Quereinstieg als Lokführer:in: So wirst du ohne Erfahrung Triebfahrzeugführer:in
Die Jobchancen für Quereinsteiger:innen als Lokführer:innen (offiziell: Eisenbahner:in im Betriebsdienst) sind aktuell hervorragend. Angesichts eines akuten Personalmangels suchen sowohl die Bahn als auch zahlreiche private Unternehmen händeringend nach Nachwuchs. Eine klassische dreijährige Ausbildung ist dabei nicht zwingend erforderlich; oft genügt eine verkürzte Umschulung, deren Kosten meist vom Arbeitgeber oder der Arbeitsagentur übernommen werden.
Voraussetzungen sind ein Mindestalter von 18 bis 20 Jahren, eine gesundheitliche Eignung sowie Zuverlässigkeit. Der Berufsalltag umfasst Schicht-, Nacht- und Wochenenddienste, wird durch neue Tarifabschlüsse – wie die schrittweise Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich – jedoch deutlich attraktiver und planbarer. Da viele erfahrene Kräfte bald in Rente gehen, erwartet dich ein krisensicherer Job mit guten Gehaltsaussichten. Ob im Personen- oder Güterverkehr: Die Branche bietet zahlreiche Wege für einen erfolgreichen Neustart auf der Schiene.
Auf 100 offene Lokführer:innenstellen kommen bundesweit im Schnitt nur rund 50 qualifizierte Bewerber:innen. Die Chancen für dich als Quereinsteiger:in stehen also gut. Welche Qualifikationen aber solltest du vor dem Einstieg als Lokführer:in mitbringen, um dich gegen die Konkurrenz durchzusetzen? Wie läuft der Weg in den Job ab? Und gibt es am Ende eigentlich eine Prüfung? Alles, was du zum Quereinstieg als Lokführer:in wissen musst, zeigen wir dir hier.
Definition: Das ist der Beruf Lokführer:in
Offiziell heißt der Beruf Lokführer:in eigentlich Eisenbahner:in im Betriebsdienst der Fachrichtung Lokführer und Transport. Klassisch handelt es sich dabei um eine duale Ausbildung. Sie dauert in der Regel drei Jahre und du absolvierst sie bei einem Eisenbahnverkehrsunternehmen wie der Deutschen Bahn oder einem privaten Zugunternehmen.
Von Anfang an arbeitest du in deinen praktischen Phasen direkt im Betrieb mit. Zwischendurch hast du Theorieblöcke an deiner Berufsschule oder einer unternehmensinternen Bildungseinrichtung. Am Ende deiner Ausbildung steht die Prüfung zur Erlangung der Triebfahrzeugführerscheine für die jeweiligen Fahrzeugklassen. Ohne diesen Führerschein darfst du nicht eigenständig fahren.
Gelten die drei Jahre Ausbildung auch für Quereinsteiger:innen? Während du natürlich die Option hast, dich für eine Ausbildung zu bewerben, kann dein Weg in den Job als Lokführer:in auch anders ablaufen. Statt der vollen dreijährigen Ausbildung durchläufst du dann eine deutlich verkürzte Umschulung, die genau auf diesen Zweck zugeschnitten ist und dir vorhandene Berufserfahrung anrechnet. Inhaltlich unterscheidet sich das kaum vom regulären Ausbildungsweg. Das heißt: Du lernst dieselben Regelwerke, dieselbe Signalkunde und dieselbe Fahrzeugtechnik wie deine Kolleg:innen. Je nachdem, ob du im Personenverkehr, im Güterverkehr oder bei einem regionalen Verkehrsunternehmen angestellt wirst, kann dein genauer Ausbildungsweg noch einmal bestimmte Zusatzanforderungen haben.
Lokführer:innen gibt es eigentlich gar nicht!
Vielleicht hast du es weiter oben im Artikel schon gelesen: Auf dem Papier heißt der Beruf Eisenbahner:in im Betriebsdienst der Fachrichtung Lokführer und Transport. Lokführer:innen oder Triebfahrzeugführer:innen gibt es streng genommen also gar nicht.
Dabei handelt es sich nur um die im Alltag gebräuchlichen Kurzformen. In Stellenanzeigen und im allgemeinen Sprachgebrauch findest du diese mittlerweile genauso häufig wie den offiziellen Titel.
Alltag als Lokführer:in: Das erwartet dich
Zögerst du gerade noch etwas und weißt nicht genau, ob du den Quereinstieg als Lokführer:in wagen sollst? Vielleicht hilft dir ein kleiner Einblick in den Arbeitsalltag in deinem potenziellen Traumjob.
Dein Arbeitstag als Eisenbahner:in im Betriebsdienst der Fachrichtung Lokführer und Transport beginnt meist mit der Übernahme deines Triebfahrzeugs und einer Bremsprobe. Letztere ist wichtig, um die technischen Gegebenheiten vor einer Fahrt zu prüfen. Vor der Abfahrt checkst du außerdem technische Anzeigen, gleichst den Fahrplan ab und verschaffst dir einen klaren Überblick über Baustellen oder etwaige Besonderheiten auf deiner Strecke.
Nach Fahrtantritt musst du natürlich ebenfalls aufmerksam bleiben. Während der Fahrt beobachtest du beispielsweise fortlaufend Signale auf der Strecke. Verkehrsrowdys verboten: Du hältst selbstredend die zulässigen Geschwindigkeiten ein und reagierst auf Anweisungen der Betriebszentrale.
Je nach Einsatzbereich fährst du entweder im Personenverkehr mit direktem Fahrgastkontakt oder im Güterverkehr, wo du eher eigenständig unterwegs bist. Beides bringt einen individuellen Rhythmus aus Schicht-, Nacht- und Wochenenddiensten mit sich. Es kann also auch mal sein, dass du mitten in der Nacht fahren oder dein geliebtes Sonntagsessen sausen lassen musst.
Solltest du den Beruf als Lokführer:in übrigens vor allem deshalb in Erwägung ziehen, weil du dort wenig Kontakt zu Menschen hast, haben wir hier noch mehr Jobvorschläge für dich.
Voraussetzungen für den Quereinstieg als Lokführer:in
Bevor du dich für eine der zahlreichen Quereinsteiger:innen-Programme im Eisenbahnverkehr entscheidest, solltest du einen Blick auf die formalen Voraussetzungen werfen. Die genauen Anforderungen unterscheiden sich zwar leicht je nach Arbeitgeber und Bildungsträger, im Kern verlangen aber praktisch alle Anbieter dieselben Grundvoraussetzungen. Wir haben uns für den folgenden Überblick unter anderem an den Quereinstiegsinformationen der DB Cargo orientiert:
- Mindestalter von 18 Jahren für den Einstieg in die Qualifizierung. Zum eigenständigen Führen von Zügen auf freier Strecke musst du sogar 20 Jahre alt sein.
- Ein Hauptschulabschluss reicht oft aus, sofern du zusätzlich eine abgeschlossene Berufsausbildung oder einschlägige Berufserfahrung vorweisen kannst.
- Du musst die betriebsärztliche und arbeitspsychologische Untersuchung – unter anderem zu Sehkraft, Farbsehen und Reaktionsvermögen – bestanden haben.
- Es muss Bereitschaft zu Schicht-, Nacht- und Wochenenddienst bestehen.
- Deutschkenntnisse solltest du mindestens auf B2-Niveau nachweisen können, da du im Betrieb auf Deutsch kommunizieren und sicherheitsrelevante Regelwerke verstehen musst.
Ein klassischer Berufsabschluss im Bahnbereich ist also ausdrücklich nicht nötig. Für den Erfolg deiner Bewerbung entscheidend sind deine gesundheitliche Eignung, eine Berufsausbildung und Zuverlässigkeit.
Alle Facts zum Quereinstieg als Lokführer:in
- Dauer der Umschulung: Zwölf bis 24 Monate, je nach Vorqualifikation
- Kosten für dich: In der Regel keine, Förderung über Arbeitgeber oder Bildungsgutschein
- Voraussetzung: Mindestalter 18 oder 20 Jahre, bestandener Gesundheitscheck, meist Berufsausbildung oder Berufserfahrung
- Übernahme: Bei erfolgreichem Abschluss fast immer unbefristet
- Wettbewerb: Auf 100 offene Stellen kommen im Schnitt nur 50 qualifizierte Bewerber:innen
Gehalt: Was du während und nach der Umschulung zur:zum Lokführer:in verdienst
Während der betrieblichen Qualifizierung bei der Deutsche Bahn AG oder einem privaten Bahnunternehmen wie Die Länderbahn GmbH bekommst du bereits ein festes Gehalt nach Tarifvertrag bezahlt. Solltest du allerdings über den Bildungsgutschein eine externe Umschulung absolvieren, läuft in der Regel einfach dein Arbeitslosengeld weiter.
Als Lokführer:in bei der Deutsche Bahn AG kannst du in Vollzeit mit durchschnittlich 43.800 Euro brutto pro Jahr rechnen. Die Länderbahn GmbH zahlt ihren Angestellten im Durchschnitt 44.200 Euro jährlich. Beim NETINERA-Konzern, der unter anderem die vlexx-Züge betreibt, erhalten Lokführer:innen durchschnittlich 42.900 Euro brutto.
Dein Nettogehalt hängt letztendlich stark von deiner Steuerklasse und deinen individuellen Zulagen ab. Wichtig zu wissen: Der Tarifvertrag der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) bietet in der Regel etwas höhere Grundgehälter als der Tarifvertrag der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Welcher Tarifvertrag für dich gilt, hängt vom jeweiligen Arbeitgeber ab.
Dein Gehalt als Lokführer:in bewegt sich in Deutschland zwischen 34.100 € und 64.900 €. Dein Durchschnittsgehalt über alle Unternehmen hinweg beträgt 46.000 €. Weil in der Branche in den kommenden Jahren deutlich mehr Lokführer:innen in Rente gehen als aktuell nachrücken, dürfte sich dein Maximalgehalt deutlich nach oben bewegen.
Warum der Bedarf an Lokführer:innen sogar noch steigen wird
Lokführer:innen haben einen krisensicheren Job. Öffentliche Verkehrsmittel werden immer gebraucht und – zumindest für den Moment – ist noch nicht absehbar, dass Züge zu 100 Prozent automatisiert fahren können. Die Technologie dafür gibt es prinzipiell schon. Ganz ausgereift und in der Praxis getestet ist sie allerdings noch nicht.
Ein Blick auf die Altersstruktur der Branche zeigt des Weiteren, wie dringend Nachwuchs gebraucht wird. Rund 40 Prozent aller Lokführer:innen in Deutschland sind bereits über 50 Jahre alt. Unter 30-Jährige machen dagegen nur etwa zwölf Prozent aus. In den kommenden Jahren werden also deutlich mehr Menschen in Rente gehen, als aktuell nachrücken. Gleichzeitig soll mit der geplanten Verkehrsverlagerung auf die Schiene mehr Verkehr auf die Gleise verlagert werden, der Sektor rechnet deshalb mit einem jährlichen Bedarf von 5.000 bis 10.000 neuen Lokführer:innen.
Worauf also noch warten? Die Umschulung zur:zum Lokführer:in kostet dich in der Regel nichts, dauert oft weniger als ein Jahr und die Chancen auf eine unbefristete Übernahme stehen so gut wie selten in einem anderen Beruf. Hier findest du schon einmal einige Tipps für deine Bewerbung.
Beste Gelegenheit zum Einstieg nach GDL-Streik
Aktuell lohnt sich ein Quereinstieg als Lokführer:in ganz besonders, denn die Bedingungen sind wahrscheinlich so gut wie noch nie. Nach monatelangen Streiks einigten sich die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) und die Deutsche Bahn im März 2024 auf eine schrittweise Absenkung der Wochenarbeitszeit für Schichtdienstler:innen von 38 auf 35 Stunden. Diese findet bei vollem Lohnausgleich statt.
Die Umstellung erfolgt in mehreren Stufen bis 2029. Solltest du lieber länger arbeiten, kannst du dich alternativ für mehr Gehalt entscheiden. Hinzu kommen eine Begrenzung der maximalen Schichtlänge sowie ein monatlicher Zuschuss zum Deutschland-Ticket. Der Berufsalltag wird für Neueinsteiger:innen wie dich damit idealerweise planbarer und familienfreundlicher.
Lokführer:innen finden auch außerhalb der Deutschen Bahn einen Job
Sobald man an den Beruf Lokführer:in oder Triebfahrzeugführer:in denkt, hat man sofort die Deutsche Bahn vor Augen. Aber ist es nun wirklich so, dass du nur dort als Quereinsteiger:in einen Job findest? Glücklicherweise gibt es laut Eisenbahnbundesamt in Deutschland insgesamt 451 öffentliche und 156 nichtöffentliche Bahnunternehmen – und sie alle freuen sich über Personal.
Im Güterverkehr hat sich das Verhältnis von Deutsche Bahn vs. Wettbewerber in den letzten Jahren sogar recht deutlich verschoben. Die Wettbewerberbahnen kommen mittlerweile auf einen Marktanteil von 67 Prozent. Die bundeseigene DB Cargo hält lediglich etwa ein Drittel Marktanteil. Auch im Regionalverkehr mischen längst zahlreiche private Anbieter mit, die in einzelnen Bundesländern ganze Streckennetze betreiben. Für dich als Arbeitnehmer:in heißt das, dass du mehr Auswahlmöglichkeiten hinsichtlich der Anstellungsverhältnisse und Arbeitsmodelle hast.
Häufige Fragen rund um deinen Quereinstieg als Lok- oder Triebfahrzeugführer:in
Explizit bei der Deutschen Bahn dauert der Quereinstieg zur:zum Lokführer:in zwischen zwölf und 24 Monaten. Die genaue Dauer hängt von deiner Vorqualifikation und deinem bisherigen Ausbildungsweg ab.
Die Kosten der Umschulung zur:zum Lokführer:in wird entweder durch den Arbeitgeber abgedeckt oder über einen Bildungsgutschein der Bundesagentur für Arbeit gefördert.
Ein historischer Tarifabschluss verändert den Berufsalltag
Nach monatelangen Streiks einigten sich die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) und die Deutsche Bahn im März 2024 auf eine schrittweise Absenkung der Wochenarbeitszeit für Schichtdienstler:innen von 38 auf 35 Stunden, bei vollem Lohnausgleich. Die Umstellung erfolgt in mehreren Stufen bis 2029, wer lieber länger arbeitet, kann sich alternativ für mehr Gehalt entscheiden. Dazu kommen eine Begrenzung der maximalen Schichtlänge sowie ein monatlicher Zuschuss zum Deutschland-Ticket. GDL-Chef Claus Weselsky bezeichnete die Einigung als „historischen Durchbruch“. Für alle, die neu einsteigen, heißt das: Der Berufsalltag wird planbarer und familienfreundlicher, ein deutlicher Unterschied zu den oft unregelmäßigen Schichtplänen, die den Beruf lange geprägt haben.
In den meisten Fällen wirst du nach der Umschulung in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen. Eisenbahnunternehmen suchen händeringend Personal, sodass meist schon während der Umschulung ein Arbeitsvertrag besteht.Wer an den Beruf Lokführer:in denkt, hat meist nur die Deutsche Bahn vor Augen. Dabei ist der Markt deutlich breiter aufgestellt: Laut Eisenbahnbundesamt sind in Deutschland insgesamt 451 öffentliche und 156 nichtöffentliche Bahnunternehmen zugelassen. Besonders im Güterverkehr hat sich das Kräfteverhältnis in den vergangenen Jahren deutlich verschoben: Die Wettbewerberbahnen kommen mittlerweile auf einen Marktanteil von 67 Prozent, die bundeseigene DB Cargo stellt nur noch etwa ein Drittel. Auch im Regionalverkehr mischen längst zahlreiche private Anbieter wie Transdev, Abellio oder Keolis mit, die in einzelnen Bundesländern ganze Streckennetze betreiben. Wer sich für den Beruf entscheidet, wählt also nicht nur zwischen Fern-, Nah- und Güterverkehr, sondern auch zwischen einem staatlichen Konzern und einer wachsenden Zahl privater Wettbewerber mit eigenen Streckennetzen und Arbeitsmodellen.