Rassismus am Arbeitsplatz – Was kann man rechtlich dagegen tun?

Rassismus am Arbeitsplatz – ein Problem, das viel öfter vorkommt, als manch einer vielleicht denkt. Ob nun ein rassistischer Witz gerissen wird, ausländische Kollegen weniger verdienen, obwohl sie dieselbe Arbeitsleistung erbringen wie ihre deutschen Kollegen, oder schier offener Rassismus gezeigt wird – über all dies sollte ein gewissenhafter Arbeitgeber nicht hinwegsehen und Maßnahmen ergreifen. Marjam Amirkhalily von anwalt.de erklärt euch, was ihr dagegen tun könnt, wenn ihr selbst betroffen seid oder ihr Kollegen helfen möchtet.

Was ist überhaupt Rassismus?

Aussagen wie „Du hast aber einen schönen Teint!“ oder „Asiatische Kinder sind immer so fleißig!“ kommen dir bekannt vor? Doch zählen sie bereits als Rassismus? Unter Rassismus versteht man eine Form von Diskriminierung, bei der bestimmte Menschen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer Volksgruppe oder Nationalität oder aufgrund äußerer Merkmale wie ihrer Hautfarbe oder wegen ihrer religiösen Einstellungen vorverurteilt, ausgegrenzt oder sonstigen Problemen ausgesetzt werden. Eine allgemeine Definition gibt es dafür allerdings nicht.

So stellen auch vermeintlich neutrale oder positiv gemeinte Sätze wie: „Sie sprechen aber gut Deutsch!“, oder: „Woher kommst du eigentlich?“, obwohl man doch hier geboren ist, ja, vielleicht sogar Deutsch als Muttersprache hat, in ihrem Kern rassistische Äußerungen dar. Der betroffene Kollege wird nicht nur beleidigt, im schlimmsten Fall wird er sogar ausgegrenzt.

 

„Dann gab es bestimmt mal deutsche Vorfahren, denn Sie sehen so „arisch“ aus?

–  Bewerbungsfrage bei Daimler AG

Was kann man gegen Rassismus am Arbeitsplatz tun?

Eine Kollegin von dir trägt ein Kopftuch und betet fünfmal am Tag, weil das für ihre Religion üblich ist. Dennoch fragt sie der neue Mitarbeiter: „Bist du eigentlich so eine Hardcore-Muslimin?“ Dabei stellst du dir wahrscheinlich immer wieder die Frage, was du tun kannst und solltest, wenn du Opfer solcher Äußerungen bist oder als Kollege Zeuge von Rassismus wirst.

Zunächst solltest du den Kollegen auf sein Verhalten aufmerksam machen und ihm erklären, warum sein vermeintlich witziges Verhalten rassistisch ist. Dies erfordert natürlich Mut und Courage, ist jedoch der erste und beste Schritt, Fremdenfeindlichkeit entgegenzuwirken und ein Verständnis dafür zu schaffen, warum ein solches Verhalten falsch ist. Hilfreich ist es, Kollegen hinzuziehen, die ähnlich denken wie du. Steht zu eurer Meinung, vertretet sie in eurem Team, egal was die anderen denken und schafft dadurch einen kleinen Beitrag zu einer neuen Denkweise, damit Rassismus gar nicht erst als normal angesehen wird.

 

„Von Rassismus bis hin zum Rausekeln ist alles dabei!

–  MitarbeiterIn bei DB AG

Was muss der Arbeitgeber tun?

Doch nicht nur aus menschlicher Sicht ist ein Einschreiten geboten. Auch vor dem deutschen Gesetz sind laut dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) alle Mitarbeiter gleichberechtigt zu behandeln. Hierfür sind der Arbeitgeber und die Betriebsräte gleichermaßen verantwortlich und haben dafür Sorge zu tragen, dass rassistischen Äußerungen Einhalt geboten wird. Wenn du das Gefühl hast, auf rassistische Probleme in deinem Team zu stoßen, sprich mit deinem Vorgesetzten darüber oder wende dich an deinen Betriebsrat. Denn das Argument der Meinungsfreiheit ist definitiv nicht mehr tragbar, wenn die Menschenwürde verletzt wird.

Mitarbeiter, die ihre Äußerungen als Witz rechtfertigen, sollen nicht auch noch durch den Arbeitgeber geschützt werden. Dein Vorgesetzter hat nämlich durch Gespräche und Abmahnungen die Möglichkeit, dieses Verhalten zu unterbinden. Notfalls kann er auch deinen Kollegen verhaltensbedingt kündigen.

 

„Das Unternehmen fördert den Kampf gegen rassistisches Mobbing am Arbeitsplatz und gegen Sprüche unter jeder Würde überhaupt nicht!

–  MitarbeiterIn bei Swisscomm AG

Dokumentiere die Vorfälle.

Sollten sich bedauerlicherweise keine solidarischen Kollegen am Arbeitsort finden und weder Betriebsrat noch Arbeitgeber für den betroffenen Mitarbeiter einstehen, bleibt noch der Weg zum Gericht. Wichtig dafür ist, dass du alle Beweise aufhebst: E-Mails mit rassistischen Witzen, Gruppenchats, in denen du verletzt wurdest oder sogar Post-Its auf denen dir jemand nette Kommentare hinterlassen hat. Kannst du nämlich beweisen, dass das Verhalten deiner Mitmenschen rassistisch ist, ist die Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts eindeutig: Rassistische Beleidigungen sind definitiv inakzeptabel.

 


Marjam Amirkhalily ist Content Managerin und Redakteurin bei anwalt.de. Die Rechtsberatungsplattform widmet sich seit über zehn Jahren der erfolgreichen Vermittlung von Anwälten an Ratsuchende. Mit über 20.000 Anwälten im Portfolio, über 60.000 veröffentlichten Rechtstipps und unzähligen Online-Rechnern über Abfindungsrechner bis hin zu Promillerechner, steht anwalt.de in jeglichen rechtlichen Belangen mit Rat und Tat zur Seite.


 

Sexismus im Job