Fragen an den Arbeitgeber: Welche du stellen solltest und welche nicht

„Haben Sie noch Fragen?“ – dies begegnet uns in der Regel am Ende des Bewerbungsgesprächs. Denn nun wird es Zeit die Rollen zu tauschen und die Bewerber haben die Möglichkeit bei ihrem potentiellen Arbeitgeber nochmal genauer nachzufragen. Diese Chance noch mehr über das Unternehmen und die freie Position zu erfahren, solltest du dir daher keinesfalls entgehen lassen. Welche Fragen du im Vorstellungsgespräch stellen solltest und welche nicht, verraten wir deshalb hier.

Diese Fragen kannst du im Bewerbungsgespräch stellen

1. „Was erwarten Sie von dem idealen Kandidaten in dieser Position?“

Wenn diese Frage nicht schon im Laufe des Gesprächs geklärt wurde, eignet sie sich sehr gut als Rückfrage. So bringst du noch mehr über die Anforderungen des Jobs in Erfahrung und kannst noch einmal abklären, welche Fähigkeiten und Kenntnisse benötigt werden, die vielleicht noch nicht in der Stellenanzeige genannt wurden. Außerdem kannst du durch das Stellen dieser Frage mögliche Missverständnisse über zukünftige Aufgabenbereiche aus dem Weg räumen.

Eine Abwandlung dieser Frage ist ebenfalls möglich, da sich die Anforderungen im Laufe der Zeit verändern können: „Wie würden sich die ersten Wochen in dieser Position gestalten und inwieweit würden sich die Erwartungen an diese Position danach verändern?“

2. „Was sind die wichtigsten Wachstumsfelder des Unternehmens?“

Und wo liegen die größten Chancen im Vergleich zu den Mitbewerbern? Natürlich solltest du bereits über den Wettbewerb informiert sein, es ist aber dennoch nie falsch Personaler nach deren persönlicher Einschätzung zu fragen, um einen Insider-Einblick in das Unternehmen zu bekommen. Auch wenn an dieser Stelle keine Geschäftsgeheimnisse enthüllt werden, wirst du mit dieser Frage schon im Bewerbungsgespräch in Erfahrung bringen, wo die Reise hingeht. Außerdem solltest du nicht vergessen: Eine Bewerbung ist immer ein wechselseitiger Prozess. Diese Frage bringt den Arbeitgeber in die Position das Unternehmen bestmöglich zu präsentieren und von der Konkurrenz abzuheben.

3. „Wie würden Sie Ihre Unternehmenskultur beschreiben?“

Wer diese Frage stellt, findet schnell heraus, ob Werte und Struktur des Unternehmens zu den eigenen Vorstellungen passen. Denn durch die Auskunft des Personalers oder der Personalerin erfährst du nicht nur mehr über die Unternehmenskultur insgesamt, sondern beispielsweise auch über den Führungsstil und die Zusammenarbeit im Unternehmen. Um weitere Einsicht in die Unternehmenskultur zu bekommen, lohnt es sich immer vorab einen Blick auf das kununu Profil deines potentiellen Arbeitgebers zu werfen. So kannst du die Einblicke aus den User-Bewertungen mit den Eindrücken, die du im Unternehmen erhältst vergleichen.

4. „Warum arbeiten Sie gerne für das Unternehmen?“

Durch diese Frage erfährst du mehr über die Dynamik und Kultur des Unternehmens. Der große Vorteil: Du bekommst obendrauf einen persönlichen Eindruck des Unternehmens aus der Sicht eines Mitarbeitenden und eröffnest so leicht ein spannendes Gespräch. Eine Variation dieser Frage ist ebenfalls möglich: „Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit am meisten Spaß?“ oder „Warum würden Sie sich wieder dazu entscheiden für dieses Unternehmen zu arbeiten?“

5. „Was waren die größten Erfolge, die Ihr Unternehmen im letzten Jahr verzeichnen konnte?“

Und was ist der wichtigste Beitrag zum Erfolg des Unternehmens in dieser Position? Wenn du diese Frage stellst, erfährst du in der Regel nicht nur welche Ziele bereits erreicht wurden. Du erhältst Einblicke, wie die Zusammenarbeit im Unternehmen abläuft und wie die einzelnen Teams arbeiten um gemeinsame Erfolge zu erreichen. Außerdem bietet diese Frage schon im Vorstellungsgespräch die Möglichkeit mehr über zukünftig angestrebte Ziele zu erfahren, wie diese umgesetzt werden sollen und auch wo deine Fähigkeiten gebraucht werden.

6. „Aus Ihrer Sicht: Was ist die größte Herausforderung in dieser Position?“

Diese Frage erfüllt mehrere Zwecke zugleich: Einerseits erfährst du welche Anforderungen im Job gestellt werden und was von dir in dieser Position erwartet wird. Andererseits siehst du, welche Möglichkeiten und Chancen auf dich im Unternehmen warten. Und das Wichtigste: Du kannst herausfinden, wie gut die Stelle zu dir und deinen Zielen passt. Aus diesem Grund ist die Frage sehr gut geeignet, um sie im Bewerbungsgespräch an deinen potentiellen Arbeitgeber zu stellen.

Diese Fragen solltest du im Bewerbungsgespräch NICHT stellen

Wie lernen wir bereits früh: Es gibt keine dummen Fragen. Das mag wohl in den meisten Fällen stimmen, aber gerade im Vorstellungsgespräch stolpern Bewerber schnell über schlechte Rückfragen. Damit sich die Jobsuche nicht ungewollt verlängert, haben wir Fragen gesammelt, die du im Vorstellungsgespräch besser nicht stellen solltest.

1. „Wie schnell kann man sich beruflich verändern?“

Klingt doch gar nicht so schlecht, oder? Der Schein trügt. Natürlich freuen sich Arbeitgeber, wenn Bewerber engagiert sind und Ziele verfolgen. Aber diese Frage wirkt weder strebsam noch ambitioniert, sondern eher berechnend. Denn für dein Gegenüber klingt das schnell mal so: „Der Job, auf den ich mich gerade bewerbe interessiert mich gar nicht wirklich, sondern ist für mich nur Mittel zum Zweck.“ Und das wiederum bedeutet für Personaler, dass du nach kurzer Zeit in deiner Position unzufrieden sein wirst oder schnell wieder gehst, wenn es nicht so läuft, wie du es dir vorstellst.

Wenn du dich für Aufstiegschancen in deiner Position oder in dem Unternehmen interessierst, dann formuliere deine Frage lieber so: „Wie könnte sich die Position in Zukunft in diesem Unternehmen entwickeln?“ oderWie sieht bei Ihnen die Mitarbeiterentwicklung aus?“

2. „Was macht Ihr Unternehmen genau?“

Zugegeben, diese Frage werden wohl die wenigsten wirklich in einem Bewerbungsgespräch stellen. Dennoch sollte sie in dieser Liste nicht unerwähnt bleiben. Denn sie steht stellvertretend für alle Fragen, die dich unvorbereitet wirken lassen. Die goldene Regel lautet: Alles, was sich googeln lässt, solltest du NICHT fragen. Denn Rückfragen zu Bereichen, über die man eigentlich bestens informiert sein sollte, schießen Bewerber schnell ins Aus. Vermeide daher nach Informationen zu fragen, die du leicht auch selbst auf der Unternehmensseite oder durch Recherche gefunden hättest.

3. Ja-/Nein-Fragen

Vermeide einfache Ja oder Nein-Fragen, da so schnell der Gesprächsfluss unterbrochen wird. Das heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass du ausschließlich sehr umfangreiche Fragen stellen solltest, die nur schwer umgehend zu beantworten sind. Denn auch dadurch kann eine unangenehme Stille entstehen, während dein Gegenüber nach der passenden Antwort sucht. Außerdem könnten die Ausführungen zu sehr umfassenden Fragen möglicherweise den Rahmen sprengen.

4. „Nein, ich habe keine Fragen.“

Wenn es eines gibt – bei dem sich (fast) alle Personaler und HR-Experten einig sind – dann, dass du immer Fragen stellen solltest. Auch wenn du im ersten Moment denkst, es wäre schmeichelhaft deinem Gegenüber zu sagen, es wurde keine Frage offen gelassen – mach es nicht. Du hinterlässt dadurch nämlich eher den Eindruck, als würdest du nicht mehr über den Job und das Unternehmen erfahren wollen. Und keine Fragen zu stellen ist nicht zuletzt eine verpasste Gelegenheit, um für dich herauszufinden, wie gut der potentielle Arbeitgeber wirklich zu dir passt. Daher unser Tipp: Nimm dir die Zeit und stelle die Fragen, die dich wirklich interessieren.

Anika Dang

Anika Dang

Anika ist seit Juli 2017 Teil der kununu Redaktion und schreibt über Themen rund um Karriere und Arbeitswelt. Außerdem hat die Wienerin Texte bei der Neuen Zürcher Zeitung und Der Standard veröffentlicht.