Quereinstieg Lehramt: Lehrer werden ohne klassisches Studium
Der Lehrkräftemangel an deutschen Schulen ist dramatisch: Bis 2035 fehlen zehntausende Lehrkräfte, besonders in Grundschulen und MINT-Fächern. Wer kein klassisches Lehramtsstudium absolviert hat, findet deshalb immer häufiger Wege in den Beruf. Voraussetzung für den Quer- oder Seiteneinstieg ist meist ein abgeschlossenes Hochschulstudium, B2-Deutschkenntnisse und die Bereitschaft zur pädagogischen Nachqualifizierung.
Die Begriffe werden oft synonym verwendet, unterscheiden sich aber in der Praxis: Beim Quereinstieg folgt meist ein Referendariat, beim Seiteneinstieg unterrichtest du direkt parallel zur Ausbildung. Der Beruf lockt mit Arbeitsplatzsicherheit, geregelter Besoldung und sinnstiftender Tätigkeit. Nach dem Abschluss bist du klassischen Lehrkräften rechtlich gleichgestellt und erhältst dasselbe Gehalt. Da die Anforderungen und Unterstützungsangebote je nach Bundesland stark variieren, lohnt sich ein Blick in die spezifischen Regeln deiner Region. Mit der richtigen Vorbereitung steht deinem Wechsel ins Klassenzimmer trotz fachfremden Hintergrunds nichts im Weg.
Leere Klassenzimmer, früher Schulschluss und ständiger Stundenausfall: In vielen deutschen Schulen ist genau das Realität. Im Schuljahr 2025/26 fehlen in Deutschland allein an Grundschulen rund 35.000 Lehrkräfte. In den weiterführenden Schulen sieht die Situation nicht weniger prekär aus.
Kein Wunder also, dass viele Bundesländer ihre Türen für Quereinsteiger:innen inzwischen weit geöffnet haben. Ein Job als Lehrer:in klingt auch für dich attraktiv, du kannst jedoch kein Lehramtsstudium vorweisen? Diese Voraussetzungen musst du je nach Bundesland für einen Quereinstieg als Lehrer:in erfüllen.
So dramatisch ist der Lehrkräftemangel wirklich
Besonders zugespitzt ist die Lage an den Grundschulen: Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung fehlten dort bereits rund 35.000 Grundschullehrkräfte, weil steigende Schülerzahlen, der Ausbau der Ganztagsbetreuung und altersbedingte Pensionierungen gleichzeitig zusammenkommen. Über alle Schulformen hinweg fällt die Gesamtzahl noch größer aus: Aktuelle Prognosen gehen von bis zu 68.000 fehlenden Lehrkräften bis 2030/31 und bis zu 76.000 bis 2035/36 aus, die Kultusministerkonferenz selbst rechnet in einer eigenen Modellrechnung mit rund 49.000 fehlenden Lehrkräften bis 2035. Besonders betroffen sind neben den Grundschulen die Sekundarstufe I, Berufsschulen sowie MINT-Fächer wie Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften. Wie groß die Lücke tatsächlich ist, hängt also stark davon ab, welche Schulform und welchen Zeitraum man betrachtet, die 35.000 sind dabei eher der Ausgangspunkt eines Problems, das sich über die kommenden Jahre spürbar ausweitet.
Bundesweit stammt mittlerweile rund jede zehnte neu eingestellte Lehrkraft nicht aus einem klassischen Lehramtsstudium, Tendenz steigend. In Sachsen fallen laut aktuellen Zahlen fast 15 Prozent der Unterrichtsstunden sogar ganz ersatzlos aus, ein Beleg dafür, wie konkret sich der Mangel bereits im Schulalltag bemerkbar macht.
Lehrer:innenmangel fällt nicht überall gleich stark aus
„Lehrermangel“ klingt nach einem einheitlichen bundesweiten Problem, ist es aber nicht. Während westdeutsche Flächenländer ihren Höchststand bei den Schülerzahlen laut Prognosen erst 2033 erreichen und der Bedarf dort also noch steigt, erwarten ostdeutsche Flächenländer schon früher wieder sinkende Zahlen. Für dich als angehende:n Quereinsteiger:in lohnt sich deshalb weniger die Frage „Lehramt ja oder nein“, sondern die Kombination aus Bundesland, Schulform und Fach.
Unterschied: Quereinstieg oder Seiteneinstieg als Lehrer:in
In unserem Artikel sprechen wir vom Quereinstieg als Lehrer:in. Tatsächlich ist damit aber häufig der Seiteneinstieg gemeint. Beide Begriffe werden nämlich oft synonym zueinander verwendet, meinen aber streng genommen unterschiedliche Wege in den Job.
Wo also liegt der Unterschied? Beim Quereinstieg hast du in der Regel ein fachfremdes Hochschulstudium abgeschlossen und durchläufst anschließend ein reguläres Referendariat. Wie Lehrer:innen absolvierst du den Vorbereitungsdienst mit Zweitem Staatsexamen. Seiteneinsteiger:innen dagegen unterrichten meist direkt und ohne vorherige Referendariat. Du wirst parallel zum Unterrichten pädagogisch qualifiziert. Manche Bundesländer – wie beispielsweise Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg – trennen beide Begriffe klar. In Nordrhein-Westfalen wird dagegen kaum unterschieden.
5 Gründe für einen Quereinstieg als Lehrer:in
Der Wechsel ins Lehramt will gut überlegt sein. Vielleicht fehlt dir ja noch ein Quäntchen Mut oder das ein oder andere Argument, um den Wechsel in einen neuen Job und eine neue Tätigkeit für dich zu rechtfertigen. Diese fünf Gründe sprechen besonders häufig für einen Quereinstieg als Lehrer:in:
- Sicherer Arbeitsplatz mit klarer Perspektive: Angesichts des anhaltenden Lehrer:innenmangels musst du dir voraussichtlich kaum Sorgen um deinen Arbeitsplatz machen.
- Dein bisheriges Fachwissen bleibt wertvoll: Anders als bei einem klassischen Neustart bringst du dein Studienfach direkt mit in den Unterricht ein. Das ist gerade in Mangelfächern wie Mathematik oder Informatik der Fall.
- Geregelte Besoldung: Dein Gehalt richtet sich nach Besoldungs- oder Tarifgruppe, unabhängig von deinem Verhandlungsgeschick oder deinem bisherigen Werdegang. Das schafft Planbarkeit für deine gesamte Karriere.
- Sinnstiftende Arbeit mit direkter Wirkung: Der direkte Kontakt zu jungen Menschen und das Gefühl, wirklich etwas zu bewirken, kann erfüllend wirken.
- Planbare Arbeitszeiten und Ferienregelung: Auch wenn die Vor- und Nachbereitung von Schulstunden Zeit kostet, profitierst du von den Schulferien und einer insgesamt gut planbaren Struktur.
Diese Voraussetzungen brauchst du für den Quer- bzw. Seiteneinstieg als Lehrer:in
Die Voraussetzungen für einen Quer- oder Seiteneinstieg in den Beruf als Lehrer:in sind die Folgenden:
- Ein abgeschlossenes Hochschulstudium, meist Master oder gleichwertiger Abschluss, idealerweise mit Bezug zu einem gesuchten Unterrichtsfach
- Deutschkenntnisse auf mindestens B2-Niveau
- Erfolgreiches Durchlaufen eines pädagogischen Eignungsfeststellungsverfahrens, teils inklusive Unterrichtspraktikum
- Bereitschaft zu einer berufsbegleitenden pädagogischen Nachqualifizierung
Besonders gute Chancen hast du in sogenannten Mangelfächern wie Mathematik, Physik, Chemie, Informatik oder Kunst, ebenso an beruflichen Schulen.
So unterschiedlich regeln die Bundesländer den Quereinstieg
Die Kultusministerkonferenz unterstützt diese alternativen Zugangswege seit ihrem Beschluss von Juni 2024 ausdrücklich. Es lohnt sich also, direkt beim Kultusministerium deines Wunsch-Bundeslands nachzuschauen, welche konkreten Regeln dort gerade gelten, da sich diese Bedingungen aktuell laufend weiter lockern. Hier haben wir dir aber schon einmal aktuelle Infos zu den 16 Bundesländern zusammengestellt.
| Bundesland | Infos zum Quereinstieg |
|---|---|
| Baden-Württemberg | Nutzt vor allem den Begriff Seiteneinstieg, an allgemeinbildenden Schulen nur in Ausnahmefällen, an beruflichen Schulen ein regulärer Direkteinstieg möglich |
| Bayern | Quereinstieg nur in Sonderfällen und meist an ein laufendes oder bereits abgeschlossenes Lehramtsstudium geknüpft. Regelungen unterscheiden sich stark nach Schulform. |
| Berlin | Bis zu 18 Prozent der Stellen im Schuldienst werden mit Quereinsteiger:innen besetzt. |
| Brandenburg | Rund 34 Prozent Quereinsteiger:innenanteil bei Neueinstellungen, eigenes Mischmodell aus Quer- und Seiteneinstieg. |
| Bremen | Eigener, gesondert ausgewiesener alternativer Weg ins Lehramt. |
| Hamburg | Quereinstieg möglich, sofern nicht genug grundständig ausgebildete Bewerber:innen vorhanden sind. Bedarfsfächer wechseln jährlich. |
| Hessen | Quereinstieg in Bedarfsfächern an vielen Schulformen möglich, mittlerweile auch mit nur einem Unterrichtsfach. |
| Mecklenburg-Vorpommern | Trennt explizit zwischen Quer- und Seiteneinstieg und gehört zu den Ländern mit besonders hohem Anteil von Quer- und Seiteneinsteiger:innen. |
| Niedersachsen | Aktuelle Quereinsteiger:innenquote von rund sechs Prozent. Eigener direkter Einstieg in den Schuldienst möglich. |
| Nordrhein-Westfalen | Nutzt überwiegend den Begriff Seiteneinstieg statt Quereinstieg, unterscheidet beide Begriffe jedoch in der Praxis kaum. |
| Rheinland-Pfalz | Trennt Quer- und Seiteneinstieg klar voneinander. Deine fachliche Eignung wird im Einzelfall geprüft. |
| Saarland | Quereinstieg bislang nur in geringem Umfang und hauptsächlich an berufsbildenden Schulen |
| Sachsen | Nutzt vorwiegend den Begriff Seiteneinstieg. Grundsätzlich offen für Seiteneinsteiger:innen. |
| Sachsen-Anhalt | Rund 46 Prozent der neu eingestellten Lehrkräfte sind Quereinsteiger:innen, Pläne für Zugang auch ohne Abitur in bestimmten Fächern erlaubt. |
| Schleswig-Holstein | Ab Sommer 2026 neuer Weg als "Basislehrkraft". Ausreichend ist dann bereits ein Bachelorabschluss. |
| Thüringen | Quereinstieg grundsätzlich möglich. Die konkreten Voraussetzungen variieren stark je nach Fach und Schulform. |
Was verdienst du als Quereinsteiger:in im Lehramt?
Während des Vorbereitungsdienstes erhältst du bereits eine Vergütung für deine Tätigkeit als Lehrer:in. Diese nennt sich Anwärter:innenbezug. Nach erfolgreichem Abschluss wirst du in aller Regel genauso bezahlt wie Lehrkräfte mit klassischem Studium.
Dein Gehalt richtet sich also nach deiner Besoldungsgruppe beziehungsweise Tarifgruppe – unabhängig, wie du zu deiner Stelle als Lehrer:in gekommen bist. Wie hoch das Gehalt von Lehrer:innen tatsächlich ist und wie stark sich dein Einkommen zwischen den Bundesländern unterscheidet? Die Antwort darauf findest du in unseren Artikeln zu den Themen Gehalt und Verdienstunterschiede von Lehrer:innen und einem Bundesländervergleich.
Auf kununu haben bereits viele Lehrer:innen ihr Gehalt geteilt. Als Quereinsteiger:in erhältst du durch diese Angaben wertvolle Insights dazu, wie viel Verdienst du in deinem jeweiligen Bundesland erwarten kannst. Das ist vor allem in den Ländern wie Berlin wichtig, wo Lehrer:innen nicht grundsätzlich verbeamtet werden.
Quereinstieg an Schulen: Ablauf und Eignungsfeststellung
Das Gehalt als Lehrer:in klingt für dich attraktiv und du kannst dir einen Quereinstieg in den Job vorstellen? Am Anfang steht die Bewerbung beim zuständigen Schulamt oder Kultusministerium (hier beispielsweise für Baden-Württemberg) deines Bundeslands. Im Normalfall reicht dafür der Nachweis deines Studienabschlusses gemeinsam mit den üblichen Bewerbungsunterlagen. Im nächsten Schritt durchläufst du ein pädagogisches Eignungsfeststellungsverfahren, das je nach Bundesland unterschiedlich ausfällt. Manchmal gehört auch eine Unterrichtsprobe dazu. In dieser zeigst du der Schulleitung, wie du vor einer Klasse agierst.
Hast du eine Einstellungszusage, wirst du durch dein Bundesland zum Vorbereitungsdienst zugelassen. Dieser dauert je nach Bundesland und Programm zwischen zwölf und 24 Monaten und kombiniert eigenständigen Unterricht mit begleitender pädagogischer Qualifizierung. Hier holst du dir also genau das Handwerkszeug, das dir aus deinem fachfremden Studium noch fehlt.
Den Abschluss bildet – jedenfalls in Bundesländern wie Bayern – das Zweite Staatsexamen. Sobald du dieses in der Tasche hast, bist du regulär verbeamtungsfähig oder wirst als Angestellte:r übernommen. Du bist Lehrkräften mit Lehramtsstudium rechtlich gleichgestellt.
Diese Herausforderungen beim Quereinstieg als Lehrer:in solltest du kennen
Der Wechsel aus Jobs der freien Wirtschaft vor eine Klasse kann sich in den ersten Monaten härter anfühlen, als du es vielleicht vorher erwartet hättest. Immerhin musst du dir Eigenschaften und Strategien aneignen, die du in anderen Studiengängen nie erlernt hast – zum Beispiel wie du eine unruhige neunte Klasse wieder einfängst oder wie du in einer Stunde gleichzeitig schwächere und stärkere Schüler:innen erreichst. Klassisch ausgebildete Lehrkräfte lernen genau das schon im Studium und trainieren es später im Referendariat.
Eine Studie der Bertelsmann Stiftung zu Berliner Grundschulen zeigt hinsichtlich deiner möglichen Überforderung übrigens einen aufschlussreichen Zusammenhang. Quereinsteiger:innen sind dort überdurchschnittlich häufig an Schulen mit ohnehin schwierigeren Rahmenbedingungen eingesetzt.
Gleichzeitig zeigt dieselbe Untersuchung aber auch, dass sich die Abbruchquote unter Quereinsteiger:innen durch gezielte Unterstützung dieser deutlich senken lässt. Sprich deine:n Vorgesetzte:n doch einmal auf ein Mentoring-Programm oder reduzierte Unterrichtsstunden zum Jobeinstieg an. Nachfragen lohnt sich auch schon bei der Bewerbung. Denn welche Unterstützungsstrukturen eine Schule oder ein Bundesland für Quereinsteiger:innen konkret anbietet, kann am Ende darüber entscheiden, ob dir der Einstieg leichtfällt oder ob du dich in den ersten Jahren allein durchkämpfen musst.
Häufige Fragen rund um den Seiteneinstieg von Lehrer:innen
In den meisten Bundesländern kannst du ohne Studium kein:e Lehrer:in werden. Ein Hochschulabschluss bildet die Grundvoraussetzung für einen Quereinstieg. Ausnahmen diskutieren aktuell einzelne Länder wie Sachsen-Anhalt für bestimmte Mangelfächer.
Der Vorbereitungsdienst dauert je nach Bundesland und Programm zwischen zwölf und 24 Monaten. Danach bist du voll ausgebildete Lehrkraft und deinen Kolleg:innen rechtlich gleichgestellt. Theoretisch kannst du sogar verbeamtet werden.
Nach erfolgreichem Abschluss richtet sich dein Gehalt nach derselben Besoldungs- oder Tarifgruppe wie bei klassisch ausgebildeten Lehrkräften. Du wirst also genauso gut bezahlt.
Besonders gefragt sind Quereinsteiger:innen in den MINT-Fächern. Das sind beispielsweise Mathematik und IT. Kunst- und Musiklehrer:innen werden in den letzten Jahren jedoch ebenfalls stark gesucht.