Gehaltserhöhung nach zwei Jahren – Wie viel ist üblich?
Du bist voll drin im Unternehmen, hast die ersten Projekte eigenständig abgeschlossen und bist der Ansicht, nach zwei Jahren wäre eine Gehaltserhöhung fällig? Oft ist dieser Zeitpunkt recht günstig, aber es kommt noch auf ein paar andere Faktoren an. Hier erfährst du, warum genau jetzt der richtige Moment ist, wie viel Prozent realistisch sind und worauf du achten musst.
Wann sollte man die Gehaltsverhandlung ansprechen?
Klar: Wer mehr Geld will, muss verhandeln. Aber wann ist ein guter Zeitpunkt, um mal beim Chef oder der Chefin anzuklopfen? Grundsätzlich gilt: Zwischen zwei Gehaltsverhandlungen sollten mindestens ein bis zwei Jahre liegen. Wer häufiger fragt, wirkt ungeduldig oder übermäßig fordernd. Außer natürlich, es gibt einen Grund: zum Beispiel, weil du neue Aufgaben übernommen hast oder befördert wirst.
Wenn du eine Gehaltserhöhung nach zwei Jahren anstrebst, bist du also ziemlich gut dabei. Nach einem Jahr bist du oft noch in der Findungsphase oder hast noch nicht ganz so viele Ergebnisse vorzuweisen. Nach zwei Jahren hast du schon eher mehrere Projekte, Zielvereinbarungen und mindestens ein Jahresgespräch mitgemacht. Damit hast du jede Menge Argumente, um mehr Gehalt zu verhandeln.
Gehaltserhöhung: Wie viel ist nach 2 Jahren realistisch?
Die Frage aller Fragen: Welche Gehaltserhöhung ist nach zwei Jahren drin? Leider gibt es keine ganz pauschale Antwort.
Orientierungswerte für deine Gehaltserhöhung:
- Ohne zusätzliche Verantwortung sind eher 3 bis 5 Prozent üblich.
- Hast du hingegen deutlich mehr Aufgaben übernommen oder dich stark weiterentwickelt, können auch 8 bis 10 Prozent oder mehr angemessen sein.
- Bei einem echten Positionswechsel oder einer Beförderung sind manchmal sogar zweistellige Sprünge möglich.
Österreich: Hier spielen Kollektivverträge eine größere Rolle als in Deutschland: Individuelle Verhandlungen sind definitiv möglich, der Spielraum ist aber oft kleiner.
Schweiz: Die Schweiz ist zurückhaltender: Gehaltserhöhungen bewegen sich in der Größenordnung von etwa 1,5 bis 2 Prozent. Individuelle Leistung wird häufiger über Boni honoriert.
Am Ende gilt: Wie viel du verlangen kannst, hängt sowohl von deiner eigenen Situation als auch von der des Unternehmens ab. Recherchiere deinen Wert am besten im kununu Gehaltscheck!
Die besten Argumente für eine Gehaltserhöhung nach zwei Jahren
Warum willst du eigentlich mehr Geld? Vielleicht, weil die Lebensmittel teurer geworden sind, deine Miete erhöht wurde oder du eine schöne Reise planst. Aber ganz ehrlich: Was für die Firma zählt, sind Ergebnisse.
Mit diesen Argumenten kommst du wirklich weiter:
Profi-Tipp: Die Lob- und Leistungsmappe
Wer schlau ist, fängt schon ab dem ersten Tag an, Erfolge zu dokumentieren. Je mehr handfeste Belege du hast, desto weniger musst du später überlegen, wie du die Gehaltserhöhung nach zwei Jahren am besten verhandelst.
Lob vom Chef, zufriedene Kunden oder gute Bewertungen im Jahresgespräch solltest du immer in einem Erfolgsordner ablegen, den du dann mit in die Gehaltsverhandlung nimmst. So hast du im Gespräch schlagende Argumente parat.
Anders, als viele denken, hat man leider auch keinen Anspruch auf eine Gehaltserhöhung zum Inflationsausgleich. Mehr dazu erfährst du in diesem Artikel.
Gehaltsverhandlung nach zwei Jahren: So gehst du vor
Jetzt wirds ernst: Du bereitest dich auf die Gehaltsverhandlung nach zwei Jahren vor. Dabei ist Fingerspitzengefühl gefragt: Du willst deine Führungskraft schließlich in einem guten Moment erwischen. Ein Mitarbeitergespräch ist fast immer eine gute Gelegenheit. Falls gerade keines ansteht, empfehlen wir dir, einen separaten Termin zu vereinbaren, bei dem ihr in Ruhe und ungestört zusammensitzt.
Plan B: Was, wenn die Gehaltsverhandlung nicht klappt?
Nicht jede Verhandlung endet mit dem gewünschten Ergebnis. Das ist okay: Wichtig ist, dass du professionell bleibst und nachfragst, was du tun kannst, um beim nächsten Mal erfolgreich zu sein. Außerdem empfehlen wir dir, direkt einen Termin für das nächste Gespräch auszumachen: Das schafft Verbindlichkeit.
Vielleicht gibt es auch Alternativen, wie mehr Urlaubstage, ein Firmenwagen, flexible Arbeitszeiten, ein Weiterbildungsbudget oder andere Benefits.
Solltest du merken, dass in deinem Unternehmen langfristig keine Gehaltserhöhung für dich drin ist, kann auch ein Jobwechsel eine Option sein. Dabei sind in der Regel deutlich größere Gehaltssprünge möglich. Überleg dir aber vorher gut, was dir an deinem jetzigen Job gefällt: Geld ist schließlich nicht alles.
FAQ: Gehaltsverhandlung nach zwei Jahren
In Deutschland gibt es keinen gesetzlichen Anspruch auf eine Gehaltserhöhung. Das Gehalt ist Verhandlungssache, du musst also selbst aktiv werden. Eine Ausnahme sind Tarifverträge oder vertragliche Vereinbarungen, die automatische Erhöhungen vorsehen können. Trotzdem ist ein Zeitraum von zwei Jahren oft günstig für eine Gehaltsverhandlung.
Ohne Beförderung sind 3 bis 5 Prozent realistisch, mit deutlich mehr Verantwortung auch 8 bis 10 Prozent. Bei einer echten Beförderung können es sogar 10 bis 15 Prozent sein. Tipp: Setze die Zahl in der Verhandlung etwas höher an, um Spielraum für Kompromisse zu haben.
Nein, auch eine hohe Inflation begründet keinen Anspruch auf mehr Gehalt. Viel wichtiger und überzeugender sind deine konkreten Leistungen und der Mehrwert, den du für das Unternehmen schaffst. Die gestiegenen Lebenshaltungskosten solltest du höchstens als ergänzendes Argument nutzen.
Ideal sind das jährliche Mitarbeitergespräch, der Abschluss eines erfolgreichen Projekts oder Phasen mit guten Unternehmenszahlen. Zwischen zwei Gehaltsverhandlungen sollten mindestens 18 bis 24 Monate liegen. Vermeide Zeiten mit Sparmaßnahmen oder wenn dein:e Chef:in gerade unter großem Druck steht.
Bleib professionell, frag nach den Gründen und vereinbare direkt einen Folgetermin in einigen Monaten. Alternativ kannst du nach Benefits wie mehr Urlaubstagen, Homeoffice oder Weiterbildungsbudget fragen. Falls langfristig kein Spielraum besteht, ist ein Jobwechsel oft die beste Option für einen größeren Gehaltssprung.
Die Tatsache, dass du seit zwei Jahren im Unternehmen bist, rechtfertigt noch keine Gehaltserhöhung. Nutze die Betriebszugehörigkeit höchstens als Aufhänger und argumentiere dann mit konkreten Leistungen, abgeschlossenen Projekten und übernommener Verantwortung.