Ausbildung und Gehalt
Eltern raten zum Studium – doch welche Berufe suchen wirklich Nachwuchs?
„Mach doch was Vernünftiges, studier lieber.“ Diesen gut gemeinten Satz hören einige von ihren Eltern. Doch ein Blick auf echte Bewerberzahlen zeigt ein anderes Bild: In manchen Studiengängen gibt es mehr Bewerber:innen als Plätze, während ganze Branchen händeringend nach Azubis suchen. Wer wissen will, wo Fachkräfte wirklich fehlen, muss nicht in den Hörsaal, sondern in die Werkstatt, die Praxis oder aufs Baugerüst schauen.
Der Reflex: Studieren gilt als sicherer Weg
Die Zahlen bestätigen den elterlichen Reflex zunächst: Rund 2,9 Millionen Menschen studieren in Deutschland, nur etwa 1,3 Millionen befinden sich in einer Ausbildung. Der Anteil der Abiturient:innen, die eine Ausbildung beginnen, ist zwar von 35 auf fast 47 Prozent gestiegen, das Studium bleibt bei jungen Menschen aber der beliebtere Weg.
Was Eltern dabei oft übersehen: Wer eine Ausbildung macht, verdient von Tag eins an Geld, sammelt Praxiserfahrung und hat gute Übernahmechancen. Das Studium kann sich dafür finanziell langfristig mehr lohnen, jedoch ist der aktuelle Arbeitsmarkt durch KI im Wandel. Entscheidend ist am Ende nicht, welcher Weg als „vernünftiger“ gilt, sondern wo aktuell Fachkräfte fehlen.
Bis zu 3.758 Euro Monatsgehalt nach der Ausbildung
Wer sich Ausbildungsberufe mit Zukunft genauer ansieht, findet Berufe, die selten auf dem elterlichen Radar stehen, aber langfristig gute Perspektiven bieten:
- Pflegefachkraft: Azubi-Gehalt 1.491 bis 1.653 Euro, danach im Schnitt 3.758 Euro brutto im Monat.
- Augenoptiker:in: Azubi-Gehalt 823 bis 960 Euro, danach im Schnitt 2.800 Euro brutto im Monat.
- Fachinformatiker:in für Systemintegration: Azubi-Gehalt rund 1.115 Euro, danach im Schnitt 3.425 Euro brutto im Monat.
- Physiotherapeut:in: Ausbildung meist schulisch und unvergütet, danach im Schnitt 3.308 Euro brutto im Monat.
Diese vier Berufe haben eines gemeinsam: Sie tauchen in offiziellen Berichten der Bundesregierung immer wieder als Bereiche mit echtem Fachkräftebedarf auf, gerade weil sich zu wenige junge Menschen dafür entscheiden.
Nicht jede vermeintliche Zukunftsbranche ist ein Selbstläufer
Ausgerechnet der Bereich, den manche Eltern für die sicherste Wahl überhaupt halten, verdient einen zweiten Blick: IT. Zwar gilt die Branche pauschal als Fachkräftemangel-Beruf, doch bei der klassischen dualen Ausbildung zeigt sich ein differenzierteres Bild. In der Softwareentwicklung gab es zuletzt sogar mehr Bewerber:innen als gemeldete Ausbildungsplätze.
Das bedeutet nicht, dass IT-Fachkräfte überflüssig wären, im Gegenteil. Gesucht werden aktuell vor allem erfahrene oder spezialisierte Profile, nicht jedoch Einstiegsposition. Wer sich für Fachinformatik entscheidet, sollte das also aus echtem Interesse tun.
Am Ende zeigt sich: „Wirklich gesucht“ bedeutet selten „automatisch akademisch“. Wer offen für Pflege, Handwerk oder technische Berufe ist, findet dort oft bessere Perspektiven als in manchem überfüllten Studiengang, plus ein Gehalt ab dem ersten Ausbildungstag.