seit Jahren.
„Leider“ sei das „vor allem auf die anhaltende Wirtschaftsschwäche zurückzuführen“, sagt Dirk Schumacher, Chefökonom der KfW.

Weniger offene Stellen verschieben die Macht zu den Arbeitgeber:innen
Für Bewerber:innen ist das zweischneidig. Suchen Unternehmen weniger Personal, sinkt die Auswahl an offenen Stellen und mit ihr der Spielraum bei Gehaltsverhandlungen. Wer unter Druck zu schnell zusagt, riskiert den falschen Job.
Wie stark der Druck ist, hängt von der Branche ab. Im Bauhauptgewerbe meldet weiter rund ein Drittel der Betriebe Engpässe, im Dienstleistungssektor jedes vierte Unternehmen. Wer hier sucht, hat noch Spielraum. Wer dagegen in der Industrie wechseln will, sollte sich auf einen härteren Markt einstellen.
Fünf Fragen, die Bewerber jetzt stellen sollten
Bevor Bewerbende sich in einen Bewerbungsprozess begeben, sollten sie sich die folgenden Fragen stellen und nicht unüberlegt eine Stelle zusagen:
- Wie stabil wirkt das Unternehmen wirtschaftlich?
- Wie bewerten Mitarbeitende Führung und Kommunikation?
- Ist das angebotene Gehalt marktgerecht?
- Wie steht es um die Work-Life-Balance?
- Gibt es echte Entwicklungschancen?
Antworten darauf liefern nicht nur Stellenanzeige und Vorstellungsgespräch. Auf kununu lässt sich nachlesen, wie Mitarbeitende potenzielle Arbeitgeber:innen bei Gehalt, Führung, Kultur und Arbeitsbedingungen bewerten.
Das Zeitfenster ist begrenzt
Eine wichtige Einordnung zum Schluss: Die aktuelle Lage ist eine Momentaufnahme, kein neuer Normalzustand. Schumacher rechnet damit, dass der Fachkräftemangel mit der nächsten Konjunkturerholung zurückkehrt. Der heutige Vorteil der Arbeitgeber ist also nur ein Zeitfenster, wer es geschickt nutzt, kann profitieren. Wer in Panik wechselt, riskiert das Gegenteil.