Diskriminierung im Bewerbungsverfahren: Das kannst du dagegen tun!

Arbeitgeber können sich zwar grundsätzlich aussuchen, mit wem sie zusammenarbeiten und entscheiden sich meist für die Person, die inhaltlich am besten ist und zum Unternehmen passt, die Ablehnung eines Bewerbers kann jedoch auch ganz schnell zu einem Fall vor Gericht werden. Sobald Indizien für eine Diskriminierung auftauchen, begeben sich Arbeitgeber nämlich auf dünnes Eis. Das Gute daran: Du kannst dich wehren! Unsere Kooperationspartner von anwalt.de erklären dir wie.

Diskriminierung – was ist das eigentlich und wie erkennst du sie?

Eine Benachteiligung ist gegeben, wenn du aus einem im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) genannten Grund schlechter behandelt wirst als jemand mit haargenau denselben Qualifikationen. Das AGG ist dafür da, dich bereits im aktiven Bewerbungsverfahren zu unterstützen und zu schützen. Solltest du etwa aus Gründen anders behandelt werden, die sich auf die Rasse, die ethnische Herkunft, das Geschlecht, die Religion oder die Weltanschauung, eine Behinderung oder deine sexuelle Identität beziehen, kann schnell eine Benachteiligung gegeben sein. Das kann auch schon bei der Stellenausschreibung anfangen, wie dir folgende Beispiele verdeutlichen sollen:

Sucht der potenzielle Arbeitgeber nach einer „Assistentin“, kann eine Diskriminierung wegen des Geschlechts vorliegen. Auch die Suche nach einem „erfahrenen Mitarbeiter“ kann ein Hinweis auf das Alter und die Bevorzugung von älteren Bewerbern nahelegen.

Auch während des Bewerbungsgesprächs dürfen keine Fragen gestellt werden, die im Zusammenhang mit den Diskriminierungsmerkmalen stehen. Wenn das der Fall sein sollte, kannst du lügen oder sogar die Antwort verweigern. Daraus darf dein potenzieller Arbeitgeber nämlich keine negativen Schlüsse ziehen.

Gibt es für diese Benachteiligung keine plausible Begründung, kannst du davon ausgehen, dass eine Diskriminierung vorliegt und solltest dagegen vorgehen.

Kann eine Diskriminierung erlaubt sein?

Grundsätzlich darf niemand diskriminiert werden. Sollte es zu einer Benachteiligung kommen, heißt es für dich erst einmal: Ruhe bewahren! Im nächsten Schritt solltest du prüfen, ob die Ungleichbehandlung vielleicht sogar berechtigt ist. Sollte dies nämlich der Fall sein, wird eine Beanstandung meist erfolglos bleiben.

Berechtigt ist eine unterschiedliche Behandlung zweier vermeintlich identisch qualifizierter Bewerber zum Beispiel dann, wenn der Job besonders gute Deutschkenntnisse oder gar muttersprachliches Niveau voraussetzt. Zum Beispiel kann das begründet sein, wenn es um einen Moderatorenjob geht, um Dolmetschertätigkeiten oder die Suche nach einer weiblichen Lehrkraft für eine reine Mädchenschule.

Häufig gibt es auch Stellenanzeigen, die nach einem Bewerber suchen, der mindestens eine gewisse Zeit schon in dem jeweiligen Gebiet gearbeitet hat und daher einschlägige Berufserfahrung mitbringt. Das kann nämlich für die Wahrnehmung von beispielsweise leitenden Positionen notwendig sein. Wenn so eine Situation gegeben ist, ist die Benachteiligung in der Regel gut begründet und damit keine unerlaubte Diskriminierung im Sinne des AGG.

Was kannst du gegen eine Diskriminierung tun?

Falls tatsächlich eine Diskriminierung vorliegt, kannst und solltest du dagegen vorgehen. Zunächst solltest du dich bei dem Arbeitgeber beschweren. Das solltest du zu Beweiszwecken schriftlich tun. Wenn eine Diskriminierung stattgefunden hat, hast du nur zwei Monate ab Erhalt der Absage Zeit, dagegen vorzugehen, indem du dies zunächst beim Arbeitgeber monierst.

Wenn auch dann nichts geschieht, hast du die Möglichkeit, gerichtlich dagegen vorzugehen. Das muss innerhalb von drei Monaten ab der schriftlichen Geltendmachung passieren. Andererseits würde eine Verfristung vorliegen und du kannst kaum noch etwas unternehmen. Wenn du jetzt die Sorge hast, das nicht zweifelsfrei beweisen zu können, können wir dich beruhigen. In diesem Prozess reicht es aus, Indizien vorzulegen, die auf eine Diskriminierung hinweisen. Gute Indizien können die Stellenausschreibung oder die schriftliche Absage sein. Ein Auskunftsverlangen gegen den Arbeitgeber hast du aber nicht.

Wenn z. B. bei gleicher Qualifikation ein jüngerer Bewerber genommen würde, könnte eine Diskriminierung vorlegen. Nun ist es Sache des Abreitgebers, darzulegen, wieso er den Konkurrenten genommen hat.

Du kannst eine Entschädigung verlangen, die bis zu drei Monatsgehälter beträgt. Bei weitergehenden Nachteilen, wie etwa psychischen Folgen, kannst du zusätzlich Schmerzensgeld verlangen.

Prüfe hier, ob eine Benachteiligung tatsächlich vorliegt, und gehe dagegen vor.

Und wie sieht es in der Schweiz und in Österreich aus?

In Österreich und in der Schweiz gelten teilweise andere Regelungen. Informationen findest du auf der Seite des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz (Österreich), auf den Seiten der Ämter für Wirtschaft und Arbeit (Schweiz) sowie in den jeweiligen staatlichen Gesetzen.

 

Arbeitsrecht auf einem Blick findest du hier.