5 Tipps gegen Diskriminierung im Bewerbungsprozess

Ein ausländisch klingender Name oder ein Alter jenseits der 50 und schon sinkt die Chance, zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Obwohl sie hervorragend qualifiziert sind, haben es manche Menschen sehr schwer, einen Job zu finden oder überhaupt als Kandidatin oder Kandidat für den Bewerbungsprozess in Frage zu kommen.

Silke Grotegut, Karriere- und Bewerbungscoach und Trainerin für berufliche Neuorientierung, erklärt, welche die häufigsten Diskriminierungsgründe im Bewerbungsverfahren sind und worauf Bewerber achten sollten.

Hoch qualifiziert und trotzdem nicht gewollt

Als Beispiele sollen hier drei Personen aus meinem Beratungskontext dienen. Keine von ihnen ist das, was man sich unter „schwer vermittelbar“ vorstellt. Aber sie stehen stellvertretend für eine ganze Reihe von Bewerbern, deren Einladungsquote offensichtlich nicht von ihrer Qualifikation abhängig ist. Alle drei wurden im Auswahlprozess diskriminiert, aus unterschiedlichen Gründen.

Antonio hatte an die 100 Bewerbungen geschrieben – nahezu ohne Erfolg. Dabei müsste er mit seiner Expertise als Data Analyst auf dem Markt eigentlich händeringend gesucht werden. Antonio kommt aus Südamerika. Das verrät sein Nachname und das sieht man auf seinem Bewerbungsfoto.

Sabine ist Kommunikationsberaterin, verfügt über zwei hervorragende Studienabschlüsse und bringt mehrere Jahre Berufserfahrung in internationalen Konzernen mit. Sie ist Mutter von zwei kleinen Kindern. Über zwei Jahre hat sie gesucht, um einen neuen Arbeitgeber zu finden.

Ingo war erfolgreicher Fotoredakteur bei einer bekannten deutschen Nachrichtenagentur. Nach einer Umstrukturierung hat er seinen Job verloren. Mit seinen 55 Jahren zählte er aber anscheinend zum alten Eisen. Er hat nicht eine Einladung zum Vorstellungsgespräch erhalten.

Die häufigsten Diskriminierungsgründe

Menschen, deren Name oder Foto vermuten lässt, dass sie Migranten sind, müssen sich deutlich häufiger bewerben als Menschen ohne Migrationshintergrund. Das ist nicht nur meine Erfahrung, das belegt auch eine Studie zur Arbeitsmarktdiskriminierung des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung.[1]

Das Ergebnis der Studie ist eindeutig. Deutlich diskriminiert werden Bewerber

  • mit Migrationshintergrund,
  • mit dunkler Hautfarbe oder
  • mit muslimischer Religionszugehörigkeit.

Ganz besonders schwer haben es Bewerber und Bewerberinnen aus Afrika und aus muslimischen Ländern. Und Männer haben es nochmal schwerer als Frauen. Dagegen haben Menschen aus Europa oder Ostasien, laut Studie, so ziemlich die gleichen Chancen wie deutschstämmige Bewerber.

Aber auch jüngere Frauen und vor allem Mütter sind häufig Opfer von Diskriminierung. Auch dazu gibt es eine eindeutige Studie, die belegt, dass sich Mütter deutlich häufiger bewerben müssen als Frauen ohne Kinder oder Männer.[2]

Ein weiterer Stolperstein für eine erfolgreiche Bewerbung ist das Alter. In manchen Branchen gilt schon als alt, wer die 40 überschritten hat. Dabei ist in Deutschland jegliche Diskriminierung durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verboten.

Was regelt das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz?

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, umgangssprachlich auch Antidiskriminierungsgesetz genannt, verbietet die Diskriminierung von Bewerbern und Arbeitnehmern aufgrund

  • der ethnischen Herkunft,
  • des Geschlechts,
  • der Religionszugehörigkeit oder Weltanschauung,
  • einer Behinderung,
  • des Alters,
  • oder der sexuellen Identität.[3]

Eigentlich sollte damit alles klar sein. Aber die Wirklichkeit von Bewerbern wie Antonio, Sabine oder Ingo sieht leider vollkommen anders aus.

5 Tipps wie du das Risiko minimierst, diskriminiert zu werden

Die gute Nachricht: Du kannst selbst etwas tun, um die Wahrscheinlichkeit für eine Einladung zum Bewerbungsgespräch zu erhöhen, auch wenn du zu einer der oben beschriebenen Gruppen gehörst. Wichtig ist, dass du überhaupt ins Vorstellungsgespräch eingeladen wirst. Im persönlichen Gespräch hast du viel mehr Möglichkeiten, Vorurteile zu entkräften, als in deinen Unterlagen.

Hier kommen Tipps, die dir in der ersten Phase deines Bewerbungsprozesses helfen:

1.    Netzwerke nutzen

Nur etwa ein Viertel aller zu besetzenden Stellen landet auf dem offenen Stellenmarkt. Der Großteil der Stellen wird über den verdeckten Stellenmarkt vergeben. Und trotzdem stürzen sich die meisten Bewerber auf die geringe Zahl an ausgeschriebenen Stellen.

Gerade, wenn du zu einem Personenkreis gehörst, der häufig diskriminiert wird, solltest du verstärkt auf dein Netzwerk und den verdeckten Stellenmarkt setzen.


Mein Tipp: Von jemandem empfohlen und ins Gespräch gebracht zu werden, macht viele Hürden bei der Jobsuche kleiner.


2.    Persönliche Angaben im Zweifel weglassen

Der Lebenslauf startet in der Regel mit der Rubrik „Persönliche Angaben“. Darunter fallen unter anderem Name, Kontaktdaten, Nationalität, Geburtsdatum, Familienstand, Anzahl der Kinder und Religion.

Zwar verbietet das AGG eine Benachteiligung durch eine der genannten Angaben, aber es passiert eben doch. Was viele aber nicht wissen: Diese Angaben sind nicht verpflichtend.


Mein Tipp: Achte gut darauf, was du von dir preisgibst. Fokussiere dich auf das, was an dieser Stelle wichtig ist. Ist deine Nationalität für den angestrebten Job wichtig? Wenn nein, dann lass sie weg. Ist die Information, dass du 55 Jahre alt bist, relevant? Nein? Dann lass dein Geburtsdatum weg.


3.    Alternativen zum Bewerbungsfoto

Ein Foto verrät gleich mehrere Sachen auf einmal: Der Betrachter bekommt Informationen darüber, wie alt du in etwa bist, und ob du einen Migrationshintergrund haben könntest. In Deutschland ist es nach wie vor üblich, sich mit einem Foto zu bewerben. Eine Unterlage ohne Foto wirft eher Fragen auf. Daher ist es riskant, das Foto einfach wegzulassen.

Bei Ingo haben wir statt eines Bewerbungsfotos ein Foto gewählt, das vor Jahren in jeder großen Tageszeitung zu sehen war. Alle Medien kannten dieses Bild. Wir haben den Kompetenzbeweis also gleich auf die erste Seite der Bewerbung gepackt. Danach hat niemand mehr auf das Alter geschaut.


Mein Tipp: Wenn dein Foto Grund für eine Diskriminierung aufgrund deines Alters oder deiner Nationalität auslösen könnte, dann kann ein Bild eines Arbeitsergebnisses eine gute Alternative sein.


4.    Offensiver Umgang mit dem Diskriminierungshindernis

Einen ausländischen Namen kannst du in der Bewerbung nicht verheimlichen. Wenn du Sorge hast, dass du wegen deines Namens schon aus dem Verfahren fallen könntest, kann ein offensiver Umgang damit helfen.

Beispielsweise könntest du direkt in der Mail, der deine Bewerbung angehängt ist, charmant schreiben: „Mein Name ist zwar für manche schwer auszusprechen, aber (ich bin in Deutschland (geboren und) aufgewachsen und) ich spreche perfekt Deutsch“.


Mein Tipp: Das Problem bei Vorurteilen, Stereotypen und dem sogenannten „unconcious bias“ ist, dass sie größtenteils unbewusst ablaufen. Indem du das Thema offensiv ansprichst, hebst du es ins Bewusstsein des Lesers oder der Leserin.


5.    Kinder nicht im CV anführen

Du vergibst dir als Mutter wertvolle Chancen, überhaupt eingeladen zu werden, wenn du als Frau deine Kinder in den Unterlagen angibst. Das gilt insbesondere, wenn deine Kinder unter 12 sind. Das landläufige Bild ist nämlich immer noch, dass sich hauptsächlich die Mütter um die Kinder kümmern.

Viele Frauen tun sich schwer damit, ihre Kinder in den Bewerbungsunterlagen zu verschweigen. Sabines Einladungsquote aber hat sich drastisch erhöht, nachdem sie ihre Kinder aus dem CV genommen hat. Im Vorstellungsgespräch ist sie dann darauf eingegangen, wie die Betreuung der Kinder organisiert ist. Zwar wurden ihr die Jobs trotzdem nicht hinterhergeworfen, aber am Ende hat es geklappt und nun hat sie wieder einen anspruchsvollen Job.


Mein Tipp: Du hast das Gefühl, deine Kinder zu unterschlagen, wenn du sie nicht angibst? Dann frage dich selbst, wovon die Kinder mehr haben: In den Unterlagen zu stehen oder wenn du eine faire Chance auf ein Vorstellungsgespräch und einen Job bekommst?


Je selbstbewusster du zu deinem Alter, deinem Muttersein oder deinem Migrationshintergrund stehst, desto sicherer ist dein Auftreten. Klar, du wirst nicht alle überzeugen können. Bei manchen sitzen die Vorurteile sehr tief. An dieser Stelle solltest du für dich abwägen, ob du für so ein Unternehmen überhaupt arbeiten möchtest.


 

Silke Grotegut

Silke Grotegut ist Karriere und Bewerbungscoach. Bevor sie sich 2015 selbständig machte, war sie viele Jahre Personalerin in einem DAX-Konzern. Heute unterstützt sie Führungskräfte in ihrer beruflichen Neuorientierung, bei der Erstellung von überzeugenden Unterlagen und Social-Media-Pofilen sowie bei der Entwicklung von Strategien für Vorstellungsgespräche und Verhandlungen.

 

Quellen:

[1] WZB
[2] Oxford Academic
[3] Bundesministerium für Justiz und für Verbraucherschutz

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Als Mutter erfolgreich bewerben