Neuer Chefposten beim ORF
Bewerbungsfrist vorbei: Was der neue ORF-Generaldirektor verdienen wird
Die Bewerbungen sind eingereicht, bald fällt die Entscheidung: Wer führt künftig den ORF? Doch unabhängig davon, wer das Rennen macht, was verdient man eigentlich an der Spitze des Hauses? Die Antwort überrascht: Der Generaldirektor ist nicht der Topverdiener.
Der Generaldirektor – nur auf Platz 2
Laut aktuellen Gehaltsdaten des ORF verdiente Ex-Generaldirektor Roland Weißmann (bis März 2026) rund 427.500 Euro im Jahr. Das klingt üppig, doch Hauptabteilungsleiter und Projektleiter Medienstandort Pius Strobl übertrifft ihn mit fast 469.000 Euro deutlich. Die Top 3:
- Pius Strobl, Projektleiter Medienstandort 468.856 €
- Roland Weißmann, Generaldirektor 427.500 €
- Oliver Böhm, GF ORF-Enterprise 348.999 €
Je nach Verhandlungsgeschick und Vorerfahrung wird die neue Generaldirektion wohl ähnlich bezahlt werden. An der Nulllohnrunde für die Spitzenverdiener im ORF letzten Winter ist zu sehen, dass auch das Gehaltsband dieser Posten nicht unendlich lang ist.
Warum der Posten überhaupt neu besetzt wird
Roland Weißmann, geboren 1968 in Linz, hatte den Posten seit Jänner 2022 inne. Der Publizistik-Absolvent stieg über ORF Niederösterreich auf, wurde Kaufmännischer Direktor und schließlich Generaldirektor. Sein Amt endete abrupt: Im März 2026 trat er zurück, nachdem ORF-Journalistin Sonja Sagmeister Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen ihn erhoben hatte. Weißmann bestritt die Anschuldigungen, wollte dem Sender aber keinen weiteren Schaden zufügen. Eine anschließende Compliance-Prüfung stellte zwar keine sexuelle Belästigung im rechtlichen Sinne fest, befand aber, dass er interne ethische Standards verletzt habe – woraufhin der ORF das Dienstverhältnis beendete. Derweil ist Ingrid Thurnher interimsmäßige Vertreterin.
Wer will den Job?
Gleich sechs Kandidatinnen und Kandidaten haben sich beworben, unter anderem besagte Sonja Sagmeister, die Weißmann der sexuellen Belästigung beschuldigt hatte. Des weiteren sind große Namen in der Liste zu finden:
- APA-Chef Clemens Pig
- ORF-Magazinchefin Lisa Totzauer
- ORF-III-Geschäftsführerin Kathrin Zierhut-Kunz
- Ex-ProSieben-Chef Markus Breitenecker
- Medienmanager Johannes Larcher
- Journalistin Sonja Sagmeister
Amtsinhaberin Ingrid Thurnher tritt nicht an – sie wolle die verbleibende Zeit nutzen, um Missstände aufzuarbeiten, ohne taktische Rücksichten nehmen zu müssen.
Das Bewerbungsverfahren umfasst mehrere Stufen
Eine Findungskommission prüft nun, wer die Ausschreibungskriterien erfüllt. Wer besteht, muss von einem der 35 Stiftungsräte nominiert werden – die eigentliche Wahl findet am 11. Juni statt. Erstmals verpflichtet das Europäische Medienfreiheitsgesetz zu einem transparenten, offenen Verfahren.
Wer auch immer den Posten bekommt: An Pius Strobl führt im Gehaltsranking vorerst kein Weg vorbei.