Zum Inhalt springen
Frau im weißen Kittel umarmt ein Pferd

Berufe mit Pferden gesucht? Pferdeberufe mit Studium, Ausbildung & Quereinstieg

Du träumst davon, dein Hobby zum Beruf zu machen und mit Pferden zu arbeiten? Die deutsche Pferdewirtschaft bietet rund 300.000 Arbeitsplätze, von Gestüten über Tierarztpraxen bis hin zu Reitvereinen. Ob Ausbildung, Studium oder Quereinstieg – die Möglichkeiten sind vielfältig.

Während Berufe wie Pferdewirt:in oder Hufschmied:in eine Ausbildung erfordern, kannst du als Reitlehrer:in oder Pferdephysiotherapeut:in häufig per Weiterbildung oder Qualifikation einsteigen. Wer in die Forschung möchte, wählt den akademischen Weg als Pferdewissenschaftler:in.

Doch Vorsicht: Die Arbeit mit Tieren erfordert mehr als nur Leidenschaft. Körperliche Belastbarkeit bei Wind und Wetter, absolute Zuverlässigkeit an Feiertagen und der sichere Umgang mit dem Fluchttier Pferd sind Grundvoraussetzungen. Wer bereit ist, seinen Alltag den Bedürfnissen der Tiere anzupassen, findet in der Pferdebranche einen erfüllenden, wenn auch fordernden Karriereweg. Mach den Realitätscheck und finde deinen Platz in diesem vielfältigen Arbeitsumfeld.

Hat deine Faszination für Pferde schon im Kindesalter begonnen? Damit bist du nicht allein. Laut einer Untersuchung der Hochschule Fresenius haben die meisten Reiter:innen bereits in der Kindheit mit dem Sport angefangen – sei es nun beim ersten Ponyreiten oder dem eigenen Reitunterricht am Wochenende. Die Leidenschaft für die edlen Tiere hält bei vielen bis ins Erwachsenenalter an. Da kann sich dann natürlich der Wunsch entwickeln, dass du aus deinem geliebten Hobby auch beruflich etwas machen kannst.

Wie so oft, wenn ein Hobby zum Beruf werden soll, unterscheiden sich Traum und Realität dabei aber deutlich. In diesem Artikel bekommst du einen transparenten und strukturierten Überblick über die wichtigsten Berufe bei denen du mit Pferden zu tun hast, ihre Voraussetzungen sowie mögliche Einsatzorte.

Bei welchen Arbeitgebern du in Berufen mit Pferden tätig werden kannst

Mehr als 10.000 Firmen, Handwerksbetriebe und Dienstleistungsunternehmen in Deutschland machen laut dem Landesverband der Reit- und Fahrvereine Hamburg mit Pferden direkt oder indirekt ihr Geschäft. Insgesamt hängen an der deutschen Pferdewirtschaft laut Branchenschätzungen rund 300.000 Arbeitsplätze. Wo du mit einer passenden Ausbildung oder als Quereinsteiger:in arbeiten kannst, kommt auf deine persönlichen Präferenzen an.

Zu den Arbeitgeber:innen, bei denen du mit Pferden arbeiten kannst, zählen jedenfalls die folgenden:

  • Gestüte und Zuchtbetriebe
  • Rennställe und Trainingszentren
  • Pferdepensionen
  • Reitvereine und Reitschulen
  • Deckstationen
  • Turnierveranstaltungsunternehmen
  • Tierarztpraxen
  • Auffang- und Rettungsstationen
  • Landwirtschaftliche Betriebe mit Pferdehaltung

Überblick: Diese Berufe mit Pferden gibt es

Allein in Deutschland liegt der Umsatz der Pferdewirtschaft bei ca. 6,7 Milliarden Euro im Jahr. Entsprechend vielfältig sind die Pferdebranche und ihre Berufsbilder.

Da gibt es nicht nur die ganz klassischen Berufe wie Pferdewirt:in, Sattler:in oder Hufschmied:in, sondern zum Beispiel auch Jobs in den Bereichen Therapie oder Medizin. Interessieren dich eher organisatorische Aufgaben, findest du möglicherweise als Stallmanager:in oder in der Turnierorganisation dein Metier.

Möglich ist aber auch, als Pferdewissenschaftler:in zu Zucht, Haltung und Verhalten der Tiere zu forschen. Ein ganz eigenes Umfeld für Profisportler:innen bildet der Rennsport, der Berufe wie Jockey oder Reittrainer:in mit sich bringt.

Ausbildungsberufe rund ums Pferd

Pferdewirt:in – populärer Beruf mit Pferden

Berufsbild

Die Haltung, Zucht und Ausbildung von Pferden sind die wichtigsten Tätigkeiten von Pferdewirt:innen. Eine Spezialisierung auf eine der fünf möglichen Fachrichtungen – klassische Reitausbildung, Pferdehaltung und Service, Pferdezucht, Pferderennen oder Spezialreitweisen – schärft dein berufliches Profil und bestimmt deinen Alltag im Job.

Voraussetzungen

Formale Vorgaben für eine Ausbildung als Pferdewirt:in gibt es nicht zwingend. Zumindest für die Fachrichtung klassische Reitausbildung solltest du aber Reittalent und praktische Erfahrung im Sattel mitbringen.

Gehalt

Durchschnittlich verdienen Pferdewirt:in laut den Daten von kununu 29.500 € brutto jährlich.

Ablauf

Die duale Ausbildung zur:zum Pferdewirt:in dauert in der Regel drei Jahre. Du kannst die Ausbildungszeit mit einem bereits vorhandenen Berufsabschluss auf zwei Jahre verkürzen.

Einsatzorte

Je nach Fachrichtung arbeitest du später zum Beispiel auf Gestüten, Reiterhöfen, in Rennställen oder in Zuchtbetrieben. Denkbar ist natürlich auch, dass du dir selbstständig deinen eigenen Pferdehof aufbaust.

Hufschmied:in

Berufsbild

Ähnlich wie Podologie, nur eben für Pferde: Hufschmied:innen schneiden die Hufe der Pferde regelmäßig aus. Nach Bedarf fertigst du in diesem Beruf passende Hufeisen an und beschlägst die Tiere außerdem fachgerecht. Übrigens musst du nicht unbedingt ausschließlich mit Pferden arbeiten, da auch manche Kühe die Hilfe von Hufschmied:innen brauchen.

Voraussetzungen

Grundsätzlich gibt es keine vorgeschriebenen Voraussetzungen für eine Ausbildung als Hufschmied:in. Ein Hauptschulabschluss kann für deinen potenziellen Arbeitgeber schon ausreichen. Körperliche Fitness ist dagegen unerlässlich, schließlich arbeitest du oft gebückt und musst schwere Hufeisen sowie Werkzeug handhaben.

Gehalt

Durchschnittlich verdienen Hufschmied:innen laut den Daten von kununu 37.900 € brutto jährlich.

Ablauf

Zum Beruf der Hufschmiedin bzw. des Hufschmieds führen im Prinzip zwei Wege. Entweder absolvierst du eine Ausbildung im Metallbau mit dem Kernbereich Hufbeschlag oder machst eine zweijährige Weiterbildung direkt bei einer Hufschmiedin oder einem Hufschmied nach einer beliebigen Berufsausbildung. Insgesamt dauert der Weg zur:zum staatlich anerkannten Hufbeschlagschmied:in damit rund vier Jahre.

Einsatzorte

Die meisten Hufschmiede arbeiten selbstständig und fahren von Hof zu Hof, um die Hufe der Pferde direkt vor Ort zu pflegen. Eine Anstellung ist aber natürlich ebenfalls denkbar.

Studienberufe rund ums Pferd

Pferdewissenschaftler:in

Berufsbild

Obwohl du als Pferdewissenschaftler:in in der Forschung rund um wissenschaftliche Fragestellungen zu Zucht, Haltung, Fütterung und Verhalten von Pferden tätig bist, arbeitest du auch praktisch. Direkt am Tier findest deine Arbeit etwa bei Beobachtungen im Stall oder auf der Weide statt.

Voraussetzungen

Für ein entsprechendes Studium brauchst du die allgemeine Hochschulreife sowie ein solides Interesse an Biologie und Naturwissenschaften. Reiterliche Erfahrung ist hilfreich, aber keine zwingende Voraussetzung.

Gehalt

Durchschnittlich verdienen Pferdewissenschaftler:innen/Naturwissenschaftler:innen laut den Daten von kununu 59.100 € brutto jährlich.

Ablauf

Studiengänge wie Pferdewissenschaften oder Nutztierwissenschaften mit entsprechender Vertiefung dauern in der Regel sechs bis acht Semester im Bachelor. Ein anschließender Master (weitere zwei Jahre) vertieft deine Spezialisierung weiter.

Einsatzorte

Universitäten, Forschungsinstitute, Zuchtverbände sowie größere Gestüte mit eigener Forschungsabteilung zählen zu den möglichen Arbeitgeber:innen von Pferdewissenschaftler:innen.

Quereinstieg in Pferdeberufe: In diesen Jobs klappt es

Reitlehrer:in

Berufsbild

Reitschüler:innen profitieren von deinen Kenntnissen als Reitlehrer:in. Du vermittelst Menschen jeden Alters und Levels die Grundlagen oder Feinheiten des Reitens. Dafür erstellst du ihnen individuelle Trainingspläne und begleitest ambitioniertere Schüler:innen manchmal sogar auf Turnieren.

Voraussetzungen

Reitlehrer:in ist kein eigenständiger Ausbildungsberuf und eignet sich aus diesem Grund bestens für einen Quereinstieg. Es handelt sich dabei um eine Qualifikation, die du über Trainerlizenzen der jeweiligen Landesverbände erwirbst. Die einzige Voraussetzung dafür ist eine solide reiterliche Vorbildung – und natürlich das Bestehen der entsprechenden Prüfungen.

Gehalt

Ø 2.900 €
Bruttogehalt Vollzeit
2.200 €
3.300 €

Durchschnittlich verdienen Reitlehrer:in laut Gehaltsdaten ungefähr 2.900 brutto jährlich.

Ablauf

Die Lizenzausbildung dauert je nach Vorkenntnissen ein bis drei Jahre und umfasst sowohl Theorie- als auch Praxisprüfungen.

Einsatzorte

Reitschulen, Reitvereine sowie eine selbstständige Tätigkeit auf verschiedenen Höfen zählen zu den typischen Einsatzorten.

Pferdephysiotherapeut:in

Berufsbild

Du wünschst dir, dass es deinen Schützlingen möglichst lang gut geht? Als Pferdephysiotherapeut:in kannst du die Gesundheit von Pferden aktiv positiv beeinflussen. Du behandelst verletzte oder in ihrer Bewegung eingeschränkte Pferde mit gezielten physiotherapeutischen Techniken und arbeitest dabei eng mit Tierärzt:innen und Reitlehrer:innen zusammen.

Voraussetzungen

Der Weg in den Job führt meist über eine Weiterbildung statt – auch, wenn es seit einigen Jahren eine eigenständige Ausbildung zur:zum Pferdephysiotherapeut:in in berufsbegleitender Form gibt. Attraktiv ist der Beruf für Quereinsteiger:innen, die bereits Erfahrung mit Physiotherapie für Menschen mitbringen.

Ablauf

Die Dauer der Weiterbildung variiert stark je nach Anbieter und deinen bereits vorhandenen Vorkenntnissen.

Einsatzorte

In der Regel sind die meisten Pferdephysiotherapeut:innen selbstständig und fahren auf Abruf zu ihren Kund:innen auf verschiedene Höfe und Ställe.

Nur mit Pferden zu arbeiten, genügt dir nicht und du möchtest lieber zusätzlich mit anderen Vierbeinern im Job in Kontakt kommen? In unserem Artikel zu Berufen mit Tieren findest du Inspiration für deine Berufswahl.

Ausbildung, Weiterbildung oder Quereinstieg? Pferdeberufe stehen allen offen

Formale Schulabschlüsse spielen im Umgang mit Pferden zumindest teilweise eine untergeordnete Rolle. Bei den praktischen Berufen wie Pferdewirt:in oder Hufschmied:in zählt vor allem, wie sicher du dich Umgang mit dem Tier fühlst. Genauso können Reitlehrer:innen ihren Job auch nach einem Quereinstieg optimal ausführen. Bringst du bereits jahrelange reiterliche Praxis mit, brauchst du oft keine komplett neue Ausbildung. Über Trainerlizenzen oder gezielte Weiterbildungen baust du stattdessen direkt auf dem auf, was du dir bereits im Sattel praktisch angeeignet hast.

Gleichzeitig kommen gewisse Jobs mit Pferden nicht gänzlich ohne Voraussetzungen aus. Sobald Wissenschaft oder Medizin ins Spiel kommen, benötigst du das Abitur oder einen gleichwertigen Abschluss. Nur so wirst du für ein Studium der Pferdewissenschaften oder der Veterinärmedizin zugelassen.

Vertrauenssache: Was die Arbeit mit einem Fluchttier von dir verlangt

Der beste Abschluss kann Geduld und Behutsamkeit im Umgang mit Pferden nicht ersetzen. Pferde sind Fluchttiere. Das unterscheidet die Arbeit mit ihnen von den meisten anderen Tierberufen. Selbst ein jahrelang eingerittenes Pferd kann in Sekundenschnelle unvorhersehbar reagieren. Aus diesem Grund zählen Ruhe, Konsequenz und ein feines Gespür für die Körpersprache des Tieres zu den wichtigsten Fähigkeiten in praktisch jedem Pferdeberuf.

Hinzu kommt mitunter eine körperliche Komponente. Da einige Tätigkeiten rund ums Pferd draußen bei Wind und Wetter stattfinden, solltest du Kraft und Ausdauer mitbringen. Dann stellen auch das tägliche Ausmisten oder stundenlanges gebücktes Arbeiten unter dem Pferdehuf kein Problem dar.

Kein Nine-to-Five: Bei Berufen mit Pferd ist der Alltag besonders

Ein Pferdeberuf lässt sich nur schwer in einen geregelten Bürotag quetschen. Pferde brauchen ihre Grundversorgung an jedem einzelnen Tag im Jahr – also auch an Feiertagen, im Urlaub der Kolleg:innen oder bei einem Sturm mitten in der Nacht. Du musst bereit sein, deinen Alltag um das Tier herum zu planen statt umgekehrt. Die frühen Startzeiten oder Wochenenddienste müssen zu den Bedürfnissen von dir und deiner familiären Situation passen.

Bevor du dich endgültig für einen Pferdeberuf entscheidest, lohnt sich deshalb ein ehrlicher Realitätscheck. Diese fünf Fragen helfen dir dabei:

  • Kann ich früh aufstehen, weil das Pferd morgens gefüttert werden muss?
  • Bin ich bereit, auch an Wochenenden und Feiertagen zu arbeiten, wenn andere Freizeit haben?
  • Ertrage ich stundenlange körperliche Arbeit bei jedem Wetter?
  • Kann ich auch dann ruhig und besonnen bleiben, wenn ein Pferd unerwartet reagiert?
  • Und ganz grundsätzlich: Reicht mir die Liebe zum Tier allein oder brauche ich für einen erfüllten Berufsalltag mehr als das?

Kannst du diese Fragen für dich ehrlich mit „Ja“ beantworten, hast du gute Voraussetzungen für einen Job mit Pferden. Am Ende kann dieser jede Anstrengung wert sein.