Gen Z und Gender Pay Gap
Hat die Gen Z die Lohnlücke wirklich besiegt?
Nur 9,8 Prozent: Bei Beschäftigten unter 25 Jahren in Deutschland ist die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern so klein wie nie zuvor. Doch aktuellen kununu-Daten zeigen auch: Schon wenige Jahre später wächst der Abstand wieder deutlich.
Entwicklung der Lohnlücke in Deutschland 2022 – 2026
Bei Arbeitnehmer unter 25 beträgt der Gender Pay Gap in Deutschland laut kununu-Gehaltsdaten 2025 gerade einmal 9,8 Prozent. Ein Wert, der Hoffnung macht. Doch der Blick auf ältere Beschäftigte zeichnet ein anderes Bild: Bei den Über-25-Jährigen liegt die Lohnlücke bei durchschnittlich 17,3 Prozent. Schaltet die Generation Z den Gender Pay Gap tatsächlich auf Rückzug oder beginnt die Ungleichheit einfach erst später?
Für diesen Vergleich hat kununu Gehaltsdaten für Vollzeitbeschäftige aus den Jahren 2022 bis 2025 nach Altersgruppe ausgewertet, exklusive Azubis, Praktikant:innen und Werkstudierenden in Deutschland.
Gender Pay Gap bei Berufseinsteiger:innen: Warum die Lücke am Anfang klein bleibt
Der kleinere Gap bei Jüngeren klingt zunächst nach einem starken Fortschritt im Kampf gegen die Lohnlücke. Aber ganz so voreilig sollte man nicht sein.
Am Beginn der Karriere gibt es nämlich schlicht weniger Spielraum für Ungleichheit: Tarifverträge schützen bei Ausbildungsvergütungen vor Lohnlücken im Team, Einstiegsgehälter sind häufig standardisiert und der Mindestlohn setzt eine klare Untergrenze.
DIW-Ökonomin Katharina Wrohlich erklärt außerdem, dass junge Frauen heute besser ausgebildet sind. Das könnte sich in den ersten Berufsjahren auch bei den Löhnen zeigen: Bei unter 30-Jährigen ist der Gehaltsunterschied dadurch stark zurückgegangen. Expert:innen sehen vor allem einen Grund: Die größten Gehaltsunterschiede entstehen oft erst nach der Familiengründung. Elternzeit, Teilzeit und unterbrochene Erwerbsbiografien bremsen die Gehaltsentwicklung vieler Frauen noch immer aus. Das spiegelt sich auch in den U25 Zahlen wider.
Lohngleichheit: Ist die Gen Z wirklich anders – oder nur jünger?
Den Rückgang als reinen Karrierestarteffekt abzuschreiben ist nicht ganz korrekt. Durch den steigenden Anteil von hochqualifizierter Frauen am Arbeitsmarkt kann die Lohnlücke zumindest teilweise geschlossen werden.
Ein weiterer Erklärungsansatz ist der gesellschaftliche Wandel innerhalb der Generation Z. So studieren zum Beispiel immer mehr Frauen in MINT-Studiengängen, welche auch durchschnittlich besser bezahlt werden.
Gleichzeitig zeigt der nationale Befund, wie zäh struktureller Wandel ist: Laut Statistischem Bundesamt lag der Gender Pay Gap in Deutschland 2006 noch bei 23 Prozent und sank bis 2025 auf 16 Prozent – in fast zwei Jahrzehnten.
Fazit: Eine Zahl, die sich noch beweisen muss
Die Gen Z startet mit deutlich faireren Gehältern als frühere Generationen. Ob daraus langfristig echte Lohngleichheit entsteht, entscheidet sich jedoch erst in den kommenden Berufsjahren. Die aktuellen Daten zeigen vor allem eines: Die größte Herausforderung beginnt nicht beim Berufseinstieg, sondern oft erst mit Familiengründung und Karriereaufstieg
Entscheidend sind auch politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen: Reformen und gesetzliche Maßnahmen, die insbesondere Frauen in Teilzeitbeschäftigung sowie Personen mit Pflege- und Betreuungsverantwortung vor Gehaltseinbußen schützen, könnten dabei eine zentrale Rolle spielen.