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Steuerreform in Deutschland: Die wichtigsten Änderungen im Überblick

Das Steuerjahr 2026 bringt für Arbeitnehmer:innen wichtige Neuerungen. Der Grundfreibetrag steigt auf 12.348 Euro, und auch das Kindergeld erhöht sich auf 259 Euro pro Monat. Familien profitieren zudem von höheren Kinderfreibeträgen. Ein großer Pluspunkt für Pendler: Die Entfernungspauschale gilt nun einheitlich ab dem ersten Kilometer mit 38 Cent. Auch für Ruheständler gibt es gute Nachrichten: Mit der neuen „Aktivrente“ bleiben bis zu 2.000 Euro monatlich steuerfrei, wenn du über die Regelaltersgrenze hinaus arbeitest. Die geplante Reform der Steuerklassen III und V ist hingegen vorerst vom Tisch, hier bleibt alles beim Alten. Der Mindestlohn liegt 2026 bei 13,90 Euro, die Minijob-Grenze bei 603 Euro. Zudem hat das Bundeskabinett bereits Entwürfe für 2027 beschlossen, die weitere Entlastungen bei Grundfreibeträgen und Steuertarifen vorsehen, aber noch vom Bundestag bestätigt werden müssen. Bleib dran, um deine Finanzen optimal im Blick zu behalten!

2026 bringt in Deutschland spürbare Änderungen: Grundfreibetrag und Kinderfreibetrag
steigen, das Kindergeld wird erhöht, die Entfernungspauschale gilt einheitlich ab dem ersten
Kilometer und mit der Aktivrente bleiben bis zu 2.000 Euro im Monat steuerfrei. Die geplante
Reform der Steuerklassen III und V ist dagegen vorerst vom Tisch. Und es kommt noch
mehr: Das Bundeskabinett hat im September 2026 den Entwurf für ein
Einkommensteuerreformgesetz 2027 beschlossen. Was schon gilt und was dich noch
erwartet, erfährst du jetzt.

Was sich 2026 in Deutschland ändert

Die Änderungen für 2025 und 2026 gehen auf mehrere Gesetze zurück, darunter das Steuerfortentwicklungsgesetz, das die damalige Bundesregierung im Juli 2024 auf den Weg gebracht hat. Durch den Bruch der Ampelkoalition wurden allerdings viele ursprünglich geplante Maßnahmen gestrichen. Dazu zählt unter anderem die Reform der Steuerklassen III und V. Die neue Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD hat inzwischen eigene Schwerpunkte gesetzt.

Anpassung der Steuerklassen teilweise vom Tisch

Bisher gab es in Deutschland sechs Steuerklassen. Wie viel Lohnsteuer du zahlen musstest, wurde anhand deines Familienstandes und Einkommens entschieden. Verheiratete Steuerzahler:innen wurden nach Steuerklasse III besteuert, wenn sie die oder der Gutverdiener:in waren. Der oder die Geringerverdiener:in fiel dagegen in Steuerklasse V. Solltet du und dein:e Partner:in gleich viel verdient haben, wart ihr Steuerklasse IV zugeordnet.

Ursprünglich war geplant, die Steuerklassenkombination III und V bis 2030 abzuschaffen und in das sogenannte Faktorverfahren der Steuerklasse IV zu überführen. Durch die Auflösung der Ampelkoalition ist diese Reform jedoch vorerst vom Tisch. Das Steuerfortentwicklungsgesetz wurde nur in Teilen verabschiedet und die Steuerklassenreform gehörte zunächst nicht dazu. Auch die neue Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD hat bisher keine konkreten Pläne in diese Richtung veröffentlicht. Für 2026 bleibt also alles beim Alten. Die Steuerklassen III und V bleiben bestehen. Wenn ihr als Ehepaar dennoch über einen freiwilligen Wechsel in Steuerklasse IV mit Faktor nachdenkt, lohnt sich eine individuelle Beratung bei deiner Steuerberaterin oder deinem Steuerberater.

Tipp: Du möchtest mehr über die verschiedenen Steuerklassen in Deutschland erfahren? Dann hilft dir unser Artikel rund um das Thema Lohnsteuerklassen.

Grundfreibetrag steigt weiter

Der Grundfreibetrag befreit dich in Deutschland unter Umständen von der Einkommensteuerpflicht. 2025 lag der Grundfreibetrag bei 12.096 Euro, 2026 erhöhte sich der Betrag weiter auf 12.348 Euro. Egal, wie viel du verdienst, auf die ersten 12.348 Euro fällt keine Einkommensteuer an. Für 2027 ist bisher ein Grundfreibetrag von 12.564 Euro geplant, aber noch nicht verabschiedet.

Grundfreibetrag

Als Grundfreibetrag wird der Betrag des Einkommens beschrieben, der steuerfrei bleibt, um das Existenzminimum sicherzustellen. Er wird jährlich aufgrund von Inflation und den steigenden Lebenshaltungskosten angepasst.

Anhebung des Kinderfreibetrags

Familien oder Alleinerzieher:innen werden weiter entlastet – in steuerlicher Hinsicht, leider nicht bei der Care-Arbeit. 2026 stieg der Kinderfreibetrag auf 6.828 Euro gesamt, das entspricht 3.414 Euro pro Elternteil. Hinzu kommt der unveränderte Freibetrag für Betreuungs-, Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf von 1.464 Euro pro Elternteil. Zusammenveranlagte Ehepaare erhalten so einen Gesamtfreibetrag von 9.756 Euro pro Kind auf ihre gesamten Einkünfte. Für 2027 könnte dieser Kinderfreibetrag bei 10.056 Euro liegen.

Deutschland passt das Kindergeld nach oben hin an. 2026 stieg das monatliche Kindergeld auf 259 Euro pro Kind. 2027 könnten es 267 Euro werden. Die Erhöhung bedeutet für Familien mit einem Kind eine Steigerung um 96 Euro pro Jahr. Kindergeldberechtigte müssen übrigens nichts unternehmen, die höhere Auszahlung erfolgt automatisch durch die Familienkasse. 

Steigende Preise führen zu immer höher werdenden Lebenshaltungskosten. Aber wie hoch sind diese im Durchschnitt? Finde heraus, wofür Deutschland sein Gehalt ausgibt.

Inflationsanpassung der Steuertarife

Deutschland will in Zeiten hoher Inflationsraten der kalten Progression entgegenwirken und deren Auswirkungen abmildern. Es soll verhindert werden, dass Steuerzahler:innen durch die Inflation mehr Steuern zahlen, obwohl ihre Kaufkraft nicht entsprechend gestiegen ist. Ohne diesen Ausgleich würde dir trotz eines höheren Einkommens real gesehen weniger zur Verfügung stehen. Die Einkommensteuertarife werden also an die Inflation angeglichen.

Der Spitzensteuersatz von 42 Prozent greift 2026 erst ab einem Einkommen von 69.879 Euro. Im Jahr 2027 könnten Alleinstehende erst ab 70.600 Euro den Spitzensteuersatz zahlen müssen.

Der sogenannte „Reichensteuersatz“ von 45 Prozent für Personen mit einem Einkommen von mehr als 277.826 Euro wurde 2026 von einer Anpassung ausgenommen. Für 2027 steht zur Diskussion, die Reichensteuer schon ab 250.000 Euro greifen zu lassen.

Wegfall der Mindestvorsorgepauschale 2026

Seit 1. Januar 2026 entfällt die sogenannte Mindestvorsorgepauschale. Das bedeutet, dass bei der Berechnung der Lohnsteuer künftig ausschließlich deine tatsächlich gezahlten Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge berücksichtigt werden statt wie bisher ein pauschaler Mindestbetrag.

Solltest du gesetzlich versichert sein, ändert sich in der Praxis für dich wenig, da die Beiträge ohnehin automatisch von deinem Arbeitgeber berücksichtigt wurden. Bei einer privaten Krankenversicherung solltest du sicherstellen, dass dein Arbeitgeber die korrekten Beiträge von dir erhalten hat.

Pendlerpauschale steigt einheitlich

Pendelst du täglich zur Arbeit? Dann aufgepasst! Seit 1. Januar 2026 gilt die Entfernungspauschale einheitlich ab dem ersten Kilometer bei 38 Cent. Die bisherige Staffelung – 30 Cent für die ersten 20 Kilometer, erst danach 38 Cent – entfällt damit. Wer nur 5 Kilometer vom Wohnort zur Arbeit zurücklegt, kann damit eine Pauschale von 418 Euro ansetzen. Das ergibt ein Plus von 88 Euro gegenüber vorher. 

Zu beachten:

Die höhere Entfernungspauschale wirkt sich nur aus, wenn du den Arbeitnehmer-Pauschbetrag für Werbungskosten von aktuell 1.230 Euro bereits überschritten hast. Hast du dagegen zu wenig verdient, um vom vollen Steuerabzug zu profitieren, kannst du alternativ die Mobilitätsprämie beantragen. Diese wird ab 2026 dauerhaft entfristet. Der Arbeitnehmer-Pauschbetrag soll nach dem Reformentwurf 2027 auf 1.430 Euro steigen.

Aktivrente wird steuerlich entlohnt

Die Aktivrente ist da! Arbeitnehmer:innen, die die gesetzliche Regelaltersgrenze erreicht haben und weiterarbeiten, können seit dem 1. Januar 2026 bis zu 2.000 Euro monatlich steuerfrei hinzuverdienen, das sind bis zu 24.000 Euro im Jahr. Der Bundesrat hat dem Aktivrentengesetz am 19. Dezember 2025 zugestimmt. Die Regierung will damit attraktiver machen, dass ältere Arbeitnehmer:innen über ihr Renteneintrittsalter hinaus in ihrem oder einem anderen Unternehmen tätig bleiben und so dem Arbeitsmarkt länger zur Verfügung stehen.

Steuerliche Entlastungen bei der Mehrarbeit

Neben der Aktivrente waren im Koalitionsvertrag auch steuerliche Entlastungen bei Mehrarbeit vorgesehen. Überstundenzuschläge könnten steuerfrei werden, wenn sie über die reguläre Vollzeitarbeit hinausgehen, und auch Prämien für den Wechsel von Teilzeit auf tariforientierte Vollzeit sollten begünstigt werden.

Die Umsetzung der Maßnahmen ist weiterhin offen. Wir empfehlen dir, die Entwicklungen im Blick zu behalten, um in steuerlicher Hinsicht möglichst viel für dich herauszuholen.

Mindestlohn und Minijob-Grenze steigen

Der gesetzliche Mindestlohn stief zum 1. Januar 2026 auf 13,90 Euro pro Stunde. Zugleich stieg auch die Minijob-Verdienstgrenze auf durchschnittlich 603 Euro pro Monat. Es wurde außerdem über die Abschaffung des Minijobs diskutiert, was jedoch voraussichtlich nicht passieren wird. Jedoch kann sich dein Pauschalbeitrag zur Krankenversicherung ändern.

Hast du einen Minijob hat oder planst, einem nachzugehen? Dann prüfe besser frühzeitig, ob sich durch die neue Grenze Auswirkungen auf deine Steuerfreiheit oder Sozialabgaben ergeben. Mehr zu Gesetzen und Regelungen zum Minijob erfährst du in unseren Artikel dazu.

Neuer Ausblick: Einkommensteuerreformgesetz 2027

Das Bundeskabinett hat am 2. September 2026 den Entwurf eines Einkommensteuerreformgesetzes 2027 beschlossen. Entlastet werden sollen vor allem Steuerpflichtige mit kleinen und mittleren Einkommen sowie Familien mit Kindern. Das Entlastungsvolumen liegt bei rund 10 Milliarden Euro, die Entlastungen sollen in zwei Stufen kommen und ab 2028 voll wirken. Wichtig: Der Entwurf ist Stand Anfang Oktober 2026 noch kein geltendes Recht. Bundestag und Bundesrat müssen noch zustimmen, Änderungen im parlamentarischen Verfahren sind möglich. Die Reform soll zum 1. Januar 2027 in Kraft treten.

Das sieht der Entwurf unter anderem vor:

  • Der Grundfreibetrag steigt auf 12.564 Euro (2027) und 12.900 Euro (2028).
  • Das Kindergeld steigt von 259 Euro auf 267 Euro (2027) und 272 Euro (2028) je Kind und Monat.
  • Die Freibeträge für Kinder steigen auf 10.056 Euro (2027) und 10.236 Euro (2028).
  • Der Arbeitnehmer-Pauschbetrag steigt von 1.230 Euro auf 1.430 Euro. Rund 1,3 Millionen Steuerpflichtige sparen sich dadurch künftig die Anlage N, weil ihre tatsächlichen Aufwendungen darunter liegen.
  • Die zweite Progressionszone wird bis 70.600 Euro abgeflacht. Davon profitieren prozentual am stärksten die mittleren Einkommen. Der Spitzensteuersatz von 42 Prozent greift damit erst ab rund 70.600 Euro (2026: 69.879 Euro).
  • Bei den steuerfreien Sonn- und Feiertagszuschlägen steigt der maximal zulässige Stundenlohn von 50 auf 75 Euro.
  • Zur Gegenfinanzierung soll der Reichensteuersatz von 45 Prozent bereits ab 250.000 Euro zu versteuerndem Einkommen gelten (bisher 277.826 Euro). Ab 280.000 Euro soll zusätzlich ein neuer Satz von 47 Prozent greifen, den die Bundesregierung als „Superreichensteuer“ bezeichnet.