Kündigung

Gekündigt! – Tipps vom Experten

Eine Kündigung tut weh. Immer. Ob man nun damit gerechnet hat oder nicht. Mitten zwischen Wut, Verzweiflung, Aggression und Trauer möchte Everhard Uphoff die Gekündigten unterstützen. Uphoff ist selbstständiger Coach und berät Fach- und Führungskräfte nach oder vor einer Kündigung. Dabei spricht er aus Erfahrung: In leitender Position wurde er plötzlich gekündigt und stand vor einem beruflichen Scherbenhaufen. Im Interview erzählt er uns nicht nur, wie er sich nach der Kündigung gefühlt hat, sondern gibt auch Tipps, wann man das Arbeitsverhältnis von sich aus beenden sollte.

kununu: Auf welche Art und Weise wurde Ihnen gekündigt?

Everhard Upphoff: Jeden Dienstag hatte ich mein Wochengespräch mit meinem Chef. Diesmal saßen zwei Geschäftsführer im Gespräch. Ich habe sofort gemerkt, dass etwas komisch ist. Es hat nur mein direkter Ansprechpartner gesprochen: „Wir trennen uns von dir“. In der Firma gab es schon ein Jahr lang einen gewissen Machtkonflikt, der irgendwann eskalierte. Die Geschäftsführung hat sich herausgewunden und uns nicht klar geführt. Letztendlich haben sie sich in diesem Zuge gegen mich entschieden. Wie das ablief, war für mich wirklich heftig. Ich wurde freigestellt und war ziemlich geschockt. Am nächsten Abend hat mir jemand aus der Firma bereits den Aufhebungsvertrag in den Briefkasten eingeworfen. Man wollte mich zu den günstigsten Konditionen loswerden. Direkt am Tag nach der Freistellung gab es auch schon eine Rundmail an die Kollegen, dass man sich von mir getrennt hatte. Ich konnte mich nicht von meinem Team verabschieden. Der Kollege, der mich ersetzen sollte, wurde bereits vorbestellt. Die gewisse Genugtuung war, dass er nach drei Monaten wieder gegangen ist. Ich hatte mittlerweile einen Anwalt eingeschaltet und gemeinsam mit ihm habe ich einen Aufhebungsvertrag unterzeichnet. Ich habe dabei ausgehandelt, dass ich acht Monate bei vollem Gehalt freigestellt werde. In meinem Schockzustand habe ich aber sogar unterschrieben, dass ich Hausverbot bekomme.

Was hätte das Unternehmen bei Ihrer Kündigung besser machen können?

Ich wusste im Nachhinein, dass ich nicht der erste Fall war. Ganz neutral gesehen gibt es aber für die Unternehmen zwei Möglichkeiten. Die eine Richtung ist, dass man human und fair mit dem Mitarbeiter umgeht und mit offenen Karten spielt. Bei dem Ausstieg sollte man ein faires Angebot machen. Das wäre für mich in Ordnung gewesen. Schließlich hatte ich mein Herzblut in das Unternehmen gesteckt. Ansonsten sagt man als Unternehmen, dass man eine andere Richtung einschlagen will und kommuniziert das offen. Eine Trennung ist ja nicht außergewöhnlich, nur spricht niemand darüber. Der Gekündigte sollte sich verabschieden können und die Gründe erklären dürfen. Das Unternehmen leidet letztendlich darunter, wenn es die Kündigung ungut gestaltet. Es herrscht keine Vertrauenskultur mehr.

Wie fühlt man sich, wenn man gekündigt wird?

Ich habe mich abgelehnt und missbilligt gefühlt. Am schlimmsten habe ich aber die Entwertung empfunden. Ich hatte am selben Tag der Kündigung noch ein Monatsmeeting, bei dem mir gesagt wurde, dass wir ein Umsatzplus von dreißig Prozent hatten. Demnach hatte ich mir also nichts zuschulden kommen lassen.

War die Kündigung auch eine Erlösung?

Es war Schock und gleichzeitig Befreiung. Ich wusste ja nicht, wie die nächsten Tage weitergehen und wie sich die Gegenseite verhält. Eine Achterbahn der Gefühle.

Welche Schritte sollte man nach der Kündigung einleiten?

Nichts direkt unterschreiben. Der Arbeitgeber könnte die Situation ausnutzen. Man sollte auch nicht austicken und einfach ruhig bleiben. Erstmal nach Hause gehen und dann Unterstützung holen. Das heißt, ein Fachanwalt. Man kennt sich mit Fristen nicht aus. Der kann dann beurteilen, ob man eine Kündigungsschutzklage braucht oder einfach den Aufhebungsvertrag unterzeichnen soll. Ein Steuerberater ist wichtig, wenn es um Abfindungen geht. Außerdem muss man sich beim Arbeitsamt melden und aufpassen, dass man keine Fristen verpasst. Wenn man einen Aufhebungsvertrag unterzeichnet, dann sollten bestimmte Klauseln enthalten sein, damit man nicht vom Arbeitsamt gesperrt wird. Viel früher sollte man sich auch überlegen, ob man eine Rechtsschutzversicherung braucht. Da geht es um Kosten. Da muss man darauf achten, ob die Rechtsschutzversicherung im konkreten Fall überhaupt greift. Auch kurzfristige Abschlüsse gelten nicht. Je nachdem, wann der letzte Arbeitstag ist, sollte man Abstand nehmen und das Netzwerk über die Kündigung informieren. Die nächsten Schritte sind dann eine Verabschiedung und die Ausstellung eines guten Dienstzeugnisses.

Wie bringt man eine Kündigung der Familie bei?

Man schenkt ihnen einfach reinen Wein ein. Meine Familie hat im Vorfeld die Thematik immer mitbekommen. Wenn die Emotionen überkochen, kann ein Coach neutral und objektiv herausfinden, was zu tun ist.

Wann war Ihnen persönlich klar, dass die Kündigung positiv war?

Das hat sehr lange gedauert. Sobald man nicht mehr in der Firma ist, fängt eine neutrale Phase an. Oft kann oder will man das alte Unternehmen noch gar nicht loslassen. Der Zorn ist noch da und man wird immer damit konfrontiert. Dieser Prozess des Loslassens ist individuell. Wenn bei der Kündigung respektvoll miteinander umgegangen wird, wird es leichter. Wenn man rausgehauen wird, dann schlagen die Emotionen über und es entsteht ein Gedankenkarussell. Das kann zermürben und dauert oft mindestens ein Jahr. Bei mir war es jedenfalls mindestens ein Jahr. Erst jetzt, wo ich meine Selbstständigkeit aufgebaut habe, komme ich wieder in den Flow. Wenn ich heute mit meiner Kündigung konfrontiert werde, berührt mich das nicht mehr. Mich interessiert nicht mehr, wie es mit der Firma weitergeht.

Welche Rolle haben Sie dann in dieser Zeit mit Ihrem Programm?

Ich biete Online-Kurse an, um den Jobverlust zu meistern. Das dauert zwischen vier und sechs Wochen. Da bekommen die Personen jeden Tag Informationen zugesandt, das ist vor allem Reflektionsarbeit. Ich teile diesen Kurs in drei Bereiche. Was geht, was bleibt, was kommt. Mein Vorteil ist, dass ich das alles selbst erlebt habe. Das ist eine Zeit des Wartens und des Innehaltens. Die Zeit ist aber so wichtig, um zu sehen, was man eigentlich braucht. Ich biete meine Dienstleistung aber auch an die Firmen selbst. Sie sollen den Trennungsprozess besser begleiten können.

Wie muss ein Mensch sein, damit er wieder aus diesem ganzen Kündigungssumpf herauskommen kann?

Es hilft, wenn man ein gutes Urvertrauen hat. Auch wenn man es nicht versteht und alles ungerecht ist, dann sollte man die Emotionen zulassen. Aber irgendwann muss man eine bewusste Entscheidung treffen: Entweder man geht unter oder es geht aufwärts. Viel Vertrauen und eine gewisse Stehaufmännchen-Mentalität. Man muss sagen gut, ich packe das jetzt an. Das ist einfach typbedingt. Irgendwann kann man Positives daraus ziehen. Manche Leute schaffen es aber nicht. Nicht jede Geschichte geht gut aus.

Welche Tipps haben Sie für die Betroffenen?

Man muss an sich selbst glauben und sich vertrauen. Das macht es leichter. Nicht verzweifeln, nicht den Fokus auf das Schlechte richten. Nicht im Selbstmitleid verfallen. Allerdings sollte man sich auch Zeit nehmen für diese gewisse Leere. Irgendwann geht die Sonne wieder auf und dann ist es vielleicht besser als zuvor.

Wann sollte man von selbst kündigen? Wann ist es genug?

Oft weiß man das schon längst. Wenn man selbst unzufrieden ist, die Werte nicht vertreten kann, einfach merkt, dass man nicht mehr wertgeschätzt wird. Dann gibt es die drei Optionen Change it, Love it oder Leave it. Leider macht man sich oft etwas vor. Eigentlich müsste man früher sagen, dass die Firma einen nicht verdient hat. Das machen die wenigsten Menschen.

Hätten Sie im Nachhinein gesehen selbst kündigen sollen?

Ich hätte vor Gericht gehen sollen. Ich dachte, wenn ich den Aufhebungsvertrag unterzeichne, dann ist es vorbei. Das ist aber nicht so. Man ist noch so emotionsgeladen. Ich bin stattdessen auf den Sportplatz und habe so meine Aggression abgebaut. Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Nein, ich wollte wissen, wie sich alles weiterentwickelt. Man sollte selbst keinen Schaden dabei nehmen. Ihr Vertrauen in die Arbeitswelt, das sollte keinen Knacks bekommen. Es gibt genug Arbeitgeber, die auch Wert darauflegen, dass es den Mitarbeitern gut geht. Vielleicht hätte ich doch früher gehen sollen. Um mein eigener Chef zu sein. Wenn Chefs nicht wollen, dass man groß ist, dann kann man so sein eigenes Ding machen. Man kann dann all das machen, was man will. Man muss sich nur sich selbst gegenüber rechtfertigen.


Über den Experten

 

Everhard UphoffEverhard Uphoff betreut Führungs- und Fachkräfte, die von ihrem Arbeitgeber gekündigt wurden. Der 47-Jährige spricht bei seinen Online-Kursen aus seiner persönlichen Erfahrung und sagt: „Ich wurde gefeuert – zum Glück“. Sein Betreuungskonzept besteht aus vier Bausteinen: Ernährung, Bewegung, Reflexion und Urvertrauen.

 

 

Kündigung