Sparkurs bei Swiss
Swiss baut ab und zahlt bis zu 68 % mehr als AUA und Lufthansa
Die Lufthansa-Tochter Swiss baut Personal ab und ihr CEO macht unter anderem die Personalkosten zum Thema. Ein Blick in die kununu-Gehaltsdaten zeigt, wie die Schweizer Airline im Konzernvergleich mit Lufthansa und Austrian Airlines tatsächlich dasteht.
Was die Lufthansa Tochter Swiss konkret plant
Swiss-Chef Jens Fehlinger hat in einem Interview mit der NZZ am Sonntag angekündigt, rund zehn Prozent der administrativen Stellen abzubauen – ohne betriebsbedingte Kündigungen, ausschließlich über freiwillige Abgänge. Wer unbezahlten Urlaub nimmt, erhält 20 Prozent des eingesparten Grundgehalts als Prämie. Insgesamt sollen bei Swiss zehn Prozent der Kosten abgebaut werden, „nur damit die Kostenstruktur gleich bleibe“, so Fehlinger.
Beim Kabinenpersonal hatte Swiss bereits zuvor angesetzt: Rund 140 Flugbegleiter:innen nahmen ein Freiwilligenprogramm mit einer Prämie von 15.000 Franken an. Das Bodenpersonal umfasst laut Unternehmensangaben insgesamt 3.432 Beschäftigte.
Die Gründe: teureres Kerosin, höhere Wartungskosten, Umweltabgaben und strukturell gestiegene Personalkosten. Hinzu kommen Triebwerksprobleme bei Pratt & Whitney, die Teile der A220, und A320neo-Flotten lahmlegen, weniger Flugstunden bei gleichbleibend hoher Personaldecke. Im Sommerflugplan 2026 muss Swiss 326 Flüge streichen, eine vollständige Reaktivierung der stillgelegten A220-100 ist laut airliners.de frühestens 2027 geplant.
Die 15.000-Franken-Frage
Doch wenn Personalkosten ein zentraler Hebel sind: Wie hoch sind die Gehälter bei Swiss eigentlich wirklich? Laut kununu liegt das durchschnittliche Bruttojahresgehalt einer Flugbegleiterin bei Swiss bei 47.700 CHF (69 Angaben, Stand 7. März 2026), monatlich rund 3.669 CHF bei 13 Löhnen.
Die 15.000-Franken-Prämie entspricht damit etwa vier Monatsgehältern, gemessen an gängigen Abfindungs-Faustregeln ein eher zurückhaltendes Angebot.
Der Konzernvergleich: Swiss vs. AUA vs. Lufthansa
Für den Konzernvergleich mit AUA und Lufthansa lohnt ein Blick auf zwei Rollen: das Kabinenpersonal, bei dem Swiss bereits Stellen abgebaut hat, und Projektmanager:innen als gängige Bürorolle, die bei allen drei Airlines vergleichbar besetzt ist.
Flugbegleiter:in (Bruttojahresgehalt):
- Swiss: 47.700 CHF
- AUA: 34.400 Euro
- Lufthansa: 41.900 Euro
Projektmanager:in (Bruttojahresgehalt):
- Swiss: 111.700 CHF
- AUA: 66.500 Euro
- Lufthansa: 75.900 Euro
Der Konzernvergleich zeigt deutliche Unterschiede: Swiss zahlt sowohl in der Kabine als auch in der Verwaltung nominal spürbar mehr als AUA und Lufthansa.
Der Gehaltsvorsprung von Swiss im Überblick:
- Projektmanager:in: rund 55 % über Lufthansa, ca. 68 % über AUA
- Flugbegleiter:in: rund 20 % über Lufthansa, ca. 46 % über AUA
Besonders auffällig ist der Abstand in der Verwaltung. Damit lässt sich Fehlingers Aussage zu „strukturell höheren Personalkosten“ anhand der Daten gut nachvollziehen.
Allerdings muss der Vergleich relativiert werden: Das allgemeine Schweizer Lohnniveau liegt deutlich über dem österreichischen oder deutschen, und Zürich zählt zu den teuersten Städten Europas. Wer dort lebt, gibt für Miete, Krankenversicherung und Lebenshaltung einen erheblich höheren Anteil seines Einkommens aus als in Wien oder Frankfurt. Kaufkraftbereinigt fällt der Gehaltsvorsprung der Swiss-Beschäftigten deutlich kleiner aus, als die nominalen Zahlen vermuten lassen.
Klar bleibt aber: Aus Sicht des Lufthansa-Konzerns sind die Swiss-Gehälter ein relevanter Kostenfaktor und genau dort setzt das aktuelle Sparprogramm an.
Was bedeutet das für Mitarbeitende?
Für die rund 3.400 Bodenmitarbeitenden der Swiss bleibt zunächst eine zentrale Frage offen: Wie viele werden das Freiwilligenangebot annehmen und was passiert, wenn nicht genug zusammenkommen? Fehlinger schließt betriebsbedingte Kündigungen aktuell aus, doch der Druck auf die Verwaltung dürfte anhalten. Die Reaktivierung der stillgelegten A220-100 ist frühestens 2027 vorgesehen und so lange bleibt die operative Lage angespannt.
Der Sparkurs ist dabei kein Swiss-Solo: Die Lufthansa Group hat Mitte April 2026 einen Einstellungsstopp angekündigt und will im Mutterkonzern 20 Prozent in der Administration einsparen.
Wer in der Branche arbeitet oder dort einsteigen will, sollte den Gehaltsvergleich zwischen den Konzerntöchtern also genau im Blick behalten, denn der Druck dürfte vorerst nicht nachlassen.