Junge legt Arm über sein Gesicht.

Unglücklich im Job – warum bleibst du trotzdem?

Noch nie zuvor konnten wir so frei entscheiden, welchen Job wir ausüben wollen. Die Zeiten, in denen man in die beruflichen Fußstapfen der Eltern treten musste, sind längst vorbei. „Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied“ – so heißt es zumindest. Und doch sind so viele unglücklich mit ihrer beruflichen Situation. Wann hast du dich das letzte Mal darauf gefreut, arbeiten zu gehen? Liegt dieses Ereignis schon so weit zurück, dass du dich gar nicht daran erinnern kannst? Dann hat die Glücksuhr auf der Arbeit auch bei dir Null geschlagen. Obwohl so viele Unternehmen wie nie zuvor nach Leuten suchen, glauben viele unglückliche Menschen, dass sie nichts besseres finden können – paradox, oder? Wir haben mit Personen gesprochen, bei denen die Happiness im Job schon längst fehlt. Warum sie trotzdem bleiben und nicht die Kündigung aussprechen, verraten sie selbst.

Manuel*, Einzelhandelskaufmann, 26 Jahre

„Seit eineinhalb Jahren arbeite ich nun schon als Kassierer im Supermarkt. Da ich Student bin, arbeite ich lediglich 30 Stunden. Aber die reichen schon, denn es ist einfach nur anstrengend. Die Arbeitszeiten sind der reinste Horror: Schichtdienst ist angesagt. Samstags zu arbeiten ist verpflichtend. Dadurch bleibt echt kaum Zeit, sich mit Freunden zu treffen oder Zeit zum Erholen. Wenn ich bis 21 Uhr arbeite, bin ich danach zu müde etwas zu unternehmen. Überstunden werden einfach erwartet. Mich als Student fragt man teilweise gar nicht, sondern teilt mich direkt ein. Ein Lob oder ein Dank von der Chefin habe ich noch nie gehört. Einer der Gründe, warum ich dennoch bleibe: das regelmäßige Gehalt. Auch wenn es nicht das beste ist, ist das Geld immer pünktlich am Konto. Ich wohne alleine, erhalte keine finanzielle Unterstützung von meiner Familie und bin aufs Geld angewiesen. Die Rechnungen bezahlen sich schließlich nicht von selbst. Noch ein Vorteil ist, dass die Arbeit nur einen Katzensprung von meiner Wohnung entfernt. Ich kann kurz vor Arbeitsbeginn aufstehen und zur Arbeit laufen. Ja, ich weiß: ich bleibe hier nur mehr aus Bequemlichkeit.“

Ines*, Immobilienmaklerin, 25 Jahre

„Der Job als Immobilienmaklerin ist sehr an Zahlen gebunden. Du musst einen gewissen Jahresumsatz erreichen, sonst bist du eben weg vom Fenster. Das bedeutet wiederum eine Menge Druck. Soviel Druck sogar, dass ich seit kurzem unter Bluthochdruck leide. Der Job verlangt einem echt viel ab, weil er sehr stressig und nervenaufreibend ist. An manchen Tagen habe ich bis zu 15 Kundentermine, wo ich dann von einem Ort zum anderen Ort hetze. Da bleibt kaum Zeit, um mittags einen kleinen Happen zu essen. Und mein Chef erst … Über den will ich gar nicht sprechen. Er ist einfach ein Ungustl und nur am herumnörgeln und kritisieren. Mein einziger Trost sind die tollen Kollegen. Wir sitzen ja alle im selben Boot und verstehen uns wirklich gut. Sollten die gehen, dann kündige ich definitiv auch sofort.“

Doris*, Sachbearbeiterin in der Personaldisposition, 44 Jahre

„Ich bin seit über 20 Jahren in meiner Firma tätig. Anfangs hat es mir noch sehr viel Spaß gemacht und auch das Team war einfach traumhaft. Aber mit der Zeit und dem Stress, den die Arbeit mit sich bringt, kann davon nicht mehr die Rede sein. Wir sind ein Zweier-Gespann und sind verantwortlich für die tägliche Koordination von über 500 Mitarbeitern. Das ist doch Wahnsinn, oder? Da ist man oftmals ziemlich überfordert und emotional am Ende. Selbst wenn ich zuhause bin, fällt es mir unglaublich schwer abzuschalten. Ich habe schon über eine Kündigung nachgedacht, doch dann sage ich zu mir: Woanders ist es vielleicht auch nicht besser. Als Mutter eines 11-jährigen Mädchens ist mir ein sicherer Job mit einem soliden Einkommen wichtig. Ich muss mich ja schließlich um sie kümmern. Und ehrlich gesagt, habe ich auch ein wenig Angst einen neuen Job zu finden, weil ich fast mein ganzes Berufsleben in diesem Unternehmen tätig bin. Arbeitslos zu werden kann ich mir einfach nicht leisten.“

 

*Die Namen wurden von der Redaktion geändert.

Job entscheidet maßgeblich über das Lebensglück

Eine allgemein gültige Glücksformel gibt es nicht – dennoch gibt es Faktoren, die für die Mitarbeiterzufriedenheit wichtig sind. Wissenschaftlicher haben herausgefunden, dass die berufliche Situation das empfundene Lebensglück maßgeblich beeinflusst. Generell gilt: Menschen mit Job sind glücklicher, als Menschen ohne Arbeit. Und noch viel mehr: Menschliches Glück hat sogar positive Auswirkungen auf die Produktivität.[1] Die renommierte London School of Economics hat eine Umfrage von Menschen in 160 Ländern ausgewertet und sich der Frage gewidmet: Was macht uns eigentlich wirklich im Job glücklich?

Eins steht fest: Eine gute Work-Life-Balance ist der Grundstein für das berufliche Glück. Der Ausgleich zwischen Arbeit und Freizeit wirkt nämlich Wunder aufs Glück. Unglück ist demnach: Wenn der Job soviel Ressourcen und Nerven abzieht, dass man zu müde ist, um die eigene Freizeit aktiv zu gestalten. 50 Wochen im Jahr buckeln für 2 Wochen All-inclusive-Urlaub wird auf Dauer schlicht und ergreifend zu aufreibend. Und wer will das schon? Wie wichtig diese Freiheiten den Arbeitnehmern sind, zeigt sich auch auf kununu.com. Hier zählen die Benefits Homeoffice, flexible Arbeitszeiten und Work-Life-Balance zu den am meisten gesuchten.

Money, money, money, must be funny in a rich’s men’s world: Ja, auch Gehalt kann glücklich machen. Wer mehr verdient, wird im Durchschnitt glücklicher. Und laut dieser Erhebung gibt es dafür auch keine Obergrenze. Allerdings ist hier auch alles eine Frage der Perspektive, denn US-Forscher gehen davon aus: Mehr Geld macht nicht glücklicher, sondern einfach weniger traurig. Doch auch abseits des Geldes, gibt es weitere Faktoren, die glücklich machen. Stichwort: der Glücksboost namens berufliche Perspektiven. So werden Weiterbildungen und Aufstiegschancen auch als glücksfördernd eingestuft. [2]

Wenn dir dein Job wortwörtlich Bauchschmerzen bereitet und dich unglücklich macht, dann ist es höchste Zeit etwas daran zu ändern. Hier verraten wir dir, warum du keine Angst davor haben solltest, öfter den Job zu wechseln. So kann deinem beruflichen Glück nichts mehr im Wege stehen.

 

Macht dich dein Job glücklich? Verrate es uns auf kununu.com

Quellen:

[1] t3n.de
[2] stern.de