Frau im pinken Blazer

7 Gründe, warum Frauen die besseren Chefs sind

Eigentlich wissen wir es doch alle schon – auch wenn viele es (immer noch) nicht wahrhaben wollen: Frauen sind die besseren Chefs. Trotzdem lag der Frauenanteil in Führungspositionen in Deutschland laut statistischem Bundesamt 2016 lediglich bei 22,5 Prozent.[1] In den Vorständen der 100 größten Unternehmen sieht es mit 6 Prozent an Frauen sogar noch düsterer aus – trotz der Frauenquote, die 2015 in Kraft getreten ist.[2]

Unsere Gastautorin Sonja Grave, HR-Verantwortliche beim Finanzportal COMPEON, schaut mit einem vielleicht etwas überspitzten Blick auf die derzeitige Diskussion – in dem trotzdem eine Menge Wahrheit steckt.

Die Frage, wer die bessere Führungskraft ist, lässt sich nur beleuchten, wenn man einen Blick auf den Kontext wirft. So würde auch die Frage danach, ob Äpfel oder Birnen das bessere Obst sind, keine fruchtbaren Ergebnisse liefern, solange sie nicht in einem bestimmten Zusammenhang, z.B. der Zubereitung von Apfelkuchen, gestellt wird. Die Frage ist also, warum Frauen möglicherweise besser als Männer in der Lage sein könnten, aktuellen und sich verändernden Ansprüchen an eine Führungskraft gerecht zu werden.

#1: Weil sie weniger hierarchisch denken

Während Führungskräfte heute viel Zeit und Energie darauf verwenden, ständig die Hackordnung im Betrieb festzulegen und dabei die eigenen Interessen zu wahren, verlieren viele Unternehmen zunehmend an hierarchischen Strukturen. Es braucht Führungskräfte, die kollegial denken und agieren, damit sich die besten Ideen im Unternehmen durchsetzen können und nicht nur die Ideen „von oben“.

#2: Weil sie empathischer sind

Mitarbeitende werden immer selbständiger in ihrer Arbeit und sind in immer weniger Bereichen auf direkte Führung angewiesen. Erste Unternehmen gehen sogar soweit, Führung ganz abzuschaffen. In jedem Fall verändern sich die Aufgaben von Führungskräften im Unternehmenskontext. Durch ihre Empathie sind Frauen tendenziell besser in der Lage, sich in die Bedürfnisse von Mitarbeitenden einzufühlen. Dadurch können Sie ihr Team nachhaltiger motivieren und Konflikte, die viel Zeit und Nerven kosten würden, frühzeitig deeskalieren. Darüber hinaus können sie Stärken ihrer Mitarbeitenden besser einschätzen und diese wesentlich erfolgreicher einsetzen und entwickeln. 

#3: Weil sie weniger Interesse an Statussymbolen haben

In vielen Unternehmen wird Chefsein eher als Status denn als Aufgabe oder Tätigkeit empfunden – als etwas, das man bereits geschafft hat und nicht als etwas, das man tut. Dementsprechend gibt es zuhauf Statussymbole und Privilegien, denen die meiste Aufmerksamkeit geschenkt wird. Fühlen sich die Mitarbeiter schlecht geführt, tja Pech gehabt, sollen sie es halt besser machen, wenn sie es einmal irgendwann geschafft haben. Zunehmend entwickelt sich Führung jedoch zu einer reinen Dienstleistung innerhalb eines Teams und Unternehmens. Eine Aufgabe, die wichtig ist und gemacht werden muss und die es nicht erlaubt, dass sich jemand auf seinen Lorbeeren ausruht. 

#4: Weil sie sich besser zurücknehmen können

In allen Bereichen erleben wir eine exponentielle Zunahme an Komplexität und den Bedarf an hochspezialisierten Kenntnissen und Wissen. Während Führungskräfte früher häufig auch die besten Fachkräfte waren, sind sie heute häufig gar keine Fachkräfte mehr, d.h. sie können die Arbeit ihrer hochspezialisierten und erfahrenen Mitarbeitenden nicht mehr selber in aller Tiefe verstehen. Hinter den Spezialisten, die mit ihrer Fachlichkeit nach außen sichtbar und aktiv sind, steht die Führungskraft und hält dem Team den Rücken frei, indem sie sie mit allem Notwendigen versorgt und unterstützt – so jedenfalls die Wunschvorstellung. Da es Frauen häufig leichter fällt, sich nicht in den Vordergrund zu drängen, wird so der wichtige Kunde von der kompetentesten Fachkraft bedient und nicht vom Chef, der eigentlich gar nicht so richtig weiß, worum es geht.

#5: Weil sie besser integrieren können

Auch wenn es nach einem abgedroschenen Vorurteil klingt, sind Frauen eindeutig besser in der Lage, verschiedene Dinge gleichzeitig im Blick zu behalten als Männer. Während es früher viele einfache Aufgaben gab, in denen Männer mit ihrem fokussierten Tunnelblick funktionierende Strategien entwickeln konnten, wird ein derartiges Vorgehen den heutigen Anforderungen kaum noch gerecht. Um eine tragfähige Strategie entwickeln zu können, müssen verschiedenste Faktoren und Bedürfnisse im und außerhalb des Unternehmens berücksichtig und integriert werden. Was wäre dazu besser in der Lage als der Verstand einer Frau?

#6: Weil sie ganzheitlicher entwickelte Persönlichkeiten haben

Die Frauenbewegungen der letzten Jahrzehnte haben ihre Spuren hinterlassen und erlauben vielen Frauen einen guten Zugriff auf unterschiedlichste Aspekte ihrer Persönlichkeit. Während Frauen problemlos auch mit ihrer männlichen Seite in Kontakt sein können und diese bei Bedarf für ihre Arbeit nutzen, versetzt viele Männer alleine der Gedanke daran klassische Rollenbilder zu hinterfragen in Panik. Hier gibt es auf Seiten der männlichen Identitätsentwicklung viel Nachholbedarf, bis dahin sind Frauen auf jeden Fall besser geeignet, ein Team aus unterschiedlichen Persönlichkeiten zu führen.

#7: Weil sie kein Mann sind

Heute ist ein überwiegender Teil der Führungskräfte männlich, noch dazu sind bestimmte Typen Mann als Chefs überrepräsentiert. Alleine deswegen ist eine weibliche Führungskraft wahrscheinlich die bessere Wahl. Dabei geht es nicht um moralische oder soziale Ansichten. Auch wenn es fair wäre, Frauen bessere Chancen zu geben, sollte dies im Unternehmenskontext wenn überhaupt eine untergeordnete Rolle spielen. Entscheidend ist mangelnde Diversität, die immer wieder nur die gleichen Ideen und Verhaltensweisen produzieren kann. Um bei zukünftigen Herausforderungen schnell kreative Lösungen finden zu können, braucht es möglichst verschiedene Denk- und Sichtweisen. Auch wenn es an manchen Stellen Reibung erzeugen kann, führt nur eine gut gemischte Mitarbeiter- und Führungskraftpopulation zur optimalen Unternehmenskultur und –ausrichtung.

Fazit:

Natürlich handelt es sich bei der Debatte um Frauenquoten für Führungspositionen um hochemotialisierte Diskussionen – es geht einerseits um die Verbesserung von Gleichbehandlung, andererseits um die Verteidigung eines uralten Status Quo. Und viele Argumente, sowohl auf der Pro- als auch auf der Contra-Seite, spielen mit Klischees und Vorurteilen. Man polarisiert und auch die oben genannten Gründe treffen natürlich nicht auf alle Frauen zu, die Führungspositionen besetzen möchten – allerdings regen sie dazu an, das zu erkennen, was man durch stärkere Diversität in hohen Führungspositionen gewinnen kann.

 


Sonja Grave verantwortet HR bei COMPEON, einem Online-Finanzportal, über das mittelständische Unternehmen Finanzierungen von über 220 unterschiedlichen Banken, Förderbanken und Spezialfinanzierern erhalten und vergleichen können. Vor ihrer Zeit bei COMPEON war Grave bereits als Executive Consultant bei Kienbaum mit der Rekrutierung von Fach- und Führungskräften betraut und unterstützte mit einer eigenen Unternehmung KMUs in Fragestellungen rund um nachhaltige Personalbeschaffung und –management.

 

Quellen:

[1] statista.com
[2] spiegel.de