Gender Pay Gap bei der Branchenwahl
In diesen 3 Branchen bleibt Frauen derzeit das kleinste Gehalt
Gastronomie, Einkauf, Hotels/Beherbergung: Wer hier als Frau arbeitet, landet im Gehaltsranking in Deutschland ganz unten. Doch warum zahlen ausgerechnet diese Branchen so wenig? Und wie groß ist die Lücke zu den männlichen Kollegen?
Die 3 Durchschnittsgehälter im Überblick:
- Gastronomie: 35.323 € brutto pro Jahr
- Einkauf: 36.431 € brutto pro Jahr
- Hotels/Beherbergung: 38.665 € brutto pro Jahr
Gastronomie: Schichtarbeit für kleines Geld
Mit 35.323 Euro brutto im Jahr, also rund 2.944 Euro im Monat, bildet die Gastronomie das absolute Schlusslicht im Durchschnittsgehaltsranking für Frauen. Wer hier arbeitet, leistet oft Schichtdienst an Wochenenden und Feiertagen, steht unter hohem körperlichem Druck und hat selten Anspruch auf Homeoffice oder flexible Arbeitszeiten.
Warum zahlt die Branche trotz hoher Anforderungen so wenig? Tarifverträge gelten nicht flächendeckend, viele Stellen sind in Teilzeit oder auf Minijobbasis besetzt – und Frauen sind hier stark überrepräsentiert. Wer keine Vollzeitstelle hat, hat auch weniger Verhandlungsmacht beim Gehalt.
Zum Vergleich: Männer in der Gastronomie verdienen im Schnitt 40.105 Euro. Das sind rund 4.800 Euro mehr pro Jahr.
Einkauf: 11.300 Euro mehr für Männer
Im Einkauf verdienen Frauen durchschnittlich 36.431 Euro brutto jährlich, also rund 3.036 Euro im Monat.
Ein Grund dafür ist die interne Jobstruktur: Strategische Einkaufspositionen mit hoher Budgetverantwortung und entsprechend hohem Gehalt sind häufiger von Männern besetzt. Frauen arbeiten im Einkauf öfter in operativen oder koordinierenden Rollen, die deutlich schlechter entlohnt werden. Unbewusste Vorurteile bei Beförderungsentscheidungen verschärfen dieses Bild zusätzlich.
Auf den ersten Blick wirkt die Lücke zu Männern hier am dramatischsten: Männliche Kollegen kommen auf 47.766 Euro, also fast 11.300 Euro mehr pro Jahr. Das ist eine Differenz von fast 24 Prozent im Vergleich der Jahresgehälter alleine.
Hotels/Beherbergung: Lächeln inklusive, faire Bezahlung nicht?
Die Hotelbranche landet mit 38.665 Euro brutto pro Jahr (rund 3.222 Euro im Monat) auf dem dritten Platz von unten. Rezeptionistinnen, Housekeeping-Mitarbeiterinnen und Eventkoordinatorinnen tragen maßgeblich zum Gästeerlebnis bei, werden dafür aber kaum entlohnt.
Die Branche ist stark saisonabhängig, Tarifverträge sind die Ausnahme, und Führungspositionen; etwa als Hoteldirektorin oder Revenue Managerin, sind nach wie vor überwiegend männlich besetzt. Wer nicht in diese Rollen aufsteigt, bleibt im unteren Gehaltsbereich hängen.
Männer in Hotels und Beherbergung verdienen im Schnitt 41.904 Euro. Frauen werden damit um rund 8 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen in der gleichen Branche entlohnt.
Was uns die niedrigen Branchengehälter über die Lohnlücke verraten
Gastronomie, Einkauf und Hotels zeigen, dass schlechte Bezahlung für Frauen selten allein an der Branche liegt, sondern vielmehr daran, welche Positionen Frauen darin besetzen und wie diese bewertet werden. Traditionelle Unternehmensstrukturen ohne Kinderbetreuungsangebote, Benachteiligungen aufgrund von Lücken im Lebenslauf oder Teilzeitarbeit sind zentrale Gründe für die Lohnlücke. Solange sich daran nichts ändert, wird sie bestehen bleiben.
Alle Daten zu den besten und schlechtesten Branchen für Frauen und für Männer gibt es in diesem Artikel.