Bereinigter vs. unbereinigter Gender Pay Gap: Zahlen, Unterschied und Bedeutung
Gender Pay Gap – was steckt dahinter? Oft wird zwischen bereinigtem und unbereinigtem Wert unterschieden. Aber was bedeuten diese Zahlen eigentlich?
Der unbereinigte Gender Pay Gap zeigt die tatsächliche Lücke im Durchschnittsgehalt zwischen Frauen und Männern. Laut Statistischem Bundesamt liegt er in Deutschland bei 16% (kununu: 14,41% im Jahr 2025). Er berücksichtigt strukturelle Unterschiede wie Berufswahl und Teilzeit.
Der bereinigte Gender Pay Gap klammert diese Faktoren aus. Er zeigt, dass Frauen selbst bei gleichen Voraussetzungen ca. 6% weniger verdienen.
Welcher Wert ist nun "richtig"? Beide! Der unbereinigte Wert zeigt die gesamtwirtschaftliche Ungleichheit, der bereinigte deckt mögliche Diskriminierung auf. Unternehmen können durch Gehaltstransparenz und Förderung von Frauen in Führungspositionen gegenwirken. Solange beide Werte nicht null sind, gibt es keine Entgeltgleichheit.
Der Gender Pay Gap ist die wichtigste Kennzahl bei der Messung des Lohnunterschieds zwischen Frauen und Männern. Häufig begegnest du dabei zwei unterschiedlichen Begrifflichkeiten – nämlich dem bereinigten und unbereinigten Gender Pay Gap.
Was steckt eigentlich hinter diesen beiden Zahlen? Warum fällt die Lohnlücke je nach Berechnung unterschiedlich hoch aus und welche Kennzahl ist wirklich aussagekräftig? Wir helfen dir zu verstehen, wie groß die Einkommensunterschiede tatsächlich sind und was sie über strukturelle Ungleichheiten am Arbeitsmarkt aussagen.
Was ist der unbereinigte Gender Pay Gap?
Der unbereinigte Gender Pay Gap misst die durchschnittliche Differenz des Bruttostundenverdienstes zwischen Frauen und Männern – ohne weitere Differenzierung. Er vergleicht also schlicht die durchschnittlichen Stundenlöhne aller erwerbstätigen Frauen mit denen aller erwerbstätigen Männer.
Laut Daten des Statistischen Bundesamtes liegt der unbereinigte Gender Pay Gap in Deutschland derzeit bei 16 Prozent. Das bedeutet: Frauen verdienen pro Stunde im Durchschnitt 16 Prozent weniger als Männer. Eine Analyse unserer Gehaltsdaten auf kununu ergibt für die vergangenen fünf Jahre einen unbereinigten Gender Pay Gap von 15,69 Prozent. Betrachtet man hingegen nur das Jahr 2025, kommt er trotz sinkender Tendenz immer noch auf 14,41 Prozent.
Diese Zahl berücksichtigt jedoch keine Unterschiede in Berufswahl, Arbeitszeit, Position, Branche oder Erwerbsbiografie. Sie bildet damit vielmehr die reale Einkommenslücke in der Gesamtwirtschaft ab und inkludiert die strukturellen Unterschiede bei weiblichen und männlichen Beschäftigten. Dazu gehört auch, dass Frauen häufiger unbezahlter Care-Arbeit nachgehen als Männer.
Was ist der bereinigte Gender Pay Gap?
Der bereinigte Gender Pay Gap versucht strukturelle und gesellschaftliche Faktoren – darunter fallen Aspekte wie beispielsweise die Branche, Berufswahl, Ausbildung oder die Teilzeitquote – statistisch auszuklammern. Das Ziel dieser Bereinigung ist es, Frauen und Männer miteinander zu vergleichen, die unter möglichst ähnlichen Bedingungen arbeiten.
Selbst, wenn Frauen also genau dieselben Voraussetzungen hätten wie Männer, bleibt eine signifikante Lohnlücke bestehen. Nach einer Berechnung des Statistischen Bundesamts liegt die bereinigte Lohnlücke in Deutschland 2025 bei etwa sechs Prozent. Frauen verdienen mit vergleichbaren Qualifikationen und Positionen weniger als ihre männlichen Kollegen.
Bereinigt oder unbereinigt: Wie gibt man den Gender Pay Gap richtig an?
Hast du dich schon einmal gefragt, ob denn nun der unbereinigte oder der bereinigte Gender Pay Gap „richtiger“ ist? Das kann man gar nicht so genau sagen. Denn tatsächlich beantworten beide Werte unterschiedliche Fragen.
Der unbereinigte Gender Pay Gap zeigt, wie groß die tatsächliche Einkommenslücke beim Durchschnittsgehalt von Frauen und Männern insgesamt ist. Er macht strukturelle Unterschiede sichtbar – etwa dass Frauen häufiger in schlechter bezahlten Branchen arbeiten oder öfter in Teilzeit tätig sind. Der bereinigte Gender Pay Gap hingegen fragt: Bleibt eine Lohnlücke bestehen, wenn man in der Theorie vergleichbare Voraussetzungen für Frauen und Männer schafft?
Das sind die wichtigsten Unterschiede und Gemeinsamkeiten des unbereinigten sowie bereinigten Gender Pay Gaps:
| Eigenschaft | Unbereinigter Gender Pay Gap | Bereinigter Gender Pay Gap |
|---|---|---|
| Betrachtet alle Beschäftigten | Ja | Ja |
| Rechnet strukturelle und gesellschaftliche Unterschiede heraus | Nein | Ja |
| Zeigt gesamtwirtschaftliche Lohnlücke | Ja | Teils |
| Zeigt mögliche Diskriminierung | Ja | Ja |
| Aktueller Wert 2025 (Destatis Deutschland) | 16 Prozent (Destatis) | 6 Prozent (Destatis) |
Wenn du also wissen möchtest, wie groß die ökonomische Ungleichheit insgesamt ist, ist der unbereinigte Wert für dich relevant. Geht es dir dagegen um das Aufzeigen mögliche Diskriminierung bei vergleichbarer Tätigkeit, liefert der bereinigte Wert die wichtigere Einordnung. Beide Zahlen ergänzen sich und sollten idealerweise stets zusammen betrachtet werden.
Kurzüberblick: Wann ist welcher Gender Pay Gap relevant?
- Unbereinigt: Wenn du wissen willst, wie groß die tatsächliche Einkommenslücke zwischen Frauen und Männern insgesamt ist.
- Bereinigt: Wenn du analysieren möchtest, ob bei vergleichbarer Tätigkeit Unterschiede bei der Bezahlung je nach Geschlecht bestehen.
Gegen Entgeltungleichheit: Was können Unternehmen tun?
Der Gender Pay Gap ist und bleibt ein Problem. Unternehmen können aktiv dazu beitragen, die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern zu verringern. Dazu gehört vor allem Transparenz hinsichtlich der Gehaltsstrukturen. Große Unternehmen ab 200 Mitarbeiter:innen werden durch eine EU-weit geltende Norm ab Mitte 2026 sogar gesetzlich dazu verpflichtet. Mehr zum Entgelttransparenzgesetz? Gibt’s hier!
Ebenso wichtig ist es, Führungspositionen diverser zu besetzen und Female Leadership aktiv zu fördern. Dass Frauen aufgrund einer Schwangerschaft ausfallen können, deutlich häufiger in Elternzeit gehen oder Care-Arbeit leisten, darf nicht automatisch zu langfristigen Gehaltsnachteilen führen. Mit der neuen EU-Richtlinie zur Gehaltstransparenz steigt nun der Druck auf Unternehmen, Entgeltunterschiede systematisch zu überprüfen und offenzulegen. Das kannst du dir bei deiner nächsten Gehaltsverhandlung natürlich aktiv zu Nutze machen.
Fazit: Keine Entgeltgleichheit in Deutschland in Sicht
Der unbereinigte Gender Pay Gap zeigt, wie groß die tatsächliche Einkommenslücke zwischen Frauen und Männern ist. Zusätzlich zeigt der bereinigte Wert, dass selbst bei vergleichbaren Voraussetzungen noch Unterschiede bestehen. Solange beide Zahlen nicht bei null liegen, ist Entgeltgleichheit in Deutschland noch nicht erreicht.
Die wichtigsten FAQs zum Thema „Unbereinigter vs. bereinigter Gender Pay Gap“
Der Gender Pay Gap bezeichnet den prozentualen Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von Frauen und Männern. Er zeigt, wie groß die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern ist.
Der unbereinigte Wert vergleicht alle durchschnittlichen Verdienste ohne weitere Differenzierung. Der bereinigte Gender Pay Gap berücksichtigt Faktoren wie Branche, Beruf, Arbeitszeit und Qualifikation.
Der unbereinigte Gender Pay Gap misst den durchschnittlichen Verdienstunterschied aller beschäftigten Frauen und Männer. Strukturelle Unterschiede wie Teilzeitquoten oder Branchenverteilung werden dabei nicht herausgerechnet.
Er berechnet den Lohnunterschied bei vergleichbarer Tätigkeit und Qualifikation. Dadurch wird sichtbar, welcher Anteil der Lohnlücke nicht durch strukturelle Faktoren erklärbar ist.
Für das Jahr 2025 gibt kununu den unbereinigten Gender Pay Gap in Deutschland mit 14,41 Prozent an. Das Statistische Bundesamt beziffert ihn mit 16 Prozent.
Der bereinigte Gender Pay Gap in Deutschland liegt im Jahr 2025 bei sechs Prozent. Hierbei wurden strukturelle Unterschiede wie Teilzeitquote und Erwerbungsunterbrechungen heraus berechnet.