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5, 10 oder 20 Prozent: Wie hoch ist die durchschnittliche Gehaltserhöhung?

5, 10 oder 20 Prozent: Wie hoch ist die durchschnittliche Gehaltserhöhung?

Du gibst im Job alles, übernimmst neue Aufgaben und denkst dir, dass eigentlich langsam mal mehr Geld drin sein müsste. Dann lautet die Frage aller Fragen: Wie viel mehr Geld kannst du als Gehaltserhöhung fordern? Man will ja weder tiefstapeln noch gierig wirken. Hier erfährst du, was du durchschnittlich als Gehaltserhöhung verlangen kannst und wie du am besten vorgehst.

Durchschnittliche Gehaltserhöhung: Drei Szenarien

Laut dem Statistischem Bundesamt die Nominallöhne in Deutschland im dritten Quartal 2025 um 4,9 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Wie viel mehr du im Rahmen einer Gehaltserhöhung verlangen kannst, hängt aber von verschiedenen Faktoren ab. Wir schauen uns mal drei häufige Situationen an, um dir eine grobe Orientierung zu geben.

Der Nominallohn ist das, was bei dir zahlenmäßig mehr auf dem Gehaltszettel steht. Allerdings sind zwischen 2024 und 2025 gleichzeitig die Verbraucherpreise um 2,3 Prozent gestiegen: Die sogenannten Reallöhne (also deine tatsächliche Kaufkraft) waren 2025 deshalb nur 2,7 Prozent höher.

Szenario 1: Reguläre Anpassung ohne Positionswechsel

Du machst deinen Job gut, kannst Ergebnisse vorweisen und hast schon eine Weile (ca. 12 bis 24 Monate) keine Gehaltserhöhung mehr bekommen. Du bist aber nicht befördert worden und deine Aufgaben sind weitgehend gleichgeblieben.

Dann ist in den meisten Fällen eine Gehaltserhöhung von 3 bis 7 Prozent realistisch. Das klingt wahrscheinlich nicht besonders viel: vor allem, wenn man bedenkt, dass schon ungefähr 2 Prozent pro Jahr für die Inflation draufgehen. Umso wichtiger ist es, dass du regelmäßig neu verhandelst.

Tipp: Gehe selbstbewusst in das Gespräch und kommuniziere zuerst, dass du dir 10 Prozent mehr Gehalt wünschst. Das macht es wahrscheinlicher, dass ihr euch am Ende zumindest auf 5 bis 7 Prozent einigt.

Szenario 2: Beförderung (oder deutlich mehr Verantwortung)

Du wirst Teamleiter:in, übernimmst ein größeres Projekt oder steigst von der Fachkraft zur Führungskraft auf? Dann darfst du eindeutig mutiger sein. In diesem Fall ist eine Gehaltserhöhung von durchschnittlich 10 bis 15 Prozent absolut im Bereich des Möglichen.

Einige Beispiele:

  • Teamleitung übernommen: 10 bis 12 Prozent
  • Von Fachkraft zur Führungskraft: 12 bis 15 Prozent
  • Mit viel Verantwortung (Personal oder Budget): Teilweise über 20 Prozent möglich

Damit du eine solche Gehaltserhöhung verlangen kannst, muss die zusätzliche Verantwortung natürlich messbar sein. Ein fancy neuer Titel rechtfertigt allein leider noch keine 15 Prozent mehr Gehalt.

Tipp: Bei einer Beförderung erwarten deine Vorgesetzten ohnehin, dass du nach mehr Geld fragst. Starte also ruhig auch hier ein gutes Stück über der Gehaltserhöhung, die du dir eigentlich wünschst.

Szenario 3: Sonderfälle mit überdurchschnittlichen Chancen

Es gibt Situationen, in denen durchaus noch ein bisschen mehr drin ist. Im Alltag kommen diese Szenarien aber eher selten vor.

Einige Beispiele:

  • Du übernimmst zusätzlich die Arbeit eines ausgeschiedenen Kollegen
  • Du hast hochspezialisierte, sehr gefragte Skills oder eine zusätzliche Qualifikation erworben
  • Du hast außerordentliche Leistungen erbracht, die dem Unternehmen viel Geld bringen
  • Dein Einkommen liegt deutlich unter dem Marktdurchschnitt und kannst das belegen
  • Die Konkurrenz versucht, dich abzuwerben (am besten hast du ein konkretes Angebot)

In solchen Fällen sind 20 Prozent oder mehr durchaus möglich. Aber Achtung: Je mehr Gehalt du verlangst, desto besser solltest du dich auf die Gehaltsverhandlung vorbereiten. Wer viel fordert, sollte gute Argumente vorbringen können – am besten in Form von konkreten Fakten und Zahlen.

Berufserfahrung als Faktor bei der Gehaltsverhandlung

Ganz klar: Deine Erfahrung ist ein wichtiger Aspekt, wenn du eine Gehaltserhöhung verhandelst. In vielen Firmen ist es üblich, nach dem ersten Jahr der Betriebszugehörigkeit ein Gehaltsgespräch zu führen. Sofern deine Aufgaben gleich bleiben, kannst du bei guter Leistung durchaus 3 bis 7 Prozent mehr Geld fordern.

Generell ist es für eine Gehaltsverhandlung aber weniger wichtig, wie lange du im Unternehmen bist, als wie viel Erfahrung du insgesamt in deinem Job mitbringst. Als Berufseinsteiger:in kann es zum Beispiel sinnvoll sein, erst nach zwei bis drei Jahren in die Gehaltsverhandlung zu gehen: Einfach deshalb, weil das Unternehmen in den ersten Jahren ohnehin viel Zeit in dich investiert.

Das beste Argument ist deine Leistung

Ganz unabhängig von deiner Qualifikation und Berufserfahrung gilt: Deine Leistung ist der mit Abstand wichtigste Hebel, um eine ordentliche Gehaltserhöhung zu bekommen. Je konkreter du belegen kannst, welche Fortschritte das Unternehmen durch deine Arbeit erzielt hat, desto besser ist deine Verhandlungsposition.

Schlagende Argumente für Gehaltserhöhungen sind zum Beispiel:

  • „Ich habe den Umsatz im letzten Jahr um 15 Prozent gesteigert“
  • „Durch meine Prozessoptimierung sparen wir 50.000 Euro jährlich“
  • „Ich habe 12 wichtige Neukunden akquiriert“
  • „Die Bearbeitungszeit ist dank meiner Lösung um 25 Prozent gesunken“
  • „Mein Projekt wurde zwei Wochen vor der Deadline abgeschlossen“

Tipp: Leg dir eine Erfolgsmappe an. Sammle E-Mails mit Lob von Kund:innen oder Kolleg:innen, dokumentiere Zahlen und Projekterfolge und hefte Zertifikate von Workshops und Weiterbildungen ab. Wenn dann das Gehaltsgespräch kommt, hast du direkt alles griffbereit.

Unterschiede zwischen Branchen, Regionen und Unternehmen

Deine Qualifikation und Leistung sind aber nicht das einzige, was dein Gehalt beeinflusst. Die folgenden Aspekte solltest du ebenfalls im Hinterkopf behalten, wenn du überlegst, wie viel du bei der Gehaltserhöhung fordern kannst:

Unternehmensgröße:

  • Großunternehmen zahlen im Durchschnitt besser als kleinere Firmen
  • In kleinen und mittleren Unternehmen bist du dafür näher dran: Gehaltsverhandlungen sind dadurch oft flexibler und die individuelle Leistung zählt mehr

Branchen:

  • Top-Branchen wie Versicherung, Banken, IT und Beratung zahlen durchschnittlich die höchsten Gehälter
  • In Tourismus, Handwerk, Gesundheit & Pflege ist der Spielraum tendenziell geringer

Regionen:

  • München, Frankfurt und Hamburg zahlen historisch gesehen die besten Gehälter: Dafür sind auch die Lebenshaltungskosten höher
  • In Städten verdienst du meistens mehr als in ländlicheren Gegenden

Mit perfekter Vorbereitung zur Gehaltserhöhung

Du bist der Ansicht, dass du eindeutig mal wieder eine Gehaltserhöhung verdient hast? Sehr gut: Dann geht es jetzt in die konkrete Planung. Je gezielter du dich vorbereitest, desto besser stehen deine Chancen für einen überdurchschnittlichen Gehaltssprung.

Schritt 1: Deinen Marktwert ermitteln
Nutze den kununu Gehaltscheck und filtere nach deiner Branche und Berufserfahrung. So kannst du dein Gehalts mit Menschen vergleichen, die in einer ähnlichen Situation sind und weißt genau, ob du fair bezahlt wirst.

Schritt 2: Die Gesamtsituation analysieren
Wie läufts gerade wirtschaftlich für deinen Arbeitgeber und deine Abteilung? Wie lange ist deine letzte Gehaltserhöhung her?

Schritt 3: Eine Erfolgsmappe erstellen
Sammle alles, was deine Leistungen belegt: Aufgaben, Verantwortungen, Projektabschlüsse, Umsatzzahlen, Lob-Mails, Zertifikate. Je konkreter und messbarer, desto besser.

Schritt 4: Eine konkrete Zahl festlegen
Basierend auf deinem individuellen Szenario legst du dein Wunschgehalt (Jahresbrutto) fest und schlage ein paar Prozentpunkte drauf, um Verhandlungsspielraum zu haben. Wenn du aktuell 50.000 Euro verdienst und mindestens 53.000 Euro willst, könntest du zum Beispiel mit 55.000 Euro starten.

Schritt 5: Einen Plan B entwickeln
Bereite dich innerlich darauf darauf vor, dass dein Wunschgehalt vielleicht nicht sofort möglich ist. Für diesen Fall überlegst du dir am besten ein paar Alternativen: zum Beispiel mehr Homeoffice-Tage, ein Weiterbildungsbudget, zusätzliche Urlaubstage oder ein Zuschuss zum Fitnessstudio. Auch eine Art Staffelung ist denkbar: Falls dein Arbeitgeber dir im Moment nur 3 Prozent mehr zahlen kann, könntet ihr euch darauf einigen, dass du in einem halben Jahr noch einmal 3 Prozent mehr kriegst.

Schritt 6: Der richtige Zeitpunkt
Timing ist alles: Das gilt ganz besonders für die Forderung nach einer Gehaltserhöhung. Überleg dir, was ein guter Zeitpunkt wäre, um das Thema anzusprechen. Ideal sind zum Beispiel ein erfolgreicher Projektabschluss, eine gute Entwicklung der Unternehmenszahlen oder dein jährliches Mitarbeitergespräch.

Wenn die Vorgesetzten Nein sagen

Wenn dein:e Chef:in deine Forderung nach einer Gehaltserhöhung ablehnt, solltest du zuerst ruhig nach den genauen Gründen fragen. Je nachdem, wie die Antwort ausfällt, gehst du dann zu Plan B über:

  • Schlage alternative Benefits vor, um fehlendes Gehalt auszugleichen
  • Frage nach, welche Ziele du erreichen musst, um mehr Geld zu bekommen
  • Vereinbare einen Folgetermin für das nächste Gespräch, um Verbindlichkeit zu schaffen

Kommt man durch einen Jobwechsel zu mehr Geld?

Wenn sich trotz guter Leistungen nichts bewegt, ist ein Jobwechsel manchmal die beste Lösung. Rein finanziell gesehen zahlt sich das meistens aus: Die richtig großen Gehaltssprünge macht man leider oft nur, wenn man sich für einen neuen Arbeitgeber entscheidet. Eine McKinsey-Studie zeigte, dass Jobwechsler sich über bis zu 30 Prozent mehr Gehalt freuen können.

Natürlich sollte so ein Wechsel immer wohlüberlegt sein: Geld ist schließlich nicht alles. Überleg dir genau, was in deinem aktuellen Job gut (oder weniger gut) läuft, was dir besonders wichtig ist und wie du die Entwicklungsmöglichkeiten, Unternehmenskultur und Aufgaben im neuen Job einschätzt.

Fazit: Erfolgreich zur Gehaltserhöhung

Im Durchschnitt haben die deutschen Arbeitnehmer:innen im dritten Quartal 2025 etwa 4,9 Prozent mehr verdient als im Vorjahresquartal. Es gibt allerdings keine pauschale Antwort darauf, wie viel du bei der Gehaltserhöhung fordern kannst: Beeinflusst wird das unter anderem von der Branche, der Marktlage und natürlich von deiner Berufserfahrung, Leistung und Verantwortung.

Die wichtigsten Punkte:

  • 3 bis 7 Prozent sind der Richtwert für reguläre Anpassungen
  • 10 bis 15 Prozent sind bei Beförderungen und mehr Verantwortung drin
  • Mehr als 20 Prozent gibt es nur in bestimmten Sonderfällen
  • Beim Jobwechsel sind die größten Gehaltssprünge möglich
  • Messbare Erfolge sind dein stärkstes Argument
  • Kenne deinen Marktwert, dokumentiere deine Erfolge und bereite dich gut auf das Gespräch vor

Finde jetzt heraus, wie viel Geld dir zusteht: Nutze den kununu Gehaltscheck und vergleiche dein Gehalt mit dem, was andere verdienen: So gehst du perfekt vorbereitet in deine nächste Gehaltsverhandlung.