Steuerpolitik
Steuerreform 2027: Bewegung bei Merz und der Reichensteuer
In der Debatte um die Steuerreform 2027 kommt Bewegung in die festgefahrene Front: Kanzler Friedrich Merz (CDU) schließt eine höhere Reichensteuer nicht mehr aus. Profitieren sollen aber vor allem kleine und mittlere Einkommen, für sie sind nach Plänen der Bundesregierung 100 bis 400 Euro pro Jahr drin. Das Geld muss aber woanders wieder reinkommen, und darüber streiten Union und SPD weiter.
2.500 bis 3.000 Euro: Wer profitiert
Die schwarz-rote Koalition plant die Reform ab Januar 2027. Profitieren sollen vor allem Menschen, die zwischen 2.500 und 3.000 Euro brutto im Monat verdienen – also rund 30.000 bis 36.000 Euro im Jahr. In dieser Spanne liegen viele klassische Berufe.
Diese Berufe liegen beispielsweise mitten in der Zielgruppe:
- Verkäufer:in: rund 30.400 Euro brutto im Jahr
- Lagerist:in: rund 31.600 Euro brutto im Jahr
- Kauffrau/Kaufmann für Büromanagement: rund 35.400 Euro brutto im Jahr
Die Beträge bleiben überschaubar: Volkswirt Stefan Bach vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung nennt laut Tagesschau 100 bis 200 Euro pro Jahr für Geringverdiener, bei mittleren Einkommen bis zu 400 Euro. Wer wenig verdient, zahlt prozentual ohnehin weniger Steuern und wird entsprechend weniger entlastet.

20 bis 30 Milliarden Euro fehlen dem Staat
So entlastend die Reform wäre, so teuer ist sie: Bach rechnet mit Steuerausfällen von 20 bis 30 Milliarden Euro pro Jahr. Bei der Gegenfinanzierung gehen die Koalitionspartner auseinander. Die Union will keine Steuern erhöhen, sondern sparen: Die Finanzhilfen des Bundes sollen jährlich um 15 Prozent sinken, was den Haushalt bis 2029 um rund 22 Milliarden Euro entlasten würde. Die SPD dagegen will hohe Einkommen und Erbschaften stärker belasten. Finanzminister Klingbeil verweist außerdem auf klaffende Finanzierungslücken im Bundesetat von rund 60 Milliarden Euro in den Jahren 2027 und 2028, Spielraum für eine Nettoentlastung in Höhe von 25 bis 30 Milliarden Euro sieht er darin nicht.
SPD-Chef und Vizekanzler Lars Klingbeil machte deutlich, worum es ihm geht: „Ich rede vor allem von Menschen, die 2.500 oder 3.000 Euro brutto verdienen und mehr Geld im Portemonnaie haben sollen.“ Die SPD will deshalb auch über den Spitzensteuersatz reden, der bei 42 Prozent liegt und aktuell ab 69.879 Euro greift. Kanzler Friedrich Merz lehnt eine Erhöhung ab: Die Belastung von Facharbeitern und Mittelstand sei zu hoch.
Reichensteuer: Was sich für Spitzenverdiener ändern könnte
Offener ist die Union bei der Reichensteuer, die ab 277.826 Euro greift und 45 Prozent beträgt. Merz und CSU-Chef Markus Söder schlossen eine Erhöhung zuletzt ausdrücklich nicht mehr aus, ein Schwenk gegenüber der bisherigen Linie der Union. Zwei Unionsabgeordnete schlagen 47,5 Prozent vor, schon ab 210.000 Euro.
Eine echte Mehrbelastung wäre das aber nicht: Mit der gleichzeitigen Abschaffung des Solidaritätszuschlags würden Spitzenverdiener unter dem Strich sogar entlastet, weil sie heute über den Soli effektiv schon auf 47,5 Prozent kommen. Ein Prozentpunkt mehr brächte laut Bach aber nur eine Milliarde Euro.
Betroffen wären Spitzenverdiener:innen in Deutschland wie beispielsweise:
- Chefärztin bzw. ein Chefarzt – rund 179.900 Euro brutto im Jahr
- General Counsel – rund 167.100 Euro brutto im Jahr
- Chief Financial Officer – rund 128.900 Euro brutto im Jahr
Vieles ist noch offen
Beschlossen ist nichts. Klar ist nur die Richtung: Kleine und mittlere Einkommen sollen entlastet werden, die Gegenfinanzierung ist offen. Wer in der Zielgruppe liegt, sollte die Debatte im Blick behalten, denn wie viel am Ende wirklich auf dem Konto landet, entscheidet sich erst im Gesetzgebungsverfahren.