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Gender Pay Gap

Neue Gehaltsanalyse: In diesen Berufen ist die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern am größten

von Dunia R.
Veröffentlicht:  29. Mai 2026, 17:25
2 min
Geschäftsfrau im Büro mit verschränkten Armen vor einem Besprechungsteam im Hintergrund.

Gleicher Job, ähnliche Qualifikation, aber deutlich weniger Gehalt? Eine aktuelle Analyse von kununu-Gehaltsdaten zeigt: Selbst wenn Faktoren wie Berufserfahrung, Branche, Region, Karrierelevel und Führungsverantwortung berücksichtigt werden, bleibt in manchen Berufen ein großer Gender Pay Gap bestehen.

Berufe mit der größten bereinigten Lohnlücke:

  • Vertriebsleiter:in: Frauen 57.140 € vs. Männer 75.731 €
  • Kaufmännische:r Leiter:in: Frauen 82.918 € vs. Männer 105.186 €
  • Leiter:in Personal: Frauen 92.299 € vs. Männer 108.479 €

1. Vertriebsleiter:in: 32 % weniger? Der schockierendste Gap im Ranking

Mit einem bereinigten Gap von 32,50 Prozent ist die Vertriebsleitung das traurige Spitzenreiter-Duo dieses Rankings. Frauen verdienen hier im Schnitt 57.140 Euro, Männer 75.731 Euro. Eine Differenz von 18.592 Euro pro Jahr!

Warum ist der Gap hier so extrem? Vertrieb läuft auf Beziehungen und Beziehungsnetzwerke sind oft noch immer männlich geprägt. Wer Kunden beim Golf-Turnier kennenlernt oder im Hinterzimmer Deals macht, hat strukturelle Vorteile – und das sind häufiger Männer. Hinzu kommt: Variable Gehaltsanteile und Boni machen im Vertrieb einen großen Teil des Gesamtgehalts aus. Laut DIW Berlin sinkt der Gender Pay Gap in Betrieben messbar, sobald mehr Frauen in Führungspositionen vertreten sind – im Vertrieb ist davon noch wenig zu spüren.

2. Kaufmännische:r Leiter:in: 22.000 € Unterschied trotz gleicher Verantwortung

Kaufmännische Leiterinnen tragen dieselbe Verantwortung wie ihre männlichen Kollegen – Budget, Personal, Strategie. Trotzdem verdienen sie im Schnitt 82.918 Euro, während Männer in derselben Position auf 105.186 Euro kommen. Der bereinigte Gap: 26,90 Prozent, die Differenz: 22.268 Euro jährlich.

Das ist der höchste absolute Euro-Betrag im gesamten Vergleich. Ein Grund dafür liegt in der Verhandlungsdynamik: Laut Equal Pay Day beträgt der bereinigte Gender Pay Gap in Deutschland aktuell 6 Prozent, in der kaufmännischen Leitung liegt er viermal so hoch. Das deutet darauf hin, dass hier neben strukturellen auch kulturelle Faktoren wirken: Wer verhandelt, wie viel, und wen man als „typische Führungskraft“ wahrnimmt.

Eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung zeigt: In 26 von 34 Branchen arbeiten Frauen seltener in leitender Stellung als Männer. Wer seltener in die Chefetage kommt, hat auch weniger Vergleichswerte und weniger Verhandlungsmacht.

3. Leiter:in Personal: Ausgerechnet HR zahlt Frauen weniger

Dieser hier hat eine besondere Ironie: Ausgerechnet im Personalwesen, der Abteilung, die in vielen Unternehmen für Gehaltsstrukturen und Gleichstellungsmaßnahmen zuständig ist, verdienen Frauen in Führungspositionen deutlich weniger. Mit 92.299 Euro liegen Personalleiterinnen rund 16.180 Euro unter den 108.479 Euro ihrer männlichen Kollegen. Der bereinigte Gap beträgt 17,50 Prozent.

Dass selbst dort, wo Frauen klar in der Überzahl sind, die Lohnlücke bestehen bleibt, sagt viel über die Tiefe des Problems aus.

Gender Pay Gap bereinigt, aber nicht erklärt

Diese Zahlen sind bereinigt. Das bedeutet: Erfahrung, Karrierelevel, Branche, Region, alles wurde herausgerechnet. Was übrig bleibt, lässt sich nicht mehr mit „Frauen wählen andere Berufe“ oder „arbeiten häufiger Teilzeit“ erklären. Weibliche Beschäftigte in DAX-Konzernen erhalten laut einer EY-Auswertung im Schnitt 13,9 Prozent weniger Lohn als ihre männlichen Kollegen – und das ist der Schnitt über alle Ebenen. In den drei hier genannten Führungsberufen ist es noch deutlich mehr. Der bereinigte Gap ist das Unbequemste am ganzen Thema. Weil er zeigt: Es liegt nicht an den Frauen.

Alle Daten und mehr Informationen im längeren Artikel: Gut bezahlte Frauenberufe – der große kununu Überblick

Hinweis: Bereinigt wurde nach vergleichbaren Gruppen innerhalb desselben Berufs, unter anderem nach Erfahrung, Karrierelevel, Führungsverantwortung, Bundesland und Branche. Die Auswertung ist dadurch aussagekräftiger als ein reiner Durchschnittsvergleich, ersetzt aber keine vollständige Equal-Pay-Analyse.

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