Quereinstieg in den öffentlichen Dienst: Wie dir der Wechsel in den Staatsdienst gelingt
Der öffentliche Dienst in Deutschland sucht händeringend Personal. Rund 600.000 Stellen sind unbesetzt, und in den nächsten zehn Jahren scheidet aufgrund des demografischen Wandels mehr als ein Viertel der Belegschaft aus. Für Quereinsteiger:innen bietet diese Situation exzellente Chancen, auch ohne klassische Ausbildung in den Staatsdienst zu wechseln. Ob Verwaltung, IT oder Erziehung – viele Behörden öffnen ihre Türen und bieten interne Qualifizierungen an, um fehlende Kenntnisse auszugleichen. Die Einstiegshürden sind niedrig, oft reicht eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein Studium. Der große Pluspunkt: Neben einer fairen, tätigkeitsbasierten Bezahlung nach Tarifvertrag profitierst du von hoher Arbeitsplatzsicherheit und geringer Fluktuation. Wer Planungssicherheit sucht und einen Job mit Sinn möchte, findet beim Staat aktuell beste Bedingungen. Achte bei der Suche gezielt auf Ausschreibungen für Quereinsteiger:innen und nutze die Chance auf einen Neustart.
Der dbb Monitor öffentlicher Dienst 2026 zeichnet ein desaströses Bild. Dem öffentlichen Dienst in Deutschland fehlen aktuell rund 600.000 Beschäftigte. Weil das natürlich kein Zustand ist, öffnet der Staat seine Türen für Quereinsteiger:innen im öffentlichen Dienst. Welche Wege dir als Quereinsteiger:in offen stehen, was du dafür mitbringen musst und was du in konkreten Berufen verdienen kannst?
Quereinstieg im Öffentlichen Dienst: Der Staat hat viele Arbeitgeber
Wenn du den Begriff „öffentlicher Dienst“ hörst, denkst du womöglich an eine einzige große Behörde. Der Staat eben! Dabei handelt es sich mit dem öffentlichen Dienst eigentlich um einen Sammelbegriff für alle Arbeitgeber des Bundes, der Länder und der Kommunen. Diese reichen von der Stadtverwaltung über Schulen und Kitas bis hin zu Finanzämtern, Polizei oder sogar Sozialversicherungsträgern.
Angestellt bist du dabei entweder als Tarifbeschäftigte:r nach TVöD oder TV-L oder teilweise auch direkt als Beamt:in. Als Quereinsteiger:in solltest du vor einer Bewerbung genau hinschauen. Was sind die exakten Voraussetzungen für eine Stelle, wo bist du am Ende angestellt und wie läuft der Einstieg in den Job ab? Auch die Bezahlung kann sich je nach Bereich und Arbeitgeber teils deutlich unterscheiden.
Der deutsche Staat als Arbeitgeber
Die sogenannte Staatsquote, also der Anteil öffentlich Beschäftigter an allen Erwerbstätigen, liegt in Deutschland bei rund 11,2 Prozent. Zum Vergleich: Der OECD-Durchschnitt liegt bei 18,4 Prozent. In Frankreich liegt der Anteil bei 20,5 Prozent, in Schweden sind es sogar 28,9 Prozent.
Innerhalb eines einzigen Jahres ist die Personallücke um weitere 30.000 Vollzeitstellen gewachsen. Gleichzeitig scheiden in den kommenden zehn Jahren rund 1,39 Millionen Beschäftigte altersbedingt aus, das ist mehr als ein Viertel der gesamten Belegschaft.
Was einen Quereinstieg im öffentlichen Dienst ausmacht
Als Quereinsteiger:in im öffentlichen Dienst giltst du dann, wenn du keine klassische Ausbildung für deinen angestrebten Bereich abgeschlossen hast. In der Verwaltung könnte das zum Beispiel die Ausbildung zur:zum Verwaltungsfachangestellte:n gewesen sein. In vielen Bereichen des öffentlichen Dienstes – also nicht nur in der Verwaltung – ist für den Quereinstieg kein vollständiger Berufsabschluss notwendig. Fehlende Kenntnisse kannst du häufig über interne Lehrgänge und Fortbildungen nachholen.
Wie dir der Einstieg gelingt? Zuerst suchst du dir natürlich eine für dich passende Stelle aus. Achte darauf auf den Zusatz „für Quereinsteiger:innen geeignet“. So vergeudest du keine wertvolle Zeit mit Bewerbungen für Jobs, deren Anforderungen du nicht erfüllst.
Alle Facts zum Quereinstieg im öffentlichen Dienst
- Dauer bis zur vollen Eingruppierung: Oft sofort im regulären Dienst tätig
- Kosten für dich: In der Regel keine, Lehrgänge werden vom Arbeitgeber getragen
- Voraussetzung: Abgeschlossene Berufsausbildung oder Studium
- Übernahme: Bei Bewährung häufig unbefristete Einstellung
Kommt deine Bewerbung in die engere Auswahl, musst du für einige Stellen im öffentlichen Dienst erstmal noch ein offizielles Auswahlverfahren bestehen. Dieses findet mal als schriftlicher Test, mal nur als Gespräch oder aber als Assessment Center statt. Sobald das Verfahren positiv für dich ausfällt, steht deiner Einstellung nichts mehr im Wege. Es kann sein, dass du mit der Pflicht zu einer berufsbegleitenden Qualifizierung – das kann zum Beispiel ein Verwaltungslehrgang sein – angestellt wirst. Diese absolvierst du neben deiner regulären Tätigkeit.
Diese 3 Berufe eignen sich besonders für den Quereinstieg in den öffentlichen Dienst
Im Folgenden möchten wir dir nun drei Berufe vorstellen, die sich für den Quereinstieg in den öffentlichen Dienst gut eignen. Um dir ein umfassendes Bild machen zu können, bekommst du zudem wertvolle Insights zu den Gehaltsmöglichkeiten in den Jobs.
Verwaltungsfachangestellte:r
Der klassische Einstieg in Bürgerbüros, Ämtern oder der allgemeinen Verwaltung. Fachfremde Bewerber:innen können hier oft parallel zur Anstellung den Verwaltungslehrgang I nachholen. Eingruppiert wird meist ab Entgeltgruppe 5 bis 6 TVöD.
Als Verwaltungsfachangestellte:r bewegt sich dein Einkommen gemäß der kununu Gehaltsdaten in Deutschland zwischen 31.300 € und 60.600 €. Im Schnitt verdienst du dabei 42.100 €.
IT-Spezialist:in
Behörden suchen – wie auch privatwirtschaftliche Arbeitgeber – händeringend IT-Fachkräfte und honorieren praktische Erfahrung oft höher als formale Abschlüsse. Je nach Aufgabenbereich und Erfahrung erfolgt die Eingruppierung meist ab Entgeltgruppe 9 TVöD.
Die Gehaltsspanne fällt bei IT-Spezialist:innen groß aus. Je nach Erfahrung und Spezialisierung verdienst du zwischen 39.000 € und 102.100 €, der Durchschnitt liegt bei 61.800 €. Damit gehört die IT auch innerhalb des öffentlichen Dienstes zu den am besten bezahlten Berufsgruppen.
Erzieher:in
Auch pädagogisch vorgebildete Quereinsteiger:innen, etwa mit sozialpädagogischer Zusatzqualifikation, finden im öffentlichen Dienst gute Einstiegschancen. Die Eingruppierung erfolgt nach dem TVöD SuE.
Wer als Erzieher:in arbeitet, kann zwischen 32.200 € und 59.900 € verdienen. Der Gehaltsdurchschnitt liegt bei 41.300 €. Angesichts des bundesweiten Mangels an Kitaplätzen bleibt die Nachfrage nach Fachkräften in diesem Bereich hoch. Langfristig kann sich das positiv auf die Gehaltsentwicklung auswirken.
Solltest du dich noch nicht ganz sicher sein, welcher Bereich am besten zu dir passt, findest du in unserem Artikel Was verdient man als Lehrer:in? Gehalt & Verdienstunterschiede weitere Einblicke in einen ebenfalls stark nachgefragten öffentlichen Berufszweig.
Der Staat als sicherer Arbeitgeber
Der Ruf des öffentlichen Dienstes als besonders sicherer Arbeitgeber ist kein Klischee. Die Zahlen liefern den Beleg dafür. Gemäß einer Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung wechselte im innerhalb der Studie betrachteten Zeitraum nur rund jede:r Fünfundzwanzigste im öffentlichen Dienst den Job. Zieht man den Vergleich zur Privatwirtschaft, war die Fluktuation mehr als doppelt so hoch.
Noch deutlicher fällt der Unterschied bei betriebsbedingten Kündigungen aus. Arbeitgeberseitige Kündigungen kamen in privaten Unternehmen sechsmal häufiger vor als beim Staat. Sofern du viel Wert auf Planungssicherheit legst, findest du bei staatlichen Arbeitgebern also beste Voraussetzungen dafür.
Quereinstieg in den Öffentlichen Dienst: Wird das in zehn Jahren noch möglich sein?
Der Personalmangel im öffentlichen Dienst ist strukturell bedingt. Was genau das bedeutet? In den kommenden zehn Jahren wird mehr als ein Viertel der Belegschaft altersbedingt aus dem Job ausscheiden. Zugleich dürften die Aufgaben der Verwaltungen eher zu- als abnehmen und auch bei der Polizei oder in Kindergärten braucht man künftig mehr Personal. Digitalisierungsprojekte, mehr Klimaschutzauflagen oder allein die wachsende Bevölkerungszahlen in vielen Kommunen tun ihr Übriges.
Anders als in manch anderer Branche verschärft die Digitalisierung den Personalbedarf im öffentlichen Dienst eher. Immerhin müssen Tools wie bestimmte Online-Portale eingeführt, gepflegt und betreut werden. Auch künstliche Intelligenz wird daran wenig ändern. Viele tägliche ToDos – beispielsweise die Passausstellung oder die Beaufsichtigung von Kindern – können nicht durch Maschinen ersetzt werden.
Worauf wartest du also noch? Gerade weil der Bedarf nach Personal im öffentlichen Dienst über nahezu alle Bereiche hinweg so groß ist, stehen deine Chancen auf eine erfolgreiche Bewerbung „trotz“ Quereinstieg aktuell besser als je zuvor. Die Branche, aus der du kommst, ist zweitrangig.
Du möchtest mehr erfahren? Lies hier in unseren Artikeln alles rund um den Quereinstieg:
Häufige Fragen rund um den Quereinstieg im öffentlichen Dienst
Eine Ausbildung zur:zum Verwaltungsfachangestellte:n ist im öffentlichen Dienst natürlich vorteilhaft. Dennoch gehört sie für den Quereinstieg nicht zu den Grundvoraussetzungen. Du kannst auch mit einem anderen beruflichen Hintergrund einsteigen.
Nein, die Eingruppierung nach TVöD richtet sich nach deiner Tätigkeit und dem Anforderungsniveau der Stelle. Dein bisheriger Werdegang spielt keine Rolle.
Aktuell stehen die Chancen für Quereinsteiger:innen vor allem in der IT, Verwaltung und Erziehung gut – auch, weil bundesweit rund 384.000 Kitaplätze fehlen.
In Ausnahmefällen kannst du auch als Quereinsteiger:in verbeamtet werden. Meist ist der Einstieg als Tarifbeschäftigte:r aber der deutlich einfachere und häufigere Weg. Zu den konkreten Voraussetzungen für eine Verbeamtung informiert dich am zuverlässigsten die jeweilige Landes- oder Bundesbehörde direkt. Der Ruf des öffentlichen Dienstes als besonders sicherer Arbeitgeber ist kein Klischee, das zeigen die Zahlen. Laut einer Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung wechselte im betrachteten Zeitraum nur rund jede:r Fünfundzwanzigste im öffentlichen Dienst den Job, in der Privatwirtschaft war die Fluktuation mehr als doppelt so hoch. Noch deutlicher fällt der Unterschied bei betriebsbedingten Kündigungen aus: Arbeitgeberseitige Kündigungen kamen in privaten Unternehmen sechsmal häufiger vor als beim Staat. Auch bei der Weiterbildung liegt der öffentliche Dienst vorn, in 88 Prozent der öffentlichen Betriebe gibt es entsprechende Programme. Wer Wert auf Planungssicherheit legt, findet beim Staat also bessere Voraussetzungen als in vielen Bereichen der freien Wirtschaft.