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Steueränderungen in der Schweiz: Für wen bleibt mehr Netto?

Die Schweiz ändert ihre Steuern! Ab 2026 kommt die Individualbesteuerung – ein grosser Schritt, bei dem jede:r Einzelne das eigene Einkommen versteuert, auch Verheiratete. Bis 2032 soll das überall gelten. Aber Achtung, die Kantone ticken unterschiedlich! Zürich senkt den Steuerfuss, Luzern fährt mit Entlastungen fort, während andere wie Obwalden erstmal alles beim Alten lassen. Zug profitiert von Überschüssen mit temporärer Senkung, Freiburg setzt auf soziale Entlastung. Check am besten, was in deinem Kanton abgeht, um dein Netto zu optimieren!

Das steuerliche System der Schweiz kann durch individuelle Regelungen je nach Kanton und Gemeinde manchmal ziemlich undurchsichtig sein. Auch 2026 kam es zusätzlich dazu wieder zu einigen steuerlichen Neuerungen für die schweizerischen Arbeitnehmer:innen. Die wohl wichtigste Reform ist jene der Individualbesteuerung. Damit du hierbei den Überblick nicht verlierst, haben wir dir die wichtigsten Reformen und mögliche Auswirkungen auf dein Netto-Gehalt zusammengefasst.

Steuerparadies Schweiz? Wie deine Steuern berechnet werden

Die Schweiz gilt – zumindest im Vergleich zu Deutschland und Österreich – als absolutes Steuerparadies. Das betrifft allerdings vor allem Menschen mit grossem Privatvermögen, da Kapitalgewinne daraus meist steuerfrei sind. Aber sehen wir uns doch einmal an, wie man als schweizerische Arbeitnehmer:in überhaupt Steuern entrichten muss.

Du bezahlst Steuern auf drei Ebenen: Bundes-, Kantons- und Gemeindeebene. Das bedeutet, dass diese Instanzen jeweils dein Einkommen, Vermögen und deinen Konsum besteuern. Wie hoch die Steuersätze sind, variiert somit. Tessiner Arbeitnehmer:innen zahlen andere Steuern als beispielsweise Angestellte in den Kantonen Luzern, Wallis oder Genf.

Das nennt sich kurz Steuerwettbewerb. Von diesem profitierst du, weil du dadurch die Möglichkeit hast, in einen steuergünstigen Kanton zu ziehen und dort deine Steuerlast zu senken. Auf Bundesebene ist das Steuersystem progressiv, sodass höhere Einkommen stärker besteuert werden. Insgesamt sind die Steuersätze der Schweiz niedriger als in vielen anderen Ländern. Die Mehrwertsteuer in der Schweiz ist mit 8,1 Prozent (reduzierter Satz: 2,6 Prozent) ebenfalls vergleichsweise niedrig.

Einkommensteuer Schweiz: Ob und wie sie erhoben wird

Die Schweiz ist für ausländische Arbeitskräfte nicht nur wegen der tollen Landschaft, sondern vor allem aufgrund hoher Gehälter attraktiv. Wer überlegt, aus Deutschland in die Schweiz zu gehen, wird zwangsläufig den Gedanken haben: Wie viel Einkommensteuer muss ich dort wohl bezahlen?

Die Antwort darauf basiert schlussendlich auf dem bereits erwähnten System aus Bundes-, Kantons- und Gemeindesteuern. Also ja, du musst grundsätzlich auf deinen Lohn immer Einkommensteuer zahlen. Die Höhe deiner Steuerbelastung variiert jedoch je nach Wohnort erheblich, da die Kantone und Gemeinden ihre eigenen Steuersätze festlegen. Unselbstständig tätigen Arbeitnehmer:innen werden die Abgaben direkt vom Lohn abgezogen. Bist du dagegen selbstständig, musst du deine Einkünfte jährlich in deiner Steuererklärung erfassen und zahlst dann einen individuell berechneten Betrag.

Höhere Einkommen werden überproportional stark besteuert, während geringere Einkommen durch gewisse Freibeträge entlastet werden. Insgesamt zeichnet sich das Schweizer Steuersystem hinsichtlich der Einkommensteuer durch eine vergleichsweise niedrige Gesamtbelastung aus.

Achtung, Grenzgänger!

Arbeitest du in der Schweiz, lebst aber den Grossteil deiner Zeit in einem anderen Land? Je nach Abkommen zwischen der Schweiz und dem Wohnsitzland kann die Besteuerung entweder vollständig in der Schweiz oder im Wohnland erfolgen.

Individualbesteuerung: Die Schweiz hat abgestimmt

Am 8. März 2026 haben die Schweizerinnen und Schweizer in einer Volksabstimmung über die bundes-, kantons- und gemeindeweite Individualbesteuerung abgestimmt und diese mit 54,23 Prozent angenommen. Mit der Annahme des Gesetzes steht die Schweiz nun vor einem grundlegenden Systemwechsel im Steuerrecht. Künftig wirst du immer einzeln besteuert – auch dann, wenn du verheiratet bist. Jede Person reicht ihre eigene Steuererklärung ein und versteuert nur das eigene Einkommen und Vermögen.

Achtung, Übergangsfrist!

Auch wenn das Gesetz beschlossen ist, wird die Umsetzung noch etwas dauern. Spätestens bis 2032 soll die Individualbesteuerung auf Bundes-, Kantons- und Gemeindeebene flächendeckend eingeführt werden.

Relevante Steuerreformen 2026 in der Schweiz nach Kanton

Sicher verstehst du jetzt, wieso wir dir die wichtigsten Steuerreformen nun für die jeweiligen Kantone vorstellen werden. Da unter Umständen auch für dich wichtige Änderungen auf Gemeindeebene stattfinden können, solltest du dich hierüber zusätzlich selbst bei deiner Gemeinde informieren.

Zürich

Der Kantonsrat hat im Rahmen der Budgetdebatte beschlossen, den Steuerfuss für die Jahre 2026 und 2027 von 98 auf 95 Prozent zu senken. Damit handelt es sich um die grösste Senkung seit über 20 Jahren. Gleichzeitig gab es politische Forderungen nach einer noch stärkeren Reduktion um fünf Prozentpunkte. Diese fanden keine Mehrheit.

Bern

Der Kanton Bern arbeitet weiterhin an einer langfristigen Steuerstrategie zur Entlastung von Arbeitnehmer:innen. Konkrete Massnahmen für 2026 oder 2027 wurden jedoch (noch) nicht final beschlossen.

Luzern

Nach der Steuergesetzrevision, über die bereits 2024 und 2025 abgestimmt wurde, wurde der Steuerfuss für 2026 auf 1,45 Einheiten gesenkt. Der Kanton will so seinen Kurs zur steuerlichen Entlastung der Einwohner:innen fortsetzen.

Uri

Der Kanton Uri hatte für das Steuerjahr 2025 die kalte Progression ausgeglichen, indem Abzüge und Steuerfreibeträge an die Teuerung angepasst wurden. Für 2026 ist zusätzlich eine Teilrevision des Steuergesetzes geplant, die das Steuerrecht grundlegend modernisieren soll. Konkrete Auswirkungen auf Arbeitnehmer:innen sind derzeit (Stand: März 2026) jedoch noch nicht abschliessend definiert.

Schwyz

Der Kantonsrat in Schwyz senkte den Steuerfuss für 2026 von 115 Prozent auf 110 Prozent. Diesen Entschluss traf man aufgrund des hohen Eigenkapitals im Kanton.

Obwalden

Deine Steuerbelastung im Kanton Obwalden bleibt voraussichtlich unverändert, da keine direkten Entlastungen oder Mehrbelastungen vorgesehen sind.

Nidwalden

Im Kanton Nidwalden sind für 2026 keine direkten steuerlichen Änderungen oder Reformen für Arbeitnehmer:innen vorgesehen.

Glarus

Der Kanton Glarus setzt seinen eingeschlagenen Weg fort und passt auch 2026 Tarife sowie Abzüge an die Teuerung an. Damit soll verhindert werden, dass du durch Inflation in eine höhere Steuerprogression rutschst, ohne wirklich mehr zu verdienen. Jungunternehmer:innen müssen unter Umständen sogar vorübergehend keine Steuern zahlen, sofern ihr Unternehmen den Interessen des Kantons dient.

Zug

Dem Kanton Zug geht es finanziell gut – so gut, dass er sogar Steuerüberschüsse loswerden musste. Ende 2025 wurde deshalb beschlossen, dass der Steuerfuss befristet bis 2029 von 82 Prozent auf 78 Prozent gesenkt wird. Einen kleinen Wermutstropfen gibt es trotzdem, denn die Abzüge für Krankenkassenbeiträge werden erhöht.

Freiburg

Im Kanton Freiburg bleibt der Steuerfuss im Jahr 2026 stabil bei 96 Prozent. Statt direkter Steuersenkungen setzt der Kanton auf soziale Entlastung über Prämienverbilligungen bei der Krankenpflegeversicherung. Für 2026 sind dafür Mittel in Höhe von rund 233 Millionen CHF vorgesehen.

Solothurn

Keine konkreten Steueränderungen gibt es für Arbeitnehmer:innen im Kanton Solothurn. Allerdings existieren längerfristige Pläne, die Einkommensteuer automatisch an die Teuerung anzupassen.

Basel-Stadt

Als unselbstständig tätige Einwohner:in und Arbeitnehmer:in des Kantons Basel-Stadt trafen dich 2025 keine Steuersenkungen oder -anpassungen. Bist du als selbstständige:r Unternehmer:in tätig, betrifft dich die ab 2026 geltende Teilrevision des Steuergesetzes im Rahmen des Basler Standortförderpakets. Diese soll den Wirtschaftsstandort stärken.

Basel-Landschaft

Nachdem 2025 die Einkommensteuertarife an die Teuerung angepasst wurden, um die kalte Progression auszugleichen, wurden für das Steuerjahr 2026 keine weiteren konkreten Reformen für Privatpersonen beschlossen.

Schaffhausen

Der Kanton Schaffhausen hat den Steuerfuss auf 76 Prozent gesenkt. Erst im Vorjahr hatte man ihn als Angleichung an die Inflation auf 79 Prozent festgesetzt. Nun verzichtet der Kanton auf drei weitere Prozent.

Appenzell Ausserrhoden

Bereits im Jahr 2023 hat Appenzell Ausserrhoden einen langfristig angelegten Finanzplan für die Jahre 2025 bis 2027 präsentiert. Steuerliche Revisionen, die dich als Arbeitnehmer:in betreffen, sind darin nicht enthalten.

Appenzell Innerrhoden

Der Finanzplan für die Jahre 2025 bis 2027 sieht in Appenzell Innerrhoden keine steuerlichen Änderungen vor, die dich als Arbeitnehmer:in betreffen.

St. Gallen

Nach der Anpassung für Spitzeneinkommen in St. Gallen im Jahr 2024 blieb das Steuergesetz 2025 unangetastet. Auch für 2026 sind derzeit keine weiteren Änderungen vorgesehen. Spannend dürfte jedoch die Einführung einer neuen Online-Steuersoftware sein. Darin kannst du dich einfach mit AGOV einloggen.

Graubünden

Seit 2025 in Kraft: Der Steuerfuss wurde in Graubünden um 5 Prozent gesenkt. Für 2026 und 2027 sind aktuell keine weiteren Anpassungen vorgesehen.

Aargau

Nach steuerlichen Entlastungen im Jahr 2025 plant der Kanton Aargau für 2026 eine weitere Senkung der Kantonssteuer um acht Prozentpunkte. Damit sollen Einwohner:innen zusätzlich um über 100 Millionen CHF jährlich entlastet werden.

Thurgau

Rote Zahlen schreibt der Kanton Thurgau. Aufgrund ebendieser finanziellen Herausforderungen hat der Kanton Thurgau 2026 keine Steuerreformen umgesetzt.

Tessin

Im Jahr 2025 mussten unselbstständig tätige Arbeitnehmer:innen auf sie betreffende Steuerreformen verzichten. Auch für das Jahr 2026 plant die Kantonsregierung derzeit keine spezifischen steuerlichen Anpassungen für Arbeitnehmer:innen.

Waadt

Die steuerlichen Reformen aus dem Jahr 2025 betrafen vor allem Familien und Unternehmen in Waadt. Darüber hinaus wurden für 2026 keine neuen steuerlichen Anpassungen speziell für Arbeitnehmer:innen bestätigt.

Wallis

Weder im letzten noch in diesem Jahr wurden im Kanton Wallis neue Steuerreformen umgesetzt oder angekündigt. Dasselbe gilt aktuell für 2027.

Neuenburg

Wie in vielen weiteren Kantonen wurden 2025 und 2026 auch in Neuenburg keine steuerlichen Entlastungen – oder Belastungen – für Arbeitnehmer:innen beschlossen. Auch für 2027 wurden bislang keine neuen Reformen kommuniziert.

Genf

Im Kanton Genf wurde 2025 die kommunale Gewerbesteuer für Unternehmen abgeschafft. Für Arbeitnehmer:innen sind jedoch weder für 2026 noch für 2027 konkrete steuerliche Entlastungen vorgesehen.

Jura

Die Regierung im Kanton Jura plant für 2026 eine umfassende Steuerreform, die natürliche Personen um rund 43 Millionen CHF entlasten soll. Vorgesehen sind unter anderem Anpassungen bei der Steuerprogression, höhere Abzüge und eine Senkung des Steuersatzes auf Kapitalleistungen. Wie die Reform genau aussieht, steht jedoch aktuell noch nicht fest.