Abfindungsprogramme in der Autoindustrie
Hohe Abfindung bei BMW – doch das Gehalt danach sinkt oft
Rund 33.000 Euro brutto im Jahr liegen Teamleiter:innen bei BMW laut kununu über dem Schnitt in Deutschland. Genau dieser Vorsprung kann eine hohe Abfindung teuer machen. Denn wer den Konzern verlässt, findet ein solches Gehalt anderswo oft nicht wieder.
Tausende greifen bei BMW zu, Mercedes legt nach
Laut Handelsblatt meldeten sich bei BMW binnen kurzer Zeit mehrere Tausend Interessierte, das Ziel war früher erreicht als geplant. Neue Anmeldungen sind nicht mehr möglich. Mercedes-Benz will sein Programm voraussichtlich im Dezember neu auflegen. Der Druck ist groß: Ende Juni 2026 arbeiteten laut Statistischem Bundesamt nur noch 691.500 Menschen in der Autoindustrie, 42.300 weniger als ein Jahr zuvor.

Im goldenen Käfig verdient es sich am besten
„Das Phänomen ist extrem weit verbreitet“, sagt Unternehmensberater Jochen Carle, früher über 30 Jahre bei Daimler. Er spricht vom „goldenen Käfig“ der Autokonzerne. Die kununu Daten zeigen, wie golden er ist: Teamleiter:innen geben bei Mercedes-Benz im Schnitt 99.200 Euro an, bei BMW 97.500 Euro, deutschlandweit 64.300 Euro. Abteilungsleiter:innen kommen bei BMW auf 114.500 Euro, im Bundesschnitt auf 73.600 Euro.
225.000 Euro weniger in fünf Jahren
Wer von 140.000 auf 95.000 Euro wechselt, verliert 45.000 Euro brutto pro Jahr, in fünf Jahren 225.000 Euro. Das übersteigt manche Abfindung, die zudem versteuert wird. Ab 50 kann die Jobsuche laut Carle 12 bis 18 Monate dauern statt 6.
Vor der Unterschrift lohnt deshalb der Blick auf fünf Punkte:
- Folgegehalt realistisch prüfen, idealerweise mit konkretem Angebot
- Sperrzeit: Ein Aufhebungsvertrag kann zwölf Wochen ohne Arbeitslosengeld bedeuten
- Meldefrist: spätestens drei Monate vor Jobende arbeitsuchend melden
- Fünftelregelung: Der Steuervorteil kommt seit 2025 erst über die Steuererklärung
- Boni und bezahlte Freistellung mitverhandeln
„Verhandlungsspielraum entsteht nie durch Appelle an die Fairness, sondern durch Hebel“, sagt Carle. Der stärkste Hebel ist ein Plan für danach. Ob sich eine Abfindung lohnt, zeigt sich nicht am Tag der Unterschrift, sondern beim ersten Gehaltszettel im neuen Job.