Schwanger im Job

Schwanger: Was du im Job jetzt beachten musst

Du bist schwanger – ob nun „Juhu, endlich!“ oder „Scheiße, verdammt!“, es werden sich in deinem Leben einige Dinge ändern. Nicht nur privat, sondern auch beruflich. Welche Rechte und Pflichten hast du als Schwangere? Wir haben dir hier einen kleinen Ratgeber zusammengestellt.

Notlüge erlaubt

Beginnen wir gleich beim Bewerbungsgespräch. Frauen bekommen hier häufig die Totschlagfragen „Wollen Sie eigentlich Kinder?“ und „Sind Sie schwanger?“. Diese Fragen musst du aus Diskriminierungsgründen nicht beantworten. Das Problem dabei? Manche Arbeitgeber könnten dir deine Nicht-Antwort natürlich trotzdem negativ auslegen. Per Gesetz ist es dir deshalb sogar erlaubt, zu einer Notlüge zu greifen. Ob das dem Arbeitsverhältnis später schadet, ist die andere Sache. Es ist dir deshalb selbst überlassen, mit offenen Karten zu spielen oder lieber etwas zu verschweigen.

Mutterschutz

Du musst deinem Chef grundsätzlich nie mitteilen, dass du schwanger bist. Es ist deshalb auch kein Entlassungsgrund, wenn du deine Schwangerschaft nicht meldest. Du solltest es aber spätestens in der zwölften Woche tun. Für deine eigenen Rechte. Diese sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz oft ähnlich, manchmal aber auch gänzlich unterschiedlich. In Deutschland und Österreich ist zum Beispiel jede Kündigung während der Schwangerschaft und bis vier Monate nach der Entbindung verboten. Die Schweiz regelt das minimal anders und lässt eine Kündigung während der Schwangerschaft und bis 16 Wochen – also etwas kürzer als vier Monate – nach der Geburt nicht zu. Den besonderen Kündigungsschutz gibt es, weil du vor und nach der Geburt deines Babys möglichst wenig Stress ausgesetzt werden sollst. In der Dauer deiner Schwangerschaft darfst du nach der Bekanntgabe beim Arbeitgeber keine gesundheitsgefährdenden Tätigkeiten mehr erledigen. Darunter fallen – und hier sind sich die drei Länder wieder weitgehend einig – zum Beispiel die Arbeit mit gesundheitsgefährdenden Stoffen, Strahlen oder Dämpfen oder ab dem dritten Monat die Arbeit in Beförderungsmitteln wie Bus, Bahn oder Flugzeug.

Wie sieht es in der Probezeit aus?

Deine Schwangerschaft schützt dich vor einer Kündigung in der Probezeit rein rechtlich gesehen nicht. Es gibt nämlich in der Probezeit weder eine Kündigung noch eine Entlassung. Bitte was? Ja, das stimmt, aber nur, weil das Arbeitsrecht die Wörter „Kündigung“ und „Entlassung“ jeweils unterschiedlich formuliert. Bei einer Kündigung muss dein Arbeitgeber die vertraglich festgelegten Kündigungsfristen einhalten. Für deine Entlassung braucht er triftige Gründe. Die Beendigung des Arbeitsverhältnisses in der Probezeit nennt sich deshalb Auflösung. Und die fällt – na toll – nicht unter den Kündigungsschutz und ist arbeitsrechtlich nicht geregelt. Dein Chef kann dich trotzdem nicht mir nichts dir nichts kündigen, weil ihm deine Schwangerschaft gerade nicht in den Kram passt. Du bist durch die nationalen Gleichstellungsgesetze geschützt – es müssen deshalb andere Gründe als deine Schwangerschaft für die Auflösung angegeben werden. Wenn du vor das Gericht ziehst, liegt die Beweispflicht dafür übrigens bei deinem (Ex-)Arbeitgeber.

Schwangerschaftsabbruch

Man muss realistisch bleiben: Nicht jede Schwangere freut sich auf das Baby und möchte es behalten. Aber auch aus medizinischen Gründen müssen häufig Schwangerschaften beendet werden. Allein in Deutschland gab es im Jahr 2017 101.209 Schwangerschaftsabbrüche. [1] Der Großteil davon wurde bei Frauen im Alter von 25 bis 30 Jahren vorgenommen – also bei Frauen, die mitten im Berufsleben stehen. Auch wenn es mit Sicherheit nicht Priorität Nr. 1 im Leben der betroffenen Frauen ist, sollten sie wieder an ihre Rechte im Job denken. Für das Mutterschutzgesetz wird genau zwischen einer Abtreibung und einem forcierten Schwangerschaftsabbruch unterschieden.

Wenn du also aus freien Stücken deine Schwangerschaft beendest und eine Abtreibung vornehmen lässt, profitierst du nicht vom Mutterschutzgesetz. Das ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz so. Bei medizinischer Notwendigkeit ist das wiederum anders. In Deutschland lebende Frauen dürfen bis zu vier Monate nach der Entbindung eines toten oder lebenden Kindes mit einem Mindestgewicht von 500 Gramm nicht gekündigt werden. Im Jahr 2016 hat die Republik Österreich diesen Grundsatz ebenfalls in das Mutterschutzgesetz aufgenommen. Auch hier dürfen die Frauen also weder während der Schwangerschaft noch bis vier Monate nach deren Abbruch entlassen werden. In der Schweiz gilt der besondere Kündigungsschutz bei einem Schwangerschaftsabbruch bisher nicht. Direkt nach der Durchführung des Eingriffes kann der Frau wieder gekündigt werden. Du kannst dich aber natürlich zunächst aus medizinischen Gründen krankschreiben lassen, um die Geschehnisse zu verarbeiten.

Wickelpause

Herzlichen Glückwunsch! Die Wehen oder der Kaiserschnitt sind endlich durchgestanden und du darfst dein süßes Baby in den Armen halten. Der anstrengende Teil scheint geschafft. Oder geht es jetzt erst richtig los? Du kannst dich für die Betreuung deines Kindes – oder deiner Kinder, wenn das Glück gleich mehrfach zugeschlagen hat – von deinem Job freistellen lassen. In Deutschland nennt sich das Elternzeit, in Österreich und der Schweiz spricht man von der Karenz.

In der Schweiz hast nur du als Mutter Anspruch auf diese Karenz. Der Vater des Kindes hat leider nur Anspruch auf mindestens einen – je nachdem, ob sein Chef ihm mehr gewährt – freien Tag zur Geburt des Babys. Nach dem Mutterschaftsurlaub kannst du abhängig von deiner Versicherung länger oder kürzer zuhause bei deinem Kind bleiben. So oder so musst du vermutlich mit deutlichen Einbußen bei deinem Gehalt rechnen. Für Mütter in Österreich ist die Regelung deutlich besser: Hier kann man nach Ablauf des Mutterschutzes bis zum vollendeten 24. Lebensmonat des Kindes karenziert bleiben. Der Vater kann sich ebenfalls freuen und darf die Elternzeit maximal zweimal mit der Mutter aufteilen. In Deutschland kannst du bis zu 36 Monate Elternzeit nehmen. Um auch die Betreuung älterer Kinder zu sichern, können 12 der 36 Monate auch zwischen dem 3. und 8. Lebensjahr beansprucht werden. In dieser Zeit ruht das Arbeitsverhältnis und du kannst Elterngeld beziehen. Dieses beträgt zwischen monatlich 300 Euro und 1.800 Euro und bezieht sich immer auf dein letztes Nettogehalt. Und danach? Die besonderen Stärken von berufstätigen Eltern haben wir dir hier schon einmal zusammengestellt.

 

Schwanger im Job

Quellen:

[1] Destatis